Mittwoch, 28. März 2012

von guten ratschlägen ...

ratschläge sind schläge. 

diesen spruch haben wir alle schon einmal gehört. und trotzdem, wie bei allem, was wir schon einmal gehört oder sogar verinnerlicht haben, es nutzt nichts. 

es nutzt nichts im sinne von - wir machen es trotzdem. immer und überall werden ratschläge gegeben. mütter und väter raten ihren kindern, meistens von etwas ab, freunde raten freunden, meistens wie sie mit etwas umgehen sollen müssen.  gute ratschläge sind gut gemeint, aber sie helfen dem, der sie bekommt gar wenig oder gar nicht. 

warum? 

weil jeder mensch anders tickt. und weil keiner die empfindungen des anderen spüren kann. verstehen ja, spüren nein. das ist ein himmelweiter unterschied. auch mit noch so viel empathie gelingt es uns nicht das gefühl des anderen zu fühlen.

jeder von uns hat eine andere empfindung der dinge, bewertet erfahrungen und erlebnisse anders. was für den einen überhaupt kein problem ist, ist für den anderen eine belastung,  die die seele quält und ihn verzweifeln lässt.

da hilft es nichts, zu sagen: tief durchatmen und im moment bleiben!
eine sehr beliebte, aus der asiatischen kultur in die europäische moderne übernommene haltung. wer das mit dem im moment sein übt, kann das lernen, aber wer das nicht gelernt hat, kann das nicht.

der europäer ist eben kein asiate. er ist völlig anders strukturiert. wir europäer haben eine andere kultur. und jede kultur trägt ein anderes kollektives unterbewusstes in sich, heißt ein ahnengedächtnis, das tief verankert ist in jedem von uns, über generationen bis ins heute. in unserer kultur ist das mit dem achtsamsein und dem gewahrsein des moments nicht verankert. also funktioniert das auch bei den wenigsten.

auch ein: das wird schon wieder!  hilft dem verzweifelten nichts. darum mag ich solche sätze auch nicht. ich bin sogar allergisch dagegen, übrigens auch gegen den satz: alles wird gut! 

im moment ist eben für den, der das problem hat oder verzweifelt ist, nichts gut und das wird schon wieder zukunftsversprechen ändert diesen gefühlszustand in keiner weise. wir sind schließlich im moment, oder? 

tja, also all diese ratschläge sind erst mal für den a.....

es gibt auch diesen spruch: das leid ist so groß wie die schultern, die es tragen müssen. und der ist wahr, sehr wahr ist der.

manche sind eben nicht so hart im nehmen wie andere. wie hart einer im nehmen ist hängt nämlich von seiner resilienz ab. das ist die angeborene widerstandsfähigkeit (aus dem lateinischen -  abprallen) welche die toleranz eines systems gegenüber störungen bezeichnet. je höher die resilienz eines menschen ist, desto fähiger ist er bedingungen auszuhalten und zu durchleben, unter denen andere zerbrechen würden. dieser hoch resiliente mensch braucht auch keine ratschläge, er vertraut sich selbst und seiner fähigkeit die dinge zu durchleben, auch wenn sie schwer sind. übrigens wesentliche faktoren, die resilienz beeinflussen, sind: eine intakte familiensituation, ein gut ausgebildetes urvertrauen, emotionale intelligenz und die aktive einstellung zu problemen.
und das ist nicht jedem gegeben.

wer dies nicht hat, erträgt weniger als andere. 

zurück zum ratschlagen - ich lasse das und ich will auch keine haben. ich weiß aus erfahrung, dass damit sogar eine gegenreaktion erzeugt wird. der mit rat geschlagene wendet sich ab.

ein mensch, der verzweifelt ist, will ernst genommen werden, er will nicht, dass sein problem, seine angst, seine verzweiflung beratschlagt werden.

was dieser mensch will ist achtung vor seinem gefühl, annahme und trost.

tja, wir haben das achten und das trösten verlernt. denn das bedeutet nämlich sich wirklich um ein verstehen des anderen zu bemüen, sich dem anderen aufmerksam zuwenden, ihn ernst zu nehmen und in seinem leid anzunehmen. erst mal. das ist viel anstengender und zeitintensiver als ein guter ratschlag. und es dauert länger als einen moment.




Kommentare:

  1. sehr fein, das mit den Ratschlägen.Manchmal ist es sogar besser zusagen, ich weiß es auch nicht..das ist oft der Beginn von Nähe,(s) dich auf den anderen einlassen..was auch immer heißt, sich selbst zu begegnen..nicht von außen...

    AntwortenLöschen
  2. Schöner Artikel. Und es stimmt, vieles hat mit Resilienz zu tun bzw. bedarf derselbigen. Den wesentlichen Faktoren, die hier genannt werden, welche Resilienz beeinflussen, kann ich zustimmen..wobei man nun sicherlich denken würde, dass "intakte Familiensituation" und das "Ur-Vertrauen" mit am wichtigsten sind. Fakt ist, ich kann definitiv und zu 100% bestätigen, dass dem nicht so ist bzw. nicht zwingend sein muss. Die Veranlagung zu einem bestimmten Ausmaß an Resilienz, mag mit eine Rolle spielen..doch wie diese dann zum Einsatz kommt bzw. überhaupt erst "ausgebildet" wird hängt, m.E., auch-und nicht zu einem unwesentlichen Teil- vom Wesen und v.a. Charakter des Menschen ab. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Zusammenspiel zwischen "Vorhandensein/Veranlagung zu Resilienz" und dem eigenen Wesen/Charakter am Ende mit entscheidend ist/sein kann..ob oder inwiefern man bestimmte Dinge erlebt/überlebt. Zumindest kann ich allen Mut machen, dass es möglich ist...auch wenn die Familie überhaupt nicht intakt war..oder ein Ur-Vertrauen (also ich hatte keins, 2x in der Kindheit "entwurzelt", seit über 20 J. auf mich alleine gestellt) nicht vorhanden..oder eben nicht gut ausgebildet ist. Ich bin fest überzeugt, dass man, wenn man lernt und erkennt, was bestimmte, wirklich nicht schöne Situationen "mit einem selbst" zu tun haben..welche immense Energie und Kraft dahinter steckt, dass man sich eine gute Portion Resilienz aneignen...entfalten kann. Mit Wesen und/oder Charakter meine ich, ..es gibt zB. den ängstlichen Menschen,..den nachgiebigen Menschen, ..den vermeidenden Menschen etc... Ich kann nur für mich sprechen, doch ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die ähnliches an sich beobachtet haben, doch ich glaube, wenn man dennoch im Kern, trotzallem was echt nicht gut war, sich seinen Mut, seinen Kampfesgeist, seinen Willen bewahrt hat...kann man vieles überstehen,..und sich auf sein Werkzeug berufen, welches in einem vorhanden ist (obwohl eben wichtige, wesentliche Dinge als Anlage , wie eben Ur-Vertrauen, vernünftige frühkindlicher Umgang/Erziehung..etc..
    definitiv nicht vorhanden sind/waren)... Womit man unweigerlich tatsächlich auf den Satz kommt "Das Leid ist so groß, wie die Schulter, die es tragen müssen". Diese Aussage kann ich demzufolge nur unterschreiben. Doch Fakt ist, sich dessen bewusst zu werden, dass man im Besitz dieses Werkzeugs ist..dass es Tatsachen IN einem vorhanden ist..das ist-so empfinde ich es zumindest- die eigtl. Arbeit. Un dafür muss man "hinschauen", erkennen, bestimmte Situationen nicht einfach wegschieben, so nach dem Motto "hat mit mir nix zu tun, war halt eben zufällig dabei" oder ähnlich.

    AntwortenLöschen
  3. Das gilt nicht für alle Situationen, klar...doch die "prägnanten" Dinge, die man erlebt..insbesondere die Dinge, die einen immer wieder ins Leid bringen...wenn man immer wieder erkennt, dass die Platte immer an derselben Stelle hakt,.dann "muss" man doch mal gucken, inwiefern hat es nun mit mir zu tun..und nicht einfach nur sagen, die Platte ist defekt, obwohl sie es nicht ist. Und den Trick anwenden, einfach die Nadel über den Sprung hinweg wieder auflegen und die Platte spielen lassen, geht nicht. Es wird immer ein Stück fehlen. Und da muss man eben ran. Ob man will oder nicht.
    Und mit jeder Aufgabe, der man auf dem Weg dorthin begegnet und die man meistert, wächst man..immer ein Stückchen mehr. Was mich betrifft, so kann ich sagen, dass man nicht immer die Faktoren dazu braucht, die vielleicht viele (Wissenschaftler, Psychologen etc.) als "maßgebend" erachten..sondern, dass - wie in meinem Fall- es auch eine Rolle spielt, welche Einstellung man zu den Problemen hat (und damit auch zu sich selbst), wie man "gestrickt" ist (Charakter, Wesen..)..und wie groß der Wille ist. "Ich" habe das Gefühl, dass mit jeder überwundenen "Prüfung", gelösten "Aufgabe"..schließlich auch eine Art Selbstvertrauen erwächst, welches nicht mehr so schnell kippen kann....Was ich nur (noch) nicht weiß ist, ..ob dies am Ende ein Zeichen für "Selbstliebe" ist, ist diese vorhanden...oder wächst sie ebenso während des Weges,...sozusagen..parallel..? Da bin ich noch dabei, dies zu ergründen.. Wie gesagt, ich kann nur jedem "Mut" machen..oder wünschen, dass er/sie trotz vermeintlich "ungünstiger" Voraussetzungen...dennoch nicht verzagen muss...und es einen Weg gibt, der entdeckt werden will.

    Emi Ne

    AntwortenLöschen