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| Zeichnung: Angelika Wende |
Scheitern tut weh. Egal womit oder woran wir scheitern. Aber so unschön es ist: Scheitern gehört zum Leben. Wer das verinnerlicht hat, scheitert sicher nicht leichter, aber er
akzeptiert, das es so ist und immer wieder so sein kann. Er zieht eine
Lehre aus dem Scheitern, er atmet durch, verarbeitet was war, sammelt
Kraft, steht auf und sucht neue Wege.
Für manche Menschen aber
sind Misserfolge eine echte existentielle Bedrohung.
Sie sehen sie als
persönlichen Angriff. Sie glauben, das Leben meint es nicht gut mit
ihnen. Sie fühlen sich als Opfer der Umstände. Sie lernen nichts aus dem
Scheitern und machen immer wieder die gleichen Fehler. Sie sind
verbittert und wollen gar nichts Neues mehr ausprobieren, weil ihnen ein
Scheitern unvermeidlich erscheint. Sie halten an unguten der gar
selbstschädigenden Gewohnheiten fest. Gewohnheiten haben jedoch die
Eigenschaft sich durch wiederholtes Handeln zu manifestieren. Im Guten
wie im Unguten.
Je mehr sich ungute, selbstzerstörerische
Gewohnheiten manifestieren, desto weiter geht die Spirale des Scheiterns
nach unten.
Der Mensch gibt schließlich auf, sich selbst und jeden
inneren Antrieb. Er sitzt fest in einer Lähmung, die jede Bewegung zur
übergroßen Anstrengung macht. Das Leben stagniert. Die Motivation und
die Willenskraft schwinden. Die Angst den Boden unter den Füßen zu
verlieren besiegt jede Zuversicht auf einen neuen Versuch das Leben zu
bewältigen und verschluckt den Mut.
Diese Haltung führt
unweigerlich ins große Scheitern, wo am Ende nur noch die Resignation
steht. Der Mensch gibt auf. Er ist an einem Punkt, an dem weder nach
Hilfe gefragt wird, noch Hilfe angenommen wird. Wir erreichen diesen
Menschen nicht mehr.
Schrecklich, das zu erfahren. Schrecklich die Ohnmacht die wir dann empfinden, besonders wenn wir einen Menschen lieben.
Schrecklich nichts tun zu können.
Ein Punkt an dem wir scheitern.
Wir stecken fest in der Hilflosigkeit des Helfers.
Was können wir tun?
Wichtig ist, mit dem umgehen zu lernen was ist.
Es geht um Akzeptanz, es geht um das Loszulassen von dem, was sich
nicht fassen lässt, was unveränderbar ist und nicht in unserem
Einflussbereich liegt.
Wichtig ist sich jetzt um das zu kümmern, was möglich ist: Um uns selbst.
Dazu gehört die Trauer und den Schmerz zuzulassen und zu akzeptieren,
das wir nichts mehr tun können. Das ist schon eine Riesenleistung, die
Kaft kostet. Eine Leistung, die unseren Alltag erschwert, denn die
Gedanken an den Verlust, die Trauer um den geliebten Menschen, das
Gefühl des eigenen Scheiterns, die Fragen nach dem Warum, die scheinbare
Sinnlosigkeit des Leids, das doch nicht sein müsste, all das zehrt an
unserer Energie. Dennoch und gerade deshalb: Wir müssen uns
umorientieren, das heißt den Focus, der so lange auf dem anderen lag,
auf uns selbst richten, auf unsere Genesung. Sie braucht Zeit.
Und sie geht nur in ganz kleinen Schritten, in winzigen Schritten. Tag
für Tag, Augenblick für Augenblick müssen wie ein Ziel oder ein
gewünschtes Gefühl festlegen. Diese kleinen Schrittchen helfen uns dabei
wieder neue Kraft zu sammeln. Sind wir mit der Zeit genug kleine
Schrittchen gegangen, haben sich gute Momente angesammelt, werden wir
erste Veränderungen in unserem Leben bemerken. Es kommt etwas in
Bewegung zum Besseren hin. Unser Selbstvertrauen und unser
Selbstbewusstsein wachsen. Wir gewinnen Mut uns der Angst zu stellen und
Widerstände zu überwinden. Wir werden resilienter. Eine wertvolle
Erfahrung im Scheitern. So traurig das auch ist.