Konflikte sind ein Bestandteil menschlichen Zusammenlebens.
Sie
können in allen Lebensbereichen auftreten, sei es im persönlichen
Umfeld, am Arbeitsplatz oder in der Politik. Konflikte entzünden sich an
Gegensätzen. Konflikte leben aus Spannungen zwischen polaren Ansichten
und Sichtweisen. Konflikte resultieren aus Dissonanzen. Sie entstehen,
wenn unterschiedliche Empfindungen, Überzeugungen, Ziele, Interessen,
Bedürfnisse oder Werte aufeinandertreffen und nicht im Einklang
miteinander stehen. Konflikte gibt es in Beziehungen mit anderen oder in
uns selbst.
Manche Konflikte sind lösbar, andere nicht. Sie schwelen weiter.
Um
Konflikte wirklich abschließen zu können, ist es notwendig, uns mit
ihnen auseinanderzusetzen. Dazu gehört Bereitschaft - die Bereitschaft
sich überhaupt damit auseinandersetzen zu wollen um eine Einigung zu
finden. Was aber wenn es diese nicht gibt? Wenn der andere mit dem wir
im Konflikt sind, partout nicht bereit ist eine Lösung zu finden?
Dann bleibt nur ein schmerzhafter Teil des Konflikts sichtbar -
dass
Konflikte nicht allein daran scheitern, wie man miteinander spricht,
sondern daran, dass mindestens eine Seite gar keine gemeinsame Lösung
will.
Ein
Konflikt braucht nicht nur Gegensätze, sondern auch einen gemeinsamen
Raum, in dem beide bereit sind, sich wertschätzend zu begegnen. Fehlt
diese Bereitschaft, verändert sich die Natur des Konflikts. Dann geht es
nicht mehr um Verständigung, sondern um Abgrenzung, Macht, Vermeidung,
Kontrolle, Rückzug oder Selbstschutz.
Wir
können einen Konflikt niemals vollständig allein lösen, aber wir können
lernen, den eigenen Anteil daran zu klären und abzuschließen.
Das
bedeutet anzuerkennen, dass man den anderen nicht zwingen kann, die
eigene Erwartung an Einsicht oder Versöhnung loszulassen, es bedeutet zu
unterscheiden zwischen „den Konflikt lösen“ und „mit dem Konflikt leben
lernen“ und manchmal auch zu akzeptieren, dass eine Einigung nicht mehr
möglich ist. Fehlt die Bereitschaft des anderen, sich überhaupt auf
eine Auseinandersetzung einzulassen, Verantwortung zu übernehmen oder
eine Verständigung zu suchen, bleibt das Gefühl zurück, festzustecken,
zwischen Hoffnung, Enttäuschung und dem Wunsch nach einem Abschluss, der
nicht kommt. Manche Konflikte enden daher nicht mit Verständigung,
sondern mit einer Entscheidung. Wir gehen in Distanz, wir ziehen eine
Grenze, wir nehmen bewusst Abstand und sagen: "Dafür stehe ich nicht
mehr zur Verfügung!" Wir verzichten darauf weiter um etwas zu kämpfen,
was nur gemeinsam lösbar wäre. Wir lassen es sein und lassen innerlich
los, was nicht in unserem Einflussbereich liegt.
Das
ist keine Niederlage. Es bedeutet, wir erkennen an: Beziehung braucht
Gegenseitigkeit und Wertschätzung, auch in der Konfliktlösung.
Dennoch ist die Auseinandersetzung damit wichtig.
Nicht mehr, um den anderen zu verändern, sondern damit der Konflikt in uns selbst nicht dauerhaft weiterwirkt.
Ungelöste
Konflikte verschwinden nicht einfach, sie brodeln weiter im Inneren.
Sich mit einem ungelösten Konflikt auseinanderzusetzen bedeutet deshalb:
nicht mehr nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, sondern nach
unserem eigenen inneren Umgang damit.
Der
erste Schritt besteht darin, die Realität anzuerkennen. Es wird keine
gemeinsame Lösung mehr geben. Solange wir innerlich darauf warten, dass
der andere Einsicht zeigt, auf uns zugeht, sich erklärt oder verändert,
bleiben wir in den Konflikt verstrickt. Anerkennen bedeutet nicht, das
Verhalten des anderen gutzuheißen. Es bedeutet, aufzuhören, gegen etwas
anzukämpfen, was wir nicht kontrollieren können.
Es ist wichtig, die eigene Verletzung ernst zu nehmen.
Hinter
ungelösten Konflikten liegen oft Gefühle von Enttäuschung, Kränkung,
Wut, Ohnmacht, Trauer, Schuld, Groll, Bitterkeit oder Resignation. Viele
Menschen versuchen, diese Gefühle zu verdrängen indem sie nur rational
auf den Konflikt schauen. Doch Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass
wir sie ignorieren oder verdrängen. Gefühle wollen wahrgenommen und
gefühlt werden. Erst wenn wir uns ehrlich eingestehen, was uns verletzt
hat, kann die Verarbeitung beginnen.
Dazu
gehört auch, den eigenen Anteil am Konflikt zu betrachten, nicht im
Sinne von Schuldzuweisung, sondern als Selbstklärung. Welche Erwartungen
hatte ich? Wo wurden meine Grenzen verletzt? Warum trifft mich dieser
Konflikt so tief? Welches Thema, das lange schon in mir gärt, wurde
dadurch berührt? Welche Erfahrung, die ich von früher kenne, wiederholt
sich? Und: wie gehe ich mit der Zurückweisung um?
Wir haben keine Macht über andere Menschen.
Den anderen können wir nicht verändern, unseren eigenen Umgang mit der Situation jedoch schon.
Besonders
schwer wird es dann, wenn wir innerlich weiter auf etwas hoffen, das
der andere uns nie geben wird: Verständnis, Einsicht, eine
Entschuldigung, Anerkennung, Wertschätzung oder Gerechtigkeit. Solange
diese Erwartungen bestehen bleiben, bleibt auch der Konflikt lebendig.
Innerer Frieden entsteht erst dann, wenn wir akzeptieren, dass wir
bestimmte Antworten niemals bekommen werden, dass es Dinge gibt, die
nicht lösbar sind.
Manche Konflikte machen neue Grenzen notwendig.
Wir
geben den Kampf auf. Wir gehen in Distanz. Wir grenzen uns ab.
Abgrenzung bedeutet nicht Ablehnung, aber sind sie notwendig, um uns
selbst zu schützen. Letztlich geht es darum, dem Konflikt einen Platz im
eigenen Leben zu geben, ohne ihn ständig neu innerlich auszutragen.
Nicht
jeder Konflikt endet mit einer Versöhnung. Manche enden damit, dass wir
aufhören, innerlich weiter Krieg zu führen gegen das, was unveränderbar
ist. Wir akzeptieren was ist. Und diese Akzeptanz bedeutet nicht zu
vergessen oder gutzuheißen, was ist. Es bedeutet lediglich, dem Konflikt
nicht länger die Macht zu geben, unseren inneren Frieden dauerhaft zu
belasten. Nicht jeder Konflikt ist lösbar, aber ein innerer Abschluss
ist möglich, wenn wir die Bereitschaft haben sein zu lassen, was nicht
sein soll.
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende.praxis.de

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