Sonntag, 21. April 2013

ändere deine denkweise! wie bitte?






es gibt dinge, die verändern auf einen schlag unser leben. solche dinge sind mir ziemlich oft passiert. es waren nicht immer gute dinge, es waren sogar oft ziemlich schlimme dinge. eine ganze zeit lang haben sie mich erschüttert und zwar in meinen grundfesten als mensch. jedes mal, wenn mir solche dinge passiert sind, dachte ich, du bist selbst schuld daran. ich habe gejammert und geklagt. vor allem habe ich mich selbst angeklagt - ich war mein staatsanwalt und mein richter. den anwalt hatte ich vergessen, es ging um totalvernichtung. das ende vom lied war - ich habe mich verurteilt. ich habe mir eine strafe auferlegt, die darin bestand abzubüßen, was ich mir als meine schuld vorgeworfen habe.

meine verurteilung hieß sogar einmal - lebenslänglich. ich saß hinter den gittern meines selbsterrichteten gefängnisses und beschränkte mein leben um alles, was das leben ausmacht. ich arbeitete zwar um zu überleben, aber ich gönnte mir keine freude und schon gar kein glück. das hatte ich ja nicht verdient. es war keine gute zeit.

in dieser zeit habe ich mich auf spurensuche begeben. ich habe versucht herauszufinden, warum ich so ein schlechter mensch bin, dass mir immer wieder schlechte dinge widerfahren. ich war nämlich der festen überzeugung, all die schlimmen dinge passieren mir nur deshalb, weil ich nicht gut genug bin. das hatte ich schon als kind gelernt. die message war: wenn was schief läuft, dann ist das so, weil du es nicht besser verdient hast.

in dieser einsamen zeit habe ich viele bücher über die seele und die psyche gelesen. von freud über adler, von frankl bis jung. ich kam aus dem staunen nicht mehr heraus, darüber wie kompliziert wir menschen doch sind. ich las auch selbsthilfebücher, um auf dem schnellen weg herauszufinden was mit mir los war, dass mich das glück so oft verlassen hatte. genau dieses versprechen gab mir diese einschlägige literatur - die chance endlich meines glückes schmied zu werden. die kunst des glücklichseins, so lautete das versprechen, läge einzig und allein in der macht meiner eigenen gedanken.

ich griff wie eine süchtige zu büchern, die mich aufforderten postiv zu denken. nur wer postiv denkt, hat auch ein schönes leben, war die frohe botschaft. ich habe mich regelrecht in diese bücher vergraben um mein positives denken auszugraben, denn das musste ja irgendwo in mir verborgen sein, wenn ich denen glaubte. ich bin der schöpfer meiner welt, welch eine offenbarung, aber psst - das ist top secret. ein geheimnis also! wie wunderbar es zu lüften, dachte ich. das geheimnis war dann auch das erste buch, das ich verschlang wie eine wundermedizin für meine angeschlagene seelische gesundheit.

das geheimnis, das sich mir offenbarte war schlicht und einfach dieses: alle probleme liegen nur an deinen negativen gedanken, mit deinen gedanken ziehst du alles an, ob im guten oder im schlechten. ändere deine denkweise, sag dir hundert mal am tag wie schön das leben ist, wie wunderbar und wie mächtig dein denken ist. weil mir das noch nicht als ausreichend für mein glück erschien übte ich und schickte wünsche ans universum. wie geraten wartete ich geduldig ab. es wird gold regnen wie im märchen mit der goldmarie und der pechmarie, war doch das märchenhafte versprechen. weil ich mich aber immer noch wie die pechmarie fühlte und die erfahrung mich gelehrt hatte, dass versprechen allzu oft nicht eingehalten werden, hatte ich immer wieder zweifel daran, dass aus mir endlich eine goldmarie werden könnte. aber ich probierte es jeden tag, das mit dem positiven denken und dem wünschen, so leicht gebe ich nicht auf.

es hat nicht geklappt. und wisst ihr warum? je mehr ich in diesen büchern las, desto mieser fühlte ich mich. das gefühl, du bist verkehrt, du denkst falsch und weil du falsch denkst ist alles wie es ist - nämlich beschissen, wuchs. am ende war ich der festen überzeugung, ich bin eine komplettversagerin und an allem selbst schuld, weil ich das mit dem postiven denken absolut nicht schaffte. es gab haftverlängerung.

irgendwann hatte ich die schnauze voll. ich bin schließlich kein mascochist. und ganz leise kam etwas zum vorschein, was mich ein leben lang gerettet und alles hat überleben lassen -  es war trotz. als der aus der hintesten ecke meines käfigs hervorkroch, kam auch mein gesunder menschenverstand wieder zum einsatz. mir wurde klar, ich kann einfach nicht alles in die realität umsetzen, was ich mir in den kopf gesetzt habe. ich bin doch kein zauberer und schon gar nicht der liebe gott, der in sieben tagen eine welt erschafft mit allem drum und dran und lauter glücklichen lebenwesen drauf, die voller positiver gedanken in liebe und harmonie darauf umherwandeln und hallelujah singen. ich habe kapiert, dass, gerade weil ich nicht allmächtig bin, dinge geschehen, die ich mir nicht gedacht habe und schon gar nicht ausgedacht habe. also mal ehrlich, wer ist denn so blöd und denkt sich schlimme sachen aus? keiner von uns tut das, der liebe gott übrigens auch nicht, denn mit dem hallelujah singen auf erden is nix. die dinge geschehen, ob man positiv denkt oder nicht und warum das so ist, weiß der teufel.

als ich das begriffen hatte, wurde ich wieder aktiv und zwar dank meines verbündeten seit kindheitstagen, hand in hand mit meinem herrlichen trotz. es dauerte noch eine weile bis wir stark genug waren, endlich den schlüssel in die hand nahmen und die käfigtür von innen aufschlossen. aber schließlich haben wir es getan und zwar nachdem ich mir alle die dinge vor augen geführt hatte, die ich geschafft hatte - trotz und gerade in den miesen zeiten.

ich sagte mir, wenn du wirklich eine versagerin wärst, wie hast du dann all das geschafft? wie war dir das gelungen? nein, eben nicht mit positivem denken und frommen wünschen ans universum, das mit sicherheit besseres zu tun hat, als sich um alle frommen wünsche zu kümmern, und schon gar nicht mit geduldigem abwarten und positiven affirmationen. mein geheimnis lautet anders - ich habe durchgehalten, ich habe gejammert und geheult wie eine einsame wölfin, ich habe am boden gelegen und ich bin wieder aufgestanden - trotzdem.  und jedes mal war ich stärker als vorher. ich habe kapiert, dass das leben kein wunschkonzert ist und kein schlaraffenland und kein spielparadies, und schon gar kein spaziergang durch ewig blühende wälder und wiesen. und ich habe kapiert, das das wichtigste in diesem leben ich selbst bin mit dem, was mich ausmacht, und dass mein trotz meine methode ist, um dieses leben niemals hinzuschmeissen, sondern immer weiter zu gehen für mich und die, die ich liebe.

hätte ich mich auf die ratschäge der postivdenker eingelassen, hätte ich mich selbst verlassen, nämlich dinge getan, die meinem wesen in keiner weise entsprechen. ich säße immer noch im käfig.

wenn ich heute sätze lese, wie du bist der alleinige kreatuer deines seins und für alles was dir widerfährt selbst verantwortlich, oder - wenn es dir nicht gelingt ein gutes leben zu leben, dann liegt das an deinem kopf, werde ich nicht einmal mehr fuchssteufelswild. ich lächle und denke, wem es hilft, fein!

meine methode um durch das leben zu gehen ist das nicht. ich kenne mich selbst mittlerweile gut genug, um zu wissen, das ich das gar nicht mehr versuchen will. und genau darum geht es - es geht nicht darum methoden anzuwenden, die andere erfunden haben, die es in den meisten fällen nicht einmal selbst vermögen danach zu leben, es geht darum herauszufinden was unsere methode ist, mit der wir das leben meistern und unserer methode endlich zu vertrauen und sie nicht zu verdammen, weil sie uns nicht nur das glück auf erden verschafft. es geht darum zu begreifen, dass wir nicht verkehrt sind, nur weil wir nicht immer glück haben oder erfolg, wann und wo wir uns den wünschen. es geht einzig und allein darum mit unseren werkzeugen, die uns das universum geschenkt hat, den acker unseres lebens zu bestellen und zwar auch dann, wenn es hagelt und stürmt und aussieht als würde die welt untergehen. sie geht nicht unter, sagt die erfahrung, aber im zweifel gehen wir unter, wenn wir anderen mehr glauben als uns selbst. 


Kommentare:

  1. Vom Denken allein passiert ja auch nichts! Dem DENKEN muss das TUN folgen, damit sich etwas ändern kann. Und der Denkansatz ist haargenau richtig: Dir bewusst zu machen, was du schon alles geschafft (erschaffen) HAST. Was Du einmal geschafft (erschaffen) hast, schaffst du auch immer wieder - genau darum geht es. Die Situationen ändern sich, aber die TECHNIK bleibt die GLEICHE. DU entscheidest, was Du tun WILLST - Du TUST und du erzielst ein Ergebnis. Das Denken ist nur der Anfang - und SCHAFFEN wirst Du es nur wenn du auch an dein Tun und somit an DICH glaubst ... und schon schließt sich der Kreis.

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