Freitag, 17. März 2017

Wer Träume hat will sie leben, wer echte Träume hat, wird ihnen folgen.




Neulich fragte mich eine Klientin, die regelmäßig diesen Blog liest, warum ich nicht mehr so viel und so oft schreibe. Eine andere Leserin schrieb mir eine Mail mit der gleichen Frage. Die Antwort ist, weil ich an meinem Traum arbeite, weil ich wieder aufbauen muss, was ich verloren habe, meine schönen Praxisräume in der Wiesbadener Innenstadt. Ich musste da weg, ich musste weg, um mich vor dem Ungutem zu bewahren, das mir dort von einem, der mir nicht gut will, entgegengeschleudert wurde wie Gift. Ich musste eine lange Weile entgiften um wieder in meine Kraft zu kommen.

Zuerst hat mich der Verlust der schönen Räume gelähmt. Wie mit Menschen arbeiten, wenn du keinen Raum hast?, fragte ich mich. Ich suchte nach Räumen, fand aber keinen und wenn ich einen fand, war er entweder für mich nicht bezahlbar oder es gab einen anderen Haken. Und gab es keinen Haken, so war der Haken die Erinnerung an das, was ich einst haben durfte und verloren hatte. Ich wollte partout nicht loslassen von dem, was einst so schön und so perfekt gewesen war. Völlig entmutigt stellte ich meine Arbeit für fast zwei Monate ein. Ich war am Boden zerstört. Meine Praxis ist mein Baby, dass ich in vielen Jahren hochgepäppelt habe. Ich liebe es, wie ich meine Arbeit liebe. Es fühlte sich an als sei mein Baby getötet worden und meine Arbeit am Ende. Ich spürte den Fall in die Bodenlosigkeit. Ich war in einer Krise gelandet und wusste nicht mehr weiter. Ich sah mich schon in der Reihe der Menschen stehen, die den Staat um Hilfe bitten müssen um zu überleben. Ich war nahe daran aufzugeben.

Aber ich bin keine, die aufgibt, ich habe schon viele Krisen durchlebt und ich habe schon vielen Menschen erfolgreich aus ihren Krisen herausgeholfen. Du schaffst das, weil du es kannst! Das sagte ich mir immer wieder, wenn das ängstliche kleine Kerlchen in mir meinte, dass wir das dieses Mal nicht schaffen und vor Scham über sein vermeintliches Scheitern am Liebsten im Erdboden versunken wäre. An vielen Tagen in diesem letzten Winter hat es das auch getan. Es hat sich verkrochen, es ist nicht mehr raus aus dem Haus, es hat geweint und sich selbst bemitleidet und sich gar nicht gut gefühlt. Und immer wieder waren da die Bilder im Kopf von dem schönen Raum, der  unwiderbringlich verloren ist. Es war in Trauer über den Verlust seines lebendig gewordenen und dann gestorbenen Traumes.

Jetzt ist Frühling. In meinem Garten vor dem kleinen Atelier, indem ich früher nur manche Tage zum Malen verbracht habe, blühen die ersten Narzissen und Krokusse. Die Hortensien vor dem Fenster haben pralle grüne Knospen und die Vögel baden am Morgen in der kleinen Steinwanne. Hier lebe arbeite ich jetzt. Vorerst. Ich arbeite weiter an meiner Lebensaufgabe, Menschen, denen es nicht gut geht zu helfen, ihnen Kraft und Mut zu geben und Menschen, die ihre Stimme und ihren Auftritt verbessern wollen eine Stimme und Selbstbewusstsein zu geben. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die repräsentative Praxis in der Langgasse verloren habe. Ohne mich und meine Klienten ist dort jetzt nur noch ein leerer Raum.

Ich bin durch die Krise gegangen. Ich bin wieder ein bisschen stärker und weiser geworden. Ich bin noch mehr ich selbst geworden, ich definiere mich nicht mehr über beeindruckende Fassaden, weil ich weiß, ich bin wertvoll als der Mensch, der ich bin und als der Coach, der anderen Menschen genau das vermitteln kann: Du bist wertvoll, weil du du bist! Auch wenn alles andere wegfällt. Du bist das, was dich innerlich zusammenhält.

Ich habe einen Traum: Ich lebe diesen Traum und ich liebe diesen Traum. Und ich werde ihn mir von nichts und niemanden kaputt machen lassen. Und wer das geglaubt hat, der kennt mich nicht.

Einen Traum leben. Das ist eine große Aufforderung an uns selbst. Ob er in Erfüllung geht, ob wir mit dem, was wir tun Erfolg haben - Woran lässt sich das messen? Am Erfolg? Welcher Erfolg? Was ist Erfolg wirklich? “Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.“ Das sagte Bob Dylan, ein erfolgreicher Musiker einmal, als man ihn fragte, was für ihn Erfolg ist. Und so ist es, Erfolg ist, wenn wir Tag für Tag tun können, was uns gefällt.

Wünschen wir uns das nicht alle? Das zu tun, was uns gefällt?
Und ist es nicht das Schwerste überhaupt, von dem was uns gefällt auch noch zu leben, wie es Bob Dylan gelang?  Es ist das Schwerste. Wenn es schwer wird neigen wir dazu aufzugeben oder uns in etwas pressen zu lassen, was uns nicht entspricht. Standhalten, den eigenen Wünschen und Sehnsüchten folgen, die eigenen Werte, Gaben und Begabungen zu leben und sie zu entwickeln, das ist schwer.
Aber, warum ist es so schwer, das zu tun, was wir lieben?
Es ist so schwer, weil die Realität sich nicht für unsere Träume interessiert und weil es einen Preis hat, das Träumen. Nämlich im Zweifel den Verzicht auf all die Dinge, die wir glauben haben zu müssen. So wie ich glaubte die schicken Praxisräume haben zu müssen.

Leider geht es in dieser Gesellschaft ums „Haben wollen“. Schon den Kleinsten geht es darum. Das Neueste haben müssen um dazu zu gehören, oder warum sonst brauchen wir all den Kram? Aber, macht das neueste iPhone oder der neueste Laptop oder ein repräsentativer Raum einen Menschen wertvoller? Machen all die Dinge, die wir bezahlen und kaufen können, glücklicher oder zufrieden? Die Erfahrung sagt nein. Satter macht es, all das Kaufen und Haben und wie erschreckend langweilig trotzdem alles ist. "Mein Leben ist langweilig", sagte ein Klient neulich zu mir, dem es an nichts fehlt, außer am Mut, endlich sein Leben in die Hand zu nehmen und aufzuhören seine Seele zu verkaufen.

Genau darum ist es langweilig, weil das Haben und Anhäufen von Dingen uns nicht befriedigt. Weil das Konsumieren sogar immer unzufriedener macht und hungriger nach Mehr, was dann auch nicht satt macht – die Seele nämlich. Wer viel kauft spürt viel Mangel und zwar Innen. Mit dem Kaufen ist es wie mit dem Saufen oder den Drogen, es sind Süchte der Sehnsüchtigen nach sich selbst. Leider führen sie nirgendwo hin, außer in Siechtum.

Was macht zufrieden? Zufrieden macht, wenn wir Lebensträume haben, wenn wir ein ein Wofür haben. Wer weiß wofür er etwas tut, geht den Weg, für den er sich entschieden hat, auch wenn immer wieder Steine oder gar dicke Felsbrocken auf diesem Weg liegen. Er geht und er weiß, auch schwere Zeiten, auch Krisen gehören zum Leben und vor allem:  Er nimmt die Herausforderung sich selbst treu zu bleiben an, gegen alle Widerstände.

Wir wachsen an unseren Krisen. Jede Krise ist eine Chance, wenn wir sie als solche erkennen wollen. Sie ist Chance unseren Traum ins Leben zu holen, wieder und wieder.
Wenn wir kein klares Lebensziel haben, wie soll uns das Universum helfen?
Wenn wir es haben wird es uns helfen.
Ich weiß es, weil ich es so erlebe immer und immer wieder, bei mir selbst und all den Menschen, die ich begleiten durfte und begleiten darf.

Unsere Lebensträume, unsere Ziele und unsere Visionen geben uns in dieser inflationären Vielfalt von Möglichkeiten eine persönliche Leitlinie. Sie sind der rote Faden, an dem sich ein zufriedenes Leben entlangspinnt. Aber Vorsicht, das Leben verheißt uns keine illusorische Erfüllung, nur weil wir einen Traum haben. Ein Lebenstraum ist eine komplexe Aufgabe, er erfordert Anstrengung und Mühen, jahrelanges Experimentieren, immer neue Versuche, ein immer wieder neues Scheitern vielleicht sogar, ein Fallen und ein Wiederaufstehen, er erfordert Geduld, Kraft und Disziplin und ja – auch den Verzicht auf Annehmlichkeiten und vermeintlich so wichtigen Schnickschnack. Er erfordert Mut, Glaube, Hoffung und die Liebe zu diesem Traum.

Wer Träume hat will sie leben, wer echte Träume hat, wird ihnen folgen.
Wer seinen Träumen folgt ist ein eingeschworener Anhänger seiner eigenen tiefen Werte und vor allem: Er hat den Willen sein Leben diesen Werten zu widmen. Oft ist er dabei allein unterwegs. Das ist kein einfacher Weg. Und weil es kein einfacher Weg ist, wagen es viele Menschen erst gar nicht ihn zu betreten. Sie sehen sich dabei zu, wie sie konturlos, blutleer und leidenschaftslos im immer gleichen Hamsterrad drehen und finden den Ausweg nicht. Sicher, der Traum ist ein Wagnis und wer ihn hat, weiß das, aber das Nichträumen ist der Untergang der Seele in einer Tagwelt voller Druck, Ängste, Süchte, Zweifel und Depression.

Ich fordere hier keinen auf sinnlos und abgehoben von der Wirklichkeit in den Tag hinein zu träumen, ich spreche zu denen, die einen wahren Lebenstraum haben und denen der Mut fehlt, der Glaube und die Hoffnung, dass er sich erfüllen könnte, um Euch Mut zu machen. Den Mut zu scheitern, den Mut einzustehen für Euch selbst und die eigenen tiefen Werte und Ideale, Mut die Angst zu umarmen und loszuziehen in das größte Abenteuer, das wir Menschen in diesem Leben haben: Das sind wir selbst.

Wer einen Lebenstraum hat, der arbeitet daran und wenn es tausend Umwege sein mögen, er wird ihn leben, wenn er es wirklich ernst meint. Und er wird Hilfe bekommen, wenn er bereit dazu ist.
Und weil ich weiß, dass es möglich ist, unterstütze ich Euch gerne dabei.

Namaste Ihr Lieben

Angelika 



 

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