Mittwoch, 25. Februar 2026

Den Raum halten

                                                         
Art Work: A.W.
 
 
Wenn wir traurig sind, brauchen wir Menschen, die den Raum halten, weil Trauer kein Problem ist, das gelöst werden muss, sondern ein Gefühl, das gefühlt werden will. „Den Raum halten“ bedeutet, da zu sein, ohne zu bewerten, zuzuhören, ohne sofort zu analysieren, mitzufühlen, ohne ungefragt Lösungen anzubieten. Es bedeutet, die Gefühle des anderen zu achten, sie auszuhalten, ohne sie kleinzureden oder wegzuerklären. Wenn wir den Raum halten, braucht es nicht viel Worte. Es genügt eine Haltung, die vermittelt: Was du fühlst darf sein. Du bist nicht falsch mit dem, was du fühlst.
 
Ein Satz wie „So ist es nun mal“ oder „das ist die Realität“, den viele von uns hören, wenn sie traurig sind, kommt aus dem Kopf. 
Er versucht zu rationalisieren, zu relativieren oder einen schnellen Abschluss zu finden. Ohne vorherige Empathie wirkt er wie ein Abbruch, der das Gefühl schnell beenden soll. Er setzt einen Punkt, wo Gefühle noch Raum brauchen.
 
Traurigkeit sitzt nicht im Verstand, sie sitzt im Körper und im Nervensystem. 
Indem wir die Gefühle eines anderen vorschnell relativieren oder rationalisieren, fühlt er sich missverstanden und allein. Vielleicht fühlt er sich sogar beschämt, zu schwach, zu sensibel, überempfindlich. Halten wir aber den Raum, darf sich Traurigkeit, ohne bewertet zu werden, zeigen und das Nervensystem kann sich beruhigen. Der andere fühlt sich gesehen und angenommen, wir unterstützen ihn dabei sein Gefühl zu durchleben.
 
Wir Menschen sind fühlende Wesen.
Aber schon als Kind lernen viele von uns, ihre Gefühle zu unterdrücken oder abzuspalten. Nicht zuletzt deshalb gibt es so viele Menschen, die nie gelernt haben, dass Beziehung entscheidend ist um uns sicher zu fühlen und um unser Nervensystem zu regulieren. So viele sind emotional amputiert, weil sie nie gelernt haben – was du fühlst darf sein.
Es ist okay. Du bist okay. 
 
Ein Satz wie: „So ist es nun mal“ ist nüchtern und sachlich, er ist sogar wahr, aber er ist nicht hilfreich für Menschen, die sensibel sind und fühlen. Und nein, Sensibilität und Empfindsamkeit sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Tiefe.
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

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