Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die Vergangenheit lässt mich nicht los



Foto: AW

"Die Vergangenheit lässt mich nicht los!"
Wie oft ich das höre.
Ist das wahr? Oder ist es nicht so, dass wir selbst die Vergangenheit nicht loslassen, sie nicht sein lassen?
Viele Menschen lassen ihre alte Geschichte nicht los. Sie dient als Rechtfertigung dafür wie es jetzt ist. Sie halten so verbissen daran fest, als würde sie zurückkehren wenn sie schön war oder besser werden, wenn sie unschön war. Dabei sind wir freie Menschen. Wir können entscheiden uns Neuem zuzuwenden, neue Dinge auszuprobieren, neue Erfahrungen zu machen mit neuen Begegnungen und anderen Erlebnissen. Wir können das, auch wenn wir Ungutes erlebt haben. 

Das Leben ist Veränderung. Wichtig ist der Veränderung gegenüber offen zu sein.
Unsere Geschichte verändert sich nicht, indem wir sie uns selbst immer und anderen immer wieder erzählen. Aber unser Gehirn ist formbar bis ins hohe Alter. Auch wenn die wesentlichen Prägungen in der Kindheit entstehen und sich verfestigen, hat unser Gehirn die Fähigkeit Neues zu lernen. Wir müssen nicht der Sklave unserer Vergangenheit bleiben, die dann unsere Gegenwart dominiert.
Die Gegenwart verändert sich, indem wir neue Gedanken und Erlebnisse zulassen. Das Leben spielt sich im Jetzt ab.

Wenn du wieder einmal in der Vergangenheit hängen bleibst, könntest du die Gegenwart dagegensetzen.
Das kannst du für dich selbst tun!

Sonntag, 15. Oktober 2017

Das Leid ist so groß wie die Schultern, die es tragen müssen





In der Psychologie gibt es die sogenannte Salutogenese. Entwickelt wurde sie von dem jüdischen Psychologen Antonovsky während der Behandlung der Opfer des Holocaust. Er stellte fest, dass obwohl alle die gleichen schrecklichen Erfahrungen machen mussten, manche stärker und andere seelisch zerstört waren. Gleiches entdeckte der Arzt und Psychiater Viktor Frankl, der das KZ überlebte und aufgrund seiner Erfahrungen die Logotherapie entwickelte. Heute sprechen wir von Resilienz, wenn Menschen auch angesichts des Schrecklichen, das ihnen widerfährt, nicht zerbrechen.

Das alles sind Konstruktionen die dabei helfen sollen zu verstehen warum manche von uns stärker werden und andere schwächer, ob der Leiderfahrungen, die uns alle im Leben treffen. „Das Leid ist so groß, wie die Schultern die es tragen müssen“. Ein Satz der zu oben Erwähntem passt und es für mich ganz gut runterbricht auf wenige Worte.

Was dem einen den Lebensmut und die Kraft raubt, ist für den anderen Antrieb weiterzumachen, trotzdem. 

Für mich ist es genau dieses „Trotzdem“ was Menschen nicht aufgeben lässt. Dem was ist ins Auge blicken und ihm trotzen, indem man weitergeht, obwohl es ein verdammt schweres Gehen ist. Dieses Trotzdem ist kein Trotz, der sich in Widerstand zeigt, es ist etwas völlig anderes. Wer ein Trotzdem hat, hat eine entscheidende innere Ressource, die ihn nährt, auch wenn er im tiefsten Tal wandelt und die dunkle Nacht der Seele kein Ende zu haben scheint. Diese Ressource ist die innere Sicherheit die Fähigkeit zu besitzen Krisen und Leiderfahrungen bewältigen zu können. Was dieser Mensch weiß  und annimmt ist, dass Leben eben auch Leid bedeutet und alles was ihm widerfährt Anreiz zum seelischen Wachstum sein kann, wenn er es denn dazu nutzt.

Ein solcher Mensch ist das Gegenteil eines verwöhnten Menschen. Er ist nicht wie der verwöhnte Mensch der Auffassung, das Leben muss immer schön lieb und gut zu ihm sein, weil er unbewusst der infantilen Haltung anhaftet, er habe es verdient. Wir haben nichts verdient, weder das ewige Glück, noch das ewige Leid und Schmerz und Verluste schon gar nicht. Es geht nicht ums Verdienen. Es geht darum zu begreifen, dass das Leben voll ist von Möglichkeiten, und alle, aber auch alle, können uns ereilen. Es gibt Zufälle, es gibt ein Schicksal und es gibt Fehler und Fehlentscheidungen, die wir auf unserem Lebensweg machen, und dieses ganze Konglomerat und noch viel mehr, beeinflusst unser Leben. Mit verdienen hat das absolut nichts zu tun. Das Leben, auch wenn Verfechter des positiven Denkens oder Bücher wie „The Secret,“ uns glauben machen wollen, es sei allein das Konstrukt unserer Gedanken, ist nicht,s was wir absolut in der Hand haben. Sie irren auch wenn sie uns glauben machen wollen, wer gut ist, dem widerfährt nur Gutes oder wer liebt, dem widerfährt nur Liebe. So ist es nicht, sagt die Erfahrung von Millionen Menschen auf diesem Globus.

Wer glaubt, er sei der alleinige Schöpfer seines Lebens blendet aus, was er nicht sehen will, weil es seine Allmachtsfantasie aufs Empfindlichste stört: Leben geschieht und wir haben die Wahl wie wir auf das, was geschieht antworten. Und jede Antwort ist für den, der sie gibt, erst einmal richtig, richtig im Sinne seines Selbstverständnisses, seiner Erfahrungen, seiner Konditionierungen, seiner Überzeugungen und Glaubensmuster, seiner Resilienz und seiner Fähigkeit „trotzdem ja zum Leben zum sagen“, wie es Frankl in seinem gleichnamigen Buch nennt. Dieses Ja zu dem was ist, ist entscheidend um aus dem, was ist, das für uns zu gestalten, was uns hilft weiter zu gehen auf unserem Lebensweg.

Was aber wenn das Leid zu groß ist für die Schultern, die es tragen müssen?
Wenn Menschen ihr Leben von Kindheit an als brüchig und unsicher erfahren, fühlen sie sich mitunter ein Leben lang als würden sie auf unsicherem Boden gehen. Sie haben kein Vertrauen in sich und kein Vertrauen in Welt. Sie haben es schwer ihr Leben zu gestalten und fühlen sich als Opfer der Umstände. Sie kennen Gefühle von Unsicherheit und Hilflosigkeit, aber haben wenig Zugang zu Gefühlen wie Freude, Zuversicht und Leichtigkeit. Meine Erfahrung ist: Hilft man diesen Menschen ihre Biografie im Rückblick zu verstehen, finden sie oft doch noch einen Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu gestalten, trotzdem es nicht so ist, wie sie es gern hätten. Vorausgesetzt da ist ein Wille es zu tun. Und kann ich es alleine nicht, dann kann ich mir Hilfe holen.

Namaste Ihr Lieben

Samstag, 14. Oktober 2017

Vom weiblichen Selbstwert




Der Selbstwert eines Menschen steigt in der Regel im Laufe des Lebens an. Bei Frauen ist dieses Gefühl für den eigenen Wert allerdings meist niedriger als bei Männern, das ergaben psychologische Studien. Viele Frauen reflektieren die Fragen - "Wer bin ich?" und "Was kann ich?"zu wenig. Sich selbst nicht bewusst wahrzunehmen, nicht zu wissen, wo die eigenen Stärken und Schwächen, die versteckten Potentiale und Fähigkeiten liegen, führt zu einem unausgereiften Selbstkonzept und in der Folge zu einem wenig positiv besetzten Selbstbild.

"In der Regel verbirgt sich hinter der prächtigen äußeren Fassade ein emotional verwahrlostes, verzweifeltes Kind, das nach Anerkennung seiner wahren Identität hungert. Die Entdeckung des "wahren" Selbst ist der Ausgangspunkt der Genesung und erfordert eine geduldige, behutsame Pflege des "inneren Kindes", schreibt die Psychologin Bärbel Wradetzky. Sie spricht aus Erfahrung. In Gesprächen mit Frauen beobachte auch ich des Öfteren, dass kein oder nur sehr wenig stabiles Selbstwertgefühl vorhanden ist. Viele Frauen zeigen zwar nach Außen eine starke und selbstbewusste Fassade, dahinter versteckt sich jedoch ein unsicheres, verletztes und sich minderwertig fühlendes Mädchen.

Durch Perfektionismus, besondere Leistungen, einen hohen Anspruch an sich selbst und körperliche Attraktivität versuchen diese Frauen einem Idealbild zu entsprechen, welches das Außen ihrer Meinung nach von ihnen erwartet. Über die Zeit hinweg bedeutet das eine unglaubliche körperliche, geistige und seelische Anstrengung. Diese vermeintlich starken Frauen sind durch Kritik und Zurückweisung sehr schnell zu verunsichern. Die Selbsteinschätzung kippt beim kleinsten Angriff unmittelbar von "ich bin stark, gut und toll“ in ein Gefühl von Minderwertigkeit und endet in dem vernichtenden Glauben nicht wertvoll und nicht liebenswert zu sein. Ein Schwanken zwischen Höhen und Tiefen bestimmt so das Leben. Die innere Balance ist ebenso fragil wie das äußere Bild, das mit zunehmendem Alter, unverwirklichten Träumen und Zielen zu bröckeln beginnt. Diesen Frauen gelingt es nur schwer oder kaum, sich über einen längeren Zeitraum gut und lebendig zu fühlen. Die Folgen dieser inneren Disbalance sind u.a. Depressionen, Burn Out oder Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie. Die Ursache aber ist immer ein fragiles, falsches oder ein in der Kindheit zerstörtes Selbstbild.

Es ist nicht neu, dass Frauen ihr Licht häufig unter den Scheffel stellen, während sich Männer eher überschätzen. Beide Einstellungen entfernen den Menschen von seiner inneren Realität.
Trotz Emanzipation und finanzieller Unabhängigkeit gibt es noch heute intelligente, autonome Frauen, die sich dem Dominanzanspruch des Mannes unterwerfen, sobald sie eine Partnerschaft eingehen. Die Mutter, die meist zeitlebens abhängig war und vergeblich nach Anerkennung gedürstet hat, vermittelt und lebt vor - eine gute Frau soll dem Manne dienen. Dies und das Erfüllenmüssen notwendig geglaubter erotischer Stimulans für den Mann, fungieren unbewusst als eine Art Gegenleistung für Versorgung und männlichen Schutz.

Durch diese verinnerlichten Glaubensätze des vom Patriarchat gewollten kollektiven Bildes von Weiblichkeit befinden sich das weibliche Selbstbewusstsein und die innere Autonomie der Frau in einer bedenklichen Schieflage. „Die Frau sei dem Mann untertan ...“ (Eph 5,22 ff). lautet einer von vielen Frauen verachtenden Texten in der Bibel.

Gerade in der Begegnung mit dem Mann wird die vermeintlich starke Frau schwach.

Hier leben archetypische Muster auf und führen ihr Eigenleben. Frauen spüren intuitiv, dass sich der Mann nur dann stark fühlen kann, wenn sie sich schwach zeigen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Die Erfahrung zeigt zudem - sobald Frauen selbstbewusst auftreten, gefährden sie das Selbstbewusstsein des Mannes. Sie greifen seine Überlegenheitsfantasien an, gelten als unweiblich, zickig oder streitlustig, haben "Haare auf den Zähnen".

Neben allen kollektiven Aspekten und Einflüssen auf das Frausein tragen mangelnde Anerkennung durch den Vater oder die Mutter zu einem weiblichen Selbstkonzept der Wertlosigkeit bei. Ganz zu schweigen von kindlichen Missbraucherfahrungen, egal ob sexueller oder emotionaler Art. Missbrauch zerstört lebenslang das Gefühl des eigenen Wertes, er ist die Vernichtung des ganzen Seins. Eine solche Erfahrung führt zu Schuldgefühlen, dem Gefühl von Schlechtigkeit, Scham und Selbstverachtung. Missbrauch macht Frauen zum lebenslangen Opfer wenn er nicht verarbeitet wird. Diese Opferhaltung drückt sich später vor allem in intimen Beziehungen aus und ist der Nährboden für Probleme in der Partnerschaft. Einerseits ist da die Angst, nicht als Mensch in der eigenen Ganzheit geliebt zu werden, andererseits die Angst, wieder von einem geliebten Menschen benutzt, verletzt oder verlassen zu werden, was paradoxerweise zum Klammern an den Partner führen kann. Eine Nähe, die sucht, was ihr eigentlich Angst macht.

Besonders Frauen, die sich mit ihrer Geschichte nicht auseinandergesetzt haben und immer funktioniert haben, um den äußeren Schein zu wahren und zu bedienen, suchen in einer Art Wiederholungszwang immer wieder Männer, die das Defizit eines gesunden Selbstwertgefühls noch verstärken.

Für einen gesunden Selbstwert aber ist es entscheidend, sich ein liebevolles, anerkennendes und unterstützendes Umfeld bewusst und vor allem selbst wählen zu können, das einen bestärkt, man selbst zu sein und es sein zu dürfen. Also auch schwach sein zu dürfen, vor sich selbst und anderen.
Wer um seinen Wert weiß, ist nicht auf die Bestätigung durch andere angewiesen. Er brennt im Job nicht aus, er ist autonom, er ist auf Augenhöhe mit dem Partner, und lebt unabhängig von guten Ratschlägen seiner eigene Wahrheit und seiner Werte entsprechend.

Der Weg zu einem gesunden Selbstwert ist die Selbstreflexion. Ziel des Weges ist es, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich damit aus der Opferrolle zu bewegen. Dazu gehört, die Ursachen für mangelndes Selbstwertgefühl zu analysieren. Und es gehört dazu, sich selbst zu beobachten und dann Schritt für Schritt alte Verhaltensmuster und innere Überzeugungen zu verändern. Der Weg zum eigenen Selbstbewusstsein hat immer auch einen philosophisch-spirituellen Aspekt. Es geht darum, sich des eigenen Wertes bewusst zu werden, sich selbst kennen zu lernen und sich anzunehmen, mit der eigenen Biografie, die uns zu der Frau macht, die wir sind. Es geht um Persönlichkeitsaufbau und um Authentizität, was nichts anderes bedeutet als dass Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen. Es geht darum, die Maske abzulegen, der eigenen Angst und Schwäche zu begegnen, sie anzuschauen und trotzdem zu handeln. Es geht darum ja zu sich selbst zu sagen, ja zum eigenen Wert. Es geht um das Spüren der eigenen Kraft und Würde.

Freitag, 13. Oktober 2017

Friedlich SEIN



Foto: AW

ich möchte sein wie ein baum
wurzeln schlagen
fest in der erde
und den himmel berühren
und sicher in meines stammes mitte
und gelassen
auch wenn ein sturm mich ins wanken bringt
friedlich SEIN
wie ein baum

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins



Foto: A. Wende

Selbstmitgefühl hilft uns dabei wohlwollend, sanft und freundlich mit uns selbst umzugehen. Das geschieht nicht einfach so von heute auf morgen. Es ist eine Sache des Wollens und der Übung. Dabei geht darum innerlich mehr und mehr eine Haltung des Wohlwollens uns selbst gegenüber zu kultivieren. Es geht darum uns gut zu behandeln, besonders auch dann, wenn wir uns nicht gut fühlen.

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins.
Ich erlebe immer wieder bei Klienten, dass sie sich diese Wertschätzung selbst nicht geben können. Sie beschimpfen sich, sie reden hart und kritisch oder sogar verurteilend mit sich selbst und sind sich dessen oft nicht einmal bewusst. 

Innere Überzeugungen wie: "Ich bin nicht ok", "ich bin nicht wertvoll", nicht liebenswert genug" und tief vergrabene Gefühle wie Schuld und Scham, führen dazu, dass wir mit uns selbst nicht wohlwollend sprechen und demzufolge auch nicht wohlwollend mit uns umgehen. Und weil das schon so lange so ist, fällt es sehr schwer, dass auf einmal zu ändern.

Diese Überzeugungen und Einbildungen sind meist alt, oft so alt wie wir selbst. Sie haben es sich in unserem Hirn gemütlich gemacht. Von dort aus beherrschen sie unser Denken, unsere Gefühle und unser Handeln und machen es uns mit uns selbst ungemütlich. Sie sind zur Gewohnheit geworden. Und das kommt dann auch oft als Antwort: "Ich kenne das nicht anders. Ich bin eben so, ich mag mich nicht sonderlich. Mich selbst lieben, wie soll ich das denn machen?"

Ich spüre Widerstand. Aber genau dort wo der Widerstand ist ist der Anfang des Weges. Es ist von großer Wichtigkeit diesen inneren Widerstand zu erkennen und ihn zu benennen. Ohne ihn zu kennen wissen wir nicht wie wir das durch ihn entstandene Hindernis überwinden können.

Was, könntest du dich heute fragen, ist das Hindernis, das mich davon abhält sanft, freundlich und wohlwollend mit mir selbst umzugehen?

Namaste Ihr Lieben

Montag, 9. Oktober 2017

Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis.



Kunst: Malte Lück

Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, mit Ungeliebten vereint sein, von Geliebten getrennt sein, nicht erreichen, was man begehrt – all das ist Leiden. Der Mensch leidet, weil er Dinge zu besitzen und zu behalten begehrt, die ihrer Natur nach vergänglich sind.

Diese Worte sind von Buddha

Nun sind es Worte und Worte helfen denen, die leiden, nur wenig. Ich weiß das aus Erfahrung, auch ich habe gelitten, noch heute gibt es Dinge an denen ich leide und es kommen immer wieder Situationen in meinem Leben, unter denen ich leide und leiden werde. Und es sind genau diese Dinge von denen Buddha spricht, die mich leiden machen. Ich weiß längst, Leid und Schmerz gehören zum Leben. Man kann dies nicht verhindern, Leid ereilt uns weil wir leben. Leben ist auch Leiden. Und damit könnte ich hier einen Punkt setzen.

Ist mir damit geholfen? Ist irgend jemand damit geholfen? Ja, mir ist damit geholfen. Weil ich weiß, dass mein Anspruch an das Leben, dem was Leben ist, nicht gerecht wird. Ich lebe, also muss ich das Ganze (an) nehmen. Ich kann mir nicht nur die schönen Seiten aussuchen, ich muss nehmen was kommt und ich muss lernen damit zu leben und damit umzugehen, ich habe keine andere Wahl.

Leid lässt sich nicht wegmachen, nicht ignorieren und nicht in Freude verwandeln. Es lässt sich nur annnehmen. Traurig aber die Wahrheit. Das Leben beinhaltet eben auch traurige Wahrheiten.

Es gibt Menschen, die sich diesen traurigen Wahrheiten beharrlich zu entziehen versuchen. Sie finden Möglichkeiten und Wege um dem Leid aus dem Weg zu gehen. Sie ignorieren es, sie besaufen sich, sie nehmen Drogen, sie lenken sich ab, sie beschimpfen und verdammen es oder sie kapitulieren vor ihrem Leid. Sie geben sich auf. Sie verdammen das Leben, das es ihrer Ansicht nach nicht gut mit ihnen meint. Wie unzufriedene Kinder, die nicht bekommen was sie wollen, schimpfen, jammern und wüten sie gegen das an, was das Leben ihnen nicht geben will: Dauertüchtiges Glück. Diese Menschen haben das Leben nicht verstanden, sie wollen es auch gar nicht verstehen, sie wollen das, was sie meinen verdient zu haben und bekommen sie es nicht, ist das Leben gemein und grausam, im schlimmsten Falle nicht mehr lebenswert. Der Hass und die Enttäuschung über das gemeine Leben kann sogar soweit gehen, dass Menschen beschließen sich das Leben zu nehmen.

Ich kann sie verstehen. Ich kann verstehen, dass ein Mensch an einen Punkt kommt an dem er nicht mehr weitermachen will, weil der Schmerz, die Last, die Müdigkeit so groß ist, dass seine Seele es nicht mehr schafft. Ich kann verstehen, dass sich Menschen, wenn sie überhaupt keine Lösungsmöglichkeiten für Ihre Nöte und Sorgen sehen können, beschließen, sich aus ihrer Not zu befreien indem sie den Tod wählen. Ich kann verstehen, dass das Gefühl des Scheiterns und der Sinnlosigkeit, die Einsamkeit und die Resignation so groß und übermächtig werden, dass da nur noch Verzweiflung ist. Ich weiß, dass die Verzweiflung der schlimmste Affekt ist. Aus ihr finden wir alleine keinen Ausweg mehr. Manchmal ist die Verzweiflung so groß, dass nicht einmal mehr Hilfe angenommen werden kann. Die Seele hat aufgegeben. Das ist bitter. Das ist das Traurigste was einem Menschen widerfahren kann.

Jeder entscheidet für sich, jeder ist für sich selbst verantwortlich und damit ist er auch der Einzige, der entscheidet, ob er sein Leben beendet, wenn er es nicht mehr aushalten kann.
Aber was ist mit denen, die er zurücklässt?
Was ist mit denen, die ihn lieben und deren Liebe nicht mehr den geringsten Wert hat für den, der sein Leben nicht mehr leben will? Weil er die Liebe nicht mehr spüren kann. Weil er innen tot ist.
Sie müssen erkennen: Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis. Auch das musste ich in meinem Leben erfahren. Liebe, die nicht genommen werden kann, richtet nichts aus. Hilfe, die nicht genommen werden kann ist vergeblich. Auch das ist eine Wahrheit, die schwer anzunehmen ist.
Und was fangen wir damit an?
Wir haben die Wahl. Wir könnten sagen: Ja, so ist es und es akzeptieren oder wir können uns wehren gegen das was ist. Was dann? Dann leiden wir.

Wir haben keine Macht über andere Menschen.
Wir haben also auch nicht die Macht einen Menschen, der sein Leben beenden will, davon abzuhalten. Und nein, es ist nicht unsere Schuld, dass wir es nicht vermögen. Es ist seine Entscheidung. Eine Entscheidung, die ihn in seinen Augen erlöst und uns Schmerz zufügt. Aber dieser Schmerz ist geboren aus Egoismus. Wir wollen nicht leiden unter seiner Entscheidung. Das zu erkennen tut weh, genauso weh wie es weh tut, dass ein Mensch, den wir lieben, sich aufgibt. Manchmal im Leben müssen wir erkennen, dass uns nichts bleibt als die Ohnmacht. Und das erfordert Demut. Eine der schwersten Übungen in diesem vergänglichen Leben.

Namaste 






Mittwoch, 4. Oktober 2017

Worauf es ankommt


Installation in der Bonifaziuskirche Wiesbaden von Malte Lück

jeder mensch hat licht und schatten. jeder. entscheidend ist, ob er sich dessen bewusst ist und was er mit den sich widerstrebenden inneren anteilen anfängt. welche er füttert und welche er in seinem leben und in seinen beziehungen auslebt. ich kenne menschen, die schwere fehler gemacht haben und aus diesen fehlern heraus zu einem menschen geworden sind, der für andere da ist, der anderen hilfe und liebe geben kann, aus tiefstem herzen. das macht die fehler nicht ungeschehen, aber sie haben einen sinn, der über das eigene hinauswirkt. und darauf kommt es meines erachtens an: nicht darauf, dass wir unserem egoismus frönen oder aufgrund unserer fehler voller scham und schuld verbittern, sondern darauf, was wir in die welt an sinnvollem hineingeben.

Samstag, 30. September 2017

Der innere Widerstand



Foto AW

In manche Ziele fließt weniger Energie als in den Widerstand ihrer Erfüllung.
Warum ist das so? Warum reden und träumen Menschen von ihren Zielen und tun nichts dafür oder nicht genug um sie zu erreichen? Die Gründe sind vielfältig, sie beginnen dort wo wir nicht fähig sind an uns selbst zu glauben, über die Angst die vertraute Komfortzone zu verlassen bis hin zu einer Resignation, derer wir uns gar nicht bewusst sind, oder schlicht und einfach weil wir zu bequem und zu wenig diszipliniert sind um das, was wir erreichen wollen auch in Handlung umzusetzen.
All das und mehr führt zu einem inneren Widerstand, einem Hindernis, das dazu führt, dass statt dem kontinuierlichen Tun und der Arbeit, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind, ein Gefühl der Sehnsucht bleibt. Sehnsucht, dieses köstliche Gefühl aus einer Mischung von Erfüllung und Mangel kann durchaus erfüllen, wenn unsere Träume und Ziele unerfüllt bleiben.

Wer wenig oder keine Energie in sein Ziel gibt, wer sehnt anstatt zu handeln, schützt sich vor Enttäuschungen. Wer nicht wagt, kann also nicht nur nicht gewinnen, er kann auch nocht verlieren. Was ihm bleibt ist das tröstliche: "Ich könnte ja, wenn ich wollte", und das fühlt sich für viele besser an als der Gedanke mit dem zielgerichteten Wollen eventuell zu scheitern. Die Angst zu scheitern ist ein großes Hindernis, dessen sich viele Menschen nicht bewusst sind. Was wenn wir scheitern? Dann sind wir ungenügend, nicht gut genug, unfähig, wettert der innere Kritiker. Und wer sind wir dann vor uns selbst und in den Augen der Anderen?

Widerstand ist eine Art Selbstschutz. Er verhindert, dass wir etwas tun, von dem wir nicht wissen wie es wird oder wie es ausgeht. Und damit bremst er uns aus, verhindert Entwicklung und Wachstum. Das ist sein einer Pol. Aber alles hat zwei Pole, auch der Widerstand. Manchmal bewahrt er uns davor etwas aufzugeben, was vielleicht besser für uns ist, als wir es meinen oder er bewahrt uns davor ein Risiko einzugehen, das einen zu hohen Preis hat.

Bevor wir also Energie in ein Ziel geben macht es Sinn zu fragen: Warum will ich genau das erreichen? Was sind meine Motive?

Unsicherheiten, was unsere Ziele angeht, bedeuten immer, es fehlt der echte innere Drang. Wer diesen besitzt wird losgehen, trotz der Hindernisse die ihm auf seinem Weg begegnen können. Wer ein Herzensziel hat, spürt keinen Widerstand.

Mittwoch, 27. September 2017

Auf dem Boden der inneren Leere liegt die Lösung

Foto: AW

Immer wieder kommen Menschen zu mir, die unter einem Gefühl der inneren Leere leiden. Sie haben von Außen betrachtet alles was ihrem Leben Fülle schenkt, eine gesunde Familie, einen Partner, einen erfolgreichen Job, genug Geld und manche haben alles sogar im Überfluss. Und dann wieder gibt es Menschen, die nichts von alledem haben und dennoch diese innere Leere verspüren. Sich innen leer fühlen hat also nichts mit dem zu tun, was wir haben. Es hat mit unserem Sein zu tun, damit wer wir sind, sprich wie wir uns mit und in uns selbst fühlen.
Menschen die sich innerlich leer fühlen, fehlt häufig der Zugang zu genau diesem Gefühl. Sie spüren sich nicht. Wenn ich sie frage: "Wie fühlt sich diese Leere an?", kommen oft Antworten wie „blöd“ „schlecht“ oder ein: „Ich weiß es nicht, leer halt.“ „Blöd“, „leer“ und „ich weiß es nicht“ sind keine Gefühle. Es sind Beschreibungen eines Zustandes. Und meist kommen diese Beschreibungen aus dem Kopf und nicht von dort her wo der Zustand herrscht und von wo aus er etwas auslöst – die Leere nämlich.

Das Gefühl der inneren Leere kann sich wie eine Lücke oder ein schwarzes Loch anfühlen, das alles in sich einsaugt und verschluckt. Es kann sich wie eine tiefe Sehnsucht anfühlen, die namenlos ist. Es kann sich wie ein sich Auflösen anfühlen oder wie eine große Angst. Es kann sich wie eine tiefe Trauer anfühlen, die keinen Trost findet. Es kann auch eine ohnmächtige Wut sein, die keinen Ausdruck findet. Das und mehr liegt am Boden des Loches, das das Gefühl des Leer seins covert, weil derart existentielle Gefühle oft abgespalten werden, damit sie uns nicht überfluten.

Ungute starke Gefühle sind für uns Menschen schwer auszuhalten. Und weil viele Menschen sie nicht auszuhalten glauben tun sie das Nächstliegende: Sie versuchen das Loch zu stopfen. Übermäßiges Essen, Alkohol, Drogen, Menschen, Beziehungen, ständig in Aktion sein, arbeiten bis zum Umfallen, feiern, Geld ausgeben, exzessiver Sex, Dinge kaufen - all das sind Versuche diese Leere und die Gefühle, die auf ihrem Grund ruhen, zu vertreiben. Es sind untaugliche Versuche mit und an den untauglichen Objekten. Denn dass diese Versuche nicht hilfreich sind, zeigt sich daran, dass sie ständig wiederholt werden müssen und immer zum gleichen Ergebnis führen: Die Leere lässt sich nicht wegkonsumieren, wie exzessiv man es auch betreiben möge.
Auch hier gilt: An den Symptomen herumdoktern heilt nicht die Ursache.

Auf dem Grund dieses Loches ist ein Boden. Auf dem Grund dieses Loches liegt die Ursache, welche die zu diesem Gefühl der Leere führt. Leere ist immer ein Zustand des Mangels. Der gefühlte Mangel also ist der Urgrund der Leere. Dieser Mangel hat viele Gesichter. Es kann der Mangel an Liebe sein, an Wertschätzung, an Anerkennung, an Aufmerksamkeit, an Zuwendung, an Trost, an Lebensfreude u.v.m. Jeder der diese leere kennt leidet unter einem Mangel besonders. Auch ich kenne dieses Gefühl gut und ich weiß, es ist kein schlechtes Gefühl. Es ist ein ehrliches Gefühl, ein nach Oben drängendes Gefühl, das uns als Wegweiser dienen kann unseren Mangel zu erkennen, ihn uns genau anzuschauen und herauszufinden wie alt er ist und auf welches Bedürfnis er verweist. Meist ist dieses Bedürfnis so alt wie wir selbst.

Vielleicht haben wir als Kind nicht die Liebe bekommen, die wir gebraucht haben oder wir wurden ständig übersehen, nicht ernst genommen, nicht gelobt oder gar kritisiert. Vielleicht hat man uns vermittelt, dass wir ein schlechtes Kind sind oder wir wurden emotional und/oder körperlich missbraucht. Besonders Opfer von Missbrauch sprechen häufig vom Gefühl von innerer Leere. Hier hat dieses "sich leer fühlen" die Abwehrfunktion, Gefühle von Schuld und Scham abzuspalten.
Der Hauptgrund des sich leer fühlens liegt also häufig in einem Mangel an Liebe, Halt und Zuneigung zu einem Zeitpunkt in unserem Leben als dies am Nötigsten gebraucht hätten.

Wie aber überwindet man nun diese innere Leere?
Man könnte sich auf die Reise in die Vergangenheit begeben. Man könnte für sich herausfinden, was genau es ist, das diese Leere erschaffen hat. Wenn wir den Urgrund identifizieren können, können wir uns daran machen alte Wunden zu erkennen, sie anzuerkennen und sie zu versorgen, damit sie weniger schmerzen. Vorrausetzung dafür aber ist - und das ist aus meiner Erfahrung das Wesentliche: Der Mut durch einen Schmerz zu gehen, von dem wir glauben nicht aushalten zu können. Der Mut die Angst zu überwinden, die uns von uns selbst trennt und dem was wir wirklich suchen und brauchen.Die Erfahrung sagt: Das sind wir selbst, in all dem was uns ausmacht. Für mich ist es den Mut wert den Schmerz auszuhalten. Er wird sich auflösen, aber nicht, wenn wir ihn ein Leben lang unterdrücken, sondern nur dann, wenn wir ihn endlich herausfließen lassen.

Angelika Wende

www.wende-praxis.de

Montag, 25. September 2017

Lasst Euer Licht leuchten!




Es ist eingetreten, was viele von uns befürchtet und andere gehofft haben: Eine radikale rechte Partei wird ins Parlament einziehen. Vielen von uns macht das Angst. Es ist die Angst, die auf dem gründet, was unser Land glaubte überwunden zu haben - den Schrecken und die Schuld des Nationalsozialismus. "Wir werden Merkel jagen" postuliert einer dieser Rechten und erinnert mit dieser Wortwahl an jene unheilige Zeiten, in denen Menschen Menschen jagten um sie zu vernichten. Ja, da kann es einen gruseln. Und ja solche Parolen in einem vermeintlich zivilisierten Land können uns wieder das Fürchten lehren.

Es gibt schon genug zu fürchten und es gibt immer mehr zu fürchten. Zu fürchten ist auch die Weltlage. Die USA entsendet Langstreckenbomber und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea. All das ist fürchterlich und all das schürt Angst. Angst lähmt. Angst macht starr. Angst macht eng. Angst macht uns zu Marionetten. Haben wir Angst denken, handeln und reagieren wir aus der Angst heraus und damit der Situation unangemesssen.

Was frage ich mich an diesem Montagmorgen nach dieser desaströsen Wahl ist angemesssenes Denken? Was kann ich tun angesichts der Erkenntnis, dass die Geschichte uns Menschen nichts, aber auch nichts lehrt? Was tue ich als Einzelner angesichts all dieser Dinge, die ich nicht beeinflussen kann? Rege ich mich auf ändert das nichts an dem, wie es ist. Habe ich Angst ändert das nichts an dem, was ist. Es wird geschehen was geschehen wird und auch nach der Abgabe meiner Stimme ist mein Einfluss auf das große Ganze sehr gering und unbedeutend was die Lage in meinem Land und was die Lage in der Welt angeht. Ich kann am großen Rad nicht drehen. Ich habe keine Macht über andere Menschen. Und schon gar nicht über Regierungen.

Aber ich kann etwas tun. Ich kann an kleinen Rädchen drehen. Ich bin nicht ohnmächtig. Ich kann an meinen eigenen Rädchen drehen. Ich kann Vieles tun im Sinne der Menschlichkeit in einer Welt, die immer unmenschlicher wird. Ich kann wirken - auf mein eigenes Sein. Das ist das Einzige was ich beeinflussen kann, was ich gestalten kann. Und das ist es, was ich tun werde, trotz der leisen Angst, dass die Menschheit sich im Zweifel selbst vernichtet.

Lasst Euer Licht leuchten, dann macht es all das Dunkle da draußen heller!
Namaste Ihr Lieben

Freitag, 22. September 2017

Wenn du bereit bist





Niemand hilft dir auf deine tiefsten Fragen Antworten zu finden, wenn du nicht bereit bist, sie in dir selbst zu finden. Die Betonung liegt auf: bereit.

All die Fragen, die du anderen stellst, all die Versuche durch andere eine Lösung für dein Dilemma zu finden, all das Suchen nach Ratschlägen ist nutzlos, denn die Antworten anderer sind nicht deine Lösung. Wenn du glaubst, das macht einer für dich, bist du auf dem Holzweg.

Die kindliche Sehnsucht, ein anderer möge es für dich richten, aber glaubt das. Und erfährt wieder und wieder Enttäuschungen auf ihrer vergeblichen Suche nach Rettung. Und dann sitzt es da, dieses Kind in dir, traurig und mit einem tiefen Gefühl innerer Verlassenheit und sehnt sich schmerzvoll weiter. Die Antworten ungelöst, die Trauer schwer und schwerer und kein Ausweg in Sicht. Und immer noch die kindliche passive Hoffnung auf (Er) Lösung. Am Ende vielleicht Resignation ob der Sinnlosigkeit all der untauglichen Versuche, und Angst weil die Zeit vergeht und sich nichts ändert an all dem, was schwer auf dir liegt. Dann ist es ein Geschenk jemanden zu finden, der die richtigen Fragen stellt, die dich zu deinen Antworten führen. Du wirst ihn finden, wenn du bereit dazu bist.

Freitag, 15. September 2017

Was bin ich mir wert?





Unsere innere Stärke beginnt bei der oft unterschätzten Tatsache, wie wir über uns selbst denken, mit uns selbst sprechen und wie wir mit uns selbst umgehen. An diesen Zugangsformen zum eigenen Ich können wir etwas ändern.
Zum Beispiel mit der Frage: Was bin ich mir wert?
Diese Frage, wirklich ernsthaft reflektiert, setzt einen Prozess in Gang, der ein Leben verändern kann.

Wie oft erlebe ich in der Praxis wunderbare Menschen, die genau daran leiden, dass sie nicht erkennen wie wertvoll sie sind. Sie haben ein Bild von sich selbst im Kopf, das kein gutes Haar an selbigem lässt. Zu lange leben sie in einem Gedankengebäude, das ihren Eigenwert zu Boden zieht. Irgendwann einmal haben sich diese Gedanken eingegraben, meist in der Kindheit. Sie haben am Modell der Mutter oder des Vaters gelernt oder sie haben erfahren müssen, dass man sie nicht wertschätzt für das was sie sind. Aufgrund dieser Erfahrungen sind sie der festen Überzeugung nichts wert zu sein. Das klingt sehr einfach, aber die tiefesten Wahrheiten finden sich genau in dieser Einfachheit. Unsere frühkindlichen Erfahrungen und davon besonders die unguten, sind tief verinnerlicht und es ist schwer sich davon zu befreien. Zu viele Hindernisse liegen auf dem Weg und viele Menschen scheuen sich oder sie sind schlicht und einfach zu bequem sich auf die Suche zu machen, sie zu erkennen und sie wegzuräumen. Sie klagen lieber und lassen alles beim Alten.

Das Hinderlichste um im Leben genau der zu bleiben, von dem man denkt, der man sei, ist der Gedanke: "Da kann man eh nichts machen."

Es ist nicht wahr. Man kann etwas machen, nur wenn man macht was man schon immer gemacht hat, wird es bleiben wie man es schon immer gemacht hat und das Erleben oder das Lebensgefühl der Wertlosigkeit wird zum lebenslangen Begleiter. Der Gedanke: "Da kann man eh nichts machen" nimmt uns die Zuversicht und unser Selbstwertgefühl.

Wer so auf sich selbst und sein Leben schaut wird in dieser Haltung erstarren. Er füttert damit die Zweifel an sich selbst und seine Unfähigkeit oder seine Angst Herausfoderungen zu bewältigen.
Sich selbst wertschätzen lernen ist eine solche Herausforderung. Aber wie will ich sie annehmen wenn ich voller Zweifel bin? Wer Herausforderungen meidet, der vermeidet es sich selbst zu entwickeln. Er bleibt wer er ist und wo er ist, mit dem was er hat. Und meist bleibt er unzufrieden.

Zweifel nehmen uns die Zuversicht und fungieren als Bremse.
Und dann fühlen wir uns vom Leben ausgebremst, aber es ist nicht das Leben das das tut - wir selbst sind es, die wir uns dem verweigern, was das Leben von uns will: Wachsen nämlich, zu uns hin wachsen. Zu dem, der wir sind.

Viele Menschen haben auf die Frage: "Wer bist du?" eine Antwort, die mich immer wieder erstaunt. Sie erzählen was sie machen, was sie für einen Job haben und was sie leisten. Damit beantworten sie die Frage natürlich nicht. "Wer bist du?", heißt diese nämlich und nicht: "Was machst du?" Wie man das verwechseln kann? Man weiß nicht wer man ist und definiert sich über das, was man macht. Und genau diese Menschen sind es, die in eine tiefe Leere fallen, wenn das Leben ihnen das, was sie machen, wegnimmt oder sie es aus welchen Gründen auch immer verlieren.Was bin ich denn noch ohne meine Arbeit? Wer bin ich denn ohne meinen Mann, meine Frau, meinen Liebhaber? Wer bin ich denn ohne meine Kinder? Wer bin ich denn ohne mein Geld, mein Haus, mein Pferd, mein .... ?

Genau diese Fragen führen uns zu unserem Denken über uns selbst, zu unserem Gefühl für den Wert, den wir uns zuschreiben. Liegt dieser im Außen? Ja, für die meisten ist das so. Aber dieser über das Äußere definierte Wert ist fragil, so fragil wie das Leben selbst. Und nein, wir haben nicht unendlich viel Lebenszeit und nein wir können das Wesentliche nicht auf Morgen verschieben. Denn es kann sein, dass es das Morgen nicht mehr gibt. Auch das kommt nicht in das Bewusstsein vieler Menschen. Wahnwitziger Weise denken sie sie haben endlos Zeit. Und machen weiter wie bisher, in der Hoffnung auf eine bessere Zeit, dann, irgendwann.
Eine lähmende Hoffnung, die das Denken auf eine unberechenbare Zukunft focusiert.
Und was ist in der Zwischenzeit? Zwischenleben.
Ein Leben zwischen sich unglücklich fühlen und schaler Hoffnung.

Die Hoffnung verändert nichts, sie ist kein Schub, der uns in eine Entwicklung treibt - sie ist eine passive Dulderin, die uns dort festhält wo wir sind und lediglich als Trösterin dient für die Illusion von einer besseren Zeit.
Die Zeit ist jetzt, heute an diesem Tag und nicht an einem in weiter Ferne liegenden Punkt X an dem alles besser und schöner ist. Ein besseres Leben erträumt man nicht, man gestaltet es. Und die  Gestaltung beginnt mit der Frage: Was bin ich mir wert?




Montag, 11. September 2017

Über das Urteilen



Foto: www

Urteile haben einen großen Nachteil, für uns selbst und für andere - wir bleiben in Unklarheit darüber was uns im Innersten bewegt. Urteile sind Deckel, unter denen wir unsere Gefühle und Bedürfnisse verschließen. Das bewirkt, dass wir uns derer nicht bewusst werden. Urteile kappen die Verbindung zu uns selbst und anderen, sie trennen und spalten ab. Zack, Urteil und fertig!
Und wir meinen damit ist es gut.
Es ist nicht gut.
Urteile sind nichts anderes als ein erstarrter Ausdruck unseres Innenlebens. Je härter Menschen urteilen, desto größer ist der eingekapselte Schmerz, den sie nicht fühlen wollen. Urteilen ist eine Form von Abwehr - wir wehren ab, womit wir uns nicht auseinandersetzen wollen. Aber das bringt uns nicht weiter, nicht näher zu uns selbst und nicht näher zum anderen hin.
Es bringt uns weiter, uns dem Gefühl zuzuwenden, das sich hinter dem Urteil verbirgt. Hinter jedem Urteil steht ein Bedürfnis, das sich meldet und versorgt werden will.

Freitag, 8. September 2017

Sich selbst lieben geht nicht auf Knopfdruck



Danke für das Foto, Lucas


Die Liebe für uns selbst muss sich darauf beziehen, was wir sind und nicht auf das, was wir tun. Erst dann gelingt es uns, uns vorbehaltlos zu akzeptieren. Das Erkennen des Unterschieds zwischen Tun und Sein ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die wir im Leben machen können.

Sich selbst lieben geht nicht auf Knopfdruck. Es ist Arbeit. Der Psychiater und Bestsellerautor M. Scott Pecks sagte einmal, dass Liebe besagt, dass Liebe eine harte Arbeit ist, zu der eine Erweiterung der Persönlichkeit gehört. Und so ist es. Die Selbstliebe kommt uns nicht einfach so angeflogen, wenn wir sie nicht fühlen können. Sie muss in der Tat erarbeitet werden. Es braucht den Willen und es braucht Übung die Selbstabwertung oder die Selbstverachtung aufzugeben und uns selbst vorbehaltlos zu akzeptieren mit allem was uns ausmacht, auch mit dem, was wir an uns selbst nicht leiden können. Sich selbst nicht leiden können bringt Leid, innerseelisch und im Kontakt mit anderen Menschen, in all unseren Beziehungen.

Die Arbeit an der Selbstliebe beginnt damit, dass wir uns selbst zuhören. 
Wie hört man sich selbst zu? Indem man auf seine Gefühle, seine Wünsche und seine Bedürfnisse achtet. Die meisten von uns haben das nicht gelernt. Wir haben gelernt unseren Focus auf das zu richten was andere fühlen, wünschen oder brauchen. Wir haben gelernt Erwartungen zu erfüllen, die andere an uns haben, aber wir haben nicht gelernt unsere Erwartungen an uns selbst zu achten und zu erfüllen und wenn, dann sind es jene, die man uns beigebracht hat. Was wir tun müssen, damit wir anderen gefallen, ist eine davon. Auch wenn wir glauben wir tun all das was wir tun für uns, so ist das in Wahrheit nicht selten ein Irrglaube, wir tun es damit man uns achtet, uns Aufmerksamkeit schenkt, uns wertschätzt und liebt. Wir tun es um durch unser Tun etwas zu bekommen, von dem wir meinen, dass wir es brauchen. Und meistens bekommen wir ja auch etwas für unser Tun, aber wann bekommen wir etwas für unser Sein?
Leistung bringen ist Tun.
Sein ist einfach da sein, ohne etwas tun zu müssen.  
Wann nehmen wir uns die Zeit einfach nur zu sein?
Erlauben wir es uns? Oder denken wir gar nicht darüber nach, so wie die meisten Menschen, die ständig irgendetwas tun müssen, weil sie gar nicht wissen was nichts tun sein kann, und weil sie sich schlecht fühlen im Nichtstun. So funktioniert unsere Leistungsgesellschaft. So funktioniert Leben, wie man es uns beigebracht hat. Tu was, dann bist du wer. Wer nichts tut, ist nichts wert.
Und wem schenken wir damit Aufmerksamkeit? Nicht uns selbst jedenfalls.

Man muss sich selbst Aufmerksamkeit schenken um sich selbst wahrzunehmen.
Das beginnt damit in Kontakt mit den eigenen Gefühlen zu kommen. Und jedes Gefühl, das wir haben sagt uns etwas über unsere Bedürfnisse. Gefühle sind immer auf Bedürfnisse ausgerichtet. Wenn ich zum Beispiel traurig bin habe ich das Bedürfnis nach Fürsorge, Geborgenheit und Trost. Wenn ich mich hilflos fühle, habe ich das Bedürfnis nach Selbstbestimmung, nach Sicherheit und Halt. Jedes Gefühl verweist auf ein tiefes Bedürfnis. Die meisten Menschen erkennen das nicht. Sie übergehen ihre Gefühle und weil sie das tun, wissen sie nichts über ihre wahren Bedürfnisse.

Ein Mensch, der sich selbst liebt weiß um seine Bedürfnisse. 
Das ist die Vorrausetzung für Selbst - Bewusstsein. Nur wer sich seiner selbst bewusst ist wird sein Leben so gestalten, dass es seinen Bedürfnissen nahe kommt.
Die Arbeit an der Selbstliebe erfordert Aufmerksamkeit für uns selbst und sie geht nicht ohne Selbstdisziplin vonstatten. Selbstdisziplin bedeutet sich selbst gegenüber absolut ehrlich zu sein, seine Triebe aufschieben zu können und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wer sich so verhält besitzt Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl. Ohne das ist Selbstliebe nicht möglich. Sie bedeutet nämlich auch Verzicht. Verzicht auf Dinge, die uns nicht gut tun. Dazu muss man eben wissen was einem nicht gut tut und damit sind wir wieder bei der Aufmerksamkeit, die wir uns selbst schenken müssen um bei uns selbst anzukommen.

Erst wenn wir das gelernt haben und es dauert, wie alles was wir neu lernen müssen, werden wir irgendwann bei uns selbst ankommen und dem Gefühl ein einzigartiger liebenswerter Mensch zu sein,  der sich vorbehaltlos akzeptiert und sich verzeihen kann wenn er Fehler macht. Selbstliebe versetzt uns in die Lage nichts mehr von anderen einzufordern, was sie uns nicht zu geben vermögen, können oder geben wollen, sie macht aus emotional Abhängigen selbstsichere Menschen, die wissen wie sie selbst gut für sich sorgen und sich ihre Bedürfnisse erfüllen können. Selbstliebe hilft uns dabei nein zu sagen, sie hilft uns dabei uns abzugrenzen. Sie hilft uns auch um etwas zu bitten, wenn wir uns etwas wünschen und sie hilft uns damit umzugehen wenn wir Zurückweisung erfahren. Wenn wir die Arbeit der Selbstliebe nicht scheuen erhalten wir ein wertvolles Geschenk – wir wissen um den wahren Wert unseres Seins. Und dafür müssen wir nichts tun und uns selbst und anderen nichts beweisen.

Namaste 

Angelika









Mittwoch, 6. September 2017

Aus der Praxis – Wie wir quälende Gedanken stoppen können


Wir alle kennen es, wir möchten nicht an etwas Bestimmtes denken, aber wir können nicht damit aufhören. Quälende Gedanken können uns beherrschen. Mehr noch, sie werden zu Gefühlen, die uns besetzen, die unseren Tag beherrschen und uns in den Nächten den Schlaf rauben. Jedes Gefühl, das wir haben, kann internalisiert werden. Geschieht das, hört das Gefühl auf wie ein Gefühl zu wirken, es wird zu einem Teil unserer Persönlichkeit mit dem wir uns identifizieren. Wenn wir uns bewusst machen, dass die Dynamik unseres Seins aus Gefühlen, Bedürfnissen und Trieben zusammensetzt ist, können wir uns leicht vorstellen, dass wir mir diesen Identifikationen eine Störung in diese Dynamik bringen. Das ganze System ist im Ungleichgewicht und wir reagieren und handeln aus dem internalisierten Gefühl heraus. Es hat uns im Griff. Was wir nun brauchen ist ein Weg um uns von diesen Gefühlen zu lösen, oder wie man in der Psychologie sagt: Wir disidentifizieren uns von belastenden Gefühlen.

Wie ist das möglich?
In der Psychoanalyse wird zwischen verschiedenen Ich-Zuständen unterschieden. Wir haben ein sogenanntes Ego das uns mit Gedanken und Gefühlen überfluten kann. Aber all die ganzen Stimmen die wir so im Kopf haben - das SIND wir nicht. Wir sind weder unsere Gefühle, noch unsere Gedanken. Wir erschaffen sie und nicht sie erschaffen und beherrschen uns, auch wenn wir das irrtümlicherweise glauben. Diese einfache Wahrheit wird oft übersehen und viele Menschen können sich auch nicht vorstellen, dass es so ist. Können wir uns aber auf diese Wahrheit einlassen, haben wir eine gute Chance nicht weiter das Opfer unserer Gedanken und Gefühle zu sein. Wir können uns unsere Eigenmacht zurückholen, wenn wir wissen: Alles was wir denken und fühlen, können wir beeinflussen, denn WIR sind es, die denken und fühlen. Es gibt niemanden, der uns sagen kann: Du musst dich jetzt so oder so fühlen. Es gibt niemanden, der uns verletzen kann, wenn wir es nicht zulassen. Es ist einzig und allein unsere Interpretation der Dinge, die unsere Gedanken und Gefühle erschafft. Diese Interpretation läuft allerdings in Sekundenbruchteilen ab. Und manchmal merken wir es erst, wenn wir mitten drin stecken im Dilemma.

Viktor Frankl sagte einmal: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum“. Was er damit meinte ist, dass wir genau diesen Raum für uns nutzen können um nicht wie ein Pawlowscher Hund auf einen von außen kommenden Reiz zu reagieren. Wir haben diesen Raum, der eine Distanz zwischen Ursache und Wirkung, zwischen Reiz und Reaktion, schaffen kann und dieser Raum ist ein hilfreiches Geschenk, wenn uns wieder einmal ein quälender Gedanke massiv zusetzt.
Hierzu gibt es eine einfache und sehr wirksame Methode aus der Psychologie: den Gedankenstopp.
Der Gedankenstopp hilft, nicht noch tiefer in die quälenden Gedanken, die depressive Stimmung oder in die Angst zu fallen, sondern nach einer Lösung zu suchen und diese auch zu finden. Der Sinn der des Gedankenstopps liegt darin, uns selbst aufzuwecken, bevor wir von destruktiven Gedanken überflutet werden.
Zugegeben das zu verinnerlichen ist schwer und es braucht Übung. Es braucht den Willen es zu üben.
Wie das funktioniert?

Sobald quälende Gedanken auftauchen: Setz dich in aufrechter Körperhaltung an einen stillen Ort und lass diese Gedanken zu. Dann haue kräftig auf den Tisch und sage laut „Stopp“ zu dir selbst. Du wirst überrascht sein, wie du plötzlich wieder im Hier und jetzt bist und die quälenden Gedanken weg sind.
Eine weitere Übung, die mir persönlich hilft, ist diese kleine aber sehr effektive Übung im Selbstmitgefühl:
Sag mitfühlend zu dir selbst: „Ja, so ist das“. Wenn du magst, lege dabei deine Hände auf dein Herz und atme dabei ruhig ein uns aus. Tu das solange du magst oder solange bis zu fühlst, dass es in dir ruhiger wird. Bei manchen Menschen nützt schon diese kleine Übung um innerlich wieder zu sich selbst zu kommen.

Und zum Schluss ein Zitat von Roberto Assagioli
„Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.
Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.
Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht meine Wünsche.
Ich habe einen Geist, aber ich bin nicht mein Geist.
Ich bin ein Zentrum aus reinem Bewusstsein.“

Namaste Ihr Lieben



www.wende_praxis.de

Mittwoch, 30. August 2017

Erwartungen


 
Malerei: AW


Immer dann, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, kommen Störgefühle hoch. 
Das geschieht die ganze Zeit, wenn man bewusst hinfühlt. Je mehr wir erwarten, von uns selbst, von anderen und dem Leben, desto mehr Frust und Enttäuschung, desto mehr inneres Antreiben und desto weniger innere Freiheit werden wir erreichen können.
Wenn es gelingt die Erwartungen weniger werden zu lassen können wir gelassener werden.
Kommen Erwartungen hoch, was natürlich nicht ganz vermeidbar ist, könnten wir sie betrachten, ohne sie bekämpfen zu wollen, ohne an ihnen festhalten zu wollen und sie loslassen. 

Dienstag, 29. August 2017

Trust the process




Manchmal scheint es als würden wir rückwärts gehen, zurück in alte Muster, zurück in alte Wunden und Verletzungen, zurück in eine Vergangenheit, die längst abgeschlossen ist.
In Wahrheit aber gehen wir niemals rückwärts.
Entwicklung geschieht ähnlich wie eine Spirale – sie geht nach Oben und nach Unten, sie macht Drehungen, Biegungen und Schlenker. 

Auch wenn es für uns aussieht als wäre es ein Rückschritt, wir machen immer Fortschritte. 

Trust the process!

Sonntag, 27. August 2017

Aus der Praxis – Ein Co-abhängiger spricht zu sich selbst



Malerei AW


Ich bin Co-abhängig! Ich brauche Hilfe! Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit. 
Co-abhängigkeit ist die Sucht gebraucht zu werden.

Es ist eine Sucht, die mich dazu bringt aus Liebe und Angst Dinge für einen Alkoholiker zu tun, die ich für mich selbst tun müsste.
Es ist eine Sucht, die mich dazu bringt in einem ständigen Wechselbad aus Liebe und Ekel, angewidert oft schon dadurch, dass der Alkoholiker stinkt, weil er sein ihr Gift ausatmet, zu leben.
Es ist eine Sucht, die verhindert, dass ich mich selbst genug wertschätze und Verantwortung übernehme für einen, der seine Verantwortung nicht übernehmen kann oder will.
Es ist eine Sucht, die mich antreibt mich um den Alkoholiker zu kümmern und ihm bei dem zu helfen, was er suchtbedingt nicht mehr schafft.
Es ist eine Sucht, die mein Mitleid und mein Mitgefühl für den Alkoholiker über mein Selbstmitgefühl und meine Selbstliebe stellt.
Es ist eine Sucht, die alles gibt um dem Alkoholiker zu helfen seine Sucht zu überwinden.
Es ist eine Sucht die mich mein Seelenheil, Gesundheit und Geld kostet.
Es ist eine Sucht, die alles tun würde, damit er aufhört zu trinken.
Es ist eine Sucht, die mir sagt, ich muss ihn nur genug umsorgen und lieben und er wird aufhören zu trinken.
Es ist eine Sucht, die mir vorgaukelt es gibt einen Weg ihm zu helfen.
Es ist eine Sucht, die mich zur Inkonsequenz verführt.
Es ist eine Sucht, die mich mein eigenes Leben vernachlässigen und zerstören lässt.
Es ist eine Sucht, die mir Hoffnung vorgaukelt wo es keine Hoffnung gibt, sondern allein Vergeblichkeit.
Es ist eine Sucht, die mich immer wieder auf seine Versprechungen hereinfallen lässt, obwohl ich weiß, dass er sie gar nicht halten kann, auch wenn er es wollte.
Es ist eine Sucht, die mich dazu bringt die bösen Worte, Angriffe und Abwertungen des Alkoholikers zu schlucken und mich nicht zu wehren und wenn dann auf ungesunde und unangemessene Weise.
Es ist eine Sucht, die mich dazu treibt zu schweigen, zu vertuschen, zu verheimlichen und in Kauf zu nehmen, dass er Trinker ist, sein Leben zerstört und das meine mit.
Es ist eine Sucht, die Scham und Schuldgefühle in mir auslöst, dass ich in so ein Leben geraten bin.
Es ist eine Sucht, die hohe Ansprüche an mich selbst stellt und dem Alkoholiker alles durchgehen lässt.
Es ist eine Sucht, die mich dazu bringt weiter zu ihm zu halten, obwohl ich nur Nachteile habe.
Es ist eine Sucht geboren aus Unsicherheit, Schwäche, dem Gefühl von Wertlosigkeit und dem daraus resultierenden Drang für andere Dasein und für sie sorgen zu müssen, auch wenn sie mich ständig verletzen, benutzen, belügen, hintergehen und betrügen.
Es ist eine Sucht, die dazu führt, dass ich mich nicht abgrenzen kann und  meine Wut, meine Trauer, meinen Schmerz und meine Verzweiflung herunterschlucke und weiter mache  den Helfer zu geben, wo ich längst erschöpft und am Ende bin.

Co-abhängigkeit ist eine Sucht, die mir vorgaukelt, ich sei nur wertvoll, wenn ich mich aufopfere und es anderen recht mache.
Ich bin co- abhängig.
Ich bin eigentlich stark, ich bin eigentlich liebevoll, aber ich nutze die Stärke und die Liebe nicht für mich selbst, sondern werfe sie wie eine kostbare Perle vor die Sau.
Ich bin co-abhängig. Ich brauche Hilfe!


Falls du den Weg zurück Dir beschreiten möchtest, falls Du den Willen hast Dein ungesundes Beziehungsmuster mit Bewusstheit und Wertschätzung für Dich selbst zu durchdringen, wenn du alten Schmerz loslassen möchtest, freue ich mich, dich in diesem Prozess zu begleiten.
Entscheide dich für Liebe statt für Co-abhängigkeit!

 





Donnerstag, 17. August 2017

Aus der Praxis – Selbstachtung






Selbstachtung verstärkt sich wenn du ...
klar weißt, was du willst
deine Bedürfnisse ernst nimmst und sie ausprichst 
deine Ziele in die Tat umsetzt
Hindernisse überwindest und dich Herausforderungen stellst
deiner Wahrnehmung vertraust
deine Gefühle achtest und sie ernst nimmst
zu deiner eigenen Wahrheit stehst, egal ob sie anderen passt oder nicht
keine Kompromisse machst, bei denen du den Kürzeren ziehst
keinem anderen die Verantwortung für deine Lage zuschreibst und Eigenverantwortung übernimmst
aufhörst das Opfer zu geben und dich selbst bemitleidest
aufhörst dich verletzen zu lassen
entscheidest lieber alleine weiter zu gehen, als schlecht begleitet
dir selbst vertraust auch wenn dein innerer Kritiker sich fett aufbläst
dein inneres Kind ernst nimmst, gut für es sorgst und ihm trotzdem nicht alles durchgehen lässt
deiner Angst ins Gesicht siehst und dich ihr stellst
dich deinen Süchten stellst und entgiftest
klare Grenzen ziehst, wenn du etwas nicht ertragen kannst oder nicht mitmachen willst
akzeptierst, dass klare Entscheidungen auch einen Preis haben
deine Selbstlügen aufgibst und schonungslos ehrlich zu dir bist
dir Hilfe suchst, wenn du es alleine nicht mehr schaffst.


Freitag, 11. August 2017

Aus der Praxis – Wenn es verletzt, ist es dann keine Liebe?



Zeichnung: AW 2017

Wenn es verletzt ist es keine Liebe, heißt ein Buch von Chuck Spezzano.
Das klingt einfach, sehr einfach. Nur das weder das Leben noch wir Menschen einfach sind.
Warum also sollte es die Liebe zwischen zwei Menschen sein?
Weil uns das einer sagt, weil die menschenfremde Botschaft, dass wir Liebe und Verletzen trennen müssen, mittlerweile über den Kreis der Esoteriker heinausgedrungen ist? Mal ehrlich, wer von uns kennt eine Liebe, die ohne Verletzungen einhergeht? Es gibt sie nicht. Sie ist eine Illusion. Und wünschen wir uns eine Liebe ohne Verletzungen leben wir in einer Illusion.

Der heutige Mensch ist durchdrungen von einem Perfektionismus und einer Sucht nach Erfolg und Selbstoptimierung wie es sie zu keiner Zeit zuvor jemals gab. Und er liebt Ilusionen.
Er will alles glatt, problemlos und ohne sich anstrengen zu müssen. Er muss so sehr um seine monitäre Existenz kämpfen, dass ein emotionales Einlassen ein Zuviel bedeutet. Was also nicht einfach geht, was vielleicht sogar anstrengend ist, muss weg. Beziehungen müssen einen Benefit bringen aber bloß keine Probleme. Mittlerweile brauchen weder Männer noch Frauen einen Partner um gemeinsam in der Welt zu überleben. Beziehung ist wie der Milchschaum im Kaffee, es geht auch ohne. Partner sind Luxus und zum Luxus gehört eben auch, dass da nichts anstrengend ist und alles schön glänzt. Wir haben genug Probleme mit uns selbst mit unserem Alltag und all dem was wir meinen tun und erreichen zu müssen, also warum sich die Probleme des Anderen auch noch aufladen? Geteiltes Leid ist doppeltes Leid.

Jeder von uns bringt seine Probleme, seine Macken und seine Neurosen mit in die Beziehung. Jeder von uns bringt sein inneres Kind mit in die Beziehung, seine Beziehungserfahrungen aus der Ursprungsfamilie, seine alten Verletzungen oder gar seine Traumata aus der Vergangenheit seines gelebten Lebens. Da sind Zwei und mit der Beziehung entsteht ein Drittes, was die eigene Identiät und die des Anderen zwangsläufig beeinflusst und verändert.

Viele unserer Neurosen schlafen wenn wir alleine sind. Wir kommen gut mit ihnen und mit uns selbst klar, wir bemerken sie gar nicht. Aber wenn da plötzlich ein Anderer in unsere Komfortzone einbricht ist alles anders.
Wir erfahren, dass wir in der Konfrontation mit den Eigenarten, den Wünschen, den Bedürfnissen, den Verhaltensweisen und den Vorstellungen des Anderen unsere Komfortzone verlassen müssen. Wir müssen uns einlassen auf das fremde Wesen, das wir uns vertraut machen. Vorbei mit der Ruhe, die wir alleine so schön bewahren konnten, als da keiner war der uns "gestört" hat, der einen anderen Tagesrythmus hat, als wir ihn für uns ritualisiert haben. Da spricht uns plötzlich einer an bevor wir noch den ersten Schluck Kaffee getrunken haben, da ist einer der uns etwas erzählen will, während wir lieber schweigend den Tag beginnen. Da ist einer nicht gut drauf oder hat Sorgen und Ängste wo es uns gerade mal prima geht. Das tangiert unser Gefühlsleben. Das macht etwas mit uns. Das nervt im Zweifel, das ist vielleicht sogar lästig sobald die ersten Schmetterlinge den Bauch verlassen haben und die rosarote Brille der Tönung der eher grauen Wirklichkeit ausgesetzt ist. Da ist die Wirklichkeit des Fremden in unserem Leben, der uns noch eine lange Zeit, falls wir die mit ihm überstehen, fremd bleibt. Da sind seine Macken, da sind die Knöpfe, die er bei uns drückt und wir bei ihm, da sind die Erinnerungen an alte Beziehungen, an die Kindheit, an Bilder und Emotionen die wir längst vergessen oder verdrängt hatten oder die wir für geheilt hielten. All das und mehr sind Dinge, Zustände und Befindlichkeiten, die das Miteinander zweier Liebender auslöst. So kommt es zu Verletzungen, die wir, wären wir allein geblieben nicht erleben müssten. Und schon wird es ungemütlich.

Wir erkennen im Spiegel, den uns der Andere unbewusst und ungewollt Tag für Tag vorhält, was in uns gar nicht so entspannt, ruhig und geheilt ist, wie wir glaubten.
Wir erkennen, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, dass wir nicht so frei von Neurosen sind wie wir dachten. Dann sind wir verletzt in der Liebe, durch die Liebe zum Anderen. In Wahrheit aber bringt die Liebe nur die Verletzungen zum Vorschein, die wir nicht geheilt haben, weil sie uns liebt.

Aber das verstehen wir nicht, das wollen wir nicht verstehen, weil es weh tut und dann glauben wir es ist keine Liebe und wir rennen weg von der Liebe, weil sie alles andere ist als das Perfekte, das Glatte, das Einfache, das sich unsere Illusion vom Liebesglück wünscht. Es passt halt nicht, denken wir, sagen wir und gehen weiter, zurück in die scheinbare Sicherheit des Alleinlebens. Bis zum nächsten Mal. Bis die Liebe wieder an unser Herz klopft und uns heilen will.


Dienstag, 8. August 2017

Aus der Praxis – Selbstachtung



Foto: AW

Was können wir tun um liebevoll mit uns selbst umzugehen?

Höre auf deine innere Stimme.
Was macht dich traurig?
Was macht dich wütend?
Was oder wer macht dich hilflos?
Was willst du nicht mehr haben oder tun?
Was ist falsch für dich?
Was kannst du nicht leiden?
Wo und mit wem fühlst du dich nicht wohl?
Was brauchst du und was brauchst du nicht?
Was erfüllt dich und was fühlt sich leer an?
Was fühlt sich gut an und was fühlt sich ungut an?

Wir lernen uns selbst zu vertrauen, wenn wir lernen auf unsere innere Stimme zu achten.
Wenn wir uns selbst vertrauen, lernen wir uns selbst zu achten.
Selbstachtung ist der Beginn eines liebevollen Umgangs mit uns selbst.

Und jetzt komm mir nicht mit: Aber das ist so schwer!
Ja, es ist schwer.

Aber ist es nicht viel schwerer, dich selbst zu missachten?


Samstag, 5. August 2017

Verletzt



All die Verletzten
verletzten sich selbst
verletzen andere
verletzen einander
Wann hört das auf?
Es hört auf, wenn wir aufhören uns selbst zu verletzen.

Sonntag, 30. Juli 2017

Hingabe



Foto: AW

Wenn zwei Menschen sich einander in völligem Vertrauen öffnen, heißt das auch, dass sie sich verwundbar machen. Das zu akzeptieren, davor schrecken viele Menschen zurück. Aber es ist diese Verwundbarkeit die wir dem anderen gegenüber offen legen, die wahre Intimität erst entstehen lässt. Wenn uns jemand begegnet, der uns so nah ist, dass wir unsere Angst vor Verletzung überwinden, wenn sein Dasein es vermag uns in aller Ehrlichkeit und ohne Maske zu zeigen, uns unsere intimsten Geheimnisse zu entlocken, unsere Wahrheiten zu teilen, dann ist dieser Mensch ein Geschenk.
Und ist es nicht völlig unwichtig ob wir es Liebe nennen?
Dieser Mensch wird vielleicht unser Liebhaber oder unsere Liebhaberin, er wird uns einen Moment in der Zeit tief berühren, er wird uns eine Weile begleiten oder für immer.
Aber ist das wirklich wesentlich?
Wesentlich ist, dass in den Momenten des intimen Verschmelzens zweier Menschen beide ihre Einzelidentität aufgeben und zu einem einzigen Wesen werden. Dies ist eine mystische Erfahrung, die uns nicht allzuoft im Leben geschenkt wird.
In der Aufmerksamkeit, der Zuneigung und der Zärtlichkeit des Anderen erlauben wir uns die Liebe, die wir in uns selbst haben fließen zu lassen, ohne Widerstand und ohne anzuhaften.
Wir geben bwusst die Kontrolle auf. Wir legen unsere Ängste beseite und lassen uns bedingungslos ein. Wir geben uns hin. In der gegenseitigen Hingabe erfahren wir uns selbst und unseren Liebhaber mit dem Herzen, mit dem Geist und mit dem Körper.



Samstag, 29. Juli 2017

Gedankensplitter

 

 

Foto: AW
 

Veränderung findet statt, wenn du deine Komfortzone verlässt, 
dich aber immer noch im Bereich deiner Selbstfürsorge befindest.

Freitag, 28. Juli 2017

Aus der Praxis – Warum das Nein sagen so schwer ist und wie wir es lernen können ...

Foto: www

Was wir entscheiden, nicht zu tun, ist mindestens ebenso wichtig, wie das, was wir entscheiden zu tun. Dazu gehört das Nein sagen.
Für viele Menschen ist es schwer NEIN zu sagen.
Ein klares Nein erfordert nicht nur Mut, sondern Selbstbewusstsein und Klarheit. Und Letzteres ist weitaus schwerer aufzubringen als Mut. Wenn wir uns unserer Selbst nicht bewusst sind, was bedeutet, wenn wir nicht wissen, was wir nicht mehr wollen und was wir wollen und was dazu auch noch gut für uns ist, sind wir nicht klar. Wir sind ambivalent und innerlich zerrissen. Je unklarer wir in uns selbst sind, desto stärker ist der Kampf, den Herz und Verstand führen. Dazu kommt fatalerweise bisweilen auch noch das Wunschdenken, das von unserer Sehnsucht gefüttert wird wie es doch sein könnte, obgleich wir sehen, dass es nicht so ist, nicht so war und daher auch nicht die geringste Chance besteht, dass es so sein könnte, wie wir es uns wünschen.
Nein sagen zu Etwas oder Jemanden ist also wirklich schwer.
Das lernt man nicht einfach so, auch wenn das so manche Ratgeber versprechen.

Nein sagen im richtigen Moment ist eine Herausforderung. Es bedeutet uns selbst ernst zu nehmen und im Zweifel andere zu enttäuschen um uns selbst treu zu sein.
Auch wenn viele von uns das wissen, nein sagen ist, wie alles was uns uns selbst näher bringt, ein Prozess, der mit klarem Bewusstsein zu tun hat. Und das zu erreichen ist eine lebenslange Entwicklung, die sehr viel mit Achtsamkeit zu tun hat.

Um etwas Klarheit in die Schwierigkeit des Neinsagens zu bringen: Das Nein sagen fällt so schwer, weil es immer mit Macht versus Beziehung zu tun hat.
Und dabei ist Macht hier bitte nicht negativ zu verstehen. Beim Neinsagen geht es immer um Eigenmächtigkeit versus Fremdbestimmung.
Aber was haben Macht, Beziehung und Nein sagen miteinander zu tun?
Wenn ich ja sage um der Beziehung willen, schwäche ich mich selbst, also meine Eigenmacht und handle fremdbestimmt, nämlich danach was für den Anderen gut ist oder was er von mir erwartet, bzw., was ich glaube, dass er von mir erwartet.
Das fühlt sich nicht gut an. Ich stehe nicht für mich ein, ich passe mich an um des lieben Friedens Willen und um einen Konflikt zu vermeiden, dem ich nicht standzuhalten glaube. Und damit entscheide ich mich gegen mich selbst und meine Bedürfnisse. Ich entscheide entgegen dem, was mir nicht gefällt oder sogar nicht gut tut, um den Anderen nicht zu enttäuschen oder ihn gar von mir weg zu treiben. Eine ziemlich ungesunde Anpassungsstrategie, die, praktizieren wir sie des Öfteren, zu einer Menge Frust, Ärger und seelischen Konflikten führt. Der Gedanke des Jasagens wider die eigene Überzeugung ist folgender: Mit einem NEIN riskiere ich im Zweifel  die Beziehung, zu wem auch immer. Und je wichtiger mir die Beziehung ist, desto mehr Angst macht dieses NEIN. Also sage ich halt Ja.

Machen wir das oft resignieren wir und werden zu angepassten Jasagern oder, die zweite Variante: Wir explodieren irgendwann und reagieren dann auf unangemessene Weise. So werden manche geduldigen Menschen von einem Moment auf den Anderen zum aggressiven Angreifer. Es knallt scheinbar aus heiterem Himmel und die Beziehung ist futsch oder zumindest ernsthaft bedroht.

Nun es gibt es noch die dritte Variante. Man sagt nicht ja, man sagt nicht nein, man weicht aus. Das löst zwar das Problem nicht, verschafft aber Zeit. Nur - danach steht man wieder vor dem selben Problem. Ein höchst unseliger Nebeneffekt dieses Ausweichens: Das Selbstwertgefühl bekommt einen Knacks, denn auch wenn wir es nicht wahr haben wollen: Vielleichtchen fühlen sich gar nicht gut an. Sie sind reine Entscheidungsschwäche und kosten immens viel Energie, die wir mit etwas oder Jemanden verbringen mit dem wir nicht sein wollen. All das sind Strategien, die keine Klarheit schaffen oder eben eine Klarheit, die einen von beiden in der Beziehung zum Verlierer macht.

Aber, wie sage ich nun Nein, wo ich es meine? Und zwar so, dass es weder meine Eigenmacht schwächt, noch die Beziehung ernsthaft gefährdet?
Indem ich mir klar darüber bin was ich will und was ich nicht will. Das ist der erste Schritt. Der zweite Schritt: Ich begründe mein Nein, fair und mit klaren, nachvollziehbaren Worten.

Übrigens: Wenn du dein Ja und dein Nein kennst, wenn du dein "ich will weg von und "ich will hin zu " kennst, bist du auf einem ziemlich guten Weg zu dir selbst und deinen Bedürfnissen. 

Aber wie gesagt, alles was uns weiter bringt und wachsen lässt ist ein Prozess und wenn wir den noch nicht geschafft haben, macht nichts ... das Leben ist ein einziges Lernen, vorrausgesetzt man will lernen.



Angelika Wende
www.wende-praxis.de