Freitag, 7. Februar 2014

Aus der Praxis - Die Arbeit mit unserem inneren Kind


„wir alle sehnen uns nach einer tiefen emotionalen verbindung mit einem anderen menschen. verbindung ist das gefühl von einheit und ganzheit, das entsteht, wenn wir mit unserem inneren kind in harmonie sind - das gefühl des einseins entsteht, wenn jeder von beiden für sein kind und daher auch für den anderen offen ist.
verbindung mit uns selbst schenkt uns ein gefühl des friedens und der freude.
verbindung mit einem anderen und dem universum ist ein gefühl von tiefem frieden und intensiver freude.es ist das schönste gefühl, dass wir überhaupt erfahren können. 
das ist es, worum es in der liebe geht.“

 aus: "aussöhnung mit dem inneren kind"

 
Das „Innere Kind“ gehört zu einer modellhaften psycholgischen Betrachtungsweise innerer Persönlichkeitsanteile, die durch die Psychologinnen Erika J. Chopich und Margaret Paul bekannt wurde. Es steht als Bild für die im Gehirn gespeicherten Erfahrungen aus unserer Kindheit. Dazu gehört das ganze Spektrum von Sein, Fühlen und Erleben.
Das innere Kind ist der Persönlichkeitsanteil in uns, der in bestimmten Gehirnregionen abgespeichert hat, was wir in der Kindheit erlebt haben. Gute und ungute Gefühle wie Angst, Selbstzweifel, Scham, Schuldgefühle, die Lieblosigkeit der Mutter oder des Vaters, Missbrauch oder das Gefühl nicht gut genug zu sein, um es den Eltern und anderen Bezugspersonen Recht machen zu können.

Diese kindlichen Emotionen sind es, die uns ein Leben lang Probleme bereiten können. Sie schmerzen wie eine Wunde, die doch eigentlich längst verheilt sein müsste nach all der Zeit. Aber die Zeit heilt nicht alle Wunden und schon gar nicht die, die niemals wundgerecht versorgt wurden. Das innere Kind vergisst nichts. Es vergisst nicht, wie einsam und verlassen es sich gefühlt hat, wenn die Eltern es nicht gesehen oder es vernachlässigt haben, es vergisst nicht, wie klein und ohnmächtig es sich gefühlt hat, wenn der Vater ihm immer wieder sagte: aus dir wird nichts, es vergisst nicht, wie sehr es sich nach Liebe, Anerkennung und Wärme gesehnt hat. Das innere Kind erinnert sich an alles, es trägt sie mit sich, die frühen Verletzungen, bis hinein in unserer Leben als erwachsener Mensch.
Es lebt in uns und mit uns, bedürftig nach all dem, was es damals nicht bekommen hat, es leidet unter all dem, was ihm einst angetan oder verwehrt wurde, still und stumm, im letzten Winkel unseres Unterbewusstseins.

Wer als Kind nicht das Gefühl hatte so geliebt zu werden wie er ist, wird später sich selbst und keinem anderen tiefes Vertrauen schenken können. Er wird sich genauso behandeln, wie man ihn als Kind behandet hat, schreibt Alice Miller sinngemäß. Er hat Verlustängste in Beziehungen, er klammert, er hat Angst verlassen zu werden.  Wer eine ständig unzufriedene, meckernde oder dominante Mutter hatte, der er nichts recht machen konnte, hat als Erwachsener immer das Gefühl: es ist egal was ich tue, ich bin nicht gut genug, ich genüge nicht, weder dem Leben noch mir selbst, noch anderen. Jede Kritik, jede Zurückweisung wird als Totalvernichtung empfunden und macht Angst. Was er nicht weiß ist: Es ist die alte Angst, das alte Gefühl, das ihn da ergreift. Wer sich dessen nicht bewusst ist begreift nicht, dass er als Erwachsener selbst entscheidet, ob er sich gut oder schlecht fühlen will.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Denn um dahin zu gelangen, bedarf es Arbeit und diese Arbeit beginnt mit dem Blick zurück.

Viele aber glauben oder wollen glauben: Was vorbei ist, ist vorbei und die Vergangenheit soll man ruhen lassen. Sie ruht aber nicht, sie rumort in uns und bricht immer wieder aus – ins Leben des Jetzt und dabei ist sie oft wenig freundlich und liebevoll uns selbst oder denen gegenüber, die unser Leben begleiten.

Aber, brauchen wir vielleicht nur einen liebevollen Partner, einen Menschen, der uns das gibt, wonach wir uns sehnen um glücklich zu sein? Und, heilt die Liebe nicht alle Wunden? Ja, das tut sie, aber es ist die Liebe zu uns selbst die das tut, und nicht die Liebe eines anderen, die das für uns tun soll oder will.
Wir haben keine Macht über andere Menschen. Und andere Menschen haben keine Macht über uns, aber wir sind mächtig genug um uns selbst zu geben, was wir brauchen, wenn wir das wollen und etwas dafür tun. Es ist das Beste, was wir für uns tun können. Unser inneres Kind wartet nämlich schon eine halbe Ewigkeit darauf, dass wir uns um es kümmern und seinen Kummer trösten und ihn beenden, indem wir uns diesem verdrängten Teil in uns selbst in Liebe, mit Verständnis und viel Mitgefühl zuwenden. Erst wenn wir mit uns selbst fühlen, beginnen wir uns selbst zu fühlen und letztlich erst dann können wir andere Menschen wirklich zu fühlen, ohne den Filter unserer kindlichen Projektionen und Erwartungen, die nur wollen, fordern, bewerten und verurteilen. Was in der Kindheit versäumt wurde, kann später kein Partner und auch nicht die eigenen Eltern wiedergutmachen.
Der Weg ist die Selbstliebe. Aber wie kann sie uns gelingen?
Sie wächst indem wir uns selbst ernst nehmen und uns auf den Weg machen auf die abenteuerliche Reise nach Innen und wie ein Forscher herausfinden, was unserem inneren Kind fehlt, welche Sehnsüchte, welche Bedürfnisse es hat und wo seine Angst und sein Schmerz sitzt. Und das finden wir nur heraus, wenn wir ihn suchen gehen, diesen abgespaltenen inneren Kindanteil, der in jedem von uns sitzt und nur darauf wartet endlich gesehen, gefühlt und umsorgt zu werden.
Der zweite Schritt beginnt damit, dass wir dem inneren Kind geben, was es braucht. Dazu gibt es viele spielerische Übungen: Wir können mit unserem inneren Kind sprechen, wir können es trösten wenn es traurig ist, wir können es in Gedanken in den Arm nehmen und es halten, wir können ihm ein Eis spendieren, wenn ihm danach ist. Das klingt für viele von uns sehr befremdlich. Aber wer das tut weiß, es wirkt - mit Geduld und Langmut.
Wer in kleinen Schritten auf sein inneres Kind zugeht, wer sich auf diesen abgespaltenen Teil der eigenen Seele wirklich einlässt, versöhnt sich mit der Zeit mit seinen ungeliebten Seiten, er integriert seine Schatten. Und damit geschieht unser ganz persönliches Wunder: wir fühlen uns Schritt für Schritt immer mehr ganz.
Uns mit unserem inneren Kind auseinanderzusetzen ist nicht kindisch, es ist sehr erwachsen. Weil wir beginnen zu erkennen, was uns geprägt hat, weil wir begreifen welchen Überzeugungen, die man uns beigebracht hat, wir noch als Erwachsene brav folgen, obwohl wir das als Kind schon nicht wollten. Damals hatten wir keine Wahl, heute können wir wählen. Wir können wählen wer wir sein wollen und wonach wir uns sehnen.
Bei der Arbeit mit dem inneren Kind geschieht etwas Entscheidendes in unserem Erwachsenenleben: Wir übernehmen nach und nach die Verantwortung für unser Leben, für unsere Bedürfnisse und unsere Sehnsucht und damit hören wir endlich auf sie anderen in die Hände zu legen. Welch eine Befreiung ...






Kommentare:

  1. Klingt kompliziert....jedenfalls komme ich im Moment nicht drauf, was das für mich persönlich ganz praktisch bedeutet.

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  2. das muss man auch praktisch erfahren um es umsetzen zu können.

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