Samstag, 30. Januar 2016

Ein Bild





eine blasse figur, sagte er, sie ist nur noch eine blasse figur für mich. alle farben sind verschwunden. sie haben sich aufgelöst, so als habe ein gemälde lange im regen gestanden. alles verwässert, die schönen farben verlaufen, ein verlaufenes etwas, das einmal mein alles war.

wie geht so etwas, wie ist so etwas möglich?

es ist möglich weil es das bild war, das du von ihr gemalt hast, als du liebend deine augen auf sie gelegt hast. nicht sie hat sich verändert, das bild, das du dir von ihr gemacht hast, hat sich verändert, erwiderte ich.




Donnerstag, 28. Januar 2016

Das Streben nach Form




Zeichnung: AW



die mehrzahl der menschen verwechselt inhalt mit form. sie begreifen nicht, dass durch die ständige vermehrung der form, sprich der äußerlichen dinge, der materie, der ersehnte inhalt nicht zu haben ist.

das streben nach dingen, ebenso wie das streben nach genuss, spaß, unterhaltung, bewunderung, anerkennung, finanzieller sicherheit, besitz und macht, ist immer das streben nach einer äußeren form, welche die leere des innenlebens füllen soll.

der weg zum inhalt aber führt nicht in immer noch mehr äußere form, er führt nach innen.
wer dort angelangt ist, wer den kern, wer sein selbst berührt hat und es immer wieder berührt, wird mehr und mehr unabhängig von der form - er ist in halt, was nichts anderes bedeutet als in sich gehalten.

ein solcher weg aber scheint der mehrzahl der menschen nicht attraktiv zu sein. sie erkennen darin keinen unmittelbaren und für andere sichtbaren gewinn. sie verlieren sich weiter in der form, in der illusion dort halt zu finden.

das ist der große irrtum unserer zeit, einer zeit, in der sich das ego in seinem selbstsüchtigen formstreben wie eine krebsgeschwulst in die gesellschaft frisst, bis diese gesellschaftsform zerfressen ist.




Dienstag, 26. Januar 2016

Vergeblichkeit

Man kann von einem Menschen, der schwer gestört ist, keine Veränderung erwarten.
Ein schwer gestörter Mensch lebt in einem Paralleluniversum, das man Wahn nennt, ein Universum das geprägt ist von einer Erziehung, die ihn krank gemacht hat, von einer Biografie, in der ihm nur Ungutes zuteil wurde, von Erfahrungen, die sein wahres Selbst bis auf die Grundfesten zerstört haben.

Es gibt kein Mittel und keine Therapie, die einen solchen Menschen heilen können.
Das sind die Fälle wo alles Wissen, alles Wirken und jede Hilfe des Helfers versagen.
Diese Erfahrung schmerzt.
Aber sie ist elementar um einzusehen: Es gibt sie, die Vergeblichkeit. Ja, auch das.

Sonntag, 24. Januar 2016

Freitag, 22. Januar 2016

Gedankensplitter

Die Unzufriedenheit eines Menschen wächst in dem Maße wie er den Sinn in sich selbst nicht findet, einen Sinn, der über das Eigene hinausgeht und über das Eigene hinaus anderen dient.


Donnerstag, 21. Januar 2016

Aus der Praxis - Richtige und falsche Entscheidungen




Du stehst vor einem Dilemma oder vor einer schwerwiegenden Entscheidung, von der du meinst, sie entscheidet über dein zukünftiges Leben. Du meinst, dieses Mal muss ich unbedingt dir richtige Entscheidung treffen, vielleicht weil du denkst, dass es jetzt endlich einmal gut werden muss, vielleicht weil du denkst, du hast oft genug falsch entschieden, vielleicht weil du denkst, dir bleibt nicht mehr allzu viel Zeit um deinem Leben die Richtung zu geben, die dich endlich an dein Ziel führt, vielleicht, weil du denkst, das Meiste ist gelebt und was jetzt gelebt werden will, muss besser sein als der Rest. Oder du beginnst ein Projekt und willst natürlich, dass es dir gelingt. In all diesen Fällen musst du dir sicher sein, wie du wählst, du musst dir sicher sein, die richtige Wahl zu treffen.

Dieses Müssen macht dir Druck, dein ganzes Denken ist nur noch darauf gerichtet was du tun musst um ja das Richtige zu tun, denn das Falsche tun, konstruiert dein Denken, geht gar nicht, das heißt im worst case: Scheitern. Oh nein! Scheitern geht gar nicht!, sagst du dir und der Druck wird noch höher.

Nun, dann ist es Zeit inne zu halten und den Druck abzulassen: Übrigens, am besten geht das, wenn du ganz langsam und bewusst ein- und ausatmest. Und das geht ohne Druck, ganz von alleine. 

Obwohl uns das Leben zeigt, egal wie wir entscheiden, das Scheitern findet nicht selten auch nach den scheinbar besten Entscheidungen als Möglichkeit statt. Stell dir vor, du hast einen Traum und du tust alles dafür Notwendige dafür um ihn dir zu erfüllen und eine Weile lebst du diesen Traum. Du hast die Entscheidung getroffen, die ihn lebendig werden ließ. Du hast also richtig entschieden. Und eine Weile ist es gut. Aber dann, nach einer Weile, zerbricht dieser Traum. Er zerbricht trotz deiner Entscheidung, die du für richtig gehalten hast. Er scheitert am Gelebtwerden.

Was richtig war in einem Moment in der Zeit, kann irgendwann nicht mehr richtig sein. Und wenn es das nicht mehr ist, löst sich alles Alte auf -  die Entscheidung wurde gelebt und hat sich abgelebt. Das ist die tätsächliche Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, die einfach ist wie sie ist, wenn wir sie einfach sein lassen wie sie ist.

Nur wer kann das schon? Wir alle kennen die Enttäuschung, die Trauer und die Wut, wenn das einmal Entschiedene absolut nicht bleiben will und dann kommt dieses: Hätte ich ...
Was denn? Was hätte ich besser machen können, anders machen können, anders wählen können, anders entscheiden können? Hätte ich? Dann hätte ich, aber ich habe nicht! Ich habe genauso entschieden, wie es sich für mich damals richtig angefühlt hat.

Wenn wir das begreifen hören wir auf unsere Entscheidungen zu bewerten nach gut und schlecht, richtig oder falsch. Wenn wir das begreifen, beklagen wir uns nicht endlos über gescheiterte Entscheidungen, dann verstehen wir, dass wir jede Entscheidung genau so richtig treffen wie wir sie in diesem Moment in der Zeit, mit den Informationen, Absichten, Gedanken und Gefühlen, die wir zu diesem Zeitpunkt haben, treffen. Und wenn wir das begreifen, begreifen wir auch, dass keine Entscheidung einen Anspruch auf Dauertüchtigkeit hat. Das Leben verändert sich, wir verändern uns, Menschen verändern sich, Umstände verändern sich, Gedanken und Gefühle verändern sich während wir in unseren Entscheidungsräumen leben.

Nicht die Entscheidung verändert sich - sondern wir selbst verändern uns und das Leben und was es mit uns macht.

Immer wieder, jeden Tag, jeden Moment treffen wir Entscheidungen, kleine und große und ganz wichtige. Aber so wichtig wie wir glauben sind sie gar nicht, auch nicht die ganz großen. Sie sind Wegpfeiler auf einem Weg, den wir mit keiner einzigen Entscheidung auf immer und ewig festlegen können. Es gibt ihn nicht den geraden Weg, es gibt immer nur Wege, die wir gehen, eine Weile, um an der nächsten Weggabelung wieder neu enstscheiden zu müssen.

Wenn das Leben eine neue Entscheidung von uns verlangt ist es wichtig eine bewusste Wahl zu treffen und die Verantwortung für unsere Wahl zu übernehmen, wenn wir sie treffen und zwar in Bezug auf den nächsten Schritt. Nicht mehr und nicht weniger.  Nicht auf das ganze Leben, das so viele Menschen vor sich sehen, wenn eine große Entscheidung ansteht. Der nächste Schritt ist das Wesentliche, denn mehr zu wollen und zu erwarten heißt das Leben nicht verstehen.

Wenn du entscheidest ist es immer so, dass du in diesem Augenblick nicht alle Antworten hast, denn der vor dir liegende Weg für den du dich entschieden hast, bleibt dir solange unbekannt, bis du ihn gehst und deine Schritte auf ihm zurückgelegt hast. Dann erst wirst du erfahren ... und zwar nicht richtig oder falsch, sondern etwas Neues über dein Leben. Und wenn du erfährst, dass du dich für einen Weg entschieden hast, der sich als uneben oder gar ungut gezeigt hat - dann kannst von Neuem entscheiden. Du kannst den Weg ändern und einen neuen wählen. Immer, solange du lebst, solange du die Wahl hast.


Samstag, 16. Januar 2016

Vom Rat suchen





es macht keinen sinn andere um rat zu fragen.
es macht deshalb keinen sinn, weil jeder andere dich genau so berät wie er die situation aus seiner sicht, mit seinen erfahrungen, seinen prägungen, seinen glaubensmustern, seinen emotionen, seinen inneren bildern, seinen momentanen effekten und seiner sicht von welt betrachtet.

es gibt keinen objektiven rat. es gibt nur sichtweisen, die subjektiv sind.
daher ist kein ratgeber, der nicht gelernt hat sein eigenes zu erkennen und aus dem deinen herauszuhalten, dazu geeignet dir zu raten.
davon gibt es wenige.
wenn du diesen einen unter den wenigen nicht findest, verzweilfle nicht.
sei dir gewiss:
du selbst besitzt die lösung. nur du selbst weißt, was für dich richtig ist.
egal wie lange es dauert, die lösung kommt zu dir, wenn du dich von allem ratsuchen frei machst und in der stille geduldig wartest bis deine innere stimme dir deine lösung offenbart.





Donnerstag, 14. Januar 2016

Gedankensplitter




die kunst im leben liegt darin sich immer wieder neu zu erfinden.
sie liegt darin, niederlagen, schmerz und verluste zu akzeptiereren und sie als herausforderungen zu sehen, die mich wachsen lassen.
wohin?
das frage ich mich nicht.
denn genau diese frage blockiert den fluss dessen, was leben ist.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Gedankensplitter

ich denke also bin ich
ich bin also denke ich
wer bin ich wenn ich denke
wer denkt wenn ich bin
ich denke ich bin was ich bin
bin ich was ich denke
denke ich was ich bin 



Dienstag, 12. Januar 2016

Aus der Praxis - Wie sich Schmerz in Leid verwandeln kann und wie es gelingt das nicht zuzulassen





Allem was was wir empfinden und besonders allem, was wir nicht gern empfinden, messen wir eine Bedeutung zu. Das große Problem ist, dass starke Emotionen für uns die Wirklichkeit widerzuspiegeln scheinen. Wir verwechseln was wirklich geschieht mit der Wirkung, die das Geschehen auf uns hat. Der Fakt, der Angst verursacht - beispielsweise eine Lebenskrise - ist nicht identisch mit der Emotion, die wir erleben. Es ist nicht gefährlich Angst zu haben, es ist nicht gefährlich traurig oder wütend zu sein. Aber es ist gefährlich uns von diesen Gefühlen überfluten zu lassen, weil wir sie dann für unsere ausschließliche und einzige Wirklichkeit halten. Wir beginnen die unguten Gefühle, die wir nicht haben wollen, zu bekämpfen - im eigenen Inneren oder indem wir sie auf andere projizieren. Das führt dazu, dass wir in einem emotionalen Krieg leben, der klares Denken und hilfreiches Handeln verhindert. Damit gehen wir ein Risiko ein: Das Risiko besteht darin, dass wir Schmerz in tiefes Leiden verwandeln, das unsere Wirklichkeit wie in einem Krieg in der Tat zerstören kann. 

Hilfreiches Handeln heißt - es sind Bemühungen notwendig mit dem Ziel, das was ungut ist zu verändern, zu erkennen was geändert werden kann und was nicht. Es bedeutet nicht die Gefühle zum Schweigen zu bringen oder sie zu unterdrücken. Es bedeutet aber uns nicht von ihnen steuern zu lassen. Und das gelingt indem wir sie beobachten und annehmen und nicht mit allen Mitteln versuchen sie zu unterdrücken, sie abzuspalten oder die Verantwortung für unsere Gefühle auf andere abzuwälzen. Es macht keinen Sinn uns zu sagen: "Beruhige dich, das ist nicht so schlimm", wenn es für uns gefühlt schlimm ist. Damit führen wir einen inneren Kampf gegen uns selbst. Innerer Kampf ist zersetzend, er erschöpft seelisch und körperlich. Innerer Kampf ensteht immer dann, wenn wir uns gegen etwas wehren. Diesen inneren Kampf können wir beenden. Wir können das tun, wenn wir fähig sind, aus uns selbst als Beobachter, wie ein Zuschauer eines Theaterstücks, herauszutreten und uns anschauen, was faktisch wirklich geschieht und was daraufhin in uns geschieht. 

Wenn wir zur Seite treten und uns angesichts des Stückes, das sich da gerade in unserem Leben abspielt, fragen: Was ist wirklich so schlimm, an dem was geschieht, was mache ich schlimmer als es ist? Was macht mir solche Angst, was macht mich so traurig und was macht mich so wütend? Ist es das, was wirklich geschieht oder ist es das, was ich über das denke, was geschieht oder geschehen ist? Was ist die Bedeutung, die ich dem Ganzen verleihe und welche Bedeutung könnte ich dem Ganzen auch geben? 

Damit hören wir auf uns in unsere Emotionen hineinzusteigern. Wir kommen so aus der Spirale der Überflutung heraus, hin zu inem klareren Bewusstsein. Der nächste Schritt ist die Akzeptanz. Was wir nicht ändern können, können wir entweder bekämpfen, was nichts ändert, oder wir können es annehmen, was vieles wandelt. Es wandelt vor allem eins: Den Krieg in uns selbst in Erleichterung. Erleichterung findet statt, wenn wir die Waffen strecken. Wenn wir den Widerstand aufgeben, wenn wir sagen: Es ist wie es ist. Und wie es ist wird es nicht immer bleiben. Akzeptanz ist ein großes Wort und der Wille zu akzeptieren zeigt Größe: Akzeptanz gelingt nicht von heute auf morgen, sie ist eine Arbeit, die jeden Moment getan werden muss. Eine Arbeit die nötig ist um den Schmerz als das zu sehen was er ist: ein vorrübergehendes Gefühl, wenn wir ihm erlauben zu gehen.


Montag, 11. Januar 2016

Gedanken über den Tod






Wir lieben Idealisierungen, sie sind das Salzkorn in der Suppe des Lebens. Wünsche, Träume, Visionen und ja, auch unsere Illusionen geben uns Kraft, sie helfen uns auch schwere Zeiten zu überstehen, sie helfen uns, uns zu verwirklichen und verleihen unserem Leben Sinn. Der Mensch ist ein Sinnsucher und somit ist alles erlaubt, was diesen Sinn schafft.

Wir haben Wünsche, nicht nur im und für das Leben, unsere Wünsche sind über das Leben und seine Endlichkeit hinaus gerichtet. Wir wünschen uns leicht zu sterben, wenn es denn schon sein muss, wir wünschen uns einen sanften Tod, manche von uns wünschen sich den Eingang in den Himmel oder sie wünschen sich die Wiedergeburt und glauben daran. Eingang ins Himmelreich, Erlösung, damit tröstet wir uns, damit trösten wir Sterbende und Trauernde und jene, für die das Leben auf Erden kein Himmelreich ist oder war. Ich denke, ob Himmel oder Hölle, wir machen uns beides maßgeblich selbst und das zu Lebzeiten, das Schicksal einmal außen vor genommen. Aber auch hier können wir wählen, wie wir mit ihm umgehen.

Der Tod ist ein Dieb. Er raubt uns das Leben.
Der Tod ist grausam, wenn er ein Leben ohne Vorankündigung einfach auslöscht. Wenn es kein Abschiednehmen gibt für den Sterbenden und die, die ihn lieben, dann ist er grausam und unmenschlich. Wie kann etwas, das so unmenschlich ist zum Menschenleben gehören?, frage ich mich. Und weiß die Antwort längst: Jedes Ding, alles im Leben hat immer zwei Seiten. Das eine ohne das andere gibt es nicht. Und es gibt etwas, das größer ist als wir und das zeigt sich ganz groß am Ende. Es gibt keine Garantie für keinen von uns, dass er das Geschenk erhält sich vom Leben und seinen Lieben zu verabscheiden, bevor der Tod ihn holt. Es wäre barmherzig uns in Würde verabschieden zu dürfen, bevor wir unser Dasein beenden müssen, aber auch Barmherzigkeit ist kein verbrieftes Lebensrecht. Dieser Gedanke macht mich traurig.

Viele Menschen verdrängen den Gedanken an den Tod. Gut so, oder nicht gut. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer sich zuviel mit der Vergänglichkeit beschäftigt wird melancholisch, aber er lebt auch bewusster, denn er weiß um die Kostbarkeit jeden Moments.

Alle Rationalisierungsversuche der Philosophie ob der Endlichkeit menschlichen Seins münden in Fragen, behelfen sich von Platon bis Nietzsche mit dem Fazit: Man begebe sich in die Akzeptanz des Unvermeidlichen und gestalte ein Leben, das keinen Nachschlag verlangt, das ausgekostet wird bis zur Neige, dass die Zukunft überflüssig macht durch stete Intensivierung der Gegenwart. Ist das möglich? Es ist möglich, wenn alles stimmt, wenn wir glücklich und zufrieden sind, wenn wir lieben und geliebt werden und vom Leid verschont bleiben, könnte die Antwort sein. Aber in welchem Leben stimmt alles, und was ist stimmig? Und was ist ein gutes Leben?


Kürzlich las ich dieses Gedicht von Thomas Merton ...

Lange hatte es für mich so ausgesehen,
als ob mein Leben gleich anfangen würde -
mein wirkliches Leben.

Aber immer war noch irgend etwas im Wege:
Etwas, was ich erst noch kriegen müsste,
Zeit, die erst noch vergehen müsste,
eine Schuld, die erst noch abgetragen werden müsste.
Aber dann würde mein Leben beginnen.

Schließlich dämmerte mir,
dass diese Hindernisse
mein wirkliches Leben waren.

Es hat mich sehr berührt das zu lesen, denn für mich ist es wahr, so wie Merton es beschreibt.
Ich lebe ein Leben, das ohne die Idealisierung eines Paradieses oder einer Wiedergeburt auskommt,  ein Leben im Jetzt, das ich so gestalte, dass es mir Sinn gibt und Sinn macht, über das Eigene hinaus. Ein Leben mit Höhen und Tiefen. Ein volles Leben und nein, nicht immer bin ich mit dem was ist einverstanden, aber ich nehme was kommt und mache daraus was mir möglich ist, ich mache weiter bis zum Schluss. Und trotzdem fürchte ich den Tod, den meinen und den, derer, die ich liebe. Ich fürchte das Sterben, ich fürchte mich vor Schmerzen und ich fürchte mich davor, dass da keiner ist, der mir einen Abschied gibt in Liebe und ich fürchte mich davor gehen zu müssen, ohne bewusst und mit klarem Verstand einen Abschluss machen zu dürfen, für mich selbst und mit denen, die ich liebe. Ich will in Frieden gehen dürfen und das bedeutet für mich: Frieden machen mit dem, was mein Leben war und die Zeit dafür geschenkt bekommen. Wünsche eben.

Leben ist jetzt und Tod ist nicht leben.

Man stirbt wie man lebt, sagte einmal einer zu mir.  Ist das so? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, das Sterben, der Tod haben mit Loslassen zu tun. Und ich weiß, wir lassen dann los, wenn wir mit dem was ist, wie es ist, einverstanden sind. Das ist eine lebenslange Übung und die wohl schwerste überhaupt: Zu akzeptieren was ist. Meine Mutter sagte einmal zu mir: "Schreibt auf meinen Grabstein: Hier ruht ein ungelebtes Leben." Das hat mich traurig gemacht als Kind. Ich habe es bis heute nicht vergessen, so wie ich meinen Tod nicht vergesse. Ich weiß, ich werde sterben, weil ich lebe. Ich habe mir selbst versprochen, in dieser resignierten Weise wie es meine Mutter tat, am Ende meines Lebens nicht fühlen zu müssen. Auf meinem Grabstein soll geschrieben stehen: Ich habe gelebt. Ich habe geliebt. Ich wurde geliebt. Ich habe mein Leben meinen Möglichkeiten und meinen Gaben entsprechend gestaltet, ich war mir seiner Kostbarkeit und seiner Einmaligkeit immer bewusst.

Jedes Ende ist der Anfang von Etwas. Ein ewiger Kreislauf. Was dieses Etwas danach ist will ich nicht wissen, denn es macht keinen Sinn zu spekulieren über etwas, für das es in diesem Leben keine Antwort gibt.

Sonntag, 10. Januar 2016

Verschlossenheit, die Angst vorm Konflikt






Die Angst vor Konflikten oder vor Konfliktverschärfung führt dazu, dass Menschen Dinge verschweigen, aus Angst davor, mit den Gefühlen des Gegenübers nicht umgehen zu können. Anstatt offen und wahrhaftig zu sagen was ist und was sie fühlen, tragen sie Angst, Groll, Bitterkeit und unterdrückte Wut mit sich herum. Anstatt Klarheit zu schaffen und diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen nehmen sie eine Haltung der Verschlossenheit an, bei der verschwiegen wird, was ausgesprochen werden müsste, um eine Situtation zu klären.

Verschlossenheit führt dazu, dass der Andere in Spekulationen und Vermutungen hängen bleibt. Er bekommt keine Chance die Situation anders zu begreifen und schießlich zu verstehen.

Verschlossenheit führt zu einer Schieflage in Beziehungen. Sie macht einen zum Täter und den anderen zum Opfer. Indem man Konflikte durch Verschlossenheit zu vermeiden versucht geschieht also genau das Gegenteil: Man verstärkt den Konflikt, man schafft einen Opfer-Täter-Konflikt, der in Groll, Wut, Bitterkeit und letztlich in Entzweiung endet.





Notiz an mich selbst


Schreiben ist immer etwas Persönliches so wie das Denken immer etwas Persönliches ist.
Schreiben ist immer der Versuch sich über etwas klar zu werden.
Beim autobiografischen Schreiben kommt es darauf an sich der Ereigniskette des eigenen Lebens bewusst zu werden. Das ist der Weg um den biografischen Verlauf nachfühlbar werden zu lassen. Dazu gehört, dass man die Ursachen und Begleitumstände der Ereignisse jedes Schlüsselerlebnisses tiefgehend bedenkt.

Es gleicht dem Suchen und Finden des roten Fadens mit dem Ziel sein eigenes Leben zu verstehen.

Im Grunde geht es nur darum.

Gedankensplitter

Es gibt einfach Dinge, die man akzeptieren muss.
Da kommt man nicht drum herum.

Zum Hören ... Kippfigur



https://soundcloud.com/frida-473688618/kippfigur



Hörgeschädigte finden den geschriebenen Text unter "Kippfigur" auf diesem Blog

Donnerstag, 7. Januar 2016

Gedankensplitter

Wenn Altes sich aus unserem Leben verabschiedet ist dies eine Zeit in der es darum geht eine neue Lebensorientierung zu finden und eine neue Lebensstruktur zu schaffen. Das ist keine leichte Zeit, weil es eine Zeit des Wartens, des noch-nicht- Wissens-wie und der Erforschung des eigenen Inneren ist, während man vertraute Grenzen und Umstände verliert und damit keine Stützen mehr hat, an die man sich halten kann. Kann man jedoch innere Stärke aus der Erkenntnis gewinnen, dass ein neues Ich geschaffen wird - frei von Belastungen – dann ist es leichter mit dem was ist umzugehen. Immer wenn sich Altes aus unseren Leben verabschiedet und Neues noch nicht greifbar ist, geht es auf der tiefsten Ebene um das Vertrauen in das Leben an sich.

Echtes Interesse




Sie fragte mich: Woran erkenne ich eigentlich ob ein Mensch echtes Interesse an mir hat. 
Wenn er Ihnen Fragen stellt, antwortete ich.

Ein Dialog braucht Berührungspunkte. Das Verhalten der Gesprächspartner muss sich aufeinander beziehen. Dazu braucht es die Bereitschaft sich aufeinander zu beziehen – was bedeutet: den Focus  von sich selbst abzuziehen und sich interessiert dem anderen zuzuwenden. Das ist echtes Interesse. Dann erst treten Menschen in Beziehung. Jede Art von einseitiger Informationsabgabe und Informationsaufnahme ist kein Dialog, sondern ein Monologisieren bei dem es sich nur um das eigene Ich dreht, das sich mitteilen will. Der Andere wird nicht wahr genommen. Er fungiert lediglich als Projektionsfäche. Auf diese Weise kann keine Beziehung, gleich welcher Art, entstehen. 

Wenn sie mich fragen, fügte ich hinzu, solche Begegnungen können sie sich sparen, es sei denn, sie haben die Absicht als Objekt für die Mitteilungsbedürfnisse anderer zu fungieren.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Gedankensplitter

 



solange etwas ungelöst bleibt, ist trauer und niemals abschied. wie eine last liegt es auf unserer die gegenwart und macht sie schwer, sie verzerrt das leben, von dem wir glauben, dass es uns gerade passiert.


Dienstag, 5. Januar 2016

Gedankensplitter




zu den schlimmen dingen, die einem menschen widerfahren können gehört das erkennen, dass man über jahre nicht aufrichtig zu ihm war. 
aber damit erkennt er auch: alles im leben ist illusion.
ist er lernfähig, wird er beginnen nichts mehr überzubewerten.
vielleicht beginnt so gelassenheit.

Montag, 4. Januar 2016

Mir verzeihen, nicht verzeihen zu können

Es gibt Menschen, die tun sich unendlich schwer, einem anderen, der sie tief verletzt hat, zu verzeihen. Ich gehöre zu diesen Menschen, auch wenn ich weiß, wir verzeihen zu allererst um unserer selbst willen, unseres eigenen inneren Friedens willen, denn verzeihen wir nicht, schleppen wir auf diese Weise schweren seelischen Ballast mit uns herum, der uns am Leben hindert. Die Fähigkeit zu Verzeihen ist wichtig um nicht in Groll und Bitterkeit stecken zu blieben, um Altes, was  schmerzhaft war, abzuschließen um sich dann dem Leben in seiner ganzen Fülle und Schönheit erneut anzuvertrauen. Wir sollten wirklich verzeihen können, um alte Verletzungen hinter uns lassen. Ich weiß das sehr gut. Aber ich weiß auch sehr gut, dass wir nicht wollen wollen können, wenn etwas in uns es einfach nicht kann.

Nicht zu verzeihen lässt die Wunde, die man uns zugefügt hat mitunter ein Leben lang offen schwelen. Sie kann nicht heilen und verursacht immer wieder neuen Schmerz, auch wenn die Verletzung schon lange Zeit zurückliegt.

Wenn wir tief verletzt wurden ist das in der Regel immer durch einen Menschen geschehen für den wir tiefe Gefühle haben, denn nur deshalb kann er uns auch tief verletzen. Wir haben ihm all unsere Schwachstellen, all unsere Ängste und unsere alten Wunden gezeigt, wir haben uns nackt gemacht, innen wie außen, wir haben uns berührbar gemacht, weit und offen. Und dann sticht uns genau dieser Mensch, dem wir all das offenbart haben, ein Messer ins Herz. Wie wollen wir da verzeihen können, auch wenn wir wissen -  nur so finden wir unseren Seelenfrieden wieder? Wahr ist, dieser Friede ist zerstört, da ist ein Schnitt, der spürbar mitten durchs Herz geht. Und manchmal ist nicht nur der Seelenfrieden getroffen, manchmal ist ein wesentlicher Wert zerstört, manchmal sogar ein Weltbild, an das wir fest glaubten. Diese Art von Erschütterungen schlagen tiefe Wunden und viele von uns tragen sie. Mit oder ohne Verzeihen – sie sind da.

Diese Erschütterungen finden in uns selbst statt, in dem, was uns ausmacht, dort, wo kein anderer so fühlt wie wir fühlen und sie reichen bis in unser tiefstes Wesen, das sogar uns selbst in seiner Ganzheit unbegreiflich ist. 

Ich weiß auch, dass es uns dann am schwersten fällt einem anderen zu verzeihen, wenn wir uns selbst nicht verzeihen können, dass wir uns haben verletzen lassen. Denn wer kann uns verletzen wenn wir es nicht zulassen? Aber wir haben es zugelassen und das ist der Punkt, weil wir uns geöffnet haben, uns berührbar gemacht haben und damit haben wir es zugelassen. 


Zum Verzeihen gehört auch ein: „Es tut mir leid, dass ich dir weh getan habe“, von dem, der uns verletzt hat. Auch wenn er das Ausmaß unserer Verletzung nicht versteht. Mit seiner Entschuldigung nimmt er uns wahr, er nimmt uns ernst in unserem Schmerz. Glaubt dieser andere aber er sei im Recht mit dem was er getan hat, wie soll er sich dann entschuldigen, auch wenn er weiß, wie verletzt wir sind? Nicht jeder ist barmherzig. Manch einer beharrt darauf nichts Verletzendes getan zu haben, auch wenn er sieht, dass das, was er getan hat, für uns eine Welt zusammenbrechen lässt. Und damit fügt er uns noch eine weitere Verletzung zu, indem er unsere Gefühle nicht achtet.

Wie einem solchen Menschen verzeihen? 
Ich kann das nicht. Und damit bin ich nicht in der Opferhaltung sondern in meinem wahrhaftigen Gefühl, das, würde ich gegen mein nicht Können verzeihen, nicht einmal ich selbst ernst nehmen würde. Ich will verzeihen, ich glaube wir alle wollen verzeihen, weil wir instinktiv wissen, dass gut für uns ist, und doch ist es möglich - einmal im Leben bekommen wir es nicht hin mit dem Verzeihen. Und dann kommt das, was es noch schlimmer macht: Wir werfen uns selbst vor, dass wir dessen nicht fähig sind. Wir halten uns für einen schlechten Menschen, wir zweifeln an uns selbst, weil wir es doch besser wissen und besser wollen als wir können. Wir führen einen inneren Kampf gegen uns selbst und der geht niemals gut aus, sagt die Erfahrung. 


Das ist nicht hilfreich, das ist gar nicht gut für uns und es macht auch gar nichts besser. Nun, vielleicht ist es dann an der Zeit Ja zu sagen. Ja dazu, dass wir nicht können. Ja dazu zu sagen, dass wir in diesem Moment nicht verzeihen können und vielleicht auch niemals. Und dieses Ja bedeutet: Mir zu verzeihen, nicht verzeihen zu können. Dieses Ja öffnet Türen zu einem liebevolleren Umgang mit unserem Schmerz. Solange wir aber mit uns selbst kämpfen und es uns übel nehmen, nicht verzeihen zu können, führen wir einen Kampf, den wir nicht gewinnen können.



Heilung geschieht
durch Berührung mit der
eigenen Wahrheit, durch
körperliches und seelisches
In-Fühlung-Treten mit dem,
was schmerzt und stört.


Peter Schellenbaum




Gone


Sonntag, 3. Januar 2016

wenn ...



Zeichnung AW 2016

wenn wir begreifen, das jeder anders ist, jeder anders fühlt, jeder anders denkt, jeder für sich das beste tut, was er zu diesem moment in der zeit, mit den informationen über die er verfügt, tun kann - dann beginnen wir einander zu verstehen und einander SEIN zu lassen.

Samstag, 2. Januar 2016

Aus der Praxis – Resilienz


Foto. www


Die einen schaffen es und die anderen nicht.
Die einen zerbrechen an Schicksalschlägen, andere wachsen daran.
Woran liegt das? Da wir Menschen alles verstehn wollen gibt es auch dazu ein psycholgisches Konzept: Man nennt es Resilienz.  

In die Welt gerufen wurde es von dem französischen Resilienzforscher Boris Cyrulnik
Der sechsjährige Boris liegt in seinem Bett, als Wehrmachtssoldaten ihre Waffen auf ihn richten.
Mit dieser Szene beginnt die Autobiografie Cyrulniks "Rette dich, das Leben ruft".
Cyrulnik verliert seine Eltern im Konzentrationslager, er wächst in Heimen und in Pflegefamilien auf. Als Erwachsener gründet er eine Familie, wird ein erfolgreicher Wissenschaftler und sagt von sich selbst: Ich bin glücklich. Sein Forschungsgebiet ist das Phänomen, das ihm half: Resilienz.

Das Wort Resilienz kommt aus dem Lateinischen resilire was so viel bedeutet wie  zurückspringen oder abprallen. Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Chance für persönliche Entwicklung zu nutzen. Man könnte auch sagen: Resilienz ist die Kraft oder die Fähigkeit eines Menschen in die ursprüngliche Position, Form, Zustand usw zurückkehren zu könnnen, nachdem er verletzt worden ist. Sie ist die Fähigkeit sich leicht von etwas zu erholen was einem schwer zusetzt.

Kurz gesagt: Ein resilienter Mensch ist ein Stehaufmännchen. Menschen mit hoher Resilienz besitzen die Fähigkeit, sich sogar von schweren Schicksalsschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

Der österreichischische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl, der wie durch ein Wunder fünf Jahre Auschwitz und andere Konzentrationslager überlebt hat, schrieb in seinem Buch "Der Mensch auf der Suche nach dem Sinn", dass wir im Grunde das Leben kaum steuern können, dass wir nicht in der Hand haben, was uns geschieht, sehr wohl aber, dass wir entscheiden können, wir wir auf das was uns geschieht reagieren. Genau darum geht es bei der Resilienz. Ein resilienter Mensch nimmt das was ihm geschieht an im Wissen, er hat die Kraft Schwierigkeiten und Krisen zu überwinden und den Willen an diesen Erfahrungen, auch wenn sie schmerzhaft sind, zu wachsen. Im Grunde geht es bei der Resilienz um nichts anderes als schwierigen Ereignissen im Leben mit Flexibilität und Akzeptanz begegnen zu können. Dabei ist es nicht entscheidend was uns wiederfährt, sondern wir wir darauf reagieren und wir wir darüber hinwegkommen. Resilienz ist die innere Widerstandskraft sich vom Leben nicht zerbrechen zu lassen.

Das Leben läuft nicht nach Plan und es ist nicht gerecht.
Und obwohl wir das alle wissen, hoffen die meisten von uns im Stillen, dass es das Leben gut mit uns meint, dass es uns Glück, Gesundheit und Erfolg bescheren möge. Wenn es ganz gut läuft kommen noch der Lebenssinn dazu, eine erfüllende Beziehung und das Gefühl von Sicherheit. Aber - eine der absoluten Sicherheiten im Leben ist: Es gibt keine Sicherheit. Das muss man erst einmal begreifen, ich meine wirklich begreifen. Wenn wir das begriffen haben, werden sich gewisse Erwartungen erledigen und wir akzeptieren was Leben wirklich ist: Eine Reise durch Höhen und Tiefen.

Ein resilienter Mensch hat das verinnerlicht. Er hat meist schon früh gelernt, zu akzeptieren, dass das Leben eine Mischung aus guten und unguten Erfahrungen ist und das macht ihn fähig mit letzteren angemessen umzugehen. Das Leben ist polar und wo das eine ist, ist das andere in diesem einen enthalten: Gesundheit und Krankheit, Erfolg und Scheitern, Liebe und Liebeskummer, Glück und Unglück, Traum und Wirklichkeit, Leben und Tod. Alle Menschen erleben all das irgendwann in ihrem Leben. Manche zerbrechen daran, andere wachsen daran, bis zum Tod, der uns dann letzlich alle gleich macht.

Resilienz bedeutet sich mit Gewissheiten anzufinden.
Zum Beispiel, dass wir was vergangen ist nicht ändern können. Dass wir was uns angetan wurde nicht ändern können. Dass wir was wir anderen angetan haben nicht ändern können und vor allem, dass wir Menschen nicht ändern können. Zu akzeptieren was wir nicht ändern können ist einer der entscheidenden Aspekte wenn es um Resilienz geht. Dazu gehört auch zu akzeptieren, dass es nicht immer und für alles im Leben eine Lösung gibt und nicht auf alle Fragen eine Antwort. Ein resilienter Mensch hat gelernt, dass die Frage nach dem Warum kaum Sinn macht. Er fragt: Wozu ist das gut oder welchen Sinn kann ich dem, was geschieht oder geschehen ist, geben?

Ein resilienter Mensch hat etwas das man in der Psychologie "Selbstwirksamkeitsüberzeugung" nennt.
Er lebt im Gefühl, auch schwierige Situationen durch sein Handeln positiv beeinflussen zu können. Er ist dazu in der Lage seine Situation realistisch zu beurteilen. Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, sich zu vom Unglück zu distanzieren, anstatt sich überwältigen zu lassen. Sie sind fähig die Beobachterposition einzunehmen, was bedeutet - sie stellen sich gedanklich neben sich, schauen sich die Lage quasi von oben an und handeln dann angemessen. Das nennt man Schöpfertum. Resiliente Menschen wissen auch wann sie etwas nicht alleine schaffen. Sie suchen in einer Krise  Hilfe und sind fähig diese auch anzunehmen. Nicht resiliente Menschen zerbrechen nicht selten an ihrem Schmerz und ihrer Trauer, weil sie sich allein gelassen fühlen und vor allem weil sie glauben alles alleine schaffen zu müssen. Gelingt das nicht, fühlen sie sich dem was geschieht hilflos ausgeliefert. Sie zerbrechen letzlich daran und nicht an der Krise an sich.

Das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit also ist es, was uns stark macht.
Resiliente Menschen gehen bei schwierigen oder belastenden Situationen davon aus, dass sie diese Situationen durchstehen werden. Mit jeder überstanden Krise wächst das Vertrauen, auch künftige Krisen zu meistern. In belastenden Situationen halten sie länger durch, sie stellen sich dem was ist und versuchen, auch wenn es dauert, an einer Lösung zu arbeiten, weil sie an einen guten Ausgang glauben. Sie haben die Fähigkeit im Jetzt zu leben und trotz der Krise ihre täglichen Aufgaben zu erfüllen, anstatt in Selbstmitleid und Lähmung zu verfallen und alles fallen zu lassen, was das Leben in der Krise auch noch ist.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist positive Selbstwahrnehmung

Die Wertschätzung der eigenen Person ist bei resilienten Menschen höher. Das macht sie weitgehend unabhängig von der Anerkennung durch andere. Sie sind sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst und brauchen keine Bewunderung von Außen. Sie wissen um ihre Stärken und ihre Schwächen und verurteilen sich nicht ihre Gefühle, aber sie lassen angenehmen Emotionen mehr Raum als  unangenehmen Gefühlen und wissen wie man auch in Krisenzeiten gut für sich selbst sorgt.

Wichtig ist auch ein soziales Netzwerk
Wer in Krisenzeiten oder in in belastenden Situationen auf ein soziales Netz aus Familie und Freunden zurückgreifen kann findet Unterstützung. Auch wenn sie nicht in Anspruch genommen wird trägt allein das Wissen - ich könnte Hilfe bekommen dazu bei seelische Belastungen zu mildern.
Resilienz ist bei jedem von uns unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Grundlagen werden in der Kindheit gelegt. Wer als Kind Liebe, Anerkennung, Geborgenheit, Wertschätzung, Ermutigung und Unterstützung erfahren hat, wird psychisch widerstandsfähiger, er ist von Haus aus resilienter. Aber dennoch, auch im Erwachsenenalter können wir unsere psychische Widerstandsfähigkeit noch trainerieren. Doch es braucht wie jede Veränderung im Leben Zeit, um alte Denk- und Handlungsmuster zu verändern. Der erste Schritt ist - genau diese darauf zu überprüfen ob sie für uns hilfreich sind oder nicht.




Freitag, 1. Januar 2016

Was ich wirklich brauche

heute an diesem ersten tag in einem neuen jahr überlege ich, was ich wirklich brauche. das liegt daran, dass meine freudin meinte, sie kenne keinen menschen, der besser allein sein kann als ich. sie könne das gar nicht, alleinsein sei für sie nicht auszuhalten, sie wisse dann gar nicht, was sie mit sich anfangen soll. meine freundin braucht menschen um sich herum und action und sie sorgt dafür,  dass sie die bekommt, sie hat immer ein volles haus und wenn es leer ist geht sie aus.

ich gehe nicht so gern aus dem haus, ich brauche das nicht. ich bin gern zuhause. das könnte ich tagelang so betreiben, allein zuhause sein, und ich weiß, wenn ich es zulange betreibe, dann treibt mich irgendwann nichts mehr raus, ausser die tatsache, dass der kühlschrank leer ist. gut, dass ich raus muss, sonst würde ich am ende aus dem alleinsein eine eremitei machen aus meiner kleinen wohnung im hinterhaus und das ist nicht gesund, auch wenn mich die vorstellung nicht unbedingt schreckt. einen andere freundin, sie ist astrologin, sagte mir vor dem jahreswechsel, in meinem horoskop könne man lesen, ich werde immer weniger menschen brauchen.

das ist gut, denke ich, denn ich will keine menschen brauchen, ich will mit menschen sein ohne sie brauchen zu müssen, denn das brauchen, das habe ich im letzten jahr ein für alle mal gelernt, ist die schlechteste basis für jede art von beziehung. man verbraucht sich selbst und den anderen beim brauchen. am ende sind da verbrauchte menschen, die große mühe haben ohne das gebraucht zu werden und das brauchen des anderen wieder zu sich selbst zu finden, um herauszufinden, was sie wirklich brauchen.

was brauchen wir wirklich? kaum einer weiß das so genau, das weiß ich aus der erfahrung mit der arbeit mit menschen. wir hängen so oft am unbrauchbaren fest, weil es uns zur gewohnheit geworden ist, das oder jenes, den oder die zu brauchen, weil wir denken, dass wir es oder jemand brauchen. gerade mit dem unbrauchbaren aber füllen wir lücken in unserem leben, um das, was wir wirklich brauchen, erst gar nicht spüren zu müssen, denn es tut manchmal weh, wenn diese lücken sich auftun, uns in ihre schwarzen löcher ziehen und wir finden erst einmal gar nichts dort, weil das wesentliche unseres brauchens nicht von unten in leuchtschrift zu uns heraufleuchtet um licht in das emotionale dunkel zu bringen, das vor lauter vermeintlichem brauchen und gebraucht werden wollen, ums verrecken nicht weichen will.

ich will nicht gebraucht werden. ich brauche menschen, die mich mit all dem was mich faziniert und ausmacht, mit all dem, wofür ich lebe verstehen, menschen, die auf dem gleichen weg sind und mit denen ich all das teilen kann und eben nicht das gegenseitiges brauchen, sondern inspiration und zwar gegenseitige und impulse. ich brauche liebe wie wir alle, aber liebe und brauchen sind zwei völlig verschiedene dinge. es dauert lang bis menschen das begreifen, es hat lang gedauert bis ich das begriffen habe. meistens habe ich das eine mit dem anderen verwechselt. ich habe es verwechselt weil ich das scheissgefühl meiner kindheit, alleine und verlassen zu sein, nicht aushalten wollte. dieses gefühl, das sich anfühlt wie sterben, dieses gefühl: du schaffst das alleine nicht, du brauchst jemanden, der dir hilft das zu schaffen. aber so ist es nicht, was ich alleine nicht schaffe, kann kein anderer für mich schaffen. er kann mir mut zusprechen, er kann mich halten in meiner angst es nicht zu schaffen, er kann mich unterstützen es zu schaffen, aber schaffen muss ich es ganz alleine. und ja, das alleine schaffen fühlt sich einsam an. heute weiß ich, was einsamkeit wirklich ist. einsamkeit entsteht nicht dadurch, dass man keine menschen um sich hat, sondern vielmehr dadurch, dass man ihnen die dinge, die einem wichtig erscheinen, nicht mitteilen kann. diese worte sind von c.g.jung und für mich sind sie wahr.


diese menschen zu finden ist nicht einfach, es ist sogar schwer, denn viele dieser menschen finden wir eben nicht dort wo action ist und ein volles haus und auch nicht dort, wo man uns braucht oder wo wir gebraucht werden wollen. manchmal findet man sie eben nicht, ausser in den worten der bücher, den tönen der musik, den bildern in einer ausstellung der menschen, die all das geschaffen haben, und mit denen mich verbindet was ich wirklich brauche - gleichgesinnte. wenn ich die nicht finde, dann bin ich wieder da wo ich in wahrheit immer bin - bei mir selbst und der frage was ich wirklich brauche um dieses leben zu gestalten, um liebe zu fühlen für dieses leben, die liebe, die nicht braucht und nicht gebraucht werden will. leicht ist das nicht, denn auch alle selbstliebe enthebt uns der sehnsucht nach gleichgesinnten nicht.

also, was brauche ich jetzt um damit zu leben, dass es das, was ich brauche noch nicht gibt? ich brauche innere stärke. was ist das - innere stärke?

innere stärke beginnt bei der oft unterschätzen tatsache, wie wir mit uns selbst sprechen, nicht nur wie wir mit uns selbst umgehen, und an diesen umgangsformen mit uns selbst können wir etwas verändern. wenn wir uns immer wieder selbst sagen, was wir nicht können, was wir nicht haben, was wir nicht sein werden, was wir nicht finden können, werden diese gedanken zur gewohnheit. und wie wir denken, so fühlen wir. unsere gedanken wandeln sich in gefühle und wie wir uns fühlen danach handeln wir. schlecht zu uns selbst sprechen wirkt wie eine sich selbst erfüllende prophezeiung. darum ist es so wichtig unsere eigenen gedanklichen begrenzungen zu erkennen und sie loszulassen, um das in unser leben zu holen, wonach wir uns sehnen und was wir wirklich brauchen.

gut und schön: wenn ich weiß was ich wirklich brauche bekomme ich das dann auch? ich denke schon, weil ich dann eine tiefe motivation habe und eine klare vision und das hat kraft. wenn ich weiß was ich wirklich brauche werde ich zunächst alles unbrauchbare, das ich zu brauchen glaubte, nicht mehr in meinem gedankenhaus festhalten. ich werde loslassen von dem, was ich zu brauchen glaubte, weil ich aufgräumt habe in meinen gedanken, die mir dinge vorgaukeln aufgrund von alten überzeugungen und alten gewohnheiten. ich werde erkennen - in wirklichkeit ist alles was ich brauche schon längst da. und was nicht da ist, brauche ich nicht.