Donnerstag, 14. Januar 2021

Aus der Praxis–Selbsthilfe bei depressiven Verstimmungen



 
Destruktive Gedankenkreise sind sehr belastend.
Wenn uns unentwegt düstere und ängstliche Gedanken um die eigene Person, die Menschen, die wir lieben, die Existenz, die ungewisse Zukunft und die bedrückende Vergangenheit den Alltag erschweren, leiden wir . Machen wir uns deshalb Schuldgefühle und Selbstvorwürfe leiden wir noch mehr.
Destruktive Gedanken sind nagend. Je mehr sie von uns Besitz ergreifen, desto sinnloser erscheint uns das Leben und die Hoffnung es könne wieder gut werden, schwindet.
Wir gleiten oftmals unbemerkt in eine Depression.
 
Die meisten depressiven Menschen sehen ihre Depression als persönliches Versagen. Dies führt wiederum zu andauerndem Grübeln über das eigene unerwünschte Verhalten. Eine tiefe Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Gefühle innerer Lehre und Resignation sind vorherrschend. Die emotionale Gestimmheit wird zunehmend bedrückender und irgendwann ist da die Lähmung.
Fragt man Menschen warum sie depressiv sind können sie oftmals gar nicht sagen, weshalb sie so traurig und niedergedrückt sind. Es fühlt sich alles schwer an und der Kern der Schwere ist nicht wirklich greifbar.
Das macht ohnmächtig.
Das macht schon das morgendliche Aufstehen zur unüberwindlichen Kraftanstrengung. Sie würden lieber im Bett bleiben und sich den ganzen Tag unter der Decke verkriechen. Alles wird als „zu viel“ empfunden. Sie brauchen für alles immer länger, sie verlassen die Tagesstruktur, schieben Arbeiten auf, sie verlieren Interessen, Bedürfnisse und Wünsche. Sie ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück und beginnen sich abzukapseln. Sie wählen die Isolation, weil sie mit dem Außen nicht mehr mit(fühlen) können. Es geht sie nichts mehr an, sie haben da keinen Platz mehr und es versteht sie keiner mehr, auch, weil sie sich ja selbst oft nicht mehr verstehen.
 
Wie können wir uns davor schützen in diesen depressiven Zustand zu gleiten?
Atemübungen, Achtsamkeit und insbesondere Mediation können uns davor bewahren, in das wiederholte und anhaltende Grübeln über das Unselige in und um uns herum zu verfallen.
Durch die tägliche Praxis der Meditation lernen wir uns innerlich von der eigenen depressiven Gedankenwelt zu distanzieren, wir lernen uns zu disidentifizieren.
Je öfter wir das tun, desto eher können wir unsere Gedanken wieder als Gedanken und nicht als „die Wirklichkeit“ wahrnehmen. Wir hören auf ständig neue depressive Gedankenstränge zu nähren und sie damit am Leben zu halten. Wir nähren stattdessen die innere Freiheit von Belastendem. Wir spüren wieder Ausgeglichenheit und die Hoffnung auf Veränderbarkeit. Wir empfinden wieder mehr das Gefühl innerer Ruhe und Zuversicht. Die innere Leere darf sich mit gelassener Geborgenheit füllen.
Wer sich schwer tut in der Stille zu sitzen und auf den Atmen zu achten kann eine fokussierende Meditationsmethode auf ein äußeres Objekt auszuprobieren. Das kann eine brennende Kerze sein auf welche für eine bestimmte Zeit die ganze Aufmerksamkeit gerichtet wird. Das ist besonders dann hilfreich, wenn dunkle Gedankenschleifen die Aufmerksamkeit so stark auf sich ziehen, dass es sehr schwer fällt, sich ihrer Intensität zu entziehen. Dann hilft ein Stimulus wie die Kerze die Aufmerksamkeit an sich zu binden. Hilfreich ist auch eine geführte Mediation, die man online abrufen kann. Zum Beispiel die geführten Meditationen des Zen Meisters Hinnerk Polenski, die mich immer wieder erden, wenn ich die Bodenhaftung verliere.
 
Aus Erfahrung weiß ich, nicht allen depressiven Menschen gelingt es sofort einen Zugang zu diesen hilfreichen Techniken zu finden. Oft blockiert sie der innere Kritiker, der sagt: „Lass es, es gelingt dir sowieso nicht, bringt nichts, keine Kraft, zu anstrengend, wenn es so einfach wäre“, u.s.w. So sabotiert dieser destruktive innere Anteil meist erfolgreich das Ausprobieren, das Dranbleiben, das Praktizieren.
Was in diesem Falle hilfreich ist sind auch Bücher, die uns motiviren können den Zugang zur Meditation zu wagen. Bücher von Menschen, die wissen worüber sie schreiben, weil sie sich selbst auf diese Weise aus der Depression gerettet haben.
Eines davon möchte ich allen, die einen Zugang zum Buddhismus haben oder offen dafür sind und sich gerade traurig, überfordert oder depressiv fühlen, ans Herz legen: "Der Zen-Weg aus der Depression. Therapeutisch-spirituelle Hilfe zur Selbsthilfe" Ein wunderbares Buch darüber, wie die Weisheit des Buddhismus und die Praxis der Achtsamkeit helfen können, Depressionen zu lindern. Geschrieben von Philipp Martin, einem Psychotherapeuten, der mit Hilfe seiner spirituellen Praxis die eigene Depression überwinden konnte.
 
Namasté

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