Mittwoch, 31. Dezember 2025
Zeit, Danke zu sagen
Dienstag, 30. Dezember 2025
Wishful Thinking
Sonntag, 21. Dezember 2025
Was geht ...
Wenn du alle Masken ablegst, geschieht Folgendes:
Was geht, schafft Raum für das Wahre. Was bleibt, erfordert kein Verstecken mehr.
Freitag, 19. Dezember 2025
Aus der Praxis: Da wo die Angst ist, da musst Du hin!
"Ein Leben ohne Angst ist letztlich kein erfülltes Leben. Der Weg ins Unverwundbare führt mitten durch die Angst hindurch, nicht an ihr vorbei“, schreibt die Autorin und Sterbebegleiterin Lisa Freund. Ein Leben mit zu viel Angst ist letztlich kein erfülltes Leben, möchte ich hinzufügen.
Ganz gleich ob Angst sich auf materielle oder existenzielle Dinge bezieht, alle Ängste entstehen auf der emotionalen Ebene und sie entsprechen nicht notwendig der materiellen Realität. Die Angst färbt sie um, die Angst wandelt sie in etwas, was sie nicht ist. Die Angst wirkt von innen nach außen und bewirkt ein Außen, was mehr Angst macht, als es uns in Wahrheit machen müsste. Am stärksten wirkt die Angst die unseren Unbewussten entspringt, die Angst für die wir keinen Namen haben, der wir kein Gesicht geben, weil wir uns davor fürchten ihr eins zu geben, auf dass es uns bloß nicht ins Gesicht springt.
Aber genau das ist es, was wir tun müssen - wir müssen die Angst erforschen, ihr ein Gesicht geben, sie benennen, sie fühlen. „Der Weg ins Unverwundbare führt mitten durch die Angst hindurch, nicht an ihr vorbei.“ Mitten hinein, mitten durch, ist die Vorrausetzung um unsere Angst in ihrem Wesen zu erkennen, um zu wissen womit wir es zu tun haben. Wir müssen erkennen wo der Urgrund der Angst liegt, die Quelle finden, um ihre Macht zu bezwingen.
Da wo die Angst ist, da musst Du hin!
Solange wir nicht auf die Angst zugehen, entwickeln wir Abwehrmechanismen, die auf Verleugnung gründen, die zu klinischen Syndromen führen. Der Versuch der Angst zu entkommen indem wir sie verdrängen, liegt im Kern des Neurotizismus. Abwehr und Verdrängung ist ein zweischneidiges Schwert, zum einen entlasten uns Abwehr und Verdrängung indem sie uns Sicherheit vorgaukeln, zum anderen erzeugen sie Lebenseinschränkungen und Lebensverneinung, indem alles vermieden wird, was Angst macht.
Alles was wir verdrängen kostest Lebensenergie, darum ist es so wichtig es ins Bewusstsein zu bringen.
Angst will uns etwas sagen. Immer will sie das. Sie schiebt uns in unser Innerstes, an den Kern unserer Urangst. Angst will, dass wir unsere innere Stimme hören. Sie macht uns klein und dünnhäutig und durchlässig für das,was wir vielleicht ein Leben lang verdrängen. Sie tut das, damit wir die Abwehr endlich lockern und die Maske ablegen, die wir uns selbst und anderen vorhalten, weil wir uns schuldig fühlen und schämen, weil wir glauben wir dürfen so nicht sein - so klein, so verwundbar, so ein jammerndes Häufchen Elend, so ohnmächtig, so voller Angst. Diese Gefühle gilt es zu fühlen und auszuhalten in der Dunkelheit der Angst, solange bis wir Licht hineingebracht haben, das Licht, das uns die Zuversicht gibt weiterzugehen und uns die Kraft schenkt die Angstwand aus Stahl in einen Vorhang zu verwandeln, den wir dann sanft und mutig zur Seite schieben, um zu erkennen, was unsere Angst uns sagen will. Wir müssen die Angst zunächst zulassen und erfahren, bevor wir sie transzendieren können.
Mittwoch, 17. Dezember 2025
Dinge nicht zu persönlich nehmen
Samstag, 13. Dezember 2025
Dienstag, 9. Dezember 2025
Die Allgegenwart des Todes
Der
Mensch hat eine sehr begrenzte Wahrnehmung des Todes, bis er selbst
damit konfrontiert ist. So faszinierend die Vorstellungen über den Tod
sein mögen, so sind sie doch
imaginär. Vor allem sind diese Vorstellungen psychologische
Abwehrmechanismen, die dazu dienen, sich der Angst vor dem eigenen Tod
nicht stellen zu müssen und ihn stattdessen zu verdrängen, abzuspalten,
zu ignorieren oder mit spirituellen Konzepten die Herrschaft über ihn zu
erlangen. Statt sich ihre Angst vor der Realität des Zerfalls, dem
Sterben und dem Tod bewusst einzugestehen und sie durchzuarbeiten,
werden Menschen wegen irgendwas ängstlich. Wann immer wir etwas leugnen, abspalten, verdrängen oder mit Süchten betäuben, sucht es sich andere Plätze und Objekte im Leben, an denen es uns mit all dem konfrontiert. Die Allgegenwart des Todes gehört zum Leben. Es macht Sinn uns mit unserer Endlichkeit auseinanderzusetzen, um uns dem Lebens und dem, was wir im Leben (noch) gestalten wollen, bewusster zu widmen. Ein erfülltes Leben kann die Angst vor dem Tod mildern.
Sonntag, 7. Dezember 2025
Woher nehmen Sie die Kraft?
Neulich fragte mich eine Klientin woher ich die Kraft nehme, zu tun, was ich tue und was mich antreibt.
Ja, woher nehme ich sie? Was treibt mich an?
Es gab in meinem Leben viele Momente, wo ich kurz davor war, alles hinzuwerfen. Ich hatte alles gegeben, doch die Dinge bewegten sich nicht in die Richtung, die ich erhofft hatte. Es gab Momente da schlug das Schicksal hart zu und das so kurz hintereinander, dass ich dachte, Gott oder wer auch immer, will mich vernichten. Das waren Momente wo ich das Gefühl hatte, es zerbröselt mich. Es hat mich nicht zerbröselt, aber es hat mich verändert, in immer anderer Weise. Irgendwie habe ich immer weitergemacht.
Mein Geheimnis?
Aushalten, Durchhalten, Weitergehen, auch ohne zu wissen wo ich lande.
Gehen, einfach gehen. Oft ging ich allein. Kein schönes Gefühl. Die Angst ging mit. Die Angst vor dem Unbekannten, die Angst es nicht zu schaffen, die
Angst wieder einen Schlag verpasst zu bekommen. Egal, ich ging mit der Angst
einfach weiter. Es gibt einen Teil in mir, der immer weitermacht, der
stärker ist als die Angst. Ich ging oft mit der Angst. Und mit der Zeit lernte
ich zu akzeptieren, dass sie ein Teil von mir ist. Ich habe sie nicht mehr als meine
Feindin gesehen, sondern als etwas, das zu mir gehör. Ich habe den Widerstand gegen
sie aufgegeben, nicht mehr gesagt: Ich will dich nicht haben!, sie nicht
verdrängt und nicht abgewehrt. Und je mehr ich sie da sein ließ, desto milder und kleiner wurde sie und ich wurde ein bisschen größer. Groß genug um mich
dem zu stellen, was das Leben in den schwierigen Phasen von mir wollte. Und
genauso mache ich es mit der Trauer und dem Schmerz. Wenn sie da sind, sind sie
da und ich lasse sie da sein. Ich muss sie nicht wegmachen, weil ich
weiß, was ich schwächen will wird stark und was ich verkleinern will, wird
größer. Bodo Schäfer schrieb einmal: „Die meisten Menschen geben kurz vorm Ziel
auf.“ Das erlebe ich oft in der Praxis. Sie geben auf, wenn sie ihr Ziel nicht schnell genug erreichen. Ich sehe es so: Die meisten Menschen geben auf, WEIL sie ein Ziel im Fokus haben und nicht den Weg. Der Weg erfordert Hingabe, egal was passiert und nichts zu erwarten und dankbar zu sein, für das, was wir haben - unser Leben.
Ich habe mich an mein „Warum“ erinnert, wenn die Zweifel kamen und die Hoffnung eine fragwürdige Größe wurde.
Manchmal habe ich die Hoffnung für mich selbst sogar verloren. Dann bin ich ohne Hoffnung weitergegangen. Immer nur für diesen Tag, nur für heute und bin gegangen. Mein „Warum“ ist meine größte Kraftquelle. Was mich antreibt ist mein „Warum.“ Ich weiß, warum ich morgens aufstehe, ich weiß, warum ich tue, was ich tue. Ich tue es, um der Liebe willen. Der Liebe zum Leben selbst, seiner Schönheit, die mich immer wieder tröstet und der Liebe zu meinem Sohn und zu meiner Arbeit. Ich tue es mit Liebe zu dem, was mir an Gaben geschenkt wurde, an Fähigkeiten und Potenzialen. Und das ist viel. Ich bin reich beschenkt und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Und weil ich das weiß, gehe ich achtsam damit um und wertschätzend und mache etwas damit. Etwas, das über mich selbst hinausgeht, was andere erreicht, die es vielleicht brauchen können.
Mich an dieses „Warum“ zu erinnern, gibt mir
die Kraft auch in schweren Momenten weiterzugehen. Egal wie oft mir das Leben Steine
in den Weg legte, mein Warum ließ sich nicht darunter begraben. Dazu muss ich
bewusst gar nichts tun, es ist einfach in mir. Es ist mein
innerer Kompass,
dem ich vertraue und dem ich folge, egal was andere sagen, meinen oder über
mich denken.
Ich vergleiche mich nicht, wenn, dann mit den früheren Versionen meiner selbst, aber niemals mit anderen. Und auch das gibt mir Kraft.
Ich bin ein Kind Gottes, einzigartig und ich gehe meinen ureigenen Weg, so wie jeder Mensch, ohne mich zu vergleichen. Der Vergleich ist ebenso unsinnig wie schädlich. Indem wir uns mit anderen vergleichen, verleugnen wir unseren eigenen Weg. Und unsere Weg entsteht indem wir ihn gehen. Einfach gehen. Bis es an der Zeit ist zu gehen. Geh wohin dein Herz dich trägt, habe ich zu meinem Sohn, als er ein kleiner Junge war, gesagt. Er tut es, ich tue es und auch das gibt mir Kraft.
Dienstag, 2. Dezember 2025
Was in Beziehung krank wurde, kann nur in Beziehung heilen
Sonntag, 30. November 2025
Einen Abschluss machen
Am Jahresende tragen viele von uns
weit mehr Belastungen mit und in uns herum, als wir uns vielleicht bewusst
sind. Das können sein: Längst überfällige Entscheidungen, unerledigte Aufgaben, anhaltende Themen
und Probleme, für die wir bisher keine Lösung finden konnten, nicht abgeschlossene To-Dos, Türen, die wir längst schließen sollten und die wir noch immer halb offen stehen lassen.
Diese mentale Last sitzt nicht nur in unserem Geist, sie raubt uns Energie und
stresst unser Nervensystem. Im Dezember neigt sich das Jahr dem Ende zu. Ich finde, ein guter Monat um alles, was
unerledigt ist, so gut wie es uns möglich ist, zum Abschluss zu bringen, innezuhalten
und uns zu fragen:
Was will ich nicht ins nächste Jahr mitnehmen?
Was will ich jetzt abschließen?
Dazu sind folgende Fragen hilfreich:
Was oder wer raubt mir Energie?
Was oder wer bringt mich immer wieder aus dem Gleichgewicht?
Für wen oder was habe ich keine Kapazitäten mehr frei?
Welches Projekt macht keinen Sinn mehr, weil es bis jetzt, trotz meiner Anstrengungen, keinen Erfolg hatte?
Welches Ziel, für das ich vergeblich gekämpft habe, darf ich sein lassen?
Was ist die größte Illusion, die ich mir mache?
Worauf warte ich schon zu lange vergeblich?
Was oder wer interessiert mich nicht mehr, auch wenn ich denke es oder er müsste mich noch interessieren?
Was will ich nicht mehr tolerieren?
Was kann ich ausmisten, was nicht mehr zu mir und meinem jetzigen Leben passt?
Was oder wem bin ich entwachsen?
Welche Gewohnheiten dienen mir nicht
mehr oder schaden mir sogar?
Welche längst überfällige Entscheidung will ich treffen?
Wie würde es sich anfühlen, wenn ich dies oder das sein lasse?
Wenn du all diese Fragen beantwortet hast, könntest du dich fragen
Was würde mich jetzt interessieren?
Was könnte ein Funke sein, durch den ich mich wieder lebendiger und leichter fühle?
Finden wir heraus, was sich gut für uns anfühlt, und lassen wir den unheilsamen Rest hinter uns. Klarheit entsteht, wenn wir aufhören, uns selbst zu belügen, uns unserer selbst bewusst werden und zielgerichtet zu handeln und dazu gehört auch Dinge endgültig abzuschließen, um den Raum zu öffnen, damit Neues in unser Leben treten kann.
Samstag, 29. November 2025
Jetzt reiß dich doch mal zusammen!
Wenn jemand in einer schweren emotionalen Situation ist, ist eine Phrase wie: „Jetzt reiß dich doch mal zusammen!“, weder hilfreich für den Betroffenen, noch zeugt sie vom Versuch Verständnis zu zeigen. Vielmehr zeugt sie von einem Empathiedefizit und weckt den Eindruck, dass die Gefühle des anderen nicht ernst genommen werden.
Jeder Mensch hat seine eigenen Kämpfe und Herausforderungen. Wer vorschnell zu solchen Phrasen greift, neigt dazu den individuellen Kontext und die emotionale Befindlichkeit und Bedürfnisse anderer zu übersehen. Er geht von sich selbst und seinem begrenzten Denkrahmen aus, dem es nicht gelingt über das Eigene hinauszublicken.
Wer sich zusammenreißen soll, hat das in den meisten Fällen längst lange und oft genug getan. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich das Zusammenreißen erschöpft, dann, wenn die Seele gewisse Situationen oder emotionale Belastungen, wenn sie lange genug anhalten, nicht mehr ertragen kann. Anstatt Unterstützung anzubieten, Betroffene aufzufordern, sich mal zusammenzureißen, tut nichts für sie, außer, dass es den emotionalen Druck erhöht.
Menschen, die über längere Zeiträume hinweg chronischem Stress oder großen Belastungen ausgesetzt sind, können sich irgendwann nicht mehr zusammenzureißen, sie sind seelisch am Limit. Chronische Belastungen können zu einer Erschöpfung der emotionalen Ressourcen führen, was das "Zusammenreißen" nahezu unmöglich macht. Die Fähigkeit zur Selbstregulation ist aufgebraucht. Ein Zustand physischer und emotionaler Erschöpfung, der oft durch anhaltenden Stress verursacht wird, kann Menschen daran hindern, ihre Emotionen zu regulieren und Lösungen zu finden. Auch Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, haben oft Schwierigkeiten sich in belastenden Situationen zusammenzureißen. Bestimmte psychische Erkrankungen, wie Angststörungen oder Depressionen, können die Fähigkeit zur emotionalen Regulation erheblich beeinträchtigen. Menschen mit Zwängen und Angstzuständen fällt es schwer sich selbst zu beruhigen, was das Zusammenreißen erschwert. Bei Depressionen kann es zu einem Gefühl der Antriebslosigkeit und tiefer Hoffnungslosigkeit kommen, was das Zusammenreißen unmöglich macht. Und das sind nur einige Beispiele.
In solchen Fällen ist professionelle Unterstützung notwendig, um die emotionale Stabilität wiederherzustellen.
All das sehen jene, die vom Zusammenreißen sprechen nicht.
Sie gehen von sich selbst aus. Sie argumentieren aus einem Ich heraus, das all das nie erfahren hat und unfähig oder derart ignorant und von Hochmut besselt ist, dass es ihm nicht gelingt über die eigene Erfahrung und das eigene begrenzte Bild von Welt hinauszudenken. Meist haben diese Menschen wenig Kontakt mit unterschiedlichen Lebensrealitäten oder es fehlt ihnen schlicht und einfach der Wille den anderen als das zu sehen, was er ist – ein eigener Mensch mit eigenen Gefühlen und keine Blaupause für das Verhalten, die Entscheidungen, die Strategien, Lösungsmöglichkeiten oder die Entwicklung eines Individuums.
Jetzt reiß dich doch mal zusammen!
Mit Phrasen wie diesen sollte man sich zurückhalten.
Donnerstag, 27. November 2025
Einzigartig und nicht ersetzbar
Mittwoch, 26. November 2025
Das Glück in der Einsamkeit
Dienstag, 25. November 2025
Man kann nichts verändern, was man nicht akzeptiert und was nicht nahe genug ist.
Art: Louis Bourgeois
Jetzt arbeite ich seit Monaten an mir selbst und mir geht es schlechter, sagt ein Klient. Ich höre an dieser Stelle auf. Er will damit demonstrieren: Schauen Sie, was dabei herauskommt, wenn ich mich wirklich auf alles einlasse, was ich verdrängt habe. Was die Frage impliziert: War es nicht besser zu verdrängen?
War es das?
Der Klient hat sich gewöhnlich damit begnügt sich zu beklagen, vor seinen Ängsten wegzulaufen und seine Probleme mit Alkohol zu betäuben.
Indem er die innere Arbeit macht, muss er jetzt den Mut
und die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber aufbringen seine Aufmerksamkeit auf
die Erscheinungen seiner Probleme zu richten. Seine Probleme müssten, um sie zu lösen, nicht abgelehnt,
sondern ein würdiges Gegenüber werden aus dem er Wertvolles schöpfen kann
damit es ihm mit der Zeit besser geht. All das Verdrängte, alle Selbstlügen, die so lange
unterdrückt wurden, brauchen Kontakt, sie
brauchen Nähe, Mitgefühl und Liebe. Um dahin zu gelangen braucht es Bereitschaft auch Unangenehmes auszuhalten und die Einsicht, dass das, was jahrzehntelang im Argen lag, nicht in kurzer Zeit anders wird und dass es mühsam ist all das zu be-und zu verarbeiten.
Wann immer wir uns lost oder blockiert fühlen, sind wir im
Widerstand gegen das Leben, das eine neue Version von uns verlangt, weil die
alte Version nicht mehr unserer Realität entspricht. Wir sind im Widerstand
gegen eine tiefe innere Wahrheit, die wir längst wissen, aber nicht sehen
wollen und schon gar nicht akzeptieren wollen.
Der Klient in der Mitte seiner Sechziger meint, er müsse unbedingt noch etwas Großes erreichen. Er hat Ideen, er macht Pläne und Konzepte, aber er kommt nicht ins Handeln. Immer wenn es an die Umsetzung geht ist er blockiert. Er tut dann nichts und macht weiter Pläne, ständig getrieben von dem Gedanken: Ich muss noch etwas Großes erreichen, bevor meine Zeit abläuft.
Dabei ignoriert er, dass es ihm an Vielem fehlt um das "Große" umzusetzen. Er ignoriert, dass er eigentlich gar nicht die Disziplin, die emotionale Stabilität und die Ausdauer hat um kontinuierlich dran zu bleiben.
Er ignoriert, dass er wenig Chancen mit seinem Projekt hat, weil der Markt übersättigt ist und es viele Jüngere in diesem Bereich gibt, die sehr erfolgreich sind.
Er weiß im Grunde – es ist für das „Große“ zu spät.
Er will
es aber nicht sehen. Er drückt sich vor der Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgabe. Er will nicht (ein) sehen, dass das Leben jetzt etwas
anderes von ihm will – nämlich sich sich selbst zuzuwenden und das „Große“ in
sich selbst zu entdecken, um innere Ruhe, Zufriedenheit, Wertschätzung für sich selbst und Gelassenheit zu
finden. Er jagt einer Illusion hinterher, die mit der Version seiner selbst,
die er zu diesem Zeitpunkt seines Lebens ist, nicht kompatibel ist. Er will nicht wahrhaben, dass diese Lebensphase eine neue Version seiner selbst von ihm verlangt. Er verdrängt eine tiefe innere Wahrheit, nämlich, dass er im Tiefsten sein Leben als sinnlos und
unerfüllt empfindet. Er weicht aus, indem er sich auf etwas „Großes“ im Außen
fixiert, was seinem Leben dann noch einmal Sinn geben soll. Das wahre
Problem ist seine Angst ein misslungenes Leben gelebt zu haben. Die Aufgabe ist - den Weg nach Innen zu gehen und sich mit sich selbst und seinem Leben zu versöhnen und das Jetzt zu akzeptieren, um dann einen Weg zu gehen, der dem Menschen entspricht, der er in dieser Lebensphase ist. Seine Herausforderung wäre, würde er sie annehmen: Die Chance zur Entdeckung neuer Entwicklungs- und Erfahrungsufer, unabhängig davon, sich selbst und anderen "Großes" beweisen zu wollen. Er aber geht in den Widerstand und alles bleibt beim Alten.
Die Aufgabe ist nie unklar, sie
ist nur unangenehm.
Solange die Probleme und deren Ursachen, die durch die innere Arbeit ans Licht kommen, abgelehnt oder als „verschlimmert“ beklagt werden, sind wir im Widerstand. So gelingt weder die Versöhnung mit dem Verdrängten noch dessen Integration. Mit anderen Worten: Es braucht eine eine gewisse Toleranz und im besten Falle: Akzeptanz, Mitgefühl und Liebe für unser Leiden.
Wir müssen aufhören wegzulaufen vor dem, was wir nicht sehen
wollen.
Es ist normal, dass sich durch jede Art der inneren Arbeit belastende Erinnerungen, Symptome und Wahrheiten hervordrängen, die früher nicht wahrgenommen, bzw. verdrängt, abgewehrt oder abgespalten wurden und dass innere und äußere Konflikte verschärft werden. Das ist eine vorübergehende Verschlechterung, die es durchzustehen gilt. Nur brechen viele genau an dieser Stelle die Arbeit an sich selbst ab. Sie gehen, bewusst oder unbewusst, in den Widerstand und wenden sich wieder den vertrauten alten Überlebensmustern und Gewohnheiten zu – eben auch der Verdrängung, der Abspaltung, der Betäubung und der Selbstlüge. Mit dem Ergebnis: Die ganze Arbeit hat nichts gebracht, außer der fälschlichen Annahme: Es geht mir schlechter damit.
Man kann nichts verändern, was man nicht akzeptiert und was nicht nahe genug ist.
Der Widerstand aber scheut sich vor wahrer Nähe mit sich selbst.










