Freitag, 18. Februar 2011

Die Liebe und die Verzweiflung

Immer wenn ich über die Liebe lese finde ich in den Texten und Schriften eine Tönung von Verzweiflung, so als gehöre sie unabdingbar, wie ein polares Gegenstück, dazu.

Vielleicht liegt der Aspekt von Verzweiflung darin begründet, dass der, der liebt, den Geliebten - auch wenn er sich dessen nicht bewusst sein mag - besitzen will, am Liebsten für die Ewigkeit, und im selben Moment weiß er, dass er die Liebe des Geliebten niemals besitzen kann.

Die Liebe ist wunderbar, die Liebe beflügelt uns auf eine Weise wie nichts anderes im Leben. Die Liebe ist ihrem Wesen nach flüchtig, weil sie ein Kind der Freiheit ist.

Wir können keinen anderen zwingen uns zu lieben, ihn uns lieben machen.

Es gibt keine Liebe, die nicht den Charakter des Todes in sich trägt, wie André Breton sagt. Auch wenn wir das wissen - wir hören niemals auf zu lieben und wir hören niemals auf uns nach der Liebe zu sehnen.


Liebe ist Sehnsucht nach Ganzheit, die wir auf den Geliebten projizieren.

Und ob dieser Projektion kann es leicht geschehen, dass einer den anderen zwingt, etwas für ihn zu werden, unendlich viel für ihn zu werden, das Äußerste zu werden. Auf diese Weise mischt sich in das große Gefühl seiner Liebe das zersetzende Gefühl des Liebesleids. In Wahrheit aber ist dies ein Leiden an sich selbst. An der Enttäuschung, dass der Geliebte das Äußerste niemals sein kann, denn weder die Sprache, noch die Verschmelzung der Körper vermag es, die eigenen Gefühle und Gedanken dem anderen fühlbar, verstehbar zu machen.

Jeder ist allein.

Die erotische Liebe zwischen Mann und Frau macht sich am anderen fest, sucht im anderen nach Erfüllung. So muss sie scheitern. Sie scheitert am Ego, das nach Wunscherfüllung und Komplettsein durch den anderen sucht.

"Es gibt immer den, der liebt und den, der geliebt wird - und das sind zwei völlig verschiedene Universen", scheibt Carson McCullers in "Ballade du Café triste. "Der, der geliebt wird, erweckt eine riesige Liebeskraft, die im Herzen dessen, der liebt, verborgen lag. Im Allgemeinen weiß der, der liebt darum. Er weiß, dass seine Liebe einsam bleiben wird. Die Liebe wird ihn Stück für Stück in eine neue Einsamkeit mitnehmen, die noch fremder ist und ihn zerreißen wird. Deshalb hat der, der liebt eine Sache neu zu erschaffen - er muss sich ein Universum von Leidenschaft und Verrücktheit kreieren, dass ihm selbst genügt."

Ist es so?

Die Liebe gleicht dem Tanz, sie ist eine Sache von Nähe und Distanz. In jedem Begegnen, in jedem Auseinandergehen, in jedem Wiederbegegnen, ja sogar in der Vereinigung der Körper, ist da immer das Wechselspiel von Nähe und Distanz - genauso wie beim Tanzen.

In der Liebe kommt es vor, dass beide nicht immer zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise lieben. Vielleicht meint McCullers auch das, wenn sie schreibt, dass wir uns ein eigenes Universum erschaffen müssen.

In unserem eigenen Universum finden wir nicht nur Leidenschaft und Verrücktheit, sondern auch das Wesentliche - die einzige Liebe, die ohne den anderen auskommt, ohne Wollen und Anhaften, ohne Erwarten und Wünschen - die Liebe zu uns selbst.

Die Liebe zu uns selbst ist die einzige Liebe, die ohne Verzweiflung auskommt ...
...............................................................................wenn wir sie gefunden haben.

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