Sonntag, 25. Oktober 2015

Was es bedeutet ein Mensch zu sein

Es verblüfft mich längst nicht mehr zu sehen, wie das Recht des Stärkeren, das Recht der Geldigen in dieser Welt gilt und wie es sich mehr und mehr ausbreitet, bis alles was schwächer ist, darunter erdrückt wird und liegen bleibt, sich mit den Krümeln abfindet, weil die Armut taub und ohnmächtig macht, wenn sie nur lange genug dauert. Es verblüfft mich nicht mehr, aber es erschüttert mich noch immer und immer wenn ich es mit diesen Geldmenschen zu tun bekomme, packen mich die Wut und der Ekel.

Diese Welt wird regiert und beherrscht von den Gierigen, den Habenmenschen, den  Waffenproduzenten, den Banken, den Produzenten unnützer Dinge, die die Marketingmenschen dann als lebensnotwendig wohlfeil anbieten, kurz, diese Welt wird regiert vom Geld, von nichts anderem als vom Geld. Wer das nicht hat, hat das Nachsehen. Er hat nichts außer seinem Sein und wenn dieses Sein nichts hat, was es von Innen hält,  sieht es schlecht aus um diesen Menschen. Aber auch jener, der ein Sein hat und kein Geld um sein Sein zu leben und zu entfalten, dem geht es schlecht in einer Welt, die den Menschen danach bewertet was er hat. Denn, haste nix biste nix und haste nix bekommst du auch nix.

Ich spreche von den Künstlern aller Genres, den Musikern, den Malern, den Schriftstellern, den Philosophen, von all den Menschen,  die diese Welt so nötig braucht, wie sie die anderen ganz und gar nicht braucht, von diesen Menschen, die etwas geben was unbezahlbar ist: ihr Herzblut für das, was sie tun und ich spreche von dem wertvollen Geschenk, das diese Menschen der Welt machen, mit dem, was sie tun.

Ich denke an all die toten Maler wie Vincent Van Gogh, dessen Geschichte mich rührt, an seine Liebe, seine Leidenschaft und seinen Schaffensdrang, an all die Bilder, die ihm keiner abkaufen wollte, an seine Verzweiflung an sich selbst und der Welt, die das, was er ihr zu geben hatte, nicht haben wollte, an seinen Freitod, weil die Freiheit keine wahr, denn frei sein ohne Geld, immer abhängig von der Gnade des Bruders, macht wahnsinnig, wenn ein Mensch es nicht schon ist. Ich denke an Amedeo Modigliani, dessen Bilder mich bis in die Tiefe meiner Seele berühren, der wie kein anderer das Wesen eines Menschen auf die Leinwand bannen konnte, ohne seine Augen zu malen, der an der Armut zugrunde ging, weil man seine Gabe nicht sehen wollte und all all die anderen begabten Künstler, die keine Marketinggenies waren wie ein Picasso, der menschlich zu den Unanständigen gehörte und die Frauen an seiner Seite eine nach der anderen zerstörte, und bejubelt wurde von der Welt, weil er sich ausgezeichnet verkaufen konnte. Über seine Kunst ist nicht zu streiten, auch wenn ich sie nicht sonderlich mag.

Ich denke an all die Künstler, die damals wie heute am Hungertuch nagten und nagen, weil es keinen gab und gibt, der der Welt den Wert ihres Produktes vermittelt oder sie unterstützt wenn er es könnte,  weil: Kunst braucht man nicht wie das tägliche Brot, die ist Luxus, haben wir gelernt; und ich denke an die, die sich den Luxus leisten können und die Werke alter Meister und neuer Hypekünstler für Millionbeträge kaufen und zwar ihres monitären Wertes wegen, die sie sich in Tresore und in eigens dafür errichtete Räume hängen, um sich ab und an ihrer Geldanlage der besonderen Art zu ergötzen und in ihrem Herzen nicht einmal die blasseste Ahnung haben, was es bedeutet, mit Liebe Kunst zu schaffen. (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie immer.)

Ich denke an all die jungen begabten Künstler, die sich mit miesen Jobs durchschlagen, die ihnen die Muse und die Schaffenskraft rauben oder von Hartz IV leben, weil sie keinen Job bekommen, denn mit dem, was sie können, kann man sie auf dem freien Markt nicht brauchen.

Ich denke an diese Künstlerseelen, die nicht begreifen, warum Menschen nicht begreifen, dass das was sie tun ihre Arbeit ist und kein Hobby, das man mal so nach Feierabend macht, und sonst aber bitte was Anständiges und ich könnte kotzen, ob soviel Ignoranz und Mangel an Schöngeistigkeit und Herzensbildung in der Welt der Geldmenschen, die keiner braucht und die doch alle unterstützen, damit man sie auch ja nicht abschaffe, die, die Herzen, Seelen und das Leben der Menschen vergiften und den Frieden in der Welt weiter bewusst verhindern mit ihrem ruchlosen Tun, denn auch Kriege bedeuten Kohle, und ich sehe wie diese Geldmenschen unendlich vielen Menschen auf diesem Planeten Schaden zufügen und alle gucken zu und machen mit, indem sie nichts machen.

Und ich verstehe bei allem Bemühen meines gescheiten Hirns nicht, warum die, die das auch sehen nicht endlich aufstehen und diese menschenverachtenden Gierschlunde aus ihren schicken Designerstühlen heben, von denen aus sie das Geschick der Menschheit lenken.

Doch, ich verstehe es. Es geht, weil die Mehrheit der Menschheit aus genau dieser Gier besteht, durchdrungen vom Haben wollen, vom Geld anhäufen und Dinge kaufen, die kein Mensch braucht. Sie aber brauchen das, weil sie Innen nichts haben, außer Neid und Gier und Machthunger und den irren Glauben das sei das fette Leben, das Haben, das letztlich ihre Blutwerte verfettet. Sei´s drum - mein Haus, mein Auto, mein Urlaub, mein Bankonto, mein I-Phone und gleich noch ein paar für die verwöhnten Kids, weil alle verwöhnten Kids eins haben müssen. Ja, das ist das gute Leben.

Wer in Gottes Namen braucht diese Menschen mit ihren unseligen Geschäften, die sie machen?

Niemand braucht sie. Die, die das wissen, sind entweder vorm Überlebenskampf oder der Armut so geschwächt, dass sie darüber schon gar nicht mehr nachdenken, andere sind von der erlernten Hilflosigkeit so konditioniert oder brainwashed, dass eine Veränderung für sie unvorstellbar ist und der große Rest ist derart verblödet vom Rundumkonsum, dass er glaubt, so ist die Welt, so muss sie sein, das ist normal. Nein, das ist nicht normal!

Die Künstler und all die anderen sensiblen Menschenseelen, die nicht blind und verblödet sind, stehen da, ohnmächtig und ohne eine bessere Zukunft in einer Welt, die glaubt, dass sie sie nicht braucht und ihnen noch dazu vorhält, dass ihr brotloses Schaffen keinem etwas nützt.

Ehrlich, wäre ich der liebe Gott, ich würde auf diese Welt einen großen Haufen sch.... aber zuvor würde ich einen Noah eine Arche bauen lassen mit Platz für all die, die wissen, was es bedeutet ein Mensch zu sein.



Kommentare:

  1. So wahr! Ich tendiere dazu zu glauben, dass der liebe Gott alle, die wissen was es bedeutet ein Mensch zu sein ausgeschickt hat auf diese Erde mit dem Ziel, diese zu einem besseren Ort zu machen. Weil wenn diese Menschen alle in die Arche kämen bräuchten sie bald einen anderen Planeten...

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