Dienstag, 29. Dezember 2015

UNachtsam

Der Kater liegt im Tierkrankenhaus, der beste Freund meines besten Freundes wurde angefahren, sein Auge hängt heraus und sein kleiner Kiefer ist gebrochen. Man hat ihn operiert, er hat Schmerzen und bekommt Morphium. Der Kater erbarmt mich, er sieht zerstört aus, man sieht die Angst in seinen Augen, den Schock und den Schmerz. Er leidet. Ich habe mich für einen kurzen Moment gefragt, ob es nicht besser für den Kater wäre, man hätte ihn eingeschläfert um ihm all das Leid zu ersparen und was danach kommt. Er wird seine kleine Welt mit nur einem Auge sehen und wer weiß, was sein wird mit seinem Kiefer, mit seiner kleinen Seele, die traumatisiert ist. Er wird nie mehr der Kater sein, der er war. Und im nächsten Moment denke ich, wie kannst du so denken, einen Menschen würde man doch auch nicht einschläfern, wenn er sein Auge verliert, sein Kiefer bricht, seine Seele traumatisiert ist und ich schäme mich für diesen Gedanken. Tut mir leid, Kater, er war falsch dieser Gedanke, du schafftst das! Ich bete für dich.

Aber mir wird wieder einmal klar wie zerbrechlich dieses Leben ist, wie es durch einen Augenblick der Unachtsamkeit von uns selbst oder anderen beschädigt oder zerstört werden kann. Ich habe das  oft erlebt. Ich weiß wie es sich anfühlt das Brechen, die Zerstörung, der Schmerz über das, was nicht mehr ist, unwiderbringbar nicht mehr ist. Eine Unachtsamkeit, ein Unfall, eine Krankheit, ein Verlust, ja sogar ein böses Wort zu viel reichen aus, um das Leben von einem Tag auf den anderen zu einem anderen werden zu lassen, um was war zu zerbrechen.

Achtsamkeit ist der Schlüssel, denke ich, für alles was ist und für alles was ich tue. Ich vergesse das oft in der Hektik da draußen. Wie oft gehe ich in Gedanken versunken meine täglichen
Wege, wie oft sage ich unachtsam Dinge, die ich vorher nicht überlege, wie oft mache ich etwas von dem ich weiß, das tut dir jetzt überhaupt nicht gut? Dabei ist es so wichtig auf mich zu achten, so ungut Achtsamkeit zu vergessen, weil ich damit mich selbst vergesse und mein zerbrechliches Leben. Ich bin noch zu oft unachtsam, wir alle sind es, uns selbst gegenüber und denen gegenüber, die uns viel bedeuten. Wir vergessen die Zerbrechlichkeit der Dinge und wir vergessen die Zerbrechlichkeit des Lebens, die des unseren und die der anderen, die uns viel bedeuten. Unachtsamkeit zerstört so vieles, auch Beziehungen zerstört sie, die zu uns selbst und zu anderen und sogar die Liebe.

Ich wünsche dir Glück Kater und Einen, der achtsam mit dir umgeht, dass es den gibt weiß ich.

Kommentare:

  1. Liebe Angelika,
    lasse einen liebevoll achtsamen Gruß zurück, in diesem ausklingenden Jahr, mit einem großen Danke für deine tiefen, ehrlichen und von echtem Leben erzählenden Texte, die mich durch dieses Jahr begleitet haben.
    Ich wünsche dir für das kommende Jahr Freude, Ankommen, Spaß, Erfüllung mit kreativer Tätigkeit. Wer viel gibt, darf auch viel bekommen!
    Alles Liebe und herzliche Jahresendgrüße
    Elisabeth

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    1. liebe elisabeth,
      ich danke dir :-)

      dir auch alles liebe und ein gutes neues jahr.
      angelika

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  2. ich lese dich immer wieder als achtsamen menschen, der mir oft hilft, mich selbst genauer zu betrachten und meine handlungen zu hinterfragen.
    den katertext finde ich wunderschön und er ist noch viel mehr.

    liebe grüße
    gabriele

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