Jeden Tag lese ich die Berichte über die Menschen, die in Berlin ohne Strom in der eisigen Kälte sitzen. Ich bin fassungslos, schockiert und traurig. In Gedanken bin ich bei ihnen. Ich möchte helfen, irgendwie, aber ich bin weit weg. Ich sitze im Warmen, ich habe zu essen, ich habe Licht, ich habe Internet, ich kann telefonieren, rausgehen, einkaufen, arbeiten. Alles ist gut. Ich bin dankbar. Mir ist klar, das ist nicht selbstverständlich. Nicht für die Menschen, die unter dieser Katastrophe leiden müssen. Ich versuche mich in sie hineinfühlen.
Ich stelle mir vor, ich sitze allein in meiner Wohnung, dick angezogen, eingehüllt in eine dicke Decke, aber sie bietet kaum Schutz gegen die eisige Kälte, die mehr und mehr in die Räume zieht. Der eisige Wind pfeift durch die Ritzen der Fenster. Die Kälte dringt tief in meine Knochen ein und ich spüre, wie die Angst in mir aufsteigt. Gedanken an Unterkühlung kommen hoch. Ich bin mir bewusst, dass ich in dieser eisigen Umgebung ernsthaft in Gefahr bin. Mein Magen knurrt, ich überlege was ich an Vorräten habe. Ein Blick in die Küche zeigt mir, dass die frischen Lebensmittel, die ich noch vor ein paar Stunden als selbstverständlich erachtet habe, jetzt unbrauchbar sind. Ich kann sie nicht kochen. Das Brot wird bald schimmeln, und ich keine Konservendosen, weil ich immer alles frisch koche. Der Hunger wird zu einem nagenden Gefühl der Verzweiflung. Ich frage mich, wie lange ich aushalten kann, ohne etwas Warmes zu essen.
Die Stille, die der Blackout mit sich bringt, ist erdrückend und wird immer bedrohlicher. Es gibt kein Geräusch, keine Musik im Hintergrund, alles ist still. Ich kann nicht telefonieren, mein Handy Akku ist seit Stunden leer. Ich habe kein Internet und kein Radio. Ich vermisse die vertrauten Geräusche des Lebens. Die Kälte, die mir mehr und mehr in die Knochen kriecht, die Ungewissheit über die Dauer des Stromausfalls, schwirren durch meinen Kopf. Denken ist schwer wenn man vor Kälte zittert.
Am Abend spüre ich, wie die Dunkelheit um mich herum immer erdrückender wird. Ich fühle Angst. Kein Licht, nur ein paar Kerzen. Ich muss sie sparsam anzünden, ich kann keine neuen kaufen, die Supermärkte sind geschlossen. Die S-Bahn in die Stadtteile, die Strom haben fährt nicht mehr. Ich habe kein Auto.
In dieser Situation wird mir klar, dass hier um das reine Überleben geht.
Ich muss einen Plan machen. Ich überlege, wie ich meine wenigen Vorräte rationieren kann. Ich habe ein Geld um in ein warmes Hotel zu gehen. Ich muss das hier aushalten. Was, wenn die Wasserrohre platzen? Je kälter es wird, desto stärker wird der Gedanke an Unterkühlung. Ich weiß, mit sinkender Körpertemperatur können Verwirrung und Desorientierung auftreten, die Muskeln reagieren langsamer, was das Gehen und andere Bewegungen erschwert, der Körper verbraucht viel Energie, um die Temperatur zu regulieren, was zu extremer Müdigkeit führt. Wenn die Körpertemperatur weiter sinkt, kann es zu im worst case zu Bewusstlosigkeit kommen. Eine stark reduzierte Körpertemperatur kann zu Herzrhythmusstörungen und Herzschäden durch anhaltende Hypothermie führen.
im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand. Bei extrem niedrigen Temperaturen kann der Körper die Funktionen der Organe nicht mehr aufrechterhalten, was zu lebensbedrohlichen Zuständen führt. Ich habe Angst. Daran darf ich gar nicht denken.
Ich spüre, wie meine Hände und Füße anfangen, blau und eiskalt zu werden. Ich bewege mich so oft es geht, ich gehe raus, laufe, um die Blutzirkulation zu fördern, aber die eisige Kälte dringt wie tausend Messerstiche in meine Knochen. Ich weiß, dass ich handeln muss. Ich suche nach allem, was ich nutzen kann, um mich warm zu halten: zusätzliche Kleidung, Decken. Wie soll ich weitere eiskalte Tage und eiskalte dunkle Nächste überstehen? Was, wenn ich krank werde? Wo bekomme ich Hilfe? Und wie? Ich kann nicht telefonieren. Ich gehe nach draußen, suche Orte an denen es Hilfe gibt, einen warmen Tee, etwas zu essen, einen Ort, wo ich mein Handy aufladen kann für den Notfall, einen Ort an dem ich mich aufwärmen kann, bevor ich in die eiskalte Wohnung zurückmuss.
Jeden Tag warte ich nur auf eins, dass die Stromversorgung bald wiederhergestellt wird. Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich noch in dieser Kälte aushalten kann. Alle Gedanken kreisen darum das reine Überleben zu sichern und die Herausforderungen des Moments zu meistern. Und mir wird klar wie zerbrechlich alles ist und immer zerbrechlicher wird in dieser Welt.
Ich denke an die Menschen in Berlin. Ich bete für sie.

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