Freitag, 28. April 2017

"Schreib es Dir von der Seele" – Mein aktueller Kurs in der Wiesbadener Freien Kunstschule




Schreiben ist selbstwertdienlich. Das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung und aus den Erfahrungen vieler meine Klienten, denen ich das Schreiben ans Herz lege. Sie alle empfinden es als hilfreich. Und genau das ist es: Hilfreich in allen Lebenslagen.

Wer über sein Leben schreibt und es schreibend betrachtet, findet Klarheit und zu sich selbst. Schreiben ist der Schlüssel zu unserem Gefühlsarchiv. Schöpferisches Schreiben ist wichtig für alle, die professionell mit Sprache arbeiten. Schreiben dient unterschiedlichen Zwecken. Der erste und vielleicht wichtigste ist, Freude zu haben. Beim schöpferischen Schreiben brauchst du keine Vorkenntnisse. Das einzige, was zählt, ist deine Neugier.

6 Gründe, warum dieser Kurs Dich garantiert weiterbringen wird:

1. Weil Schreiben uns hilft zu verarbeiten und zu verstehen
Schreiben hilft uns uns selbst besser zu verstehen. Die Rückschau auf unser Leben beispielsweise erlaubt uns, Muster zu erkennen und so den roten Faden zu begreifen. Schreiben ist hilfreich, um Altlasten weniger Macht zu geben und sie abzulegen oder bestimmte Situationen, die uns noch heute belasten, anders zu bewerten und damit besser zu bewältigen. Schreiben kann uns aus einem tiefen Loch und aus kreativen Blockaden bringen. Denn, wenn wir denken, es geht nicht weiter, können wir genau darüber schreiben. Und dann geht es weiter, zuerst auf dem Papier und später im Leben.

2. Weil es uns uns selbst näher bringt
Schreiben ist ein Weg und ein Werkzeug, uns selbst, die eigenen Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte zu hinterfragen, Neues an uns zu entdecken, Potentiale auszubilden und um ungute Glaubensmuster aufzulösen. Über das eigene Leben zu schreiben, ist ein wundervoller kreativer Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

3. Weil es das Selbstwertgefühl stärkt
Wer schreibt nimmt sich selbst intensiver wahr. Er erfährt, dass er eine eigene Stimme hat, und er kann stolz auf deine verfassten Texte sein. Er findet Zuhörer für seine Themen.

4. Weil es Ängste und Blockaden löst
Ängste, die wir nicht ausdrücken, blockieren unser Leben. Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein. Schreiben ist Selbstausdruck und löst so innere Blockaden. Den inneren Kampf beenden heißt: Uns mit dem Teil, den wir als größer empfinden als uns selbst, zu arrangieren. Es heißt, unseren Dämon lieben lernen. Dieser Dämon heißt meistens Angst. Angst hält uns klein. Schreibend hören wir auf vor diesem inneren Dämon davonzulaufen, wir schauen ihm ins Gesicht und konfrontieren uns mit dem, was wir fürchten. Angst, die nicht benannt wird, beherrscht das Leben. Es ist ok, Angst zu haben, sie ist ein gesundes Warngefühl, aber lass sie dich niemals von dem, was du tun willst, abhalten. Schreiben bringt uns mit der Angst auf Augenhöhe und verleiht uns den Mut, trotz der Angst zu handeln.

5. Weil es hilft, Krisen zu meistern
Schreiben ist deshalb so hilfreich, weil sich in Krisen der Blick verengt: Alle Türen scheinen verschlossen, alles Schöne fällt aus unserer Wahrnehmung heraus, die Welt zeigt sich Grau in Grau. Schreiben ist oft der erste Weg, aus dem inneren Gefängnis auszubrechen.
Bei Krisen, Krankheiten, Schicksalsschlägen, Trennungen und Verlusten hilft es, sich den Schmerz von der Seele zu schreiben. Schreiben kann dann ein Ventil sein. Schreiben hilft, Lebenskrisen als Chance zu begreifen und konstruktiv damit umzugehen.

6. Weil es Sinngebung im Jetzt ist.
Schreiben ist hilfreich, um Klarheit zu erlangen über das, was war und das, was ist.
Unsere Erinnerungen prägen uns zwar, sie sind aber keineswegs eine objektive Wiedergabe unserer Vergangenheit. Was war, muss nicht so bleiben. Unsere Sicht auf die Dinge entscheidet, woran wir uns erinnern, wie wir uns erinnern und wie wir aufgrund unserer Erfahrungen weitermachen wollen. Schreiben ist nicht nur Verarbeitung, wir formen damit auch unsere Sicht von Welt. Schreiben öffnet den Raum für Probedenken und Probehandeln. Schreiben hilft, das Leben im Jetzt zu gestalten.
Fang jetzt damit an!

Ich freue mich ein inspirierendes, spannendes Miteinander!

Herzlich,
Angelika Wende


Kursbeginn: Samstag, 13. Mai 2016 von 15 bis 17 Uhr.
Der Kurs geht über 4 Wochen.
Wir treffen uns jeden Samstag immer von 15 - 17 Uhr
Ort: Der Kurs findet in den Räumen der wfk, Wiesbadener Freien Kunstschule, Friedrichstraße 7, 65185 Wiesbaden statt.

Infos und Anmeldung:
Mail aw@wende-praxis.de
Website: www.wende-praxis.de

Mittwoch, 26. April 2017

Über die Klage



FOTO: AW

Sich zu beklagen ist für manche Menschen eine lebenslange Gewohnheit und sie kämpfen darum sie nicht aufgeben zu müssen. Sie glauben sich zu beklagen sei das Zeichen eines sensiblen Menschen, dem man schweres Unrecht getan hat.
„Warum ich?“, fragt sich dieser Mensch.
„Warum nicht ich?“, könnte er sich fragen.
Sich beklagen ist das Zeichen eines unreifen Menschen, der den Kinderschuhen nicht entwachsen will. Es ist das Zeichen eines Menschen, der sich allein um sich selbst dreht, der nur sich selbst sieht, der nicht bereit ist, sein Sein in einem großen Zusammenhang zu sehen.
Er klagt, weil ihm nichts Besseres einfällt.
Er klagt weil er meint, dass ihn das Klagen zu etwas Besonderem macht. Er klagt, weil er nicht bereit ist loszulassen, was ihn in seinen Augen zu etwas Besonderem macht, wenn er sonst schon nichts Besonderes tut. Klage aber ist nichts weiter als eine infantile Weigerung gegen das, was das Leben an Aufgaben an uns stellt. Die Klage aufgeben heißt, zu erkennen, dass wir die alten Geschichten nicht mehr brauchen und sie endlich wegzuwerfen, weil sie uns absolut nichts nützen und Leben im Jetzt verhindern.

Sonntag, 23. April 2017

Verantwortung für unsere Bedürftigkeit übernehmen





Die Mehrzahl der Menschen fühlt sich in irgendeiner Weise bedürftig. Auch ich spüre in einigen Bereichen meines Lebens Bedürftigkeit. Nach einem lieben Gefährten zum Beispiel, der meine Visionen teilt und an meiner Seite geht. Nach Menschen, die sich für die gleichen Themen interessieren wir ich, nach Menschen, die mich inspirieren, mich weiter bringen und begeistern, nach Menschen von denen ich lernen kann. Und wenn ich ganz lange darüber nachdenke fällt mir sicher noch einiges ein wonach ich bedürftig bin. By the way, es ist sehr aufschlussreich sich einmal die Zeit zu nehmen, nachzudenken und aufzuschreiben wonach wir bedürftig sind.

Bedürftigkeit entspringt einem inneren Mangel. Dieser Mangel trägt bei jedem von uns einen anderen Namen. Dem Einen mangelt es an Nähe, an Liebe, an Aufmerksamkeit und an Wärme, dem Anderen mangelt es an Bewunderung, an Zuwendung und an Lebensfreude, dem Anderen an Erfolg, Macht oder Geld.  

Was macht das mit uns, wenn wir einen Mangel verspüren? Was können wir tun?
Die Meisten denken über diese Fragen erst gar nicht nach. Sie wollen, das wonach sie bedürftig sind vom Anderen haben. Sehr viele Beziehungen basieren auf dieser Bedürftigkeit und der inneren Überzeugung, sich das beim Anderen zu besorgen zu können, was wir uns selbst nicht geben können. Besser, was wir glauben, uns selbst nicht geben zu können. Nun hat diese Strategie sich beim Anderen holen zu wollen, was man so nötig braucht einen ziemlich unseligen Aspekt: Die Anderen sind auch bedürftig. Die Anderen spüren auch einen Mangel. Sie fühlen genau das, was wir selbst fühlen und sie wollen genau das, was ihnen fehlt, auch von uns haben. So tun sich in den meisten Fällen zwei Bedürftige zusammen, die ihren inneren Mangel durch den Anderen füllen lassen wollen. Und schon sind wir bei den Erwartungshaltungen, die wie uns die Erfahrung immer wieder zeigt, in den meisten Fällen mit einer mehr oder weniger bitteren Enttäuschung endet.

Wenn ich zurückblicke auf einige Beziehungen, die ich in meinem Leben hatte, so muss ich mir eingestehen, dass ich sehr oft genau das beim Anderen gesucht habe, von dem ich mir selbst nicht vorstellen konnte, es mir zu geben. Und ich muss erkennen, dass ich immer wieder an Menschen geraten bin, die das mit mir genauso gemacht haben. Sie wollten etwas von mir, was sie sich selbst nicht geben konnten und sie beklagten nach einer Weile, dass ich es ihnen auch nicht geben konnte und umgekehrt habe ich es genaus gemacht.  Am Ende der Klage kamen die Vorwürfe und die Schuldzuweisungen und manchmal sogar Bitterkeit und Hass. Das war dann das Ende einer Illusion, die keiner von Beiden als solche erkannt hat.

Die Wahrheit ist nämlich: Wir finden beim Anderen nicht was wir brauchen. 
Wir finden es vielleicht für eine Weile. Am Anfang einer Liebesbeziehung bekommen wir die Zuwendung, die Wärme und die Aufmerksamkeit, nach der wir so bedürftig sind. Wir sind für den Anderen ein Faszinosum. Und er ist es für uns. Wir sind voller Energie, weil wir im Anderen das zu finden glauben, wonach wir so bedürftig sind. Wir fühlen uns voll, wo vorher eine emotionale Leere war und nennen uns glücklich. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Ich bin für jede dieser Erfahrungen in meinem Leben dankbar. Und weil unser Herz so voll ist, denken wir: So soll es sein, so soll es bleiben. Aber irgendwann müssen wir erkennen, dass es nicht so bleibt. Denn jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was passiert, wenn der Andere uns nicht mehr gibt, was wir brauchen? Was ist, wenn seine Faszination nachlässt oder die unsere? Was ist, wenn er seine Liebe zu uns verliert oder wir die Liebe zu ihm? Dann stehen wir da wie eine leere Hülle. Die Zuwendung des Anderen fällt weg und wir fühlen uns leer. Wir fallen emotional in ein tiefes schwarzes Loch. Wir stehen wieder alleine da mit unserer Bedürftigkeit und weit und breit ist da nichts, was diesen Mangel füllen kann.
Wir müssen erkennen, wir haben dort gesucht, wo das, was wir brauchen, nicht oder eben nur für eine Weile zu finden ist. Wir erkennen vielleicht sogar, dass die Liebe des Anderen eine Notwendigkeit war um uns voll zu machen und nicht, wie es sein sollte, ein Geschenk, das wir dankbar annehmen ohne mehr zu erwarten oder gar einzufordern, als der Andere zu geben hat. Wir haben uns getäuscht, aber nicht im Anderen, der sich in uns genauso getäuscht hat, wir haben uns getäuscht, was uns selbst angeht. Und wir haben einander getäuscht. Die Meisten von uns brauchen viele dieser Enttäuschungen um endlich zu begreifen, dass das, was sie erfüllt, das Herz, das sie wärmt, nicht bei anderen, sondern in ihnen selbst zu finden ist - und ist es dort nicht, ist es nirgendwo.

Bedürftigkeit ist immer ein Tauschgeschäft, verbunden mit der inneren Erwartungshaltung: Ich gebe dir und du gibst mir, was ich brauche und umgekehrt, du gibst mir, dann gebe ich dir.  
Nimmt der Andere sein Geben zurück nehmen wir unser Geben zurück. Den Wenigsten ist das bewusst. Sie verbringen ein ganzes Leben mit dieser Art von Tauschgeschäften mit wechselnden Partnern. Aber spätestens dann, wenn der Mangel wieder und wieder zu spüren ist, wird es offensichtlich: Die eigene Leere, die eigene Bedürftigkeit ist nur durch einen Menschen auf Dauer zu füllen und dieser Mensch sind wir selbst. Das was wir brauchen müssen wir lernen uns selbst zu verschaffen, sonst sind wir auf ewig Abhängige.  Wir leben fremdbestimmt von unserer Unfähigkeit die Fülle in uns selbst zu spüren. Aber sie ist da. Sie ist in jedem von uns. Nur -  solange wir uns nicht darum kümmern sie in uns lebendig werden zu lassen, leben wir ohne ein Gegenüber, das uns auffüllen soll, wie ein Vampir – blutleer und bedürftig nach dem warmen Blut der Anderen.

Aber was können wir tun, wenn wir uns dermaßen bedürftig fühlen? Was können wir tun um dieses um Zuwendung und Liebe kämpfen zu beenden?
Wir können uns eingestehen, wie bedürftig wir sind. Das ist der wichtigste Schritt: Die eigene Bedürftigkeit annehmen, akzeptieren, dass es so ist und dass es nichts Verwerfliches ist, aber etwas, was es in uns zu heilen gibt. Wir können all die schmerzlichen Gefühle, die unsere Bedürftigkeit in uns auslöst fließen lassen und uns unsere Trauer darüber aufrichtig eingestehen. Was uns das bringt? Es befreit uns vor immer neuen sinnlosen Versuchen andere zu benutzen, es bewahrt uns vor weiteren Enttäuschungen, es befreit uns von dem kindlichen Erwartung, dass Andere dazu da sind, unser Bedürftigkeit auszugleichen oder gar zu beenden. Damit übernehmen wir endlich die Verantwortung für uns selbst. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Bedürftigkeit. Wir lernen darauf zu verzichten, dass andere unseren inneren Mangel beheben und wir lernen auszuhalten, dass dieses Gefühl des Mangels schmerzt. Wir lernen es mit uns selbst auszuhalten. Wenn wir das aushalten können haben wir den entscheiden Schritt getan: Wir beginnen uns um uns selbst zu kümmern und uns selbst das zu geben, was wir so nötig brauchen. Und mit der Zeit wird uns geschenkt, was wir brauchen.

Sonntag, 16. April 2017

Persönliche Auferstehung



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Wann immer du in einer belastenden Situation oder in einem Konflikt gefangen bist, könntest du dich fragen: Bin ich präsent im Jetzt oder reagiere ich gerade aus alten Konditionierungen, Mustern, Erfahrungen und Erwartungen heraus? Wann immer wir verletzt werden, besonders als Kind, wird uns etwas Essentielles gestohlen. Aus unseren alten Verletzungen heraus schaffen wir uns innere Überzeugungen und persönliche Wahrheiten, die dazu führen, dass wir, wenn wir mit einer ähnlichen Verletzung konfrontiert werden, an die ursprüngliche Verletzung erinnert werden. Das Unbewusste unterscheidet nicht zwischen dem was war und dem was jetzt ist. Wir gehen reflexartig in eine Art Trance nach hinten in unsere Vergangenheit. Wir fühlen uns so ohnmächtig und wertlos wie damals und reagieren im Jetzt aus diesen alten Gefühlen heraus. Damit beherrschen uns die Wunden der Vergangenheit bis in unser Heute.

Wenn wir uns dessen bewusst sind können wir uns entscheiden. Wollen wir trotz dieses Wissens das Opfer, das wir einmal waren, bleiben? 

Dann benutzen wir die Opferhaltung als Rechtfertigung dafür, dass wir nichts verändern. Oder sind wir präsent in der Gegenwart und entscheiden uns dafür aus der Opferrolle auszusteigen und die Verantwortung für unsere Leben im Jetzt zu übernehmen, auch wenn das bedeutet, über den eigenen Schatten springen zu müssen? Springen wir nicht, erlauben wir den alten Wunden uns zu definieren und zu dominieren. Natürlich macht es Angst die Komfortzone zu verlassen. Aber macht es nicht mehr Angst in Mustern stecken zu bleiben, die uns vielleicht ein Leben lang zu hilflosen Wesen machen, die von der eigenen unguten Vergangenheit bestimmt werden?

Das Leben ist zu kurz um zu wenig achtsam zu sein.
Achtsam uns selbst gegenüber und damit selbstfürsorglich. 


Selbstfürsorge bedeutet auch die Bereitschaft alte Verletzungen nicht in Endlosschleife zu wiederholen. Eine solche Haltung ist selbstverletzend. Sie schadet keinem anderen als uns selbst. Wir tun uns weiter an, was uns einmal angetan wurde. Wir selbst sind es, die uns damit schaden, wenn wir uns weigern anzuerkennen, wer wir im Jetzt sein können und ewig darauf beharren, dass wir nun mal nicht anders können, weil uns Schlimmes widerfahren ist. Das ist als würde man sein Leben auf einem Altar des Leidens bauen und diesen ständig voller Selbstmitleid anbeten.
Vom Selbstmitleid zum Selbstmitgefühl, dahin geht der Weg in die Autonomie als selbstbestimmter Mensch. Und das bedeutet auch: Aufzustehen, für sich selbst einzustehen und uns die Macht über uns selbst zurückzuholen, die man uns genommen hat, als wir uns nicht wehren konnten. Jetzt können wir es. Wir können auf(er)stehen. Das ist für mich die persönliche Auferstehung eines erwachsenen Menschen.

Gesegnete Ostern, Ihr Lieben!

Samstag, 15. April 2017

Es wird nicht einfacher

Je älter wir werden, desto schwieriger wird das Leben. Der Glaube es müsse leichter werden ist eine Illusion. Je älter wir werden, desto größer werden die Herausforderungen, vor die uns das Leben stellt. Je älter wir werden, desto mehr wird uns bewusst, weil wir das Leben differenzierter wahrnehmen. Je älter wir werden, desto mehr Erfahrungen haben wir gemacht und nicht jede von ihnen hat uns weiser gemacht, oder gelassener. Im Gegenteil, viele unserer Erfahrungen waren unschön, manche bitter und manche haben uns das Herz gebrochen. Wir haben Enttäuschungen erlebt und überwunden, wir haben gekämpft. Wir haben gewonnen und wir haben verloren. Und mit der Zeit haben wir kapiert, dass das Leben nicht immer mit einfachen Lösungen daherkommt. Wir haben vielleicht sogar kapiert, dass es für Manches keine Lösung gibt.

Wir haben gelernt, dass trotz allen Wollens, Glaubens und Hoffens, das Schicksal daherkommt und uns einen Strich durch die Rechnung macht. Wir haben eine Menge durchgestrichene Rechnungen in der Ablage. Wir haben gute und ungute Entscheidungen getroffen. Wir haben vielleicht erkannt, dass das, was wir anders machen wollten als unsere Eltern, gar nicht so viel anders war.

Wir haben unsere Bedürfnisse und Wünsche zurückgestellt, weil anderes oder andere Menschen für uns wichtiger waren. Wir haben Teile in uns, die leben wollten unterdrückt und manchen den Vorrang gegeben, die es nicht gut mit uns meinten. Wir haben unsere Kindheit, die vielleicht nicht gut war, verarbeitet oder wir knabbern noch immer dran und wissen, wir haben nicht mehr alle Zeit der Welt uns mit ihr auszusöhnen. Wir sind wieder und wieder in die selbe Falle getappt und wir haben wieder und wieder alte Muster wiederholt und immer noch nichts dazu gelernt, bis es so weht tat, dass wir es lernen mussten oder wir sind noch immer am Lernen.

Wir haben Scheidungen und Trennungen hinter uns gebracht. Wir haben Krankheiten besiegt und neue bekommen. Wir haben gelernt, dass wir im Grunde mit den existentiellen Fragen im Tiefsten allein sind und dass uns letztlich nur auf uns selbst verlassen können. Manchmal haben wir uns sogar selbst verlassen. Wir haben hundertfach erlebt, dass unser Wille und unsere Pläne an der Wirklichkeit zerbrechen. Wir haben Kraft verloren in all diesen Kämpfen. Wir haben Zuversicht gewonnen in jeder Situation in der unser Mut über unsere Angst gesiegt hat.

Wir haben auf Scheinharmonie zu verzichten gelernt um der Wahrhaftigkeit und um der eigenen Integrität willen oder wir stecken noch immer im Selbstverrat fest. Wir haben Verluste erfahren, die nicht wieder gut zu machen sind. Wir haben Menschen verloren, die nicht zu ersetzen sind. Wir haben gelernt mit der Trauer zu leben. Wir haben mehr und mehr begriffen, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und wir kein Geburtsrecht auf das ewige Glück haben. Wir haben gelernt, dass manche Türen sich schließen und sich neue auftun und wir haben gelernt, dass sich keine neuen Türen auftun und wir noch immer im selben Zimmer sitzen und auf ein Wunder warten. Wir haben gehofft, dass es mit der Zeit einfacher wird und mussten erleben, dass es noch schwerer wurde. Wir haben Bewusstheit und Erfahrungen gewonnen, die es uns schwer machen die Leichtigkeit des Lebens zu fühlen, auch wenn wir sie und noch so sehr herbeisehnen.

Wir haben Erinnerungen und wir haben eine lange Vergangenheit. Und diese Vergangenheit lässt sich nicht von unserem Jetzt trennen. Wir können sie nicht abspalten und sagen:“ Scheiß drauf, ich fange noch mal ganz von vorne an!" Wir sind nicht mehr ganz vorne. Wir bewegen uns, je älter wir werden, mehr und mehr nach hinten. Hinten wo der Tod wartet, der dieses Leben beendet. Und mit diesem Gewahrsein stellen wir uns die schwierige Frage: Was nun? Was will ich mit dem Rest meines Lebens anfangen?Und wieder müssen wir erfahren: Nicht wir, das Leben stellt uns Fragen.
Also erlösen wir uns von der Illusion, dass es mit dem älter werden leichter wird. Das macht es leichter.

Dienstag, 11. April 2017

Das falsche Selbst




Foto: A:W:

Die größte Wunde, die man einem Kind zufügen kann, ist die Zurückweisung seines wahren Kerns, seines Selbst. Wenn die Bedürfnisse, die Gefühle, die Eigenarten und die Begabungen eines Kindes nicht geachtet werden, wird es dazu gezwungen ein falsches Selbst zu entwickeln.

Um geliebt zu werden passen sich Kinder den Erwartungen und Normen ihrer Bezugspersonen an. Im Laufe des Lebens bekommt dieses falsche Selbst einen so massiven Einfluss, dass Menschen bis ins Erwachsenenalter glauben, das sei ihr wahres Selbst. Sie wissen nicht, wer sie wirklich sind, denn das wahre Wesen wird vom falschen Selbst in den Schatten des Unbewussten versenkt. 

Dass wir ein falsches Selbst entwickelt haben, erkennen wir daran, dass wir ständig oder immer wieder das Gefühl innerer Leere empfinden. Wir haben das Gefühl, dass mit uns etwas nicht in Ordnung ist.

Aber mit uns ist alles in Ordnung. Wir wissen es nur nicht besser, weil man es uns nicht gesagt hat. Wir wissen es nicht, weil wir mit einem falschen Selbst herumlaufen. Wir wissen es nicht, solange wir uns nicht aufmachen um unser wahres Selbst zu entdecken.

Sonntag, 9. April 2017

Die inneren Eltern


Malerei: A. W.

Auch wenn wir denken, wir haben uns von der Mutter gelöst, auch wenn wir denken, wir haben uns vom Vater gelöst, selbst wenn sie gestorben sind, in jedem von uns lebt eine innere Mutter, lebt ein innerer Vater und sie hören sich so an, sie denken, fühlen, reagieren, handeln so wie die Mutter und der Vater unserer Kindertage.

Wenn wir uns an die Eltern unserer Vergangenheit bewusst erinnern und an die Art ihrer Bemutterung und ihrer Bevaterung, ihre Haltung zueinander, zu uns, zum Leben, können wir verstehen, was in uns zu unserem Besten und was in uns zu unserem Schlechtesten wirkt.

Wenn wir fähig sind uns von der unbewussten Identifikation und den destruktiven Einflüssen der Inneren Eltern zu distanzieren und zu disidentifizieren, werden wir mehr wir selbst.

Freitag, 7. April 2017

Aus der Praxis – Selbstmitgefühl



Malerei: A.W.

Wenn die Menschen auf die wir als Kind emotional angewiesen waren, um Halt, Sicherheit, Trost und Beruhigung zu finden, eine Bedrohung waren, dann geschieht es nicht selten, dass sich unser Bedürfnis nach Nähe und Bindung mit Angst paart. Dann spüren wir Angst, wenn wir unser Herz öffnen. Es kommt kein Vertrauen auf, sondern das Gefühl uns schützen und verteidigen zu müssen. Das ist vollkommen verständlich.

Was wir dann brauchen ist uns selbst Mitgefühl und liebevolles Verständnis zu geben. Wenn wie uns Selbstmitgefühl geben, hören wir irgendwann auf uns für etwas zu verurteilen, wofür wir nichts können. Wir beginnen uns zu verstehen, mit unseren Wunden und unseren Ängsten und dem Verhalten das daraus resultiert. Wir lernen uns anzunehmen, so wie wir auch sind, auch wenn uns unser Sosein das Leben schwer macht. Wir beginnen uns klar zu sehen. Wir hören auf uns selbst zu verurteilen. Wir erkennen uns an, mit unseren Schwächen. Erst wenn wir soweit sind uns selbst so zu akzeptieren wie wir sind, kann Veränderung stattfinden.

Uns verändern bedeutet nicht perfekt zu werden oder ein Anderer zu werden. Es gibt im Leben keine Perfektion und wir werden kein neuer Mensch. Uns verändern heißt: Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die uns schaden.

Wir werden nicht alle Denkmuster und Verhaltensweisen ändern können, wir werden vielleicht sogar weiter Angst haben und unsere tiefen Wunden werden vielleicht niemals heilen, wir werden vielleicht weiter Dinge tun, die uns leid tun und Fehler machen, die ungute Folgen haben, aber wir werden aufhören uns dafür anzuklagen, abzuwerten und zu verurteilen. Wir werden aufhören uns selbst zu bestrafen, indem wir nicht gut für uns sorgen. Wir werden eine Haltung von Selbstmitgefühl und Eigenliebe entwickeln. Damit leiden wir weniger an uns selbst.

Dienstag, 4. April 2017

Möglichkeiten





Gestern sagte ein älterer Klient zu mir: "Ich hatte ein erbärmliches Leben." Ich fragte ihn, was ist für Sie ein erbärmliches Leben? Er dachte lange nach... Ich habe meine Möglichkeiten und meine Gaben nicht genutzt. Es ist traurig, wenn ein Mensch das in einem Alter sagt, wo das Meiste gelebt ist. Es hat mich sehr berührt, dass mein Klient so empfindet. Ich weiß, dass er nicht der Einzige ist der so denkt und fühlt und darum schreibe ich das heute früh, für alle von Euch, die dieses Gefühl kennen.

Es ist traurig, wenn wir ein Leben lang, das was uns an Anlagen, Gaben und Möglichkeiten gegeben ist nicht nutzen, weil wir es nie gelernt haben, weil es uns keiner vermittelt hat oder unsere Erziehung so war, dass es uns nicht erlaubt wurde. Es ist nicht leicht sich selbst zu verwirklichen, wenn es uns keiner vorgelebt hat und uns keiner dazu ermutigt hat. Es ist sogar sehr schwer.
Andererseits ist es auch schwer seinen eigenen Weg zu gehen, seine Gaben zu nutzen, sie in die Welt zu geben, sie zum eigenen Wohl und zum Wohl anderer einzusetzen. Es erfordert Mut, den Glauben an sich selbst, Disziplin und auch Verzicht. Aber wer das vermag hat ein erfülltes Leben. Er wird am Ende sagen können: Ich habe mich verwirklicht, mein Leben hatte Sinn und zwar den, den ich ihm gegeben habe. Er wird zufrieden und dankbar auf die gelebten Jahre zurückblicken und jeden neuen Tag Leben mit Freude begrüßen.

Mein Klient hat noch Zeit, er hat Zeit sein erbärmliches Leben zu ändern. Er hat beschlossen in seinem höheren Alter noch einmal zu studieren, und zwar das, was ihn schon immer interessiert hat. Das ist schön. Es ist nie zu spät aus einem "erbärmlichen Leben" auszusteigen. Wir müssen nicht erst alt oder vielleicht sogar krank werden um zu begreifen, dass wir das Recht haben und Niemandes Erlaubnis brauchen, zu leben, was ihn uns angelegt ist und unsere Gaben zu nutzen. Wir können es uns selbst erlauben. Wir können es tun, jeden einzelnen Tag, können wir das tun. Wir können ändern, was uns nicht gefällt. Es muss nicht die große Wende sein, es muss nicht bedeuten, dass wir radikal etwas verändern. Es genügt mit kleinen Dingen anzufangen, kleine Dinge zu verändern.
Jeden Tag können wir etwas tun, was unseren Gaben entspricht und was uns Freude macht. Freude schafft Sinn. Wenn wir glauben, dass unser Tun keinen Sinn hat, beschneiden wir uns selbst. Wir machen uns unglücklich.

Es ist wichtig, dass wir unsere Fähigkeiten anerkennen, denn damit erkennen wir uns selbst an. Das Entfalten unserer Potentiale, das Verfolgen unserer Interessen, unserer Visionen und Ideale, das Ausleben unserer Kreativität, bedeutet, uns selbst gegenüber gerecht zu werden.
Freude am Tun schenkt Kraft und je mehr wir von dem tun, was uns Freude macht, desto stärker und zufriedener fühlen wir uns.
Jeder Tag schenkt uns die Möglichkeit, das zu tun.
Gottes Geschenk an uns sind Möglichkeiten.

Montag, 27. März 2017

Aus der Praxis – Wie erkennen Frauen, ob sie sich in einer Missbrauchsbeziehung befinden?


Malerei: A.Wende

Missbrauchsbeziehungen basieren auf zwei Säulen: Macht und Kontrolle.

Ziel des Täters ist es, die totale Kontrolle über sein Opfer und über die Beziehung zu sichern. Diese oft sehr subtilen Methoden sind nicht einfach zu erkennen.

Sie werden am Anfang einer Misshandlungsbeziehung von den Opfern oft falsch gedeutet. Oft deuten die Opfer Kontrolle als besonders große Liebe oder als besondere Fürsorge und glauben der Täter will nur ihr Bestes.

Anzeichen dafür, dass sie sich in einer Missbrauchsbeziehung befinden:
Kontrolle, totale Vereinnahmung, Manipulation, Demütigung

Der Partner will immer nur mit ihnen Zeit verbringen.
Wenn sie gerade nicht zusammen sind, ruft er häufig an oder schickt unzählige SMS. 
Er beeinflusst den Umgang mit Ihren Freunden, will alle kennen lernen, trifft sich sogar alleine mit ihren Freunden und macht sie bei diesen schlecht.
Er macht die Freunde bei ihnen schlecht. Er meint es nur ja gut, indem er sagt: "Der Freund meint es nicht gut mit dir."
Er selbst hat kaum oder keine Freunde und die wenigen Freunde, die er hat, werden sie nie kennen lernen.
Er will immer mit ihnen allein Zeit verbringen, weil sie der einzige Mensch sind, den er braucht, der ihn versteht und dessen Nähe ihn glücklich macht.
Er entwickelt sich zum Zeiträuber, indem er stets ihre Zeit beansprucht und sie drängt Zeit mit ihm zu verbringen, auch wenn sie eigentlich Zeit für sich selbst beanspruchen. Wird ihm dieser Wunsch nicht erfüllt, fühlt er sich zurückgewiesen und ungeliebt. Er macht ihnen Vorwürfe und unausgesprochene Schuldgefühle.
Er will alles über sie und von ihnen wissen. Am Liebsten würde er in ihr Gehirn kriechen.
Er sagt immer öfter, dass er ohne sie nicht leben kann und dass sie seine große Liebe sind und ihn nie verlassen dürfen.
Waren sie alleine unterwegs, fragt er anschließend nach, wo sie gewesen sind und was sie gemacht haben. Manchmal münden diese Fragen in Eifersuchtszenen oder in unangemessene Wutausbrüche.
Er kritisiert die Menschen mit denen sie sich umgeben und behauptet, er tue das nur um sie zu schützen.
Er macht ihnen Geschenke mit der Absicht sie zu Dankbarkeit zu verpflichten.
Er gibt ihnen das Gefühl, dass sie ihn brauchen und ohne ihn nicht lebensfähig sind.
Er fordert ständig ihre Aufmerksamkeit.
Er fühlt sich schlecht behandelt wenn sie ihn nicht genügend beachten oder ihn kritisieren und reagiert mit beleidigt oder macht ihnen Vorwürfe.
Er kennt ihre Schwächen und nutzt sie aus, z.B. ihre Gutmütigkeit oder ihr Helfersyndrom.
Er belädt sie ständig mit seinen Problemen und will, dass sie sich um ihn kümmern.
Tun sie das nicht macht er ihnen Vorwürfe, nach dem Motto: "Mir geht es so schlecht, weil du nicht für mich da bist."
Er erpresst sie emotional.
Er ist extrem eifersüchtig und unterstellt ihnen, dass sie sich für andere Männer interessieren.
Er hält ihnen ihre alten Beziehungen vor und ist eifersüchtig auf diese.
Er wirft ihnen fälschlicherweise vor, ihn betrogen zu haben oder zu betrügen.
Er macht sie vor anderen lächerlich, beleidigt sie oder verletzt sie auf andere Weise in der Öffentlichkeit. Das Ziel: er will sie klein und abhängig machen.
Er verwendet in einem Streit alles was sie ihm an Schwächen anvertraut haben, gegen sie.
Er unterstellt ihnen eine psychische Störung.
Er schreit sie an, ist sarkastisch, beschimpft und bedroht sie, beleidigt sie, würdigt sie herab, lehnt ihre Meinung ab und nimmt ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht ernst.
Bei einem Streit sind immer sie schuld, er ist nicht bereit seine Seite zu sehen und Mitverantwortung für Konflikte zu übernehmen.
Er wird aggressiv und ausfallend, wenn seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Wenn sie sich trennen wollen, droht er ihnen mit seinem oder und ihrem Untergang.

Die Spitze des Terrors: Körperliche Gewalt. 
Er stößt sie, packt sie am Arm, boxt sie, schiebt sie weg, hält sie fest, schlägt oder vergewaltigt sie. All das steigert sich und nimmt im längeren Verlauf einer Beziehung kontinuierlich zu.
In vielen Misshandlungsbeziehungen kommt es zunehmend zu verbaler, emotionaler, und körperlicher Gewalt, diese verstärkt sich, sobald das Opfer versucht sich emotional oder räumlich zurückzuziehen.

In Misshandlungsbeziehungen spricht man von einem Misshandlungszyklus: Er besteht aus einer „Honeymoon-Phase“, einer „Phase der Spannungsbildung, einhergehend mit der Destabilisierung des Selbstwertgefühls des Opfers und einem „Ausbruch“, bei dem es zu verbalen und im Extremfall zu körperlichen Attacken und Gewalt kommt. Darauf folgt der nächste „Honeymoon“.  Dieses Muster widerholt sich  in Endlosschleife.
  
Wie fühlen sich die Opfer? 
Zu Anfang glauben Frauen, die in Misshandlungsbeziehungen rutschen, sie haben den Mann ihres Lebens gefunden. Er trägt sie auf Händen, liest ihnen jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllt ihn.
Sie sind begeistert von seinem tiefen und nicht nachlassenden Interesse an ihrer Person.
Sie fühlen sich geliebt und verstanden.
Sie schenken totales Vertrauen, erzählen alles über sich und sind überzeugt davon: Das ist der Mensch, der meine Wunden sieht, achtet und heilen kann.
Sie merken nicht, dass dieses „alles Wissen wollen“ dazu dient Kontrolle über sie zu erlangen (Wissen über andere ist Macht).
Sie fühlen sich mit der Zeit von seinen ständigen Anrufen, SMS und E-Mails wie ein Hund an der Leine. Sie haben mehr und mehr das Gefühl nicht mehr frei atmen zu können, sie können sich auf ihre Dinge nicht mehr konzentrieren, weil sie ständig auf „ihn“ reagieren müssen. Sie beschleicht das Gefühl man misstraut ihnen und will sie kontrollieren. Sie werden innerlich immer unruhiger und unsicherer und bitten ihn das zu lassen. Das wird nicht beachtet – die Anrufe und das Kontollieren lassen nur kurz in der Frequenz nach, dann ist es wie vorher.
Um den Stress der Fragen und Rechtfertigungen zu vermeiden, wo und mit wem sie unterwegs waren, verbringen sie immer weniger Zeit mit ihren Freunden oder mit ihren Hobbies. Sie möchten ihn ja nicht verletzen. Sie beginnen immer häufiger klein bei zu geben um die Harmonie zurückzuerlangen, die es Anfangs gab. Sie fühlen sich in ihrem Selbst und ihren Bedürfnissen herabgewürdigt und leiden darunter, dass er ständig ihre Grenzen überschreitet. Er verdreht ihre Emotionen und manipuliert ihre Gedanken und Entscheidungen, sodass die innere Unsicherheit steigt und das Gefühl - ich bin nicht o.k. - wächst. Sie denken, vielleicht bin ich an allem was da geschieht, selbst schuld.

Da es aber eigentlich immer scheinbar nur um kleine Konflikte geht, geben sie um des Friedens willen immer wieder nach und machen sich vor, das seien normale Beziehungskonflikte. Am Ende fühlen sie sich vollkommen vereinnahmt, haben kaum noch soziale Kontakte und sind völlig in der Beziehung gefangen. Ihr Lebensraum ist verengt und genau so fühlen sie sich Innersten: eng und eingesperrt. Sie haben ihr Selbstwertgefühl verloren und leiden unter Schuldgefühlen, denn er meint es ja nur gut. Sie sind seelisch und körperlich völlig erschöpft und emotional oder sogar finanziell abhängig. Sie haben Angst ihn zu verlassen, weil sie glauben, sie sind alleine nicht mehr lebensfähig.

Emotionale Misshandlung ist so subtil, so heimtückisch und so verheerend, weil sie schleichend und subtil vor sich geht und das Selbstbild des Opfers mit der Zeit derart demontiert, dass es nicht mehr weiß wer es ist. 
Die oft jahrelange Kontrolle über das Leben, die Gefühle und Emotionen, die permanente Manipulation und die seelischen Demütigungen führen zu einem Gefühl tiefer Wert- und Sinnlosigkeit und nicht selten in die Depression oder zu Angsterkrankungen. Das Opfer hat das Gefühl wertlos und nicht liebenswert zu sein. Es hat zudem das vernichtende Gefühl, selbst an den Misshandlungen Schuld zu sein, weil man ihm lange genug eingeredet hat, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Frauen in meiner Praxis sprechen von unfassbaren seelischen und körperlichen Demütigungen und (sexuellen) Misshandlungen, die ich meinen Lesern hier ersparen möchte.

Hat das Opfer endlich die Kraft, sich aus einer solchen Beziehung zu befreien, ist diese in den meisten Fällen damit nicht zu Ende. Der Terror beginnt oft erst dann richtig auszubrechen. Der Partner wird zum Aggressor und versucht so weiter die Kontrolle und die Macht über das Opfer zu behalten. Auch wenn das nicht der Fall ist: Das Selbstwertgefühl der Frau ist zerstört und sie hat das Vertrauen in sich selbst verloren. Viele Frauen, die eine solche Beziehug gelebt haben sind traumatisiert. Sie haben Depressionen, Ängste und Panikattacken oder gehen in den sozialen Rückzug.

Es braucht Mut, Kraft, großes Durchhaltevermögen und den Mut zur Selbstreflexion um all das zu verarbeiten und irgendwann wieder ein gesundes, selbstbestimmtes Leben zu führen. 
Wenn sie in einer solchen Beziehung stecken oder sie gerade verlassen haben, suchen sie sich Hilfe!
Den Weg zurück in die Autonomie und zu einem gesunden Selbstwertgefühl schaffen nur wenige Frauen alleine. Die Erfahrung sagt: Es ist möglich!

Und weil ich weiß, dass es möglich ist, helfe ich Ihnen gerne.

Kontakt: Angelika Wende 







Sonntag, 26. März 2017

Den inneren Kampf beenden








Der innere Kampf besteht in all dem, was wir tun um ein unangenehmes oder schmerzhaftes Erleben und Fühlen, zu vermeiden, abzuwehren oder zu kompensieren. Sobald wir eine Emotion verspüren, die wir nicht mögen, besteht bei den meisten Menschen die erste Reaktion darin, mit allen Mitteln zu versuchen die Kontrolle über die unangenehme Emotion zu erlangen um das in den Griff zu bekommen, was sich im Inneren abspielt. Sie versuchen diese Emotion zum Schweigen zu bringen. Innere Monologe um das zu versuchen, können sich so anhören: „Reg dich nicht auf!“ , „Denk nicht dran!“, „Vergiss es, sei nicht traurig!“ Damit kämpfen wir gegen uns selbst und das, was wir wirklich fühlen.
Die Strategien, die wir in diesem Kampf anwenden sind vielfältig. Dazu gehört, vor unseren Gefühlen zu flüchten, uns zu zerstreuen, zu arbeiten, sich abzulenken, Rückzug in die Isolation oder ständig Gesellschaft brauchen, zu viel essen, zu viel trinken, zu viel rauchen und jede Art von Sucht. Wie die Erfahrung zeigt, erweisen sich alle diese Strategien langfristig als wenig hilfreich, der innere Kampf bleibt bestehen.
Jeder Versuch unsere Gefühle wegzudrängen und damit zu unterdrücken ist nicht nur ein sinnloses Unterfangen, es birgt die Gefahr, dass sie sich verstärken, indem sie sich genau von der Energie ernähren, die wir für den Widerstand aufbringen müssen, denn: Widerstand ist Kampf. Und Kampf ist Widerstand. 

Wie können wir den Kampf beenden?
Indem wir unsere Empfindungen und Gefühle willkommen heißen. Indem wir sie zulassen, sie sein lassen, auch wenn sie unangenehm sind und uns dennoch nicht von ihnen überfluten lassen. Um das zu vermögen ist es hilfreich unsere Gefühle zu beobachten. Je mehr wir unsere Emotionen quasi aus der Vogelperspektive beobachten lernen, desto klarer können wir erkennen: Was im eigenen Inneren abläuft ist nicht identisch mit dem, was im Außen abläuft. 

Das große Problem ist, dass wir glauben, dass unsere Emotionen die Wirklichkeit widerspiegeln, in Wahrheit sind sie aber nur unsere emotionale Antwort auf die Wirklichkeit.  
Wir bewerten sie automatisch aus unseren Erfahrungen, Mustern und inneren Überzeugungen heraus. Anstatt in der Bewertungsfalle zu landen, können wir zum Beobachter werden. Zum Beobachter werden heißt: Wir erkennen: "Ich bin nicht das Gefühl. Ich empfinde das Gefühl. Und das ist ein großer Unterschied. Auf diese Weise beobachten wir das Gefühl aus der Distanz, wie der Zuschauer eines Films.  Wir nehmen eine Haltung der Neugier an. Wir versuchen nicht das Gefühl los zu werden und schauen uns genau an wo der Kampf in uns tobt. Wir finden heraus was wir kontrollieren wollen, ohne uns darüber im Klaren zu sein. Wir sind aufmerksam und wir sind wachsam und gleichzeitig lassen wir die Emotion zu, wie sie sich gerade zeigt – wir lassen die Abwehr sein.
Indem wie unseren Gefühlen die Tür öffnen und ihnen beobachtend den inneren Raum geben den sie beanspruchen, akzeptieren wir was da gerade ist. Akzeptieren was ist bedeutet: Mit dem was in uns ist im Einklang zu sein. Einklang ist das Gegenteil von Kampf. Einklang bringt Erleichterung und Beruhigung. Wir lassen davon ab gegen uns selbst in den Widerstand zu gehen, wir lassen davon ab gegen etwas zu kämpfen, was in uns selbst ist.

Indem wir unsere Empfindungen und Gefühle willkommen heißen, indem wir sie zulassen, auch wenn sie unangenehm sind und uns nicht von ihnen überfluten lassen, finden wir zum Einklang mit uns selbst. Und das bedeutet mit uns selbst im Frieden zu sein.

Es liegt eine große Macht darin, den inneren und äußeren Kampf zu beenden und unsere Energie stattdessen in das Handeln für unsere Werte zu stecken.



Freitag, 24. März 2017

Angst will gewandelt werden





Hätte der Verstand die Kontrolle über die Wahrheit deines Gefühls, dann gäbe es keinen unguten Gefühle mehr. 

Aber Gefühle lassen sich nicht kontrollieren. 
Und das ist gut so. Gut, damit die Wahrheit ihren Weg findet. 

Die meisten Menschen tun alles um die Kontrolle zu behalten und sie fürchten sich vor nichts mehr, als sie zu verlieren. 
Wer alles unter Kontrolle haben muss, der fürchtet exakt die Gefühle, die er nicht unter Kontrolle hat.

Wer kontrollieren muss hat Angst. 
Mit der Kontrolle folgt er seinen Angst und macht sie größer und größer.
Er folgt ihr wie ein Jäger und sieht nicht, dass er selbst der Gejagte ist.
Die Angst zeigt ihm, dass er seine Gefühle nicht wirklich kontrollieren kann. 
Und er bekommt noch viel mehr Angst.
Angst wird niemals kleiner durch Kontrolle. 
Sie wird nicht kleiner, wenn wir ihr folgen oder vor ihr wegzulaufen versuchen. 
Sie wird kleiner, wenn wir uns ihr stellen.
Dann erkennen wir:

Angst will uns nicht schaden. 
Auch wenn sie ein sehr unangehmes Gefühl ist.
Angst will bewusst gefühlt werden. 
Damit wir sie wandeln in Vertrauen, in Lebensbejahung, in Freude, in all das, was sie verhindert, solange wir sie nicht wandeln.
Angst will immer gewandelt werden.  
Das ist die Transformation der Angst durch Akzeptanz und Erkenntnis.


Donnerstag, 23. März 2017

Am Ziel



Es gibt so viele Dinge, die kommen und gehen.
Es gibt so viele Menschen, die kommen und gehen.
Freude kommt und geht.
Schmerz kommt und geht.
Glück kommt und geht ...
Alles kommt und geht.

Wenn es wirklich um etwas Wesentliches geht, dann ist das Wesentliche auch da.

Wir sind am Ziel.
Jeder Atemzug ...
Jeder Augenblick Leben ist das Ziel.






Dienstag, 21. März 2017

Integrität






Selbstwahrnehmung, Gewissen, Vorstellungskraft helfen uns unsere tiefsten Werte zu untersuchen. Wir erkennen so, ob das Drehbuch nach dem wir leben, in Harmonie mit unseren Werten ist oder nicht. Wir erkennen, ob unser Leben das Produkt unserer eigenen Gestaltung ist oder das Ergebnis dessen, was wir meinen sein zu müssen oder dessen, was man uns über uns und was wir zu sein haben, beigebracht hat.
Leben wir nach Letzerem überlassen wir anderen oder den Umständen die Macht über uns.
Ein solches Leben fühlt sich an wie ein Käfig.

Wir können uns verändern, wir können verändern was uns nicht entspricht, wir können auf unser Gewissen hören und unsere Vorstellungskraft entfalten, wir können der Gestalter unseres Lebens werden, wir können unser Potenzial entfalten, statt uns Begrenzungen zu fügen, die uns unzufrieden, träge und krank machen.
Wir alle können das.
Aber nicht viele schaffen das. Sie schaffen es nicht, weil sie abwägen, weil sie nach Kriterien von Haben entscheiden und nicht nach Sein. Sie schaffen es nicht, weil sie die Komfortzone nicht verlassen wollen, weil sie Angst haben verzichten zu müssen.
Wer im Käfig sitzt und den Schlüssel aus Bequemlichkeit nicht nutzt, wird niemals fliegen.
Er wird sogar aufhören zu singen.
Er wird seine Träume und Wünsche nicht mehr spüren.
Er wird bereuen, dann, wenn es zu spät ist.
Sich aus dem Käfig zu befreien heißt: Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, sich jeden einzelnen Tag seinen tiefsten Werten zu stellen und mit ihnen im Einklang zu sein. Es bedeutet ein klares Bewusstsein zu entfalten.
Es bedeutet: Sich selbst gegenüber integer handeln.

Montag, 20. März 2017

Wieder und wieder enttäuscht




Zeichnung: Angelika Wende

Manche Menschen ziehen wie magisch Menschen an, die sie belügen, benutzen, hintergehen, enttäuschen, einengen, kontrollieren, emotional verhungern lassen oder mit ihnen spielen. Immer wieder schwören sie sich dann, nie mehr auf so einen Menschen hereinzufallen. Und „bums“ beim nächsten Mal geschieht wieder genau das Gleiche.

Vertrauen ist trügerisch und Verlässlichkeit ist selten. Verlässlich aber sind die unbewussten Motive, die uns zu Menschen hinziehen, die uns seelisch verletzen.

Wer immer wieder in die Falle des Liebesunglücks tappt, hat tief in seinem Innern die Überzeugung, dass er nicht wertvoll und nicht liebenswert ist. Und wer die Überzeugung hat nicht liebenswert zu sein, hat gleich die nächste, nämlich keine Liebe zu verdienen. Ein unheiliger Doppelpack an destruktiven Überzeugungen, der alles andere als das Liebesglück zu uns kommen lässt.

Nicht selten ist auch die Wahl des negativen Selbst. Eine unbewusste Strategie um damit die eigenen ungeliebten Seiten nicht anschauen zu müssen. Wir lassen sie stellvertretend vom Partner leben und sind neben ihm der bessere Mensch. Das hat den Sinn, sich selbst von allen negativen, schamhaften und abgewehrten Schattenseiten der eigenen Person reinzuwaschen, und zwar indem der gewählte Partner sie für uns auslebt. Können wir uns zum Beispiel unsere eigene Schwäche nicht zugestehen und markieren, auch wenn wir längst innerlich zerbrochen sind den Starken, werden wir immer wieder schwache Partner anziehen, haben wir Angst vor Bindung werden wir immer wieder bindungsunfähige Partner anziehen.Wenn wir unsere Autonomie über alles stellen, werden wir Klammerer und Kontrollfreaks anziehen. Haben wir Angst vor Abhängigkeit werden wir immer wieder Co-Abhängige oder Süchtige anziehen. Wer mag liest dazu auch meinen Artikel über die Co-Abhängige Liebe. 
http://angelikawende.blogspot.de/2016/03/aus-der-praxis-co-abhangige-liebe-lasst.html

Hier gilt in der Tat das Gesetz der Resonanz, ganz nach dem Motto: 

Unbewusstes erkennt Unbewusstes blind. 
Das eigene Unbewusste, das eigene Verdrängte nimmt im Außen Gestalt an. Und was uns im Außen begegnet, meinen wir, hat ja nichts mit uns zu tun. Diese Form der Selbststabilisierung wird in der Psychologie auch „interpersonelle Abwehr“ genannt.

Wenn wir immer wieder an den oder die Falschen geraten, stecken dahinter auch unbewusste Beziehungsmuster, die wir seit der Kindheit mit uns herumschleppen. 
Haben wir schon als Kinder ungute Beziehungserfahrungen gemacht, spielen wir diese unbewusst als Erwachsene wieder ab. Neurotischen Beziehungsmuster zeigen sich in unangemessenen Nähe-Distanz-Bedürfnissen, Angst vor dem Verlassen-Werden, der Unfähigkeit Vertrauen zu entwickeln, Schutzmechanismen aus Angst verletzt zu werden und mangelnder Bereitschaft uns emotional zu öffnen und so tief einzulassen. Dabei geht es immer um die gleichen Themen: Nähe kontra Distanz, Vertrauen versus emotionales Einlassen, Dominanz versus Unterordnung, Idealisierung versus Abwertung.

Warum kommen wir aus diesen Mustern nicht heraus, wenn wir doch wissen wie destruktiv sie sind?

Ganz einfach und doch so schwer.
Solange uns unsere neurotischen Beziehungsmuster, Mechanismen und Ängste unbewusst bleiben, drängen sie auf Wiederholung.Solange wir selbst in der Neurose stecken ziehen wir neurotische Menschen an.

Aber wie geraten wir man nun raus aus dem ewigen Kreislauf destruktiver Beziehungserfahrungen und an den, der uns gut tut und dem wir gut tun?
Indem wir an uns arbeiten und an unserer Neurose. Indem wir uns selbst auf die Schliche kommen und indem wir uns unsere Verflossenen anschauen, die eine Menge über uns selbst zu erzählen haben. 

Wir können uns fragen: Was hatten sie für Eigenschaften? Was haben sie gemeinsam? Wie war der Anfang, wie der Verlauf und wie das Ende der Beziehung? Was haben sie bedient, was wir selbst nicht verändern wollen? Wie war die Beziehung unserer Eltern? Wie war die Beziehung zu unserer Mutter und wie die zum Vater?

Das ist eine Menge Arbeit und sie dauert, aber sie ist hilfreich und sie rettet uns davor immer wieder ins Liebesunglück zu stürzen. Das ist es doch wert, oder wollen wir uns das Herz immer wieder brechen lassen? Ewig macht das Herz das nicht mit.
  



Nichts erzwingen





Die Welt geht ihren eigenen Gang, sie wurde nicht dafür geschaffen, dir deinen Willen zu erfüllen. Trenne dich von der Vorstellung, dass alles nach deinem Willen und Wünschen geschehen muss. Sie macht dich unzufrieden und unglücklich.
Es macht keinen Sinn etwas mit Biegen und Brechen erzwingen zu wollen.
Es macht keinen Sinn an verschlossene Türen zu klopfen.
Zieh dich aus Situationen heraus, die dich Kraft kosten und dich nicht weiterbringen.
Entferne dich von Menschen, die dich nicht wertschätzen.
Du muss nichts bis zum Ende aussitzen.
Du kannst gehen. Immer kannst du gehen.
Akzeptiere Grenzen, deine eigenen und die im Außen.
Suche dennoch nach Möglichkeiten.
Wenn du ungeduldig wirst, erinnere dich an den Fluss, der mit Geduld seinen Weg findet.

Sonntag, 19. März 2017

Erinnerung an Liebe






Diese schmerzhaften Erfahrungen mit der Liebe, die sich in unsere Erinnerung drängen, immer wieder, auch wenn wir doch dachten, das ist vorbei und vergessen. Sie erwischen uns, wenn wir einen Geruch wahrnehmen, ein Lied hören oder einen Ort der Vergangenheit betreten. Sie erwischen uns an einem stillen Sonntagmorgen, wenn wir allein am Frühstückstisch sitzen. Als ich heute Morgen mein Ei köpfe ist sie da, die Erinnerung an eine schmerzhafte Liebe. Und als das Ei so erbärmlich zerteilt vor mir auf dem Teller liegt, denke ich, manchmal fühle ich mich so wie sich dieses Ei fühlen müsste, wenn es denn fühlen könnte - zerteilt.  Zerteilt zwischen der Sehnsucht wieder zu lieben und der Angst es wieder zu tun.

Traurig ist das. Aber so ist das mit den Verletzungen der Liebe zwischen Menschen, das Bittere wird zu einer unschönen Erinnerung. Das Alte ist nie weg, auch wenn es uns nicht jeden Tag im Gedächtnis ist, es ist immer da.

Eine Liebe, die uns tief verletzt hat, eine Lüge des Menschen, dem wir vertraut haben, ein Erkennen, dass wir uns vielleicht über Jahre haben täuschen lassen, all das liegt in der schwarzen Schachtel der Erinnerungen. Dort hineinzuschauen tut weh. Und dieses Weh weitet sich aus, es weitet sich über die schwarze Schachtel hinaus in die weiße Schachtel in der die Sehnsucht liegt. "Lass sie liegen!", flüstert es aus der schwarzen Schachtel heraus, "deine dumme Sehnsucht, die dir so viel Schmerz bereitet hat."

Schmerzhafte Erinnerungen können uns misstrauisch machen und weniger bereit zu vertrauen. Je mehr dieser schmerzlichen Liebeserinnerungen wir haben, desto misstrauischer werden wir. Viele von uns blicken, je älter sie werden, auf traurige Liebesgeschichten zurück. Das macht es schwer uns neu einzulassen. Ich spüre, dass ich mich schütze und meine Gefühle zu kontrollieren versuche. "Pass auf", sagt die Erinnerung, "tritt nicht wieder in die Falle, es wird schmerzen, es wird dir vielleicht am Anfang gut tun, aber du weißt doch wie Menschen sein können, sie tun dir weh und oft genau die, die dich ihrer großen ewigen Liebe versichern". Das sind die Schlimmsten, die, die mit großen Worten lieben und nicht mit dem Herzen und der Wahrhaftigkeit. Das sind Erinnerungen, die wie ein großer fetter Schwellenhüter zwischen mir und dem Vertrauen in die Liebe zwischen Mann und Frau stehen.

Ich will das so nicht hinnehmen. Würde ich das tun, dann hätte die Erinnerung mehr Macht über mich als ihr zusteht. Und wenn dann einer käme und mich an Liebe erinnert und wie sie auch sein kann, nämlich ehrlich, aufrichtig und schön, dann müsste ich mich abwenden von ihm, aus Angst vor der Erinnerung mit der dieser Mensch nicht das Geringste zu tun hat.

Ich lebe im Jetzt, auch wenn ich Erinnerung bin, lebe ich im Jetzt. Und dieses Jetzt ist nicht mein Gestern. Und was gestern war muss heute nicht so sein und morgen nicht so werden. Darum esse ich jetzt genüsslich mein Ei und erinnere mich an eine schöne Liebe, denn auch sie gab es und es wird sie wieder geben.




Samstag, 18. März 2017

Wahl






Schuldzuweisungen führen zu Zorn und Hoffnungslosigkeit.
Wenn wir glauben, dass wir ein Opfer der Umstände sind und nicht selbst über uns bestimmen verlieren wir den Antrieb und verfallen in Hoffnungslosigkeit.
Wenn wir zornig sind verlieren wir den klaren Verstand und handeln blind.
Das heißt nicht, dass all das keine Berechtigung hat.
Es macht nur nichts besser.
Was also nützt es, uns in einem Netz von Gefühlen und Haltungen zu verfangen, die nichts besser machen?
Was haben wir davon?
Wir können in der Opferrolle verharren und müssen keine Verantwortung übernehmen.
Aber das ist ein Trugschluss.
Wir sind immer in der Verantwortung, wir treffen immer eine Wahl.
Warum nicht eine Wahl treffen, die nützlich ist?

Freitag, 17. März 2017

Wer Träume hat will sie leben, wer echte Träume hat, wird ihnen folgen.




Neulich fragte mich eine Klientin, die regelmäßig diesen Blog liest, warum ich nicht mehr so viel und so oft schreibe. Eine andere Leserin schrieb mir eine Mail mit der gleichen Frage. Die Antwort ist, weil ich an meinem Traum arbeite, weil ich wieder aufbauen muss, was ich verloren habe, meine schönen Praxisräume in der Wiesbadener Innenstadt. Ich musste da weg, ich musste weg, um mich vor dem Ungutem zu bewahren, das mir dort von einem, der mir nicht gut will, entgegengeschleudert wurde wie Gift. Ich musste eine lange Weile entgiften um wieder in meine Kraft zu kommen.

Zuerst hat mich der Verlust der schönen Räume gelähmt. Wie mit Menschen arbeiten, wenn du keinen Raum hast?, fragte ich mich. Ich suchte nach Räumen, fand aber keinen und wenn ich einen fand, war er entweder für mich nicht bezahlbar oder es gab einen anderen Haken. Und gab es keinen Haken, so war der Haken die Erinnerung an das, was ich einst haben durfte und verloren hatte. Ich wollte partout nicht loslassen von dem, was einst so schön und so perfekt gewesen war. Völlig entmutigt stellte ich meine Arbeit für fast zwei Monate ein. Ich war am Boden zerstört. Meine Praxis ist mein Baby, dass ich in vielen Jahren hochgepäppelt habe. Ich liebe es, wie ich meine Arbeit liebe. Es fühlte sich an als sei mein Baby getötet worden und meine Arbeit am Ende. Ich spürte den Fall in die Bodenlosigkeit. Ich war in einer Krise gelandet und wusste nicht mehr weiter. Ich sah mich schon in der Reihe der Menschen stehen, die den Staat um Hilfe bitten müssen um zu überleben. Ich war nahe daran aufzugeben.

Aber ich bin keine, die aufgibt, ich habe schon viele Krisen durchlebt und ich habe schon vielen Menschen erfolgreich aus ihren Krisen herausgeholfen. Du schaffst das, weil du es kannst! Das sagte ich mir immer wieder, wenn das ängstliche kleine Kerlchen in mir meinte, dass wir das dieses Mal nicht schaffen und vor Scham über sein vermeintliches Scheitern am Liebsten im Erdboden versunken wäre. An vielen Tagen in diesem letzten Winter hat es das auch getan. Es hat sich verkrochen, es ist nicht mehr raus aus dem Haus, es hat geweint und sich selbst bemitleidet und sich gar nicht gut gefühlt. Und immer wieder waren da die Bilder im Kopf von dem schönen Raum, der  unwiderbringlich verloren ist. Es war in Trauer über den Verlust seines lebendig gewordenen und dann gestorbenen Traumes.

Jetzt ist Frühling. In meinem Garten vor dem kleinen Atelier, indem ich früher nur manche Tage zum Malen verbracht habe, blühen die ersten Narzissen und Krokusse. Die Hortensien vor dem Fenster haben pralle grüne Knospen und die Vögel baden am Morgen in der kleinen Steinwanne. Hier lebe arbeite ich jetzt. Vorerst. Ich arbeite weiter an meiner Lebensaufgabe, Menschen, denen es nicht gut geht zu helfen, ihnen Kraft und Mut zu geben und Menschen, die ihre Stimme und ihren Auftritt verbessern wollen eine Stimme und Selbstbewusstsein zu geben. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die repräsentative Praxis in der Langgasse verloren habe. Ohne mich und meine Klienten ist dort jetzt nur noch ein leerer Raum.

Ich bin durch die Krise gegangen. Ich bin wieder ein bisschen stärker und weiser geworden. Ich bin noch mehr ich selbst geworden, ich definiere mich nicht mehr über beeindruckende Fassaden, weil ich weiß, ich bin wertvoll als der Mensch, der ich bin und als der Coach, der anderen Menschen genau das vermitteln kann: Du bist wertvoll, weil du du bist! Auch wenn alles andere wegfällt. Du bist das, was dich innerlich zusammenhält.

Ich habe einen Traum: Ich lebe diesen Traum und ich liebe diesen Traum. Und ich werde ihn mir von nichts und niemanden kaputt machen lassen. Und wer das geglaubt hat, der kennt mich nicht.

Einen Traum leben. Das ist eine große Aufforderung an uns selbst. Ob er in Erfüllung geht, ob wir mit dem, was wir tun Erfolg haben - Woran lässt sich das messen? Am Erfolg? Welcher Erfolg? Was ist Erfolg wirklich? “Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.“ Das sagte Bob Dylan, ein erfolgreicher Musiker einmal, als man ihn fragte, was für ihn Erfolg ist. Und so ist es, Erfolg ist, wenn wir Tag für Tag tun können, was uns gefällt.

Wünschen wir uns das nicht alle? Das zu tun, was uns gefällt?
Und ist es nicht das Schwerste überhaupt, von dem was uns gefällt auch noch zu leben, wie es Bob Dylan gelang?  Es ist das Schwerste. Wenn es schwer wird neigen wir dazu aufzugeben oder uns in etwas pressen zu lassen, was uns nicht entspricht. Standhalten, den eigenen Wünschen und Sehnsüchten folgen, die eigenen Werte, Gaben und Begabungen zu leben und sie zu entwickeln, das ist schwer.
Aber, warum ist es so schwer, das zu tun, was wir lieben?
Es ist so schwer, weil die Realität sich nicht für unsere Träume interessiert und weil es einen Preis hat, das Träumen. Nämlich im Zweifel den Verzicht auf all die Dinge, die wir glauben haben zu müssen. So wie ich glaubte die schicken Praxisräume haben zu müssen.

Leider geht es in dieser Gesellschaft ums „Haben wollen“. Schon den Kleinsten geht es darum. Das Neueste haben müssen um dazu zu gehören, oder warum sonst brauchen wir all den Kram? Aber, macht das neueste iPhone oder der neueste Laptop oder ein repräsentativer Raum einen Menschen wertvoller? Machen all die Dinge, die wir bezahlen und kaufen können, glücklicher oder zufrieden? Die Erfahrung sagt nein. Satter macht es, all das Kaufen und Haben und wie erschreckend langweilig trotzdem alles ist. "Mein Leben ist langweilig", sagte ein Klient neulich zu mir, dem es an nichts fehlt, außer am Mut, endlich sein Leben in die Hand zu nehmen und aufzuhören seine Seele zu verkaufen.

Genau darum ist es langweilig, weil das Haben und Anhäufen von Dingen uns nicht befriedigt. Weil das Konsumieren sogar immer unzufriedener macht und hungriger nach Mehr, was dann auch nicht satt macht – die Seele nämlich. Wer viel kauft spürt viel Mangel und zwar Innen. Mit dem Kaufen ist es wie mit dem Saufen oder den Drogen, es sind Süchte der Sehnsüchtigen nach sich selbst. Leider führen sie nirgendwo hin, außer in Siechtum.

Was macht zufrieden? Zufrieden macht, wenn wir Lebensträume haben, wenn wir ein ein Wofür haben. Wer weiß wofür er etwas tut, geht den Weg, für den er sich entschieden hat, auch wenn immer wieder Steine oder gar dicke Felsbrocken auf diesem Weg liegen. Er geht und er weiß, auch schwere Zeiten, auch Krisen gehören zum Leben und vor allem:  Er nimmt die Herausforderung sich selbst treu zu bleiben an, gegen alle Widerstände.

Wir wachsen an unseren Krisen. Jede Krise ist eine Chance, wenn wir sie als solche erkennen wollen. Sie ist Chance unseren Traum ins Leben zu holen, wieder und wieder.
Wenn wir kein klares Lebensziel haben, wie soll uns das Universum helfen?
Wenn wir es haben wird es uns helfen.
Ich weiß es, weil ich es so erlebe immer und immer wieder, bei mir selbst und all den Menschen, die ich begleiten durfte und begleiten darf.

Unsere Lebensträume, unsere Ziele und unsere Visionen geben uns in dieser inflationären Vielfalt von Möglichkeiten eine persönliche Leitlinie. Sie sind der rote Faden, an dem sich ein zufriedenes Leben entlangspinnt. Aber Vorsicht, das Leben verheißt uns keine illusorische Erfüllung, nur weil wir einen Traum haben. Ein Lebenstraum ist eine komplexe Aufgabe, er erfordert Anstrengung und Mühen, jahrelanges Experimentieren, immer neue Versuche, ein immer wieder neues Scheitern vielleicht sogar, ein Fallen und ein Wiederaufstehen, er erfordert Geduld, Kraft und Disziplin und ja – auch den Verzicht auf Annehmlichkeiten und vermeintlich so wichtigen Schnickschnack. Er erfordert Mut, Glaube, Hoffung und die Liebe zu diesem Traum.

Wer Träume hat will sie leben, wer echte Träume hat, wird ihnen folgen.
Wer seinen Träumen folgt ist ein eingeschworener Anhänger seiner eigenen tiefen Werte und vor allem: Er hat den Willen sein Leben diesen Werten zu widmen. Oft ist er dabei allein unterwegs. Das ist kein einfacher Weg. Und weil es kein einfacher Weg ist, wagen es viele Menschen erst gar nicht ihn zu betreten. Sie sehen sich dabei zu, wie sie konturlos, blutleer und leidenschaftslos im immer gleichen Hamsterrad drehen und finden den Ausweg nicht. Sicher, der Traum ist ein Wagnis und wer ihn hat, weiß das, aber das Nichträumen ist der Untergang der Seele in einer Tagwelt voller Druck, Ängste, Süchte, Zweifel und Depression.

Ich fordere hier keinen auf sinnlos und abgehoben von der Wirklichkeit in den Tag hinein zu träumen, ich spreche zu denen, die einen wahren Lebenstraum haben und denen der Mut fehlt, der Glaube und die Hoffnung, dass er sich erfüllen könnte, um Euch Mut zu machen. Den Mut zu scheitern, den Mut einzustehen für Euch selbst und die eigenen tiefen Werte und Ideale, Mut die Angst zu umarmen und loszuziehen in das größte Abenteuer, das wir Menschen in diesem Leben haben: Das sind wir selbst.

Wer einen Lebenstraum hat, der arbeitet daran und wenn es tausend Umwege sein mögen, er wird ihn leben, wenn er es wirklich ernst meint. Und er wird Hilfe bekommen, wenn er bereit dazu ist.
Und weil ich weiß, dass es möglich ist, unterstütze ich Euch gerne dabei.

Namaste Ihr Lieben

Angelika