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| Foto: A.W. |
Du siehst im Moment kein Licht am Ende des Tunnels.
Und vielleicht musst du es auch nicht sehen.
Du hast viel verloren.
Menschen, die du geliebt hast.
Nähe. Vertrautheit. Halt. Verbundenheit. Geborgenheit. Gewissheiten. Und vielleicht auch einen Teil von dir selbst und die Vorstellung davon, wie dein Leben weitergehen kann.
Du weißt, was dir fehlt.
Du weißt auch, dass du diese Dinge nicht einfach herstellen kannst.
Liebe lässt sich nicht planen.
Nähe lässt sich nicht erzwingen.
Einen geliebten Menschen kann man nicht ersetzen.
Einen neuen Sinn kann man nicht einfach konstruieren.
Glück kann man nicht machen oder kaufen.
Die Trauer hat uns und nicht wir sie.
Du kannst sie nicht einfach abstellen.
Auch deinen Schmerz können wir nicht einfach wegmachen.
Und deshalb sage ich dir nicht: Du musst nach vorne schauen.
Du musst positiv denken. Ich kann dir auch nicht sagen: Du wirst bestimmt wieder glücklich werden.
Das weiß ich nicht.
Aber eines weiß ich: Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht.
Du weißt es nicht. Ich weiß es nicht.
Du kannst dir im Moment vielleicht nicht vorstellen, dass dein Leben noch einmal anders aussehen könnte. Das ist okay. Du musst dir heute keine Zukunft vorstellen können. Aber dass du dir etwas nicht vorstellen kannst, bedeutet nicht, dass es unmöglich ist. Dass du heute keine Freude empfindest, bedeutet nicht, dass du niemals wieder Freude empfinden wirst. Dass du heute keine Nähe hast, bedeutet nicht, dass dein Leben für immer ohne Nähe bleiben muss. Dass du heute Schmerz fühlst, bedeutet nicht, dass dieser Schmerz nicht kleiner werden kann.
Und dass du heute kein Licht in der Dunkelheit siehst, bedeutet nicht, dass die Zukunft bereits entschieden ist. Du musst nicht versuchen, heute ein Licht am Ende des Tunnels zu finden. Du musst nur nicht entscheiden, dass es niemals anders werden kann. Es reicht zunächst, nicht zu behaupten, dass es nie mehr heller wird.
Heute weißt du nur, was heute ist.
Heute fühlst du Trauer.
Heute empfindest du Schmerz.
Heute quält dich Sehnsucht.
Heute bist du einsam.
Heute fühlst du Angst.
Heute fehlt dir Liebe.
Heute fehlt dir ein Mensch, mit dem du dein Leben teilen kannst.
Heute fühlt sich vieles leer an.
Heute hast du keine Hoffnung, dass es jemals besser wird.
Das ist deine Wahrheit für heute.
Aber die Zukunft ist keine festgeschriebene Tatsache.
Sie ist noch nicht geschehen. Und deshalb müssen wir heute nicht wissen, wie du in einem Jahr leben wirst. Wer du sein wirst. Was du tun wirst. Wir müssen nicht wissen, ob du noch einmal einen Menschen finden wirst, der dich tief berührt. Wir wissen nicht, ob du eine neue Liebe erleben wirst. Wir müssen nicht wissen, ob und wann deine Freude zurückkommt.
Wir wissen es einfach noch nicht.
Vielleicht
ist das für den Moment die kleinste Form von Hoffnung, die möglich ist.
Nicht: Alles wird gut, sondern: Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Und
vielleicht kannst du irgendwann sagen: Und ich muss es heute noch nicht
wissen.
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

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