Samstag, 1. August 2020

Selbstausbeutung



Malerei: Angelika Wende
                                                             Malerei: Angelika Wende

Die Selbstausbeutung, die wir uns antun ist grenzenlos.
Wir beuten uns aus bis wir keine Kraft mehr haben. Wir machen uns für alles selbst verantwortlich. Wenn wir scheitern, wenn wir leiden, wenn wir etwas nicht schaffen, wenn wir Ängste haben, einen Burn-out, eine Depression - immer machen wir uns selbst verantwortlich.

Selbstausbeutung ist die neue Freiheit.
Sie ist die Freiheit des Hochmutes, der uns suggeriert wir hätten über alles die Kontrolle. Und haben wie sie nicht, sind nur wir selbst schuld an deren Verlust, weil wir nicht klug genug, nicht stark genug, nicht gelassen genug, nicht clever genug, nicht fähig genug, nicht erfolgreich genug, nicht liebenswert genug sind.

Selbstausbeutung frisst uns auf.

Anstatt zu akzeptieren, dass wir von vielem mehr abhängen als von uns selbst, nämlich von einer Umwelt, Gegebenheiten, Situationen und unseren Mitmenschen, von Unglück, Glück, Genen, Konditionierungen und Schicksal, glauben wir uns geschieht nach unserem Willen, wenn wir uns noch mehr anstrengen, wenn wir uns selbst optimieren um uns noch besser selbst ausbeuten zu können.

Aber das funktioniert nicht wie das Leben uns zeigt. Es funktioniert nicht, weil das Leben aus Aktion und Reaktion besteht und wir die Reaktionen auf unsere Aktionen nicht immer berechnen können – weder was das Leben selbst angeht, noch was die Beziehung zu anderen Menschen angeht.

Was den meisten Menschen heutzutage fehlt ist Demut dem gegenüber was nicht kontrollierbar ist und die Einsicht in die Begrenztheit des menschlichen Willens.
Wenn wir die Demut als Wert begreifen, legen wir den Drang nach Selbstausbeutung ab. Wir kommen bei dem an, was wir so dringend brauchen um unsere getriebene Seele zu befrieden: Beim Selbstmitgefühl und damit beim Mitgefühl für andere.

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