Freitag, 8. April 2016

Aus der Praxis - Derjenige der uns herabwürdigt, tut dies immer wegen eigener Probleme





Es gibt immer Menschen, die uns einreden wollen, dass wir so wie wir sind, wie wir denken, wie wir reagieren oder handeln, nicht ok sind. Diese Menschen geben uns bei jeder Begegnung das Gefühl falsch zu sein. Sie werten uns ab. Sie tun das, weil wir so, wie wir sind, nicht in ihren Denkrahmen passen. Sie werten uns ab, weil wir für sie nicht passend sind. 
Immer wenn wir es mit diesen Menschen zu tun bekommen, haben wir ein ungutes Gefühl, wir fühlen uns schlecht nach der Begegnung mit ihnen und beginnen an uns zu zweifeln. Wir fühlen uns so, wie wir uns als Kind gefühlt haben, als man uns vermittelt hat: So wie du bist, bist du falsch. Wir sind aber nicht falsch, falsch verhalten sich die, die uns dieses Gefühl geben wollen. 

Wenn man uns in der Kindheit das Gefühl gab, wir seien wertlos, dann sind solche Gefühle sehr tief in uns verwurzelt und können immer wieder getriggert werden, besonders von jenen Menschen, die uns nahe stehen. 

Im Kontakt mit einem Menschen, der uns abwertet oder mit Angriffen überhäuft, werden diese Gefühle reaktiviert und wieder vertieft, wir werden wie durch einen Sog nach hinten in unsere alten Wunden gezogen. Indem er uns das Gefühl gibt: Du bist nicht ok!, weckt er die Schuldgefühle, die man uns schon in der Kindheit gab. Schuldgefühle hindern uns daran, uns selbst zu akzeptieren und uns Fehler zu verzeihen - das führt wiederum zur Selbstabwertung. Wann immer wir solchen Attacken ausgesetzt sind, werden wir schließlich zu der Überzeugung gelangen, dass wir völlig falsch oder wertlos sind.

Solange wir nicht gelernt haben, uns selbst ok zu fühlen, so wie wir sind, mit allem was wir sind, sind wir für diese Menschen eine Zielscheibe für ihre Projektionen, ihren Frust und ihre eigenen verdrängten Themen. 
Es hilft uns, wenn wir begreifen: Derjenige der uns herabwürdigt, tut dies immer wegen eigener Probleme. 
Nun ist es nicht immer möglich diese Menschen zu meiden, oder gelassen weg zu hören - aber es ist möglich, dass wir lernen uns selbst zu schützen. Das bedeutet, uns abgrenzen zu lernen.

Abgrenzen gelingt uns, wenn wir aufhören uns einzureden, wir seien nicht liebenswert, wenn wir aufhören an uns selbst zu zweifeln und uns selbst, unseren Gedanken und Gefühlen Vertrauen schenken. Dann sind wir nicht mehr empfänglich für Angriffe und Abwertungen von anderen und dann wissen wir auch: Sie meinen nicht uns. Wer uns wirklich meint, meint es gut mit uns, er will uns nicht verletzen, er will uns verstehen, er fühlt mit uns, ohne zu werten und ohne zu verurteilen. Er ist einfach da, in liebevoller Aufmerksamkeit. Und es fühlt sich gut an.

Kommentare:

  1. Hallo Angelika,
    was für weise und einfühlsame Worte du findest.
    Liebe Grüße
    Ganga

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  2. So wahr! Danke!
    Liebe Grüße, Nike

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