Montag, 25. Februar 2019

Furcht



Foto: A. Wende

Furcht ist eine Reaktion auf die Vorstellung von Künftigem, was nach unserer Meinung geschehen könnte. Furchtbeladenen Fantasien von der Zunkunft machen unser Ausdrucksvermögen im Jetzt zunichte. Sie führen in die Sackgasse.
Wir sind niedergedrückt.
Wir sind handlungsunfähig.

Furcht erzeugt Angst.
Gefangen in der Angst identifizieren wir uns mehr und mehr mit dem was sein könnte und sorgen so unbewusst dafür, dass wir genau das herstellen wovor wir uns fürchten. Wir verkriechen uns in unsere Welt der Angst und schotten uns von allem ab, was uns das Gegenteil unserer Fantasien beweisen könnte. Wir sehen alles was nicht in unsere Fantasie passt als Angriff auf unsere inneren Vermutungen und Überzeugungen. Der Kontakt zu uns selbst und unserer Umgebung wird geringer. Wir schränken unsere Wahrnehmung ein und kehren uns vom direkten Erleben ab.
Wir isolieren uns.
Sind wir an diesem Punkt angelangt, identifizeren wir uns vollkommen mit unseren Kathastrophenfantasien.
Wir erstarren.

Würden wir von den Fantasien über eine Kathastrophe frei werden, indem wie sie als Fantasie wahrnehmen, wären wir frei uns auszudrücken.
Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein.
Ausdruck, egal auf welche Weise, hebt die Starre auf.

Samstag, 23. Februar 2019

Gedankensplitter


 
Foto: A. Wende

Opfer in und für die Liebe machen die Liebe nicht größer und auch nicht erfüllender. 
Zu viel geben brennt aus. 

Wer zu viel geben will, erwartet meist auch zu viel. 
Wer viel gibt ohne genug zurückzubekommen, vernichtet sein Selbstwertgefühl.
Er verliert den Blick für seine eigenen Bedürfnisse. 

Er wird emotional abhängig.
 Er kämpft sich ab im Versuch einen Liebesersatz zu gestalten, 
für einen schmerzhaften Mangel an Liebe, der so alt ist wie er selbst.

Neurose und Angst





Die Neurose ist zunächst die sinnvolle Antwort des Einzelnen auf irrationale und kranke Umstände und Zustände. Die neurotische Erfahrung führt nun aber dazu, dass sich die Wahrnehmung von sich selbst und der Umwelt, und somit das Verständnis für sich selbst und die Umwelt reduziert.
Es kommt zur Anpassungsstörung und damit zum inneren und äußeren Konflikt.
Persistierender Konflikt tendiert zu Anspannung und Enge.
Enge tendiert zu Angst.
Angst entsteht weil die Erregung der kreativen Anpassung unterbrochen wird.
Jede lang anhaltende Unterdrückung gesunder Aggression führt zu Angst.
Nicht die Angst vor etwas oder in einem Konflikt ist das eigentliche Problem, sondern vielmehr der nicht bearbeitete Konflikt, er provoziert Angst.
Dauerkonflikte produzieren problematische Angst. Es kommt zu Dauerspannungsangst.
Chronisch werdende Angst führt in die Neurose.
In der Neurose herrscht das Gefühl ständiger Gefahr und Bedrohung.
Das Selbst wird angegriffen.
Es kommt zum Verlust der Funktion des Selbst.
Der Wille schwindet.
Die Angst wird mächtiger.
Der Mensch ohnmächtig.
Er leidet.

Lösungsansatz: Das Ziel besteht nicht darin den Neurotiker an die Umwelt anzupassen, sondern die Umwelt den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu verändern und zu gestalten.


Dienstag, 19. Februar 2019

Was also ist wirklich wahr?




Malerei: Angelika Wende

Wer weiß schon, was die Wahrheit ist? Niemand weiß das.  
Ist das wirklich wahr?
Die große Frage, was die Wahrheit ist, hat die Menschen und damit auch die Philosophen aller Zeiten schon immer beschäftigt. Die meisten werden wohl mit Aristoteles übereinstimmen, der meinte, dass etwas, das von der Welt sagt, sie sei so und so, wahr ist, wenn die Welt auch wirklich so und so ist. Für Aristoteles ergab sich Wahrheit weiterhin daraus, dass viele Menchen mit einer Meinung oder einer Annahme übereinstimmen. Wenn also genügend Leute daran glauben, ist etwas wahr? Die Geschichte liefert haufenweise Beweise, dass die Masse nicht für die Tauglichkeit der allgemeingültigen Wahrheit prädestiniert ist. Was wäre Millionen von Menschen erspart geblieben, ohne die ins Verderben treibende Wahrheit Adolf Hitlers, mit der die Mehrzahl des deutschen Volkes übereinstimmte? 

Wahrheiten auf die sich die Masse einigt, erzeugen allerdings Wirklichkeit. Es stellt sich nun aber wiederum als äußerst schwierig heraus genau zu sagen, was denn Wirklichkeit ist. Und schon haben wir das nächste Problem mit der Wahrheit

Was also ist wirklich wahr? Manche Theorien behaupten, dass Wahrheit in Kohärenz oder in Konsens besteht. Das bedeutet: Eine Aussage ist wahr, wenn sie keine inneren Widersprüche aufweist oder wenn Experten sich einig sind, dass sie wahr ist. Das ist wohl wahr. Würden wir diese Wahrheit anzweifeln, würden wir damit alle Erkenntnisse der Naturwissenschaften über den Haufen werfen und die Erde könnte dann ja doch eine Scheibe sein, weil ja nichts wirklich wahr ist. Auch die Medizin wäre auf verlorenem Posten. Aber Hand aufs Herz, wer würde die Wahrheit einer Herzerkrankung leugnen, die definitiv festgestellt wurde und nach den Wahrheiten der Medizin behandelt wird? In der Tat, es gibt also Wahrheiten. Der Spruch, dass nichts wahr ist, den so manche vermeintlich ganz Schlaue immer wieder gerne benutzen um die Wahrheit anderer in Frage zu stellen, sich aber keine Mühe machen diese Aussage überzeugend zu begründen, nach dem Motto: Hauptsache ich sage was, was die Wahrheit des anderen in Frage stellt, ist damit nicht wahr.
Natürlich gibt es Wahrheiten und natürlich gibt es eine Wirklichkeit in der wir leben,  die wir jeden Tag spüren und sehen können und in der wir uns bewegen müssen um zu leben, unser Geld zu verdienen, unsere Wege von A nach B zu gehen, unsere Kinder zu erziehen, eine Reise zu buchen und so weiter. Was allerdings nicht heißt, dass nicht ein Jeder seine eigene Wahrnehmung und damit seine eigene Wahrheit über sich selbst, seine Mitmenschen und das Leben besitzt.

Für jeden ist die Wahrheit und damit die eigene Welt so beschaffen, wie er sie ob seiner Erfahrungen, seiner Konditionierungen und seiner Biografie sehen kann und über den Filter seiner ganz persönlichen Wahrnehmung aufnimmt und beurteilt. Können wir deshalb Wahrheit als Richtigkeit verstehen? Sicher nicht, sondern vielmehr ist sie eine innere Norm, nach der Menschen sich ausrichten und ihr Leben gestaleten. Unsere inneren Wahrheiten sind etwas Relatives und sie sind damit nicht unfehlbar. Wahrheit und Unfehlbarkeit sind zwei völlig verschiedene Dinge, denn unfehlbar bin ich auch dann nicht, wenn ich Recht habe, denn ich habe die Wahrheit nicht gepachtet. 
 
Ein anderer hat die seine und wenn er sie mir ausreichend erklärt und begründet, ist meine Akzeptanz seiner persönlichen Wahrheit mein Eingeständnis, die Wahrheit nicht gepachtet zu haben, sondern sie eben nur als die meine zu besitzen. Das zeugt von Respekt und Wertschätzung. Übrigens, emotionale und geistige Mangelware in heutigen Zeiten. Hingegen gibt es das Phänomen, dass die Wahrheiten anderer nicht einmal überdacht werden, bevor sie vehement abgelehnt oder gar angegriffen werden. In Sekundenschnelle werden Reizwörter dazu benutzt um die Wahrheit des Anderen anzufeinden und die eigene Wahrheit dagegen zu setzen, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen erst einmal zu überdenken, was da von einem selbst überhaupt in der ganzen Komplexität wahrgenommen wird. 

Zwischen Reiz und Rektion liegt ein Raum, sagte einst Victor Frankl. Er würde sich wundern, wie winzig klein dieser Raum im digitalen Zeitalter geworden ist, so winzig, das für echte Kommunikation kaum mehr Raum bleibt. Jeder ist eine Insel. Jeder hat seine Wahrheit. Und jeder hat das Recht sie zu fühlen, zu denken, nach ihr zu handeln und sie auszusprechen. Sogar wenn sie Werten auf die sich Menschen geeinigt haben, widerspricht. Er muss sich nur bewusst darüber sein, dass er die Konsequenzen zu tragen hat. 

Jeder hat seine Wahrheit und die brauchen wir auch. Unsere innere Wahrheit formiert unsere Identität. Sie schafft, ob der Bodenlosigkeit des Daseins ein Fundament auf dem wir gehen können, auch wenn die menschliche Existenz und das Leben instabil sind. Meine persönliche Wahrheit gestattet mir der Mensch zu sein, der ich geworden bin.  Das heißt nicht, dass sie eine unveränderbare statische Sache ist. Innere Wahrheiten können sich ändern. Kluge Menschen verfügen über eine achtsame Wahrnehmung, die weit ist und offen für das Mögliche, ebenso wie für das Unmögliche. Kluge Menschen ändern ihre Wahrheiten gar bisweilen, dann nämlich wenn ihnen das Leben neue Erkenntnisse geschenkt hat. Und vor allem: Kluge Menschen greifen andere nicht für deren Wahrheiten an, weil sie um die Relativität der Wahrheit wissen.






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Sonntag, 17. Februar 2019

Die selbstzerstörerische Trauer des Narziss



Foto: A.W.

Trauer, das Tor in den Bereich des Schmerzes, der Angst, der Wut, der Ohnmacht.
Untröstliche Traurigkeit als Prädisposition zur Verzweiflung.

Traurigkeit, die psychische Repräsentation eines erlittenen Verlustes.
Traurigkeit, die Antwort auf einen Auslöser.
Der Rhythmus des Lebens bricht zusammen.

Der an seinem Schmerz Leidende verlangsamt im Handeln, im Denken. Das Schweigen ist lang. Stillstand ob des Bruches, der das Gestern vom Heute mit einem radikalen Schnitt trennt.
Apathie.
Leere.
Ist der Sinn durch den Verlust gebrochen ist das Leben in Gefahr.

Das notwendige Objekt ist verloren.
Das Ich hat überlebt. Zerfällt in Stücke. Fragmeniert.
Verlassen, aber nicht getrennt von dem, der es noch immer nährt.
Das Ich nimmt es, um es nicht zu verlieren, in sich auf.
Macht sich zu Eigen, was nicht Eigenes ist.
Dementiert so den Verlust.
Untröstbar verschmolzen in Zweisamkeit mit dem, was nicht mehr ist, gleitet es in Schwermut.

Es gelingt nicht Trennung zu erzeugen.
Ohnmacht.
Zusammenbruch.
Depressive Verleugung.
Lebensverneinende Depression.
Das Ich löst sich auf.
Beleidigt vom Tod des Objektes, muss es sich in seiner Wut auf das Verlassenwordensein selbst zerstören.




Samstag, 16. Februar 2019

Scheitern am Gescheiterten



Zeichnung: Angelika Wende

Scheitern tut weh. Egal womit oder woran wir scheitern. Aber so unschön es ist: Scheitern gehört zum Leben. Wer das verinnerlicht hat, scheitert sicher nicht leichter, aber er akzeptiert, das es so ist und immer wieder so sein kann. Er zieht eine Lehre aus dem Scheitern, er atmet durch, verarbeitet was war, sammelt Kraft, steht auf und sucht neue Wege.

Für manche Menschen aber sind Misserfolge eine echte existentielle Bedrohung.
Sie sehen sie als persönlichen Angriff. Sie glauben, das Leben meint es nicht gut mit ihnen. Sie fühlen sich als Opfer der Umstände. Sie lernen nichts aus dem Scheitern und machen immer wieder die gleichen Fehler. Sie sind verbittert und wollen gar nichts Neues mehr ausprobieren, weil ihnen ein Scheitern unvermeidlich erscheint. Sie halten an unguten der gar selbstschädigenden Gewohnheiten fest. Gewohnheiten haben jedoch die Eigenschaft sich durch wiederholtes Handeln zu manifestieren. Im Guten wie im Unguten.

Je mehr sich ungute, selbstzerstörerische Gewohnheiten manifestieren, desto weiter geht die Spirale des Scheiterns nach unten.
Der Mensch gibt schließlich auf, sich selbst und jeden inneren Antrieb. Er sitzt fest in einer Lähmung, die jede Bewegung zur übergroßen Anstrengung macht. Das Leben stagniert. Die Motivation und die Willenskraft schwinden. Die Angst den Boden unter den Füßen zu verlieren besiegt jede Zuversicht auf einen neuen Versuch das Leben zu bewältigen und verschluckt den Mut.
Diese Haltung führt unweigerlich ins große Scheitern, wo am Ende nur noch die Resignation steht. Der Mensch gibt auf. Er ist an einem Punkt, an dem weder nach Hilfe gefragt wird, noch Hilfe angenommen wird. Wir erreichen diesen Menschen nicht mehr.
Schrecklich, das zu erfahren. Schrecklich die Ohnmacht die wir dann empfinden, besonders wenn wir einen Menschen lieben.
Schrecklich nichts tun zu können.
Ein Punkt an dem wir scheitern.

Wir stecken fest in der Hilflosigkeit des Helfers.
Was können wir tun?
Wichtig ist, mit dem umgehen zu lernen was ist.

Es geht um Akzeptanz, es geht um das Loszulassen von dem, was sich nicht fassen lässt, was unveränderbar ist und nicht in unserem Einflussbereich liegt.

Wichtig ist sich jetzt um das zu kümmern, was möglich ist: Um uns selbst.
Dazu gehört die Trauer und den Schmerz zuzulassen und zu akzeptieren, das wir nichts mehr tun können. Das ist schon eine Riesenleistung, die Kaft kostet. Eine Leistung, die unseren Alltag erschwert, denn die Gedanken an den Verlust, die Trauer um den geliebten Menschen, das Gefühl des eigenen Scheiterns, die Fragen nach dem Warum, die scheinbare Sinnlosigkeit des Leids, das doch nicht sein müsste, all das zehrt an unserer Energie. Dennoch und gerade deshalb: Wir müssen uns umorientieren, das heißt den Focus, der so lange auf dem anderen lag, auf uns selbst richten, auf unsere Genesung. Sie braucht Zeit. Und sie geht nur in ganz kleinen Schritten, in winzigen Schritten. Tag für Tag, Augenblick für Augenblick müssen wie ein Ziel oder ein gewünschtes Gefühl festlegen. Diese kleinen Schrittchen helfen uns dabei wieder neue Kraft zu sammeln. Sind wir mit der Zeit genug kleine Schrittchen gegangen, haben sich gute Momente angesammelt, werden wir erste Veränderungen in unserem Leben bemerken. Es kommt etwas in Bewegung zum Besseren hin. Unser Selbstvertrauen und unser Selbstbewusstsein wachsen. Wir gewinnen Mut uns der Angst zu stellen und Widerstände zu überwinden. Wir werden resilienter. Eine wertvolle Erfahrung im Scheitern. So traurig das auch ist.

Freitag, 15. Februar 2019

Abhängigkeit


Malerei: Angelika Wende

Allzu große Abhängigkeit macht fragil.
Wir stützen uns auf etwas oder jemanden, außerhalb von uns selbst.
Der Boden auf dem wir gehen fühlt sich trittunsicher an.
Die Angst vor der Bodenlosigkeit wächst.
In der Abhängigkeit können wie nicht bestehen.
Nicht vor uns selbst, nicht vor dem Leben.
Unser Sein, in Gefahr zu zersplittern.