Mittwoch, 31. Juli 2019

Wut ist nicht gut für unseren Seelenfrieden

Foto: A. Wende


Auch ich habe die Gelassenheit nicht mit Löffeln gefressen.
Ich bin gerade sehr wütend. Ich bin wütend, weil ich mich tief verletzt fühle. Ich spüre, dass diese Wut mir gar nicht gut tut. Und ich sehe - sie verändert nichts. Meine Verletzung tut nicht weniger weh, sie tut sogar noch mehr weh, indem ich die Wut füttere. Ich will in meine innere Ruhe zurückfinden und ich bin bereit dazu, weil es mir reicht mit dieser destruktiven Emotion durch die Tage zu gehen.

Was passiert wenn wir wütend sind?
Wenn wir wütend sind fühlen wir uns nicht wohl. Wir schlafen schlecht, wir sind weniger achtsam auf das Jetzt, wir haben den ganzen Tag ein Grummeln im Bauch, wir sind unruhig und innerlich aus der Balance. Wir sind nicht mehr bei uns selbst, sondern wir sind mit unserer Aufmerksamkeit bei dem, was uns wütend macht.
Wütend zu sein bedeutet dabei nicht bei jedem von uns unbedingt, dass wir unserer Wut Luft machen, weil wir ja gelernt haben, dass das gar nicht gut ist, und so sind wir innerlich wütend. Diese Wut kann uns auf Dauer zerfressen. Wut ist etwas, das uns gar nicht gut tut und keine Vorteile mit sich bringt. Wenn unsere Wut zu stark wird, dass wir sie dann doch irgendwie loswerden müssen, explodieren wir vielleicht. Es kommt zum Wutausbruch. Das ist ersten Moment ungemein befreiend. Wir machen uns Luft.

Aber, fühlen wir uns wirklich besser?
Hilft es uns dabei, dass es uns besser geht?
Hilft es uns das Problem zu lösen, das die Wut hat entstehen lassen oder hilft es uns die Verletzung, die wir erfahren haben, wegzumachen?
Nein, es hilft nur für den Moment, aber nicht dauerhaft.
Wütend sein erlöst uns nicht, es kann uns zwar manchmal helfen uns von etwas oder jemanden zu lösen, aber auf Dauer ist sie kein guter Begleiter für ein zufriedenes Leben, wenn wir sie nicht erlösen.

Wut ist ein großes Hindernis für unseren Seelenfrieden und deshalb ist es sehr wichtig, daran zu arbeiten. 

Ich habe mich entschieden, ich will meine Wut nicht weiter in mir herumtragen, nicht nur um wieder Frieden für mich selbst zu erlangen, sondern zum Wohle aller die mit mir leben.
Was können wir tun?
Um unsere Wut zu (er) lösen hilft es uns dem Problem zu stellen, das sie verursacht und nicht der Wut selbst. Das heißt nicht, dass wir sie nicht fühlen und da sein lassen. Das ist okay.
Es heißt wir schauen bewusst auf das, was uns so wütend macht – wir wenden uns der Ursache zu und nicht der Wirkung, die sie emotional in uns erzeugt.
Das heißt, dass wir das Problem anschauen, um zu erkennen, wie dumm und lächerlich es ist mit diesem Problem weiter leben zu wollen. Stattdessen können wir eine gesunde Entscheidung treffen: Wir entscheiden, dass wir so nicht weiter machen. Wir haben die Schnauze voll. Dieses Problem langweilt uns und macht uns vielleicht sogar krank.
Nun heißt das nicht, dass wir es dadurch lösen.
Manche Probleme lassen sich nicht so einfach lösen.
Was dann?
Shantideva, ein großer indischer Meister des Buddhismus, sagte einmal: „Wenn es etwas gibt, was wir in einer schwierigen Situation tun können, um sie zu verändern, warum sollten wir uns dann Sorgen machen und wütend werden; wir ändern einfach, was zu ändern ist. Wenn die Situation nicht verändert werden kann, dann hilft es nichts, sich Sorgen zu machen und ärgerlich zu werden.“

Wenn wir die Situation nicht ändern können, dann hilft nur eins: Wir akzeptieren, dass wir sie nicht ändern können und ändern unsere innere Haltung - wir lassen los.

Loslassen heißt nicht, ich will oder ich muss es los werden.
Es los werden wollen, bedeutet im Kampf sein mit dem, was ich nicht haben will. Loslassen heißt, es so sein lassen wie es ist und annehmen was ist. Annehmen bedeutet im Frieden sein, mit dem was ist.
Das können wir üben.
In diese Übung können wir unsere Energie geben und nicht in die Wut.
Energie folgt immer unserer Aufmerksamkeit.

Also macht es Sinn den Focus nicht auf das richten, was du nicht willst sondern auf das, was du willst.

Namaste

Montag, 29. Juli 2019

Gedankensplitter


 



Manchmal ist Liebe ein Spiel mit dem Schatten, ein Schattenspiel oder eine Schattengleiche. Zwei Schatten gleichen einander aus.
Manchmal wird das Spiel zum Kampf.

Samstag, 27. Juli 2019

Ruhe finden im Sturm des Schmerzes

Foto: www


Schmerz, den wir empfinden ist normal. Schmerz gehört zum Leben. Er kommt und er geht. Aber manchmal dauert der Schmerz zu lange. Er dauert manchmal so lange bis wir das Gefühl haben, dass wir nur noch Schmerz sind. Immer wieder kommen die gleichen Gefühle und Gedanken. Sie drehen wie kleine Hamster das Rad im Kopf bis uns ganz schwindelig wird. Und mit jeder Drehung erleben wir den Schmerz neu. Wir sehen ein, wir schaffen es nicht ihn loszulassen.

Das führt nicht nur dazu, dass wir unglücklich und niedergeschlagen sind, es führt auch dazu, dass wir vieles in unserem Leben nicht mehr auf die Reihe kriegen. Wir sind betäubt vom Schmerz und der Alltag zieht an uns vorüber als habe er mit uns nichts zu tun. Wir gehören nicht mehr dazu. Wir gehören nicht einmal mehr zu uns, weil der Schmerz die Verbindung zu unserer vitalen Lebensenergie kappt. Wir sind Gefangene in einem Kreislauf aus Schmerz.

Das kann jedem von uns passieren. Niemand, auch ich, die viel weiß und viel Erfahrung im Umgang mit Schmerz hat, eigenem und fremdem, kenne das gut. Es gibt Dinge im Leben, die man nicht so einfach verkraften kann, und schon gar nicht schnell. Das ist okay und wir sollten uns dafür auch nicht kritisieren oder verurteilen.

Schmerz, der zu lange dauert, ergibt sich aus dem, was uns tief in der Seele verletzt.
Ganz tief, so tief, dass wir glauben, es wird nie mehr gut.
Es braucht Zeit, einen solch tiefen Schmerz zu verarbeiten.
Und je tiefer er sitzt, desto mehr Zeit braucht es.
Tiefe Wunden heilen langsam.
Das zu akzeptieren löst unseren Kampf mit uns selber.
Wir lassen uns Zeit.

Trotzdem verpflichten wir uns uns selbst gegenüber, alles zu tun, um den Schmerz zu lindern.
Dabei hilft es, unsere Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu richten. Die Vergangenheit ist vorbei. Sie wird nicht wieder kommen, sie wird sich nicht verändern lassen, außer in unseren Gedanken.
Und genau das, sie verändern zu wollen, nicht sein lassen zu können was war und ist, verursacht Schmerz und emotionalen Stress.
Bringen wir stattdessen so oft wir es schaffen, unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Auf das Jetzt.
Wir sind achtsam.
Wir beobachten uns.
Was mache ich gerade?
Was kann ich Gutes an dem finden, was gerade passiert?
Was kann ich tun, was mich so beschäftigt, dass ich den Schmerz für das Jetzt vergesse?

Natürlich werden wir unvermeidlich auch wieder über die Vergangenheit nachdenken. Wir akzeptieren das, und bringen uns zurück in den gegenwärtigen Moment.
Besonders hilfreich ist bewusstes Atmen.
Immer wieder empfehle ich das meinen Klienten, weil es wirkt.

Versuche dich auf deine Atmung zu konzentrieren.
Stell dir vor: Jedes Ausatmen ist der Schmerz der Vergangenheit.
Und jedes Einatmen ist Frieden, der in dich hineinströmt.

Je öfter wir das machen, desto ruhiger werden wir.
Ruhig im Sturm des Schmerzes werden, ist unser Ziel in – diesem Moment in der Zeit.
Nichts weiter.
Mehr ist nicht zu tun.
Wir sind nicht machtlos dem Schmerz gegenüber.
Wir sind fähig, Frieden in unser Leben treten zu lassen.
Schritt für Schritt lassen wir die Vergangenheit sein.
Wir klammern nicht mehr an dem, was wir nicht mehr haben.
Wir haften nicht mehr an der Vergangenheit an.
Wir üben das Atmen für den Frieden in der Gegenwart.

Geduldig.
Wieder und wieder ...

Namaste


Mittwoch, 24. Juli 2019

Wenn der Körper Alarmstufe ROT zeigt



Foto: A. Wende

Wenn wir an einem Thema zu scheitern drohen, werden wir krank. Dieser Zusammenhang ist uns meist nicht bewusst. Was wir auf seelischer Ebene nicht verkraften oder lösen können, wandert irgendwann auf die körperliche Ebene. Wir weichen dem eigentlichen Thema aus und somatisieren das Ungelöste über den Körper.

Ein solches Ausweichen, auch Abwehrreaktion genannt, zeigt sich im Extremfall in der Hypochondrie: Der Hypochonder „bildet“ sich seine Krankheiten ein, weil er unbewusst so seinen Themen, seinen Problemen und Ängsten ausweichen kann. Er beschäftigt sich ständig und geradezu zwanghaft mit dem eigenen Körper anstatt mit dem, was die Seele ihm zeigen will.
Aber nicht alle Krankheiten, die aus seelischen Ursachen entstehen sind eingebildet. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Körper (Soma) und Seele (Psyche). Beide beeinflussen sich wechselseitig.

Negativer Stress, chronische Anspannung, permanente Überforderung, dauernde Angst, Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung und Einsamkeit führen zu körperlichen Reaktionen. Sie belasten unser Immunsystem, sie beeinflussen den Stoffwechsel, die Gesundheit der Zähne und der Organe, sie führen zu schlechtem Schlaf und zu einer dauerhaften Verkrampfung der Muskulatur. Hält die seelische Belastung und die darauf erfolgenden organischen Symptome über lange Zeit an, können manifeste Schmerzen und andere körperliche Erkrankungen entstehen.
Der Mensch wird krank. Der Körper ist im Alarmzustand. Die Beschwerden führen zu noch größerem Stress, der wiederum die Symptome verschlimmert – ein Teufelskreis entsteht.

Es steckt eine sehr verzweifelte Seele dahinter, wenn sich Schmerzen und Krankheiten ausbilden, um seelisches Leid zu kompensieren.

Emotionale Konflikte, ungelöste Probleme, Kränkungen und Ängste laufen häufig im Verborgenen ab. Wir versuchen das Belastende wegzudrücken, wir sagen uns, so schlimm ist alles nicht. Wir verdrängen und wehren ab was uns schmerzt, weil wir glauben, dass die Auseinandersetzung mit diesen Themen uns überfordert, weil wir spüren dass sich, würden wir genau hinsehen, sehr schmerzhafte Wahrheiten in unser Bewusstsein drängen würden und wir etwas in unserem Leben unbedingt ändern müssen.
Verdrängung ist grundsätzlich nichts Ungutes, sie ist ein Schutz der Seele, um sich nicht ständig mit den Widrigkeiten des Lebens auseinandersetzen zu müssen. Auf der anderen Seite kann zu lange Verdrängung aber auch krank machen.
Dann ist es höchste Zeit wirklich hinzuschauen.
Wir können uns fragen:
Was will mein Körper mir sagen?
Auf welches ungelöste Thema will er mich hinweisen?
Und: Was muss ich denn nicht mehr tun, mit der Krankheit, die ich habe?
Was erspare ich mir damit?

Jede Krankheit hat ihre Botschaft an uns.
Sie ist ein Hinweis auf den Bereich in unserem Leben, der aus der Balance geraten ist, der uns nicht mehr gut tut und krank macht. Je früher wir hinsehen, desto gesünder ist es. Je länger wir wegsehen, desto alarmierender reagiert der Körper. Wach endlich auf, will er uns sagen und tu was für mich und für dich!

Was können wir tun? Außer zum Arzt gehen und uns helfen lassen?
Wir können versuchen unsere Schmerzen und Krankheiten liebevoll anzunehmen, im Wissen, das hilft uns bei der Bewältigung unserer Themen.
An erster Stelle steht also das Annehmen, aus dem heraus sich so etwas wie liebevolle Zuwendung zu uns selbst hin entwickeln kann. Und genau die brauchen wir, wenn wir krank sind. In dieser Art von Liebe liegt die Ahnung, was das Leben uns sagen will, wenn es uns ausbremst und wofür gerade auch Schmerzhaftes gut ist.
Möget ihr gesund sein.

Sonntag, 21. Juli 2019

Gedanken zur Krise der Lebensmitte




Manchmal verlieren wir den roten Faden unserer Seele im Labyrinth des Lebens. Dann erinnert uns möglicherweise das Schicksal daran, dass da etwas komplett ungut läuft. Es "schlägt zu" wenn wir uns selbst nicht gut tun, wenn wir zu viel tun, was über unsere Kraft geht, wenn wir auf einem Weg sind, der nirgendwohin oder gar in den Abgrund führt. Es erinnert uns daran, dass wir uns etwas "schuldig" geblieben sind. "Um ein guter Schicksalsspieler zu werden müssen wir von der Vogel-Strauss-Taktik Abstand nehmen und unsere nicht entwickelten Anlagen erkennen", schreibt der Schicksalsforscher Herrman Meyer. Er meint damit, das zu erkennen, was in uns angelegt ist, um es zu entfalten und endlich ins Leben zu holen.

Viele Menschen fragen sich, besonders in der Lebensmitte:
Wer bin ich eigentlich?
Was ist der Sinn meines Daseins?
War es das jetzt?
Wofür habe ich gelebt?
Habe ich verwirklicht, was ich mir einst wünschte?
Wohin bin ich gekommen?
An welchem Punkt stehe ich jetzt und wie soll es von hier aus weiter gehen?

Irgendjemand soll ihnen die Antwort geben. Manche legen in ihrer Ratlosigkeit sogar Engelskarten oder Tarot, um dort Antworten zu finden. Und dann lesen sie die Antworten, die ihnen ihr eigenes Unbewusstes, das sich in den Karten spiegelt, gibt - und machen weiter wie vorher.
Sie gehen den Holzweg weiter.

Eine häufige Erkrankung in der Krise der Lebensmitte ist die Depression. Die Betroffenen spüren, dass es in ihrem Leben so nicht weiter gehen kann, dass ein Richtungswechsel erforderlich ist - und zwar: Blickrichtung nach Innen. Und genau dazu zwingt die Depression: Zum Inne halten, weil nichts mehr geht. Narzisstische Persönlichkeiten fallen in eine narzisstische Krise, wenn ihr bisheriges Leben mehr Misserfolge als Erfolge zu verzeichnen hat. Die Maske fällt, der Größenwahn hält dem inneren Kleinheitsgefühl nicht mehr stand. Der Mensch steht vor sich selbst nackt da und spürt vielleicht zum ersten Mal seine Verwundbarkeit.

Die Mitte des Lebens ist ein entscheidender Wendepunkt.
Das Meiste ist gelebt. Fünfzig Jahre sind vergangen und weitere fünfzig werden die meisten von uns nicht erleben. Die Zeit wird kostbarer als je zuvor. Anstatt zu versuchen in der Lebensmitte krampfhaft das Versäumte nachzuholen - ein Nachholen steht im Widerspruch zu der notwendigen Umkehr im Leben - macht es Sinn, das Wesentliche zu erkennen, was uns nach all den gelebten Jahren ausmacht und was wir nach dieser Erkenntnis aus uns machen und was wir in der uns verbleibenden Zeit, gestalten wollen.

C.G. Jung sagte einmal, dass Menschen, die die Spiritualität nach der Lebensmitte nicht finden, in schwerste Sinnkrisen fallen. Dann wird Leiden zum Ersatz für das Entwickeln der eigenen Potentiale.
Aber woran leiden wir emotional?
Wir leiden an dem, was wir nicht haben, nicht haben können oder verloren haben. Wir leiden an den Gedanken an die Vergangenheit, die uns weh getan hat, sei es durch andere Menschen oder durch uns selbst oder durch all die unguten und schmerzhaften Erfahrungen, die wir machen mussten. All das können wir nicht loslassen. Und ja, das ist auch schwer, aber das Festhalten ist nicht leichter.
Wir halten fest an längst Überlebtem und es wird weiter gelitten.

Wo ist der sekundäre Gewinn?
Der Gewinn ist eine scheinbare Sicherheit, eine scheinbare Stabilität, weil es bleibt wie es ist und wir den Ist-Zustand kennen und berechnen können.
Warum bleiben Menschen beieinander, die sich nichts mehr zu geben haben? Warum machen wir weiter den Job, der ausbrennt, warum müllen wir uns mit sinnentleerter Ablenkung und unnützen Dingen zu? Weil das alles bekannt, vertraut und berechenbar ist, weil das Gewohnte erträglicher anmutet, als die Angst vor Veränderung oder das Riskieren von Verlusten. Das Streben nach Berechenbarkeit dominiert unser Denken und unsere Welt – vor allen sorgt es dafür, dass wir funktionieren. Kontrollieren, Festhalten am Gewohnten und Risiken ausschließen vermittelt uns das Gefühl von Stabilität. Aber nur aus der bewusst wahrgenommenen Qualität der eigenen Instabilität heraus wächst echte Stabilität in unserem Inneren. Wenn wir bereit sind, das Instabile zuzulassen und uns selbst ehrlich zu begegnen, wenn wir das Risiko eingehen unsere Schatten anzuschauen, wenn wir bereit sind, die Täuschungen, denen wir anhaften zu ent-täuschen, begegnen wir der Wahrheit, und zwar der eigenen. Dann beginnen wir uns mit unserem ureigenen Wesen auseinanderzusetzen. Und zwar im Jetzt. Und nicht gefangen im Blick nach dem nicht mehr Veränderbaren was hinter uns liegt.

Wenn wir im Laufe dieses Prozess alle Seiten unserer Person anerkennen können, als einander bedingende Teile des Ganzen, sind wir auf dem Weg in eine Stabilität, die sich echt anfühlt und uns inneren Halt gibt. Dann folgt authentisches Handeln, was nicht anderes bedeutet, als dass unsere Gedanken, Gefühle und Taten übereinstimmen. Das wäre das Ende der Selbstlüge. Und damit schöpfen wir Mut. Wir sind wahrhaftig. Und wir erkennen auch unsere Angst vor der Veränderung an. Aber wir wandeln sie: Sie wird zum Motor um mit der Veränderung zu beginnen, die wegweisend ist über die Lebensmitte hinaus.

Namaste

Freitag, 19. Juli 2019

Zuneigungshunger



Jede Beziehung, die auf emotionaler Abhängigkeit und kindlichem Bedürfnis- und Zuneigungshunger anstatt auf Liebe basiert, wirkt in sich selbst zerstörerisch.
Sie wird nicht funktionieren.
Zu viel Bedürftigkeit, zu viel Zuneigungshunger macht uns zu Abhängigen.
Wir kleben am anderen, der zum Objekt unserer unerlösten kindlichen Sehnsucht mutiert.
Wir sehen nicht ihn, was wir sehen ist das, was wir von ihm wollen.
Wir sehen nicht ihn, was wir sehen ist das, was wir von ihm brauchen.
Wir lieben ihn ihn, wir lieben, was wir von ihm bekommen. 
Wir sehen uns selbst und nicht den anderen.

Zu viel Bedürftigkeit und Zuneigungshunger erstickt jede Form der Liebe.
Liebe ist nicht abhängig. Von nichts und von Niemanden.
Je voller wir mit Zuneigungshunger sind, desto eher ziehen wir genau die Menschen an, die das auch in sich tragen. Die voll sind davon und leer an Liebe.

Es treffen sich zwei unreife Erwachsene auf Kindesebene.
Wir denken, wir haben unseren Seelenpartner gefunden.
Wir beginnen uns vollkommen auf diesen Menschen zu konzentrieren.
Wir meinen wir haben endlich die Quelle unseres Glücks gefunden.
Aber mit der Zeit müssen wir erfahren, unsere Bedürfnisse werden nicht gestillt.
Die Quelle des anderen ist genauso vertrocknet wie die unsere.

Wir spüren Enttäuschung und werden wütend auf den Menschen, der uns doch all das geben sollte.
Wir sind abhängig von seinem Geben.
Wir sind abhängig von unserem Brauchen.
Wir sind abhängig von unserer alten kindlichen Bedürftigkeit und unserem Zuneigungshunger.
Wir schlucken jede Kröte.
Wir begnügen uns mit Brosamen. 
Wir ertragen viel um der Befriedigung dieses Zuneigungshungers willen.
Wir setzen uns Leid und Risiken aus.
Wir tun alles um weiter gebraucht zu werden, nur weil wir brauchen.
Weil wir glauben zu brauchen.
Weil wir das seit ewigen Zeiten glauben.
Und glauben es sei wahr.
Wir geben den letzten Rest unserer Selbst auf.
Wir ertragen das Unerträgliche.
Wir machen Dinge mit, die wir mit klarem Verstand niemals mitmachen würden.
Nur um nicht zu verhungern an unserem ungestillten Hunger nach Zuneigung.
Wir sind so fest davon überzeugt, dass wir alleine verhungern.
Wir schlucken alles was wir kriegen können auch wenn es giftig ist.
Nur um nicht zu verhungern.

Die Wahrheit ist: Wir verhungern alleine nicht aber wir verhungern als Abhängige.

Wir können lernen von uns selbst "abhängig" zu werden.
Vielleicht sind andere Menschen nie für uns dagewesen für die wir immer da waren, weil wir abhängig davon waren gebraucht und geliebt zu werden, aber wir können aufhören, das zu bedauern und damit beginnen für uns selbst da zu sein, uns selbst zu versorgen und uns selbst lieb zu haben.

Namaste








Donnerstag, 18. Juli 2019

Müde vom Kampf

Foto: A.Wende

Müde vom Kampf
löst du den Widerstand
legst die Waffen nieder
Verlässt das Schlachtfeld.
Hast plötzlich Klarheit
fühlst Ruhe
innen und außen.
Gehst zurück zu dir.
In die Stille.
Lange vielleicht.

Findest dich wieder
mit der Zeit.
Sammelst all die Teile ein, die du vergessen hast
für so lange Zeit
im Kampf
Schaust sie dir an und wählst
welche du noch brauchst und welche du nicht mehr brauchst.

Hast etwas verloren.
Hast etwas gewonnen.
Bist alt und neu zugleich.
Bist wieder du und mehr als du warst.
Vor dem Kampf.