Freitag, 8. Februar 2019

Die Quelle der Liebe


 
Foto: Lucas Wende

Ein Zeichen des Mangels an Selbstliebe ist, dass wir nicht nur uns selbst gegenüber kritisch, abwertend und verurteilend sind, sondern auch andere ständig abwerten, angreifen, bewerten und verurteilen. Viele Menschen behandeln sich selbst und ihren Nächsten auf diese Weise. 

"Der Mensch panzert sich, weil er es in der Materialschlacht nicht aushält", schrieb der Dramatiker Heiner Müller.  Er trifft es auf den Punkt. Überforderung, Reizüberflutung, Existenzkampf, Druck, Stress, Funktionieren müssen, haben müssen, mithalten müssen, bezahlen müssen ... das ist unser Leben. Ein Kampf ums Überleben. Und dieser Kampf macht viele Menschen hart. Wohin wir blicken, wohin wir fühlen, spürbar liebevoller Umgang der Menschen mit sich selbst und anderen findet sich selten. Wir panzern uns zu, ob dieser Enttäuschung, wir sehen nur das Ungute. Je mehr wir unseren Focus auf das Ungute richten, desto intensiver nehmen wir es wahr und desto tiefer verinnerlichen wir es und halten es für die alleinige Wahrheit. Und am Ende ist es die böse Welt da draußen, vor der wir uns schützen müssen und schließlich emotional verabschieden. Wir panzern uns zu. Ja, es ist unschön was in dieser "Materialschacht" vor sich geht. Ja, und ich sage hier nicht, wir sollen wegschauen. Es macht keinen Sinn gegen etwas anzukämpfen, was unserem Einflussbereich nicht unterliegt. Aber müssen wir ein Teil dieser "Materialschlacht" sein oder es werden? Üben wir Gewaltlosigkeit in Gedanken und Handlungen oder wollen wir inneren und äußeren Krieg führen?


Wer seinen Verstand einschaltet und sein Herz befragt wird feststellen: Es muss etwas Attraktiveres geben als solch eine destruktive und freudlose Haltung uns selbst, der Welt und anderen gegenüber.  Die Welt können wir nicht ändern, die anderen können wir nicht ändern, das funktioniert nicht. Aber wir können ändern, was wir an uns selbst nicht mögen. Wir können uns den liebevollen Umgang schenken, die wir uns wünschen. Und nein, das ist keine hohle Phrase, kein Konzept, keine Illusion, kein Ding der Unmöglichkeit. Auch dann nicht, wenn wir als Kinder nicht geliebt wurden, auch dann nicht, wenn dieser Mangel in uns schmerzt. Auch dann nicht, wenn sich keine liebenden Augen auf uns gelegt haben. 


"Die Selbstliebe ist die Quelle, der Ursprung und das Prinzip aller unserer Leidenschaften; sie allein entsteht mit dem Menschen und verlässt ihn nie, solange er lebt", schreibt Jean-Jacques Rousseau. Er hat Recht: Die Quelle der Liebe ist die Selbstliebe, die uns in die Wiege gelegt wurde. Wir sind Liebe. Reine Liebe. Mit dieser Liebe kommen wir ins Leben. Wir sind die Quelle selbst. Liebe ist der göttliche Funke mit dem wir inkarnieren. Warum sonst sehnen wir uns so sehr danach? Weil wir uns unbewusst an dieses Gefühl erinnern, egal was man uns angetan hat. Unsere Sehnsucht nach Liebe ist die Sehnsucht nach der Rückkehr zu unserer ureigenen Quelle. Zu dieser Quelle können wir zurückfinden, wenn wir dazu bereit sind. 


Uns selbst lieben ist eine Aufgabe, der wir uns bewusst annehmen. Selbstliebe ist eine Entscheidung, die wir treffen und nach der wir unser Handeln ausrichten. Auch wenn der Verstand tausend Gründe und psychologische Erklärungen sucht, warum es nicht gehen soll. Glaub nicht alles was du denkst! Kauf deinen Gedanken nicht alles ab, schon gar nicht, was dir nicht gut tut. Gib deinem Verstand nicht die Macht über dein Fühlen und Sehnen, wo er dir nicht hilfreich ist.


Versuche es mit dem Herzen. Wende dich deinem Herzen zu. Das Herz, das lieben will. Gütig, achtsam und mitfühlend mit uns selbst zu sein, ist der erste Schritt zur Selbstwertschätzung. Wir praktizieren bedingungslos Selbstmitgefühl. Wir geben allen Gefühlen Raum. Wir üben Dankbarkeit für die Kostbarkeit unseres Lebens und das unserer Liebsten. Wir erlernen die achtsame Haltung der Gegenwärtigkeit. Und das bedeutet nicht, dass wir unsere Erfahrungen der Vergangenheit ignorieren, oder uns keine Zukunftsvisionen machen. Gegenwärtigkeit bedeutet, unsere Erfahrungen, inklusive unserer frühen Beziehungserfahrungen mit den Eltern, bewusst anzuschauen und zu reflektieren, um sie für unser Jetzt nutzbar zu machen. So stellt sich mit der Zeit Heilung ein. 


Natürlich geht das nicht von heute auf morgen und ja, es bedarf der Bereitschaft, der Anstrengung und der Übung. Aber auf diesem Weg werden wir lernen uns selbst zu lieben. Dann löst sich der Panzer. Wir sind bereit unseren Focus dahin zu legen wo das Gute ist in unserem kleinen Universum und über unser kleines Universum hinaus. 

Namaste


 

1 Kommentar:

  1. "Alles, worum ihr betet und bittet-glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil."

    Markus 11:24

    AntwortenLöschen