Montag, 30. Januar 2017

Und wenn es ein Leben lang dauern mag

 


Es ist das Ungelebte, das Unverarbeitete und das Verdrängte. Es ist der Mangel und es ist der Schmerz über das, was wir als Kind erfahren haben, was uns angetan oder vorenthalten wurde und was uns über uns selbst zu denken und zu fühlen beigebracht wurde, was unser ganzes Leben vergiften kann. 

Durch das Abspalten der schmerzhaften Gefühle, die viele von uns als Kind erlebten und so nie wieder erleben wollen, wird auch das Empfinden positiver Gefühle verhindert und Gefühle des Ungeliebtseins, der Leere, der Wut, der Trauer, der Verlassenheit und der inneren Einsamkeit manifestieren sich. Es kommt zu keinem tiefen Kontakt mit uns selbst. Zugleich aber ist ein tiefer Kontakt zu Anderen ohne Verbindung zu uns selbst nicht möglich. Es werden eigene Wünsche und Gefühle unterdrückt, in der unbewussten Hoffnung geliebt zu werden, wenn man sich den Erwartungen anderer anpasst. Das ist ein Teil des Dramas des inneren Kindes, basierend auf der Wunde des ungeliebten Menschenkindes. Es ist das Kindheitstrauma derer, die Liebe ohne Bedingungen, niemals erfahren haben. 

Was in den Kellerräumen unserer Erfahrung liegt, kann verdrängt, aber nicht ignoriert werden. Es kommt uns auch als Erwachsener entgegen, oft so gut verpackt, dass wir es nicht sofort erkennen. Verarbeiten wir also die Erlebnisse und Traumata unserer Kindheit so gut wir das können, machen wir uns auf die Suche nach den Zusammenhängen und finden wir heraus wie unser verletztes inneres Kind das Leben beeinflusst, das wir im Jetzt führen. Damit befreien wir es aus seinem Schattendasein und holen es ins Licht.

Der Weg zu innerer Freiheit und Selbstbestimmtheit führt durch die Wunde des verletzten inneren Kindes.

Die Auseinandersetzung mit unserem Schattenkind hat nichts mit Herumstochern und permanentem Aufarbeiten früherer Erlebnisse zu tun. Es ist vielmehr ein aktiver, schöpferischer Prozess, bei dem wir den fortlaufenden roten Faden in unserem Leben als das erkennen, was er ist: Ein von uns selbst künstlich am Leben erhaltenes Theaterstück, das  wir an Eckpunkten unseres Lebens festgeschrieben haben und das wir wieder und wieder aufführen, weil wir noch immer in unserer Vergangenheit festhängen.

Bei manchen Menschen ist die Angst sich in ihrem Schmerz selbst zu spüren so groß, dass sie sich in ein Schneckenhaus verkriechen. Ein einsames enges Haus voller Traurigkeit. Holt sie keiner da heraus beginnen sie zu resignieren und trauen sich selbst nichts mehr zu. Es braucht viel Liebe um einen Menschen da heraus zu holen, es braucht Geduld und Mitgefühl für dieses verschüchterte Kind, das uns da begegnet, Geduld für uns selbst. Und es braucht Geduld und Mitgefühl als Wegbegleiter. Es braucht Menschenliebe. 

Wenn ich eins weiß und wenn ich eins niemals aufgebe, so ist es mein Glaube, dass es möglich ist das Schattenkind zu befreien. Und wenn es ein Leben lang dauern mag. Auch am Ende eines Lebens, auch wenn die Zeit knapp wird, der Weg lohnt sich, denn eins soll nicht sein, dass das Ende dem Anfang und dem Zwischenspiel gleicht.


Kommentare:

  1. https://kopfundgestalt.com/2016/12/15/die-milchflasche/

    Ein Kleinod aus ,meinem Erfahrungsbereich

    Gerhard

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  2. Kleinod = Kleiner hat(te) Not

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  3. Da ist wohl ein Kommentar von mir verlorengegangen.
    Du findest ihn bei Google: kopfundgestalt und "Die Milchflasche".

    Gruß
    Gerhard

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