Freitag, 8. September 2017

Sich selbst lieben geht nicht auf Knopfdruck



Danke für das Foto, Lucas


Die Liebe für uns selbst muss sich darauf beziehen, was wir sind und nicht auf das, was wir tun. Erst dann gelingt es uns, uns vorbehaltlos zu akzeptieren. Das Erkennen des Unterschieds zwischen Tun und Sein ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die wir im Leben machen können.

Sich selbst lieben geht nicht auf Knopfdruck. Es ist Arbeit. Der Psychiater und Bestsellerautor M. Scott Pecks sagte einmal, dass Liebe besagt, dass Liebe eine harte Arbeit ist, zu der eine Erweiterung der Persönlichkeit gehört. Und so ist es. Die Selbstliebe kommt uns nicht einfach so angeflogen, wenn wir sie nicht fühlen können. Sie muss in der Tat erarbeitet werden. Es braucht den Willen und es braucht Übung die Selbstabwertung oder die Selbstverachtung aufzugeben und uns selbst vorbehaltlos zu akzeptieren mit allem was uns ausmacht, auch mit dem, was wir an uns selbst nicht leiden können. Sich selbst nicht leiden können bringt Leid, innerseelisch und im Kontakt mit anderen Menschen, in all unseren Beziehungen.

Die Arbeit an der Selbstliebe beginnt damit, dass wir uns selbst zuhören. 
Wie hört man sich selbst zu? Indem man auf seine Gefühle, seine Wünsche und seine Bedürfnisse achtet. Die meisten von uns haben das nicht gelernt. Wir haben gelernt unseren Focus auf das zu richten was andere fühlen, wünschen oder brauchen. Wir haben gelernt Erwartungen zu erfüllen, die andere an uns haben, aber wir haben nicht gelernt unsere Erwartungen an uns selbst zu achten und zu erfüllen und wenn, dann sind es jene, die man uns beigebracht hat. Was wir tun müssen, damit wir anderen gefallen, ist eine davon. Auch wenn wir glauben wir tun all das was wir tun für uns, so ist das in Wahrheit nicht selten ein Irrglaube, wir tun es damit man uns achtet, uns Aufmerksamkeit schenkt, uns wertschätzt und liebt. Wir tun es um durch unser Tun etwas zu bekommen, von dem wir meinen, dass wir es brauchen. Und meistens bekommen wir ja auch etwas für unser Tun, aber wann bekommen wir etwas für unser Sein?
Leistung bringen ist Tun.
Sein ist einfach da sein, ohne etwas tun zu müssen.  
Wann nehmen wir uns die Zeit einfach nur zu sein?
Erlauben wir es uns? Oder denken wir gar nicht darüber nach, so wie die meisten Menschen, die ständig irgendetwas tun müssen, weil sie gar nicht wissen was nichts tun sein kann, und weil sie sich schlecht fühlen im Nichtstun. So funktioniert unsere Leistungsgesellschaft. So funktioniert Leben, wie man es uns beigebracht hat. Tu was, dann bist du wer. Wer nichts tut, ist nichts wert.
Und wem schenken wir damit Aufmerksamkeit? Nicht uns selbst jedenfalls.

Man muss sich selbst Aufmerksamkeit schenken um sich selbst wahrzunehmen.
Das beginnt damit in Kontakt mit den eigenen Gefühlen zu kommen. Und jedes Gefühl, das wir haben sagt uns etwas über unsere Bedürfnisse. Gefühle sind immer auf Bedürfnisse ausgerichtet. Wenn ich zum Beispiel traurig bin habe ich das Bedürfnis nach Fürsorge, Geborgenheit und Trost. Wenn ich mich hilflos fühle, habe ich das Bedürfnis nach Selbstbestimmung, nach Sicherheit und Halt. Jedes Gefühl verweist auf ein tiefes Bedürfnis. Die meisten Menschen erkennen das nicht. Sie übergehen ihre Gefühle und weil sie das tun, wissen sie nichts über ihre wahren Bedürfnisse.

Ein Mensch, der sich selbst liebt weiß um seine Bedürfnisse. 
Das ist die Vorrausetzung für Selbst - Bewusstsein. Nur wer sich seiner selbst bewusst ist wird sein Leben so gestalten, dass es seinen Bedürfnissen nahe kommt.
Die Arbeit an der Selbstliebe erfordert Aufmerksamkeit für uns selbst und sie geht nicht ohne Selbstdisziplin vonstatten. Selbstdisziplin bedeutet sich selbst gegenüber absolut ehrlich zu sein, seine Triebe aufschieben zu können und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wer sich so verhält besitzt Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl. Ohne das ist Selbstliebe nicht möglich. Sie bedeutet nämlich auch Verzicht. Verzicht auf Dinge, die uns nicht gut tun. Dazu muss man eben wissen was einem nicht gut tut und damit sind wir wieder bei der Aufmerksamkeit, die wir uns selbst schenken müssen um bei uns selbst anzukommen.

Erst wenn wir das gelernt haben und es dauert, wie alles was wir neu lernen müssen, werden wir irgendwann bei uns selbst ankommen und dem Gefühl ein einzigartiger liebenswerter Mensch zu sein,  der sich vorbehaltlos akzeptiert und sich verzeihen kann wenn er Fehler macht. Selbstliebe versetzt uns in die Lage nichts mehr von anderen einzufordern, was sie uns nicht zu geben vermögen, können oder geben wollen, sie macht aus emotional Abhängigen selbstsichere Menschen, die wissen wie sie selbst gut für sich sorgen und sich ihre Bedürfnisse erfüllen können. Selbstliebe hilft uns dabei nein zu sagen, sie hilft uns dabei uns abzugrenzen. Sie hilft uns auch um etwas zu bitten, wenn wir uns etwas wünschen und sie hilft uns damit umzugehen wenn wir Zurückweisung erfahren. Wenn wir die Arbeit der Selbstliebe nicht scheuen erhalten wir ein wertvolles Geschenk – wir wissen um den wahren Wert unseres Seins. Und dafür müssen wir nichts tun und uns selbst und anderen nichts beweisen.

Namaste 

Angelika









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