Sonntag, 17. Juni 2018

Der eigene Schmerz

Zeichnung: A.Wende

Es ist schwer zu vertrauen, wenn wir als Kind immer wieder widersprüchliche Botschaften erhalten haben.
Es ist schwer zu lieben, wenn wir als Kind immer wieder Schmerz erfahren haben.
Es ist schwer die Kontrolle aufzugeben, wenn wir als Kind immer wieder Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit erfahren haben.
Es ist schwer uns selbst gut zu behandeln, wenn wir als Kind immer wieder schlecht behandelt wurden.


All das ist so schwer, dass wir ein Leben lang versuchen dieses Schwere loszuwerden.
Also versuchen wir es: Wir versuchen zu vertrauen und werden wieder enttäuscht. Wir versuchen zu lieben und erfahren immer wieder Schmerz. Wir versuchen zu kontrollieren und erfahren immer wieder Unberechenbarkeit. Wir versuchen uns selbst gut zu behandeln und behandeln uns immer wieder schlecht.
All das sind untaugliche Versuche, die uns nur mehr vom Schweren bringen.

All das erfahren wir durch andere, glauben wir, und sehen nicht, dass wir es durch uns selbst und unseren Schmerz wieder und wieder erfahren.

Wir kommen vom Schweren nicht weg solange wir uns nicht unserem eigenen Schmerz zuwenden.
Wir finden kein Vertrauen, wenn wir uns selbst nicht vertrauen.
Wir können nicht lieben, solange wir uns selbst nicht lieben.
Wir können die Kontrolle nicht aufgeben, solange wir uns selbst kontrollieren.
Wir können nichts von anderen bekommen, was wir uns selbst nicht geben können.
Es hilft nicht den Schmerz zu ignorieren.
Es hilft nicht in immer neuen Beziehungen die Liebe und all das zu suchen, was wir als Kind nicht bekommen haben.
Es hilft nicht, weil wir immer nur das bekommen werden, was wir in uns tragen: Schmerz.
Wir bekommen immer nur das altbekannte Gefühl der Kindheit.
Wir bekommen es solange, bis wir uns endlich selbst dem verletzten Kind in uns zuwenden, solange bis wir die Trennung zwischen uns und dem inneren Kind auflösen und anfangen für dieses Kind hinreichend gute Eltern zu werden. Solange wir das nicht tun, werden wir immer wieder am selben scheitern: An unserem eigenen Schmerz.

Samstag, 16. Juni 2018

Der Weg zur Selbstliebe



Immer wieder höre ich von meinen Klienten oder lese von Euch hier auf meiner Seite den Satz: „Mich selber lieben, dass kann ich nicht, weil ich es nicht fühle.“
Das ist wahr: Was ich nicht fühle, kann ich nicht glauben.
Aber wahr ist auch: Was ich denke, kann ich fühlen.
Wahr ist:
Ich kann mein Denken ändern.
Ich habe die Macht mein Denken zu ändern.
Ich habe die Macht mein Denken über mich selbst zu ändern.
Ich habe die Macht durch meine Gedanken meine Gefühle zu verändern.

Die meisten Menschen aber glauben das nicht. Sie hören es, sie lesen es, aber sie können es nicht als Wahrheit annehmen, weil die alten Wahrheiten in ihren Köpfen so mächtig sind. Viele Menschen fühlen sich ein Leben lang als Opfer der Umstände, als Opfer ihrer Programmierungen, als Opfer einer vergifteten Kindheit, als Opfer ihrer eigenen Unzulänglichkeit, als Opfer ihrer eigenen Unfähigkeit nicht der zu sein, der sie sein wollen.

Ich kenne das gut. Ich habe lange gebraucht um mich selbst zu lieben. Und noch heute gibt es Tage oder Phasen wo es mir nicht gelingt und ich in den alten Modus zurückfalle und mich ohnmächtig fühle. Besonders dann wenn mich ein Mensch, der mir viel bedeutet verletzt. Dann fühle ich mich gar nicht mehr so liebenswert. Ich fühle mich schlecht und denke, was habe ich nur getan, dass mir so etwas passiert und wenn es ganz schlimm ist, wenn mich ein Mensch, den ich liebe, benutzt, belügt oder betrügt, dann kommt dieses alte Gefühl wieder hoch: Ich bin nicht liebenswert genug um geliebt zu werden. Dann spüre ich den Widerstand in mir, dann höre ich all das Ungute was man mir über mich selbst beigebracht hat, dann fallen mir alle Schicksalsschläge ein, die mich getroffen haben, dann verliere ich den Boden unter den Füßen ich und fühle mich genauso wie damals als Kind – wertlos, verlassen und ganz und gar nicht liebenswert.
Es ist okay!, sage ich mir dann.
Es ist okay, dass du dich jetzt so fühlst!
Mit diesem „Es ist okay!“, beginnt sie, die Liebe zu uns selbst.

Um uns selbst lieben zu lernen, ist es wichtig erst einmal aus dem Widerstand herauszukommen und das geht indem du beginnst dich selbst zu akzeptieren, so wie du jetzt bist, so wie du dich jetzt fühlst, so wie du jetzt in diesem Moment in der Zeit gerade drauf bist.
Selbstliebe beginnt genau mit dieser Akzeptanz und sie beginnt mit dem Mitgefühl für dich selbst.
Es ist okay! zu fühlen, was du fühlst.
Es ist zwar nicht schön, aber es ist okay.

Wenn du alle Illusionen, alles was man dir über dich selbst zu denken beigebracht hat, alle Konditionierungen der Gesellschaft einmal durchdrungen hast, wirst erkennen, dass der Weg zu Selbstliebe darin besteht, dich selbst so anzunehmen wie du bist, mit allen unguten Gefühlen, mit all deinen kleinen und großen Macken, mit all deinen Zweifeln, deinen Verletzungen, deinen Ängsten, mit allem, was dich ausmacht und dennoch gut zu dir selbst zu sein. Gerade deshalb gut zu dir selbst zu sein.

Nobody is perfect. Wir alle lernen in diesem Leben, jeden einzelnen Tag, mit jeder Erfahrung und mit jeder Begegnung, mit dem Guten was wir erfahren und mit dem Unguten was wir erfahren, aber das Entscheidende um uns selbst lieben zu lernen ist, das zu verlernen was man uns über uns beigebracht hat, nämlich, dass wir so und so sein müssen um liebenswert zu sein.
Es ist okay! Wir sind okay, so wie wir sind.
Es ist okay, dass wir nicht so schnell lernen wie wir es von uns erwarten, es ist okay, dass wir immer wieder in alte Muster zurückfallen, es ist okay, dass wir versagen und scheitern, es ist okay, denn genau das ist das Leben.

Liebst du das Leben? Liebst du es trotz allem was es dir beschert, trotz der schweren Zeiten? Liebst du die schönen Dinge? Kannst du sie auch im größten Kummer sehen und wertschätzen? Bist du dankbar, dafür was du hast, auch in schlechten Zeiten? Kannst du sehen was du hast und nicht damit hadern, was du nicht hast oder nicht mehr hast?
Wenn ja, dann hast du eine sehr gute Chance dich selbst lieben zu lernen, denn du bist das Leben selbst, mit allem was dich ausmacht.

Selbstliebe geht nicht auf Knopfdruck. Der Weg zu ihr hin, zu dir hin, ist eine Entscheidung und die triffst allein du selbst. Keiner kann das für dich erledigen. Und niemand kann dich daran hindern, wenn du es wirklich willst. Es ist deine Aufgabe, wenn du sie annimmst.
Jeder lernt auf seine Weise. Die einen schneller, die anderen langsamer. Am Besten lernt der, der weiß, dass es immer wieder Rückschritte und Rückschläge gibt, dass das Leben alles ist: Freude und Leid, Glück und Unglück, Gewinn und Verlust, Begegnung und Abschied, Krankheit und Tod. All das erleben wir alle, aber wenn wir es zu persönlich nehmen können wir damit nicht einverstanden sein. Dann hadern wir und finden uns selbst und unser Leben nicht liebenswert.

Gelerntes Zeit braucht um es zu verinnerlichen. Und so ist es mit der Selbstliebe. Wir lernen sie jeder auf seine Weise. Manche brauchen sogar viele Rückschläge um endlich den Widerstand gegen sich selbst aufzugeben.
Es ist okay!

Namaste Ihr Lieben.

www.wende-praxis.de

Freitag, 8. Juni 2018

Gedankensplitter

Foto: AW

Das Leben schenkt dir destruktive Beziehungen? 
Dann hast du noch keinen Weg gefunden gute Beziehungen zu leben. 
Das Leben schenkt dir Alleinsein?
Dann hast du noch keinen Weg gefunden, mit dem Alleinsein umzugehen.