Sonntag, 4. Juni 2023

Aus der Praxis: Wie lange willst du noch den Teig anrühren, ohne zu backen?

 

                                                                       Foto:www

 
Wenn wir auf dem Weg der Selbststabilisierung sind und unsere Muster und Fallen kennen, ist das gut. Wir haben uns mit unserer Kindheit auseinandergesetzt und wissen um unsere alten Wunden. Wir wissen, warum wir reagieren und agieren wie wir es tun. Wir wissen um unsere Trigger und inneren Blockaden. Wir wissen, warum wir so denken und fühlen wie wir es tun. Wir wissen viel. Aber alles Wissen nützt uns nichts, wenn wir unser Verhalten und unsere Handlungen nicht anpassen. Es ändert nichts, wenn wir uns, wenn wir in den Autopilot-Modus zurückfallen, sagen: "Ach ja, das ist so, weil es so und so war als ich ein Kind war", uns dann schämen, uns bedauern, rechtfertigen oder gar beschuldigen. Uns zu beschuldigen macht keinen besserer Menschen aus uns, es verbittert. Das führt dann zu einem Verhalten, das nicht hilfreich ist.
 
Wenn wir nicht aktiv werden ändert sich nichts.
Vielmehr schaffen wir es auf diese Weise das alte Selbst der Kindheit zu stabilisieren. Um unsere erwachsene Seite einsetzen zu können, müssen wir handeln und zwar bewusst erwachsen. Mit dem, was wir wissen, das heißt, dass wir das Wissen, die Weisheit und die Werkzeuge, die wir haben, auch benutzen.
Mein Mentor sagte einmal zu mir: „Wie lange willst du noch den Teig anrühren, ohne zu backen?“
Das hat gewirkt. Mir wurde klar, ich muss was tun.
Tun heißt, ich muss meine Hausaufgaben machen, ich muss umsetzen, üben und praktizieren. Das ist Arbeit. Es ist sogar schwere Arbeit. Es ist in Ordnung, weiter im reinen Wissen zu verharren, aber man wird auf diese Weise keinen Schritt weiterkommen. Ob wir dazu bereit sind weiterzukommen, entscheiden wir jeden Tag neu. 
 
Selbststärkung findet dann statt, wenn wir uns selbst stärken.
Wir müssen bewusst die Initiative ergreifen und wohltuende Erfahrungen machen, die wir zur Selbststärkung nutzen können. Dazu müssen wir wissen, was uns dabei hilft.
Wenn wir zum Beispiel merken, dass wir wieder in diese innere Unruhe verfallen, wenden wir an, was wir an Achtsamkeitsübungen gelernt haben um ein Gefühl von Ruhe und Sicherheit zu erzeugen. Wenn wir Ängste haben, machen wir den Realitätscheck und atmen ruhig und tief um unseren Körper und unseren Geist zu beruhigen. Wenn wir weder einmal ins sorgenvolle Grübeln über die Zukunft verfallen, holen wir uns da raus, indem wir uns klar machen: Wir haben nur das Jetzt. Keiner weiß, was morgen ist. Niemand kann das wissen, das Spekulieren darüber ist absolut sinnlos und macht Stress. Wir bleiben bewusst im Jetzt und konzentrieren uns auf das, was jetzt zu tun ist. Wenn wir getriggert werden, nutzen wir den Raum zwischen Reiz und Reaktion und besinnen uns auf unsere Weisheit und Klarheit. Wir halten inne bevor wir dem ersten Impuls nachgeben oder wir nutzen den Notfallkoffer und was an hilfreichen Skills darin vorhanden ist. Bevor wir auf andere projizieren, schauen wir bei uns selbst, was da gerade los ist. Bevor wir uns der Lähmung oder der Prokastination hingeben, fragen wir unser fürsorgendes Selbst, was jetzt besser für uns ist und tun es. Bevor wir wieder unsere Grenzen übertreten lassen, erinnern wir uns an unsere Würde und sagen bewusst: Stopp.
Gesunde Handlungen sind die Zutaten um ein gesundes Selbst zu erschaffen. Hören wir also auf zu rühren und fangen an zu backen!

Samstag, 3. Juni 2023

Vergessen

 

                                                                Malerei: A.Wende

 
Jemanden vergessen, den man geliebt hat, ist unmöglich.
Je mehr man versucht nicht mehr an ihn zu denken, desto mehr denkt man an ihn. Man geht Wege, die man gemeinsam gegangen ist und denkt an ihn, man sitzt im Raum in dem man mit ihm gesessen hat und denkt an ihn, man liegt im Bett, das man mit ihm geteilt hat und denkt an ihn. Und je mehr er einem bedeutet hat, desto mehr denkt man an ihn. Auch wenn man weiß, man will ihn nicht zurückhaben, man leidet unter seiner Abwesenheit und denkt an ihn.
Man denkt, was hätte sein können und vergisst, dass, hätte es sein sollen, es so wäre.
Man versucht weiter zu machen, als ob sich nichts verändert hätte und spürt, was war, hat sich radikal verändert, es existiert nicht mehr. Man versucht die Lücke zu füllen, es funktioniert nicht, man versucht sich abzulenken, es funktioniert nicht, man versucht Neues, es funktioniert nicht. Man denkt an ihn.
Man weiß längst, man trauert nicht mehr um diesen Menschen, man trauert um die Vorstellung, die man von ihm hatte. Man trauert um das Scheitern dessen, was einmal schön und gut war und es nicht mehr war, dann. Man wünscht sich zurück, was am Anfang war, und weiß, dieser Anfang ist nicht wiederholbar, weil zwischen Anfang und Ende eine Geschichte liegt. 
Man begreift, diese Geschichte ist unwiderruflich zu Ende.
Und man denkt an ihn.

Freitag, 2. Juni 2023

Glück?

 



Wir alle wollen glücklich sein und die wenigsten wissen wie es geht. 
Die Mehrzahl von uns sucht das Glück im Außen. In all den Dingen, von denen man uns beigebracht hat: Das macht dich glücklich. Dazu gehören Gesundheit, Geld, Attraktivität, Ansehen, Erfolg, Liebe, gute Beziehungen. Es sind gesellschaftlich definierte Ingredienzien, die das Leben scheinbar lebenswert machen. All das können wir haben und trotzdem nicht glücklich sein. All das können wir haben und sobald wir nur eins davon nicht haben oder nicht mehr haben, fühlen wir uns schon unglücklich.
Eine große Unzufriedenheit macht sich breit. Wir strengen uns an, das, was wir nicht haben, zu erreichen. Immer ist da etwas, was es zu erreichen gibt, damit alles gut ist, damit wir endlich glücklich sind. Immer ist da irgendein Mangel, der unser Leben unperfekt macht. Wir jagen dem Glück hinterher und vergessen, dass es nicht zu jagen ist. Wir fühlen es oder nicht.
Und in der Zwischenzeit sind wir frustriert und unzufrieden.
Wir sehen nur auf das, was wir nicht haben und übersehen, was wir alles haben. Und zu allem Übel vergleichen wir uns mit anderen, die das scheinbar haben und sind noch unzufriedener.
Wir sehen auf das, was nicht funktioniert und übersehen, was funktioniert. Wir beneiden die, bei denen alles scheinbar funktioniert und fühlen uns wie Versager.
 
Ohne, dass wir zu merken, prägt das unser Selbstverständnis, nach dem Motto: Wenn ich dies und das nicht habe, wenn dies und das nicht funktioniert, dann bin ich nicht okay und mein Leben ist nicht okay. Was für ein Stress, was für ein Kampf, in den wir da verstrickt sind. Wir leben im Mangel und fühlen Mangel, da wo Fülle ist, wenn wir genau hinschauen würden, eine Fülle, die wir glatt übersehen vor lauter Mangelbewusstsein. Diese Fülle ist in uns selbst und ist sie nicht in uns selbst, ist sie nirgendwo.
Die wenigsten Menschen, die ich kenne, sind fähig ihr Leben, anstatt es von außen wahrzunehmen, von Innen zu fühlen.
Die wenigsten haben auf die Frage: Wer bist du?, eine Antwort, die von Innen kommt. Sie definieren sich über das, was sie haben und wissen nicht, wer sie im Kern sind udn was sie ausmacht, wenn all das Drumherum wegfällt. Sie sind mit dem Außen verbunden, mit sich selbst nicht. Sie fühlen sich leer, egal wie voll der Geldbeutel ist, egal wie viel Erfolg sie haben. Sie kommen gar nicht auf die Idee die Art und Weise wie sie ihr Leben führen zu analysieren und sich einmal zu fragen: Ist das, was ich denke, was ich tue und wonach ich strebe, das, was ich wirklich will, ist es das, was mich ausmacht? Vielmehr leben sie fremdgesteuert nach dem Skript anderer, das man ihnen als Vorlage für ein gutes Leben vermittelt hat. Das haben sie so tief verinnerlicht, dass sie es im Autopilot-Modus abspulen. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass ein glückliches Leben etwas völlig anderes ist als das Heischen nach immer mehr, immer besser, immer schöner, immer glücklicher. Sie sind so getrennt von sich selbst, dass sie nicht verstehen, dass nur ein Leben im Einklang mit sich selbst und ihrer innersten Wahrheit ein glückliches Leben ist. 
Wie auch? Sie kennen ihre innere Wahrheit nicht.
Niemand wird uns die sagen, kein Außen wird uns dahinführen, das ist eine Sache des Fühlens. Und dieses Gefühl kommt aus unserem Herzen. Es wahrhaft zu fühlen, das ist für mich Glück.
 
"We often disconnect from our authentic selves in order to fit into societal norms, but the reality is this can cause severe stress and tension within our bodies and brains. The biggest stress is trying to be somebody other than who we are."
-Dr. Gabor Maté
 

Donnerstag, 1. Juni 2023

Den Druck rausnehmen

 

                                                                  Foto:A.Wende

 
Hast du das drängende Bedürfnis alles zu kontrollieren?
Willst du perfekt sein, indem du immer mehr machst als genug?
Willst du immer mit anderen mithalten?
Willst du alles alleine schaffen?
Musst du immer sofort für alles eine Lösung haben?
Kümmerst du dich ständig um das Wohl anderer und vergisst dich selbst dabei, weil du geliebt werden willst?
Fällt es dir schwer um Hilfe zu bitten?
Versuchst du krampfhaft etwas zu erreichen, was unmöglich ist und missachtest dabei die Grenzen des Machbaren?
Stehst du deshalb ständig unter Druck?
 
Wenn wir genesen üben wir eine gesunde Verhaltensweise.
Das ist erst einmal ungewohnt und neu. Aber mit jeder Wiederholung wird es uns diese Verhaltensweise vertrauter.
Wir hören auf alles schaffen zu wollen, wir hören auf perfekt sein zu wollen, wir hören auf uns auf die Erwartungen anderer zu fokusieren und lernen zuerst auf uns selbst zu achten. Wir machen uns keinen unnötigen Druck mehr. Wir lernen zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht. Wir lernen Prioritäten zu setzen, rein praktisch und emotional.
Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir Kraft sammeln und sie schützen. Wir müssen damit beginnen still zu werden.
Wenn wir still werden, hören wir auf uns abzulenken von dem, was wir fühlen. Wir hören und fühlen in uns hinein und nehmen bewusst wahr was wir fühlen. Dadurch lernen wir auf unsere Bedürfnisse zu hören.
Wir setzen auf Qualität, statt auf Quantität in allen Lebensbereichen. Wir nutzen unsere Zeit bewusst und verplempern sie nicht für Unwesentliches, weil unsere Zeit kostbar ist. Wir sparen wertvolle Energie und nutzen sie um den Samen zu säen, für das, was wir ernten wollen. Wir lassen es sein, unsere Energie auf Dinge und Aktivitäten zu verwenden, die nicht in das münden, was wir uns wünschen. Das wird unser Nervensystem beruhigen, uns nach und nach ein Gefühl der Gelassenheit, der Klarheit und inneren Frieden verschaffen. 
 
"Die besten Dinge für unser Leben wachsen im Stillen."
Andrea Gerlach

Mittwoch, 31. Mai 2023

Aus der Praxis: Wenn alles zusammenbricht

 



Ganz plötzlich ist etwas, was gewohnt und vertraut war zu Ende. Etwas was dir sehr wichtig war, etwas von dem du geglaubt hast, es ist eine tragende Säule deines Lebens, etwas, wovon du meintest, es gehört unabdingbar zu dir und zu deinem Leben. Oder es war etwas in das du deine ganze Hoffnung gelegt hast, in das du Zeit und Energie investiert hast – ein Projekt ein Traum, eine Beziehung, deine Arbeit. Und manchmal bricht sogar alles auf einmal oder kurz nacheinander weg, das vertraut war.
In diesem Moment fühlt es sich an, als würde dir der Boden unter den Füßen weggezogen. Deine Welt bricht zusammen. Du hast das Gefühl versagt zu haben. Du fragst dich, wie du jetzt weiter machen sollst und weit und breit ist keine Lösung in Sicht. In diesem Moment siehst du nur, was du verloren hast und bist nicht fähig zu ermessen, was du gewinnen wirst. Aber du wirst etwas gewinnen, auch wenn du es jetzt nicht glauben kannst. 
 
Wenn das Alte zusammenbricht heißt das, etwas hat sich überlebt. 
Eine Beziehung, die schon lange nicht mehr funktioniert hat, ein Job, den du schon lange nicht mehr machen wolltest, ein Ort, an dem du dich nicht wohl gefühlt hast und den du schon lange verlassen wolltest, eine Weltanschauung, die schon lange nicht mehr zu dem Menschen passte, der du in diesem Moment in der Zeit bist. Du hast es nur verleugnet, du hast dich selbst getäuscht um das, was ungut war, nicht verändern zu müssen. Du hast in deiner Komfortzone gelebt um etwas vor dir selbst zu leugnen, und dieses Etwas war: So wie es ist, ist es nicht richtig für mich. Ich bin nicht zufrieden und schon gar nicht glücklich.
Jetzt hast du keine Wahl: Du musst du dich der Veränderung stellen.
Das bedeutet: Neu anzufangen.
Und du hast keine Ahnung wie das gehen soll.
 
Du wirst vielleicht viele Abende alleine dasitzen und du wirst lernen müssen mit dir allein zu sein. Du wirst lernen die Zeit mit dir allein zu schätzen. Du wirst dir Zeit nehmen müssen, deine Wunden zu versorgen, die durch den Verlust entstanden sind.
Du wirst dich vielleicht einsam fühlen, elend und von aller Welt verlassen. Du wirst Angst bekommen, denn du allein bist es, die jetzt dafür sorgen muss, dass es weiter geht. Niemand wird dich retten, egal wie viel Unterstützung du hast, das ist jetzt dein Job.
Du wirst praktische Dinge regeln müssen, du wirst dir eine neue Struktur schaffen müssen, ein Zuhause, indem du dich wohl und geborgen fühlst, ein Ort des Friedens, von wo aus du deine neue Lebensrichtung finden und planen kannst. Du wirst Tage und Nächte der Verzweiflung, des Schmerzes und des scheinbar nicht enden wollenden Kummers erleben und du wirst Angst haben, es nicht zu schaffen, dein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und neu zu beginnen. 
 
Als Erstes wirst du aussortieren müssen.
Was dir dient, wirst du behalten und pflegen, was dir nicht mehr dient, wirst du loslassen.  
Du wirst allen Ballast abwerfen, der dich am Weitergehen hindert. Alte schädliche Glaubenssätze und blockierende innere Überzeugungen, Gewohnheiten und Menschen, die dir nicht guttun, Vorstellungen, die dich blockieren, Bedürfnisse, die sich nicht erfüllen lassen, auf die Art und Weise wie du es zuvor versucht hast. Alles was in deinem Leben längst abgestorben ist, alles, was nicht funktioniert hat, wirst du sein lassen. Wenn all das aussortiert ist, kann sich das verdammt leer anfühlen. Das musst du erst einmal aushalten. Ich weiß, das ist eine schwere Übung, aber sie wird dich stark machen, denn du wirst aushalten, mehr als du dir jemals zugetraut hast. 
 
Du wirst dir Zeit geben müssen um zu trauern.
Zeit um zu genesen und Zeit um den Schaden, der entstanden ist, zu reparieren. Und dann beginnst du mit dem, was du noch hast, von vorne. Von da aus, wo du jetzt bist.
Das bedeutet dich zunächst dem anzupassen wie es jetzt ist.
Den Ist-Zustand anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Es bedeutet dir eine Vision zu erschaffen von dem Leben, das dich zufrieden macht, und nicht von einem Leben, von dem man dir beigebracht hat, wie es zu sein hat, damit es eins ist.
Du wirst erkennen was deine Stärken und Ressourcen sind und sie dir bewusst machen um sie zu nutzen. Du wirst Dinge (wieder) finden und tun, die dich nähren und dir Energie geben. Und mehr davon machen.Du wirst lernen dich selbst an erste Stelle zu setzen, denn nur wenn du stabil und klar bist, kannst du für andere da sein.
 
Jeden Tag auf Neue wirst du etwas tun, um zu genesen, so gut du es kannst, ohne dir Druck zu machen, ohne zu denken, das muss schnell gehen. Und wenn du einen Tag gar nichts schaffst, ist das auch okay. Ruh dich aus. Morgen ist auch noch ein Tag.
Wir beginnen zu genesen, wenn wir den Widerstand aufgeben, gegen das, was unveränderbar ist und wenn wir bereit sind die Fragen zu beantworten, die das Leben uns in diesem Moment unserer Reise stellt. Mit Widerstand meine ich auch all die Widerstände in dir selbst, die gegen dich selbst sind. Die hohen Erwartungen, die du an dich selbst stellst, die Gedanken, die du über dich selbst hast: Dieses Ewige: Ich bin nicht gut genug.
Du bist gut genug und du warst es schon immer!
Wenn dir das Leben etwas nimmt, heißt es nicht, dass es dich strafen will, es nimmt dir das, was du nicht mehr brauchst und gibt dir, was du brauchst, um aus deinem abgestorben Ich herauszukommen und dich zu dem Menschen werden zu lassen, der du im Kern bist, bis du erkennst – ich war schon immer gut genug.
Wenn du das erkannt hast, wirst du neu beginnen und das, was dir wirklich entspricht, erfüllen und Wirklichkeit werden lassen.
All dies erfordert Zeit, Geduld mit dir selbst, Mitgefühl mit dir selbst, Fürsorge für dich selbst, radikale Selbsterkenntnis, Bewusstheit und eine große Portion Mut. 
Es bedeutet auch: Mit der Angst und trotz der Angst weiter zu gehen.
Wer jetzt denkt: "Die hat gut reden, wenn das mal so einfach wäre." 
Ich stehe wie vielleicht du jetzt, genau an diesem Punkt.
Ich muss mich neu erfinden und ich bin bereit dazu. 
 

“Fear is a natural reaction to moving closer to the truth.”
- Pema Chödrön
 

Montag, 29. Mai 2023

Du bist keine Option!

 


                                                                  Malerei: A.Wende


Beziehungen sind wichtig. Sie schenken uns Verbundenheit, Halt und im besten Falle Liebe. Authentische, gesunde Beziehungen zu anderen Menschen gehören zu einem erfüllten Leben.
Darum ist es so wichtig, uns unsere Beziehungen genau anzuschauen, ob sie uns guttun oder nicht. Nichts vergiftet unser Leben so sehr wie unheilsame Beziehungen. Sie rauben uns das Wertvollste was wir haben: Unsere Energie. 
 
Unheilsam ist eine Beziehung …
Wenn du merkst, dass jemand wenig oder nichts in eure Beziehung investiert.
Wenn jemand nicht respektvoll mit dir kommuniziert oder dich respektlos behandelt.
Wenn er unzuverlässig ist und sich an nichts, was vereinbart war, hält.
Wenn er sich nur bei dir meldet, wenn er etwas von dir will.
Wenn er dich Tage lang ignoriert und die Kommunikation abbricht.
Wenn er emotional nicht das Gleiche in die Beziehung einbringt wie du.
Wenn du viel gibst und wenig oder nichts zurückkommt.
 
Hör auf ihm hinterherzulaufen.
Die Strategie funktioniert nicht.
Mehr ist nicht mehr.
Mehr führt zu noch weniger.
Hör auf zu glauben, du kannst ihn ändern.
Der andere wird sein Verhalten nicht ändern, vielmehr wird er genauso weitermachen, weil er merkt, dass du es mit dir machen lässt, weil du zulässt, dass er mit dir so umgehen kann. Also wird er es weiter tun. Du gibst ihm ja die Erlaubnis dazu.
 
Mach niemanden zu deiner Priorität, für den du lediglich eine Option bist!
Versuche keinen Menschen festzuhalten, der nicht bei dir sein will.
Schenke deine Liebe niemanden, der nicht bereit ist dich zu lieben.
Schenke deine Freundschaft niemanden, der sie nicht pflegt.
Zu diesen Menschen gehörst du nicht.
Sei nicht für Jemand da, dem deine Anwesenheit nichts bedeutet.
Lass dich nicht als Lückenbüßer, Kummerkasten oder Problemlöser benutzen.
Hör auf ihm zu texten oder ihn anzurufen.
Hör auf um Aufmerksamkeit und Zuneigung zu betteln.
Versuche nicht zwanghaft ihn für dich zu gewinnen.
Hör auf dich selbst zu entwürdigen.
Hör auf dich zu fragen: Warum ist er so? Warum behandelt er mich so? Was mache ich falsch?
Erlaube diesem Jemand nicht deine Energie zu fressen und dich geringzuschätzen.
Du bist wertvoll, lass das nicht zu.
Wenn du von einem Menschen übergangen, subtil verletzt oder missachtet wirst, schadest du dir selbst, wenn du ihm weiterhin deine Energie und deine Zeit widmest.
Gib dich nicht mit einer solchen Behandlung zufrieden.
Gibt dich nicht mit schwer verdaulichen Brosamen zufrieden.
Sag nicht ja, zu etwas, was sich nicht gut anfühlt.
Was sich nicht gut anfühlt, ist nicht gut!
 
Wenn du aufhörst deine wertvolle Energie in die Beziehung zu investieren ist sie vielleicht zu Ende. Wahrscheinlich ist sie sogar sehr schnell zu Ende. Du bist ja nicht mehr zu gebrauchen.
Daran wirst du erkennen, dass das, was du gegeben hast, das Einzige war, was diese Beziehung überhaupt aufrechterhalten hat.
Ersetze diese Beziehung durch das, was dir im Leben wichtig ist.
Ersetze sie durch Werte, die dir wichtig sind und denen du folgst.
Durch Gefühle, die heilsam sind.
Durch Dinge, die wesentlich sind.
Durch das, was du zu tun liebst.
Und indem du dich Menschen zuwendest, denen du wirklich wichtig bist.
Einer dieser Menschen bist DU.
Du bist wertvoll. Vergiss das nie! Sei gut zu Dir!

Woran du merkst, dass du auf dem richtigen Weg bist.

 

                                                                        Foto: www

Wenn du dich anstrengen musst, um dich selbst davon zu überzeugen, dass du auf dem richtigen Weg bist, ist es mit Sicherheit nicht der richtige.
Wenn du auf dem richtigen Weg bist, ist alles einfach.
Natürlich kannst du auch all die Steine, die im Weg liegen aufheben und wegräumen oder wie Goethe schreibt: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“
Aber, hast du nicht schon genug Steine aufgehoben und noch immer nichts Schönes gebaut? Wäre es nicht weniger anstrengend und mühsam, endlich den richtigen Weg zu gehen?
Nur wie findest du ihn?
Den richtigen Weg gehen ist keine Kopfsache.
Du spürst es. Es ist das Gefühl des Einklangs mit dem, was das Leben in diesem Moment in der Zeit von dir will. Es bedeutet zu erkennen und dem nachzukommen, was tief im Einklang mit deinem Sein ist und wie ehrlich und wahrhaftig du mit dir selbst bist. Wenn du im Einklang bist, vertraust du deiner inneren Führung und der Weg ist einfach und leicht. Du gehst ihn, folgst deiner Intuition, innerlich ruhig und sicher, im tiefen Vertrauen, dass es der deine ist.
Manchmal sind wir innerlich so gefangen und blockiert, dass wir den richtigen Weg, der sich vor uns auftut, nicht sehen können. Wir sind dem Weg auf dem wir gehen lässt entwachsen und können nicht sehen wo es jetzt langgeht. Wir sind so gefangen ins uns selbst, dass wir nicht achtsam sind und den Weg der hell und leuchtend vor uns liegt, glatt übersehen. Unser Fokus ist so fixiert, dass wir kurzsichtig sind. Wir haben Vor-stellungen im Kopf, die uns wie Bretter den Blick verstellen. Wir wollen es so, wie es ist, partout nicht haben und denken wir brauchen dies und das und suchen danach.
Wir laufen vielleicht mit einem gebrochenen Herzen herum und suchen auf verschiedensten Wegen jemand, der es heil macht. Wir sind so bedürftig, dass wir jede Abzweigung nehmen, die uns von dem wegbringen soll, was wir eigentlich tun müssten: Auf uns selbst zugehen, uns um uns selbst kümmern und uns Zeit nehmen um zu genesen. Wir gehen einen Weg nach dem anderen, nur um nicht den Weg zu uns selbst gehen zu müssen. Weil er sich als der beschwerlichere anfühlt oder weil wir Angst haben auf diesem Weg alleine zu sein, vielleicht für immer.
Wir gehen einen Holzweg nach dem anderen, sehen das Geröll, das uns entgegenkommt, schuften uns ab um es wegzuräumen, kümmern uns um die Probleme und Nöte anderer, nur um uns nicht um uns selbst kümmern zu müssen. Wir nehmen jeden noch so dunklen Weg, nur weil er uns vorgaukelt uns vor uns selbst zu retten und vor den wahren Gefühlen, die wir haben, um sie nicht fühlen und aushalten zu müssen. Je länger wir das tun, desto müder, schwerer und verzagter werden wir.
Wir sind auf dem falschen Weg und wissen es eigentlich längst. 
 
"When you start following your intuition you begin to experience the phenomen of synchronicity.
If it is fantasy, you don´t get that kind of help.
You get closed doors."
- Caroline Myss