Sonntag, 4. Januar 2026

Gedanke für den Tag

 



Hör auf, an das zu denken, was du nicht willst.
Energie folgt der Aufmerksamkeit.
Je mehr du dich auf Mangel konzentrierst,
desto mehr nährst du ihn.
Du kannst nur nehmen, was du gibst.
Triff Entscheidungen basierend auf dem,
was wesentlich ist und was für dich Bedeutung hat.
Sei dankbar und schätze,
was du bereits hast und was du bereits bist.
Wenn du das Gefühl hast, genug zu sein und genug zu haben, erreichst du einen Ort der Ruhe.
Beschwerden zehren Energie.
Dankbarkeit schenkt Energie.
Dankbarkeit ist der Schlüssel zu innerem Frieden.

Samstag, 3. Januar 2026

Der neue Hype: Das Heilversprechen Vagusnerv

 



Influencer und Coaches verkünden die frohe Botschaft via Instagram und Tiktok: Stimuliert Euren Vagusnerv und heilt!
Angeblich ist die Wirkung so universell und durchschlagend, dass man sich sogar herkömmliche Therapieformen sparen kann. Den Vagusnerv muss man nur stimulieren und Heilung ist garantiert. Zudem ist sie ganz einfach und für jeden anwendbar. Es geht nur darum den Vagus zu regulieren und das funktioniert indem wir laut tönen, lachen, gurgeln, singen, summen, mit den Augen nach rechts und links schauen, tiefe entspannende Klänge hören, Selbstmassage an den richtigen Stellen anwenden, mit Atmen, Mediation und Yoga. In der Welt der InfluencerInnen ist klar: Die Healingjourney geht allein über den Vagusnerv. Somatische Übungen regulieren nicht nur Stress, sondern heilen Depressionen, Angststörungen und Traumata gleich mit.
Zu schön um wahr zu sein, wenn es denn wo wäre.
 
Was ist wirklich dran an diesem Hype?
Der Vagusnerv (Nervus vagus) ist der längste der zwölf Hirnnerven und fungiert wie eine Datenautobahn in unserem Gehirn, die weitreichende Verbindungen zu den inneren Organen wie Herz, Lunge, Magen und Darm hat. Der Vagusnerv steuert Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung, Blutzuckerspiegel, Herzfrequenz und Blutdruck. Er beginnt im Hirnstamm und zieht an beiden Seiten des Körpers durch den Hals, den Brust- und Bauchraum, bis zu Dünn- und Dickdarm. Er ist der Hauptnerv des parasympathischen Nervensystems, das für Entspannung, Beruhigung und Regeneration zuständig ist. Er ist der Gegenspieler des Sympathikus, der den Körper in Stress- oder Gefahrensituationen aktiviert. Bei Stress wird der Sympathikus stärker aktiviert als der Parasympathikus. Der Sympathikus ist für die Alarmbereitschaft zuständig, der Parasympathikus dafür, dass wir entspannen. Es macht also durchaus Sinn den Körper einzubeziehen, um den Geist zu beruhigen. Sich über den Vagusnerv selbst zu regulieren ist ein hilfreicher Weg, um das Nervensystem zu beruhigen. 
 
Aber lassen sich allein damit Traumata auflösen, Angst- und Zwangsstörungen, Süchte, Depressionen oder Neurosen heilen?
Die Existenz der Körper-Geist-Verbindung ist nichts Neues.
Dass Traumata im Nervensystem gespeichert sind, auch nicht. Wir wissen, dass Traumata das autonome Nervensystem, insbesondere den Vagusnerv, in seiner Funktion stören. Die Stimulation des Vagusnervs kann dabei unterstützen das Nervensystem zu regulieren, indem sie den Parasympathikus aktiviert und so einen inneren Zustand der Ruhe fördert. Studien haben gezeigt, dass es durch die Vagusnervstimulation zur Verbesserungen bei PTBS-Symptomen kommen kann.
Schon Peter Levine wusste, als er mit Somatic Experiencing einen körperorientierten Ansatz zur Traumatherapie entwickelte, dass Traumata als blockierte Energie im Nervensystem gespeichert werden und dass sanfte, körperfokussierte Arbeit hilfreich ist um Stressreaktionen zu regulieren. Dabei wird die Aufmerksamkeit auf innere Empfindungen und das autonome Nervensystem gelenkt, anstatt sich primär auf die kognitive Verarbeitung des Traumas zu konzentrieren. Nach und nach soll so das Nervensystem entlastet werden, um eine Dauerübererregung zu vermeiden, wobei Geduld und Kontinuität wichtig sind, um das System langfristig zu regulieren.
Es kommt zu einer Symptomlinderung.
Man beachte „Linderung“ und das bedeutet nicht Heilung.
 
Die Verarbeitung von Traumata, Angststörungen und Depressionen ist hochkomplex und nicht jede Methode wirkt bei jedem Menschen gleich. Heilung umfasst Körper, Geist und Seele. Heilung erfordert weit mehr als die Fähigkeit des Körpers zur Selbstregulation zu verbessern.
Die Stimulation des Vagusnervs zur Selbstregulation und zur Beruhigung des Nervenssystems um das Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper wiederzuerlangen ist ein wirksames Werkzeug zur Unterstützung einer traditionellen Therapie. Sie allein ersetzt aber weder die Aufarbeitung eines Traumas, noch heilt sie eine Angststörung. Heilung ist ein Prozess und kein Quick Fix. Sie erfordert in der Regel eine umfassende, oft langwierige psychologische Behandlung, die darauf abzielt, belastende Erinnerungen zu verarbeiten, zu integrieren und vor allem neue Bewältigungsstrategien zu erlernen. Traumata und Ängste lassen sich nicht wegmassieren und Depressionen lösen sich nicht in Wohlgefallen auf, indem wir tönen und singen.
Die Vagusnervstimulation ist hilfreich und unterstützend. Sie ist jedoch keine eigenständige Heilmethode und schon gar kein Wunderheilmittel. Die Healingjourney kennt keine Abkürzung. 
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Zeit, Danke zu sagen

 



Ein Jahr geht heute zu Ende.
Dreihundertfünfundsechzig Tage gelebtes Leben.
Dreihundertfünfundsechzig Tage Leben in dem für viele von uns alles drin war: Höhen und Tiefen, Schönes und Unschönes, Gutes und Ungutes, Gewinne und Verluste, alle möglichen Herausforderungen, für manchen von uns auch tiefe Krisen und schwere Verluste.
Wir sind noch da, wir haben auch dieses Jahr gemeistert.
Vielleicht sind wir angeschlagen, aber wir sind gewachsen an dem, was wir erfahren haben oder wir wachsen noch daran.
Manche von uns mussten alles alleine bewältigen, manche von uns haben Menschen, die uns treu zur Seite stehen. Das ist ein Geschenk und ganz und gar nicht selbstverständlich in Zeiten, wo Trennung und Spaltung herrschen und viele Menschen mehr und mehr vereinsamen. Die Einsamkeit ist ein Problem, das es zu lösen gilt, kollektiv und individuell. Ich habe Hoffnung, dass es uns gelingt, Hoffnung, dass Menschen wieder den Wert von realen Beziehungen schätzen lernen und begreifen, dass wir alle miteinander verbunden sind und ich wünsche mir, dass diese Verbundenheit ein gelebter Wert wird. Ich habe Hoffnung, dass wir in diesen Zeiten der Transformation einen kollektive Bewusstseinswandel machen - aufeinander zu, statt noch weiter voneinander weg. Je mehr Menschen das begreifen, desto besser – für das Ganze. Alles ist eins, jedes kleine Teilchen ist Teil des Ganzen und beeinflusst das Ganze.
Möge es so sein. Mögen wir erwachen. 
 
Möge Frieden und liebende Güte sein unter den Menschen.
Wishful Thinking könnte manch einer jetzt sagen, aber Wünsche sind frei und gute Gedanken sind frei und wie wir denken so fühlen und handeln wir. Und das schafft unsere Realität, die so, wie sie jetzt ist, eine unheilsame ist. 
 
Wir Menschen brauchen einander. Beziehungen schaffen Sinn.
„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes“, schreibt John Donne. Ja, niemand ist eine Insel, auch wenn das Alleinsein und das Alleinleben, mehr und mehr zum Hype auf Social Media wird. Aus der Not geboren, wage ich zu behaupten. Aus der Not heraus, dass es immer schwieriger wird einander zu vertrauen, aufeinander zuzugehen und gesunde Beziehungen zu gestalten und leben. Und aus einem Egoismus heraus, der alles andere als gesund ist.
 
Wie steht es um meine Beziehungen habe ich mich gefragt. Wer sind die wichtigsten Menschen, die mich durch dieses Jahr begleitet haben?
Es sind:
Mein wunderbarer Sohn mit seiner bedingungslosen Liebe und mit seiner berührenden Musik, die mich mit ihm verbindet, wenn er mir fehlt.
Meine Schwiegertochter mit Ihrer Wärme, ihrer liebevollen Güte, ihrer Lebensfreude und ihrer Liebe zur Malerei, die wir teilen.
Meine beste Freundin, die mir, trotz langer schwerer Krankheit zeigt, was es bedeutet, nicht aufzugeben und zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist.
Mein guter Freund, der mich, egal wo er gerade in der Welt ist, jeden Morgen mit einer E-Mail in den Tag begleitet.
Meine KlientInnen, die mir ihr Vertrauen schenken und die Motivation weiterzumachen, mit dem, was ich mache.
Mein Supervisor, der mich ein Mal pro Woche bei der Selbstreflexion unterstützt und mir hilft mich emotional zu entlasten.
Mein Lomi Lomi Therapeut, der mir den Vagus Nerv beruhigt, wenn ich mal out of order bin.
Die Menschen, die mir auf Facebook folgen und hier auf meinem Blog, ob der Wertschätzung meiner Texte und weil Ihr mir zeigt, dass es keine Videos und kein You Tube braucht, sondern, dass auch das geschriebene Wort wirkt.
Die Menschen, die meine Bücher, kaufen und wertschätzen.
Mein Lektor Matthias Thiele, der mir Mut gemacht hat, ein weiteres Buch zu schreiben. Es ist in Arbeit.
Der kleine Dackel Werner mit seinem lieben, sanften Wesen, der wenn ich meine Family besuche, nicht von meiner Seite weicht.
Und last but not least, Menschen, Lebende und Verstorbene, die ich nicht persönlich kenne, und denen ich folge, weil sie etwas Wertvolles über sich selbst in die Welt hinaustragen, bzw. hinausgetragen haben.
Es sind:
ZEN Meister Hinnerk Polenski mit seiner beruhigenden Stimme, seiner Weisheit, seiner Menschenliebe und seinen wunderbaren Meditationen.
Yrvin D. Yalom mit seinem klugen Werk „Existenzielle Psychotherapie“, das mir hilft mich mit dem Prozess des Alterns und dem Tod auf eine besondere Weise zu befassen.
C.G Jung mit seinem faszinierenden Roten Buch und seinen anderen Schriften, von denen ich so viel lernen durfte.
Louise Bourgeois mit ihrer großartigen Kunst und ihrem Mut, ihrer Power, ihrem Trotz, ihrem Durchhaltevermögen und ihrem klugen, faszinierenderen Wesen.
Allways and forever Frida Kahlo, in Erinnerung an ihre wahnsinnige Kraft, ihren Lebenswillen und ihre Liebe zum Leben, trotzdem sie krass gelitten hat.
Und alle Menschen hier auf dieser Seite, die meine Arbeit wertschätzen und mir wohlgesonnen sind.
Ich danke all meinen Begleitern von Herzen.
Viva La Vida!
 
Möget Ihr gut ins neue Jahr kommen. 
 
Namasté
Angelika Wende

Dienstag, 30. Dezember 2025

Wishful Thinking



Gestern fragte mich ein Freund, was meine Vorsätze für das neue Jahr sind. Ich antwortete: Ich habe keine Vorsätze. Wenn ich etwas in meinem Leben ändern will, mache ich es dann, wenn ich merke, dass es einer Änderung bedarf und nicht, weil auf dem Kalender ein Datum erscheint. 
Alle Jahre wieder Ende Dezember beginnt das große Vorsätze-Fassen. 
Menschen nehmen sich vor im kommenden Jahr gesünder zu leben, besser auf sich zu achten, meditieren zu lernen, mehr zu reisen, glücklicher zu werden oder endlich das Rauchen aufzugeben. Die meisten scheitern an diesen Vorsätzen schon in den ersten Wochen des neuen Jahres. Es bleibt beim Wishful thinking. Man fängt auch mit einem neuen Jahr kein neues Leben an.
 
Einer der Hauptgründe, warum Neujahrsvorsätze ins Leere laufen, ist die Unklarheit der Ziele. „Ich möchte gesünder leben“ z.B. ist ein vager Vorsatz, der kaum messbar ist. Stattdessen macht es Sinn klare, spezifische und erreichbare Ziele setzen, wie: „Ich werde dreimal pro Woche Sport treiben“.
Wenn ein Ziel nicht konkret ist, fehlt es an der nötigen Motivation und dem klaren Handlungsplan, um es in die Tat umzusetzen.
 
Menschen neigen dazu, sich selbst durch unrealistische Erwartungen an sich selbst zu überfordern.
Sie setzen sich für das neue Jahr hohe Ziele, die oft nicht im Einklang mit ihrem Wesen, ihren Neigungen, ihren wahren Bedrfnissen oder ihren aktuellen Lebensumständen stehen. Jemand der bisher keinen Sport treibt oder nicht gern Sport treibt, wird nicht plötzlich drei Mal pro Woche joggen gehen, nur weil ein neues Jahr beginnt. Wenn jemand, der gerne Fleisch isst, von heute auf morgen vegetarisch leben möchte, weil es gesünder ist, handelt gegen sich selbst und seine Vorlieben. Das führt zu einem sofortigen Rückschlag, wenn die Umstellung auf eine neue Ernährungsweise nicht direkt klappt. Rückschläge können schnell demotivieren und dazu führen, dass man die guten Vorsätze ganz schnell wieder aufgibt.
 
Warum hat es denn letztes Mal schon nicht geklappt? Wollte man zu viel? Zu schnell?
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Veränderung ist ein Prozess und kein Quick Fix, der sich einstellt nur weil Neujahr ist. Vor allem: Veränderung geschieht nicht von Außen, schon gar nicht aufgrund eines Datums – sie geschieht von Innen. 
 
Die meisten Neujahrsvorsätze werden oft einmalig formuliert und dann nicht weiter verfolgt.  
Ohne Bereitschaft, Disziplin und Kontinuität geht nichts. Und ohne regelmäßige Überprüfung und Anpassung unserer Ziele verlieren wir schnell wieder den Faden und die Motivation. Vorsätze erzielen keine Wirkung, wenn sie unkonkret, unrealistisch und nicht konseqent aus einer inneren Überzeugung heraus verfolgt werden. Um erfolgreich etwas zu verändern, ist es wichtig sich klare, realistische Ziele zu setzen, die regelmäßig überprüft und angepasst werden. Es empfiehlt sich zudem die eigenen Wünsche und Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und sich nicht von externen Erwartungen oder überhöhten Erwartungen an sich selbst leiten zu lassen. 
Was meines Erachtens mehr Sinn macht, als gute Vorsätze zu formulieren, ist - sich mit der Frage zu beschäftigen, warum man ein Datum braucht um in seinem Leben etwas zu ändern.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Was geht ...

 

 


 

 

Wenn du alle Masken ablegst, geschieht Folgendes:

Was geht, schafft Raum für das Wahre. 
Was bleibt, erfordert kein Verstecken mehr.

Freitag, 19. Dezember 2025

Aus der Praxis: Da wo die Angst ist, da musst Du hin!

 


 

"Ein Leben ohne Angst ist letztlich kein erfülltes Leben. Der Weg ins Unverwundbare führt mitten durch die Angst hindurch, nicht an ihr vorbei“, schreibt die Autorin und Sterbebegleiterin Lisa Freund. Ein Leben mit zu viel Angst ist letztlich kein erfülltes Leben, möchte ich hinzufügen.

 

Ganz gleich ob Angst sich auf materielle oder existenzielle Dinge bezieht, alle Ängste entstehen auf der emotionalen Ebene und sie entsprechen nicht notwendig der materiellen Realität. Die Angst färbt sie um, die Angst wandelt sie in etwas, was sie nicht ist. Die Angst wirkt von innen nach außen und bewirkt ein Außen, was mehr Angst macht, als es uns in Wahrheit machen müsste. Am stärksten wirkt die Angst die unseren Unbewussten entspringt, die Angst für die wir keinen Namen haben, der wir kein Gesicht geben, weil wir uns davor fürchten ihr eins zu geben, auf dass es uns bloß nicht ins Gesicht springt.

Aber genau das ist es, was wir tun müssen - wir müssen die Angst erforschen, ihr ein Gesicht geben, sie benennen, sie fühlen. „Der Weg ins Unverwundbare führt mitten durch die Angst hindurch, nicht an ihr vorbei.“ Mitten hinein, mitten durch, ist die Vorrausetzung um unsere Angst in ihrem Wesen zu erkennen, um zu wissen womit wir es zu tun haben. Wir müssen erkennen wo der Urgrund der Angst liegt, die Quelle finden, um ihre Macht zu bezwingen.

 

Da wo die Angst ist, da musst Du hin!

Solange wir nicht auf die Angst zugehen, entwickeln wir Abwehrmechanismen, die auf Verleugnung gründen, die zu klinischen Syndromen führen. Der Versuch der Angst zu entkommen indem wir sie verdrängen, liegt im Kern des Neurotizismus. Abwehr und Verdrängung ist ein zweischneidiges Schwert, zum einen entlasten uns Abwehr und Verdrängung indem sie uns Sicherheit vorgaukeln, zum anderen erzeugen sie Lebenseinschränkungen und Lebensverneinung, indem alles vermieden wird, was Angst macht. 

 

Alles was wir verdrängen kostest Lebensenergie, darum ist es so wichtig es ins Bewusstsein zu bringen.

Angst will uns etwas sagen. Immer will sie das. Sie schiebt uns in unser Innerstes, an den Kern unserer Urangst. Angst will, dass wir unsere innere Stimme hören. Sie macht uns klein und dünnhäutig und durchlässig für das,was wir vielleicht ein Leben lang verdrängen. Sie tut das, damit wir die Abwehr endlich lockern und die Maske ablegen, die wir uns selbst und anderen vorhalten, weil wir uns schuldig fühlen und schämen, weil wir glauben wir dürfen so nicht sein - so klein, so verwundbar, so ein jammerndes Häufchen Elend, so ohnmächtig, so voller Angst. Diese Gefühle gilt es zu fühlen und auszuhalten in der Dunkelheit der Angst, solange bis wir Licht hineingebracht haben, das Licht, das uns die Zuversicht gibt weiterzugehen und uns die Kraft schenkt die Angstwand aus Stahl in einen Vorhang zu verwandeln, den wir dann sanft und mutig zur Seite schieben, um zu erkennen, was unsere Angst uns sagen will. Wir müssen die Angst zunächst zulassen und erfahren, bevor wir sie transzendieren können.

 

 

 

 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Dinge nicht zu persönlich nehmen

 



 
Ein Schüler kam zum Meister.
Meister, wie kann ich lernen nicht alles so persönlich zu nehmen?
Der Meister lächelte und sagte: Um aufzuhören alles zu persönlich zu nehmen musst du wissen, was du dir gehört und was nicht. Du musst wissen, wo du aufhörst und wo der andere anfängt. Dinge zu persönlich zu nehmen entspringt der ängstlichen Überzeugung, dass du kontrollieren musst, was andere denken und fühlen. Aber du kannst andere nicht kontrollieren, nicht was sie denken und nicht was sie fühlen.
Du hast keine Macht über andere Menschen, noch liegt es in deiner Verantwortung zu entscheiden, was sie über dich denken und fühlen sollen. In dem Moment wo du aufhörst andere zu kontrollieren und aufhörst zu erwarten von jedem verstanden zu werden, erlangst du deine innere Freiheit zurück. Und du lässt den anderen ihre innere Freiheit. 
 
Aber wie reagiere ich dann, wenn ich nicht alles persönlich nehme?, fragte der Schüler weiter.
Der Meister lächelte wieder und sagte: Du reagierst aus Klarheit heraus, nicht aus alten Wunden, Ängsten und unerfüllten Bedürfnissen. Du bist bei dir selbst und nicht reaktiv. Du schützt deine Grenzen und deinen Frieden. Du lässt dich nicht in einen Kampf ziehen, der nicht der deine ist und du entfachst keinen Kampf. Du begreifst, die anderen sprechen, wie du selbst, aus ihren eigenen Erfahrungen, Wunden, Bedürfnissen und Ängsten heraus. Dann hörst du auf, alles auf dich selbst zu beziehen und es zu persönlich zu nehmen. 
 
 
 
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de