Mittwoch, 12. Januar 2011

Sehn süchtig ...

Die Sehnsucht ist Antrieb und Falle zugleich.
Verhangen in der Sehnsucht treibt die Gefühlswelt Blüten, deren Ranken den Verstand überdecken und das ersehnte Unmögliche inmitten des nüchternen Daseins erschaffen.
Täuschung ist möglich.

Bilder die sich in Projektionsflächen des Ersehnten im Kopf formieren überschreiten die Grenzen des Aussen und formieren sich zu Übermächtigem.
Kippgefahr.

Vorsicht zurückgedrängt, Nachsicht sich selbst gegeben, Umsicht negiert oder vergessen.
Fallen ist möglich.

Die Sehnsucht hat Flügel, die sich an ihrem Feuer leicht verbrennen.

Ins Übermaß getrieben treibt sie den Sehnsüchtigen von sich selbst fort, in Richtungen, die im Verborgenen liegen.



Sehnsüchtige Suche lenkt den Blick in den Tunnel an dessen Ende das Licht des eigenen Spiegels blendet.
Auch das.

Ein jeder Spiegel zeigt das Selbst.
Schauend verbleibt es.

Sehnsüchtig unerlöst.
Auf sich selbst zurückgeworfen.

Licht und Schatten

Das Leben teilt sich in Schatten und Licht.
Und wir sind von beidem im Innen und im Außen berührt.
Es sind jene Schatten, die wir nicht integrieren, die uns das Übermaß an Dunkelheit spüren lassen.

Angelika Wende, Das Buch der eigenen Gedanken

Dienstag, 11. Januar 2011

Mein Profil wird aktualisiert ...

"In den nächsten Tagen wird dein Profil aktualisiert. Mit dem neuen Profil hast du mehr Möglichkeiten, um deine Geschichte zu erzählen und darzustellen."Dieser Satz sprang mir in die noch müden Augen, als ich mich heute morgen in mein Social Network einloggte. Dass es in meinem Network ein neues, grafisch abgewandeltes Profil gibt, habe ich natürlich längst mitbekommen, bin dem Ruf es zu aktualisieren jedoch nicht gefolgt, weil ich ein Gewohnheitstier bin. Ich habe ausserdem genug anderes zu tun, als jeden neuen Trend mitzumachen, ob in meinem Network oder sonstwo, und noch dazu gefällt mir das alte Profil schlicht und einfach besser als das neue. Will ich also nicht!


Tja, ich kann in diesem Fall wollen was ich will, das nutzt mir rein gar nichts, denn - siehe oben: Mein Profil wird in den nächsten Tagen automatisch aktualisiert. Jetzt bin ich baff und entscheidungsfähig bin ich auch nicht mehr. Die machen wieder mal, was sie wollen, die, die Macht haben und sei es auch nur die Social Network Macht. Ich muss mich fügen oder ich habe nur noch die Wahl mich abzumelden, weil mir das nicht passt, dass da über mich entschieden wird.


Ja, ich weiß, ruhig Brauner, reg dich nicht über jede Kleinigkeit auf, würde ein von mir geschätzter Mensch jetzt sagen. Und ich würde antworten: Ich rege mich gar nicht auf, ich sehe nur hin und in den Kleinigkeiten sehe ich Strukturen, die mich im Großen Ganzen auch stören. Zugegeben, er hat Recht, ich rege mich auf. Wenn ich mich mal nicht mehr aufrege bin ich tot. Und das will der von mir geschätzte Mensch sicher nicht und ich auch nicht. Wenn es dann soweit ist, werde ich mich vielleicht auch darüber aufregen, weil ich nämlich gern selbst entscheiden möchte, wann mein Abgang stattfindet und weil ich Angst vorm Totsein habe. Apropos Tod. Das ist etwas, was wirklich absolute Macht hat und die akzeptiere ich besser, denn dagegen kann ich nun wirklich nichts machen, ob ich mich aufrege oder nicht.


Also rege ich mich jetzt mal weiter über die Macht im Besonderen und im Allgemeinen auf, was mir auch nichts bringt, aber ich muss es loswerden und vielleicht liest das ja der Mächtige und macht sich ein paar Gedanken darüber, dass man auf einem freien Portal dem Menschen nichts aufs Auge drücken sollte, was er vielleicht nicht will und dass die Idee der Gleichmacherei in unserer Gesellschaft sich schon zu sehr ausbreitet, beängstigend in die falsche Richtung ausbreitet und meinem Gefühl nach, zu nichts Gutem führt. Es lebe das Individuum und die Freiheit der Entscheidung! Vom freien Willen spreche ich gar nicht, denn der ist, auch wenn wir ihn zu glauben haben, wie die Hirnforschung bewiesen hat, beschränkt, und vom Aussen noch beschränkter, und das ist mir einfach zu viel Beschränkung. Ach, was kann ich mich so schön aufregen!


Darum blogge ich das jetzt und wenn der Mächtige das liest, kann ja sein, das Mögliche ist möglich, dann macht er sich vielleicht ein paar Gedanken über Gleichmachereiansätze. Wenn sich Leute Gedanken machen ist das ja schon mal ein Ansatz, meine ich.


Was mich aber noch mehr aufregt ist, der Satz: "Mit dem neuen Profil hast du noch mehr Möglichkeiten deine Geschichte zu erzählen und darzustellen." Subtil, sehr die Botschaft. Ich habe noch mehr Möglichkeiten meine Geschichte zu erzählen und darstellen. "Möglichkeiten". Ja, Gottes Geschenk an uns sind Möglichkeiten, ist sogar mein Leitsatz im Leben. Aber, mal im Ernst - ob ich meine Geschichte erzählen und darstellen will, das entscheide ich, dazu brauche ich keinen Animateur. Moment mal! Warum will der das eigentlich? Der liest sie ja doch nicht, oder ist er auf der Suche nach Geschichtenerzählern? Ein Verleger ist er doch nicht, der Social Network Mächtige, oder habe ich was verpasst?


Transparenz fällt mir da spontan ein. Ich spinne das jetzt mal weiter. Wenn alle ihre Geschichten erzählen, dann wissen alle über alle Bescheid und dann wissen auch alle, von denen wir nicht wollen, dass sie unsere Geschichte kennen, Bescheid. Der Chef zum Beispiel oder der Kollege, der uns sowieso schon mobbt, oder die Konkurrenz, die wir als Freunde verlinkt haben und als Konkurrenz gar nicht wahrnehmen - man denkt ja nichts Schlechtes. Wenn die unsere Geschichte kennen und das sind ja nicht ausschließlich Erfolgsgeschichten, die wir alle so haben, na dann aber Holla, dann kann der, oder können die, sie gegen uns benutzen. Ist doch möglich.


Ist nur so ein Beispiel für Transparenz, passt aber wieder zum Thema Macht. Macht hat immer der, der die Wunden des Anderen kennt. Und ja, es gibt leider auch Menschen, die ihre Macht nicht konstruktiv einsetzen, sondern destruktiv. Da mache ich nicht mit.


Aber was mache ich jetzt? Ich rege mich wieder ab, und passe auf, was ich transparent mache und wie viel von meiner Geschichte ich erzähle. Und was das neue Profil angeht? Tja, ich will mich nicht abmelden, weil ich mein Social Network mag und akzeptiere die Ohnmacht.


Aber nicht, ohne mich aufgeregt zu haben!


P.S. Sollte mein Profil demnächst gelöscht werden ... ich war es nicht.










Sonntag, 9. Januar 2011

Anziehungskraft

Es gibt Leute die behaupten, dass wir in immer genau das anziehen, was wir denken, über uns selbst und über das Leben. Diese Leute schreiben sogar Bücher über das Thema. Diese Leute behaupten, dass wir, wenn wir genau hingucken, wie in einem Spiegel quasi, in dem, was wir da angezogen haben, uns selbst erkennen und wie wir ticken. So weit so gut.

Ist möglich. Denn, wenn alles Energie ist, ist es folgerichtig logisch, dass gleiche oder ähnliche Energien sich gegenseitig anziehen wie Magneten. Das würde also bedeuten: "Gleiches zieht Gleiches an". Perfekt. Demzufolge begegnet uns also immer genau das "passende" Gegenstück zu dem, was wir denken. Und alle treffen auf das, was für sie stimmig ist, oder unschöner ausgedrückt: sie treffen auf das, was sie verdient haben. Ist aber nicht so!

Wie alles im Leben ist es nicht so einfach auch wenn es schön wäre, wenn alles einfach wäre, ist es aber nicht, denn es gibt es niemals nur eine Wahrheit, auch wenn es immer noch genügend Leute gibt, die glauben das wäre so. Aber das ist eine andere Geschichte.

Also Anziehungskraft: Gerade was die gegenseitige Anziehungskraft von Männern und Frauen, angeht, fällt auf, wie oft wir den Falschen, oder die Falsche anziehen. Menschen, die genau das Gegenteil von dem sind, was unsere Gedankenwelt ausmacht, oder noch unangenehmer: Sie sind genau das, was wir nicht wollen, noch nie wollten, oder nie mehr wollen.

Hm, sieht aus, als scheint das mit der Theorie der Anziehung von Ähnlichem oder Gleichem nicht immer zu stimmem. Stimmt auch nicht, denn wir erleben ja bisweilen den Gegenteilsbeweis, manche von uns jedenfalls, und das in schon fast beunruhigender Regelmäßigkeit. Will sagen, wir ziehen genau das an, was wir tunlichst vermeiden wollen.

Woran könnte das wohl liegen, frage ich mich, nachdem mir just wieder mal Einer begegnet ist, der genauso das verkörpert, was ich absolut nicht will und nicht brauchen kann, weil ich das schon kenne und es mir noch nie gut getan hat. Wie kann ich also etwas anziehen was ich ablehne? Wie kann es sein, dass unerwünschte Wiederholungen scheinbar nicht ausrottbar sind? Noch nicht.

Na ja, zumindest erkenne ich das Unerwünschte mittlerweile ziemlich schnell, wenn es daher kommt, was mir früher nicht gelang, da bin ich nämlich auf Typen, die gar nicht zu mir passen reingefallen und hab erst mal nicht gemerkt, dass sich da ein Muster wiederholt, bis es so richtig schön weh getan hat. Das ist doch schon ein großer Fortschritt, finde ich.

Noch mal: Wenn wir etwas anziehen, dass mit unseren Gedanken zu tun hat, die eine Energie haben, dann dürfte man doch, das, was die Gedanken nicht mögen, nicht anziehen. Weil es ja dem, was wir denken nicht gleicht und wir demzufolge keine Resonanz haben dürften.

Genau das ist der Grund, warum ich nicht an die Allmacht der Gedanken glaube, sondern an die Macht der Gefühle. Denn das, was wir bewusst denken, oder denken wollen, kann etwas völlig anderes sein, als das, was wir fühlen. Wenn ich etwas fühle, hat das viel mehr Kraft und Energie, viel mehr Macht über mich, als wenn ich etwas denke. Nebenbei bemerkt, aus diesem Grund scheitert so manche Verhaltenstherapie, weil sie rein kognitiv ansetzt, also Gedanken und Handeln verändern will, aber nicht das Gefühl, und nach kurzer Zeit landet der Klient wieder im alten Muster.

Muster ist das Zauberwort. Glaubensmuster, Verhaltensmuster, Reaktionsmuster etc. Und die sind tief verankert im Limbischen System unseres Gehirns, das man auch als den Ort des Herzdenkens bezeichnet. Passend finde ich. Das Herz "denkt" nämlich auch, besser es fühlt und zwar mächtig, so mächtig, dass es mittlerweile die Bezeichnung "Broken Heart Syndrom" gibt, an das sogar die Schulmedizin glaubt. Ja, man kann an einem gebrochenen Herzen sterben.

Die Muster in unseren Herzdenken machen sich selbstständig, heißt sie machen genau das, was sie wollen, sind quasi ein Undercoverprogramm, das der Verstand nicht im Griff hat und nicht kontrolieren kann. Und genau das wirkt, wenn wir die Falschen anziehen. Das gilt übrigens auch für "falsche Umstände", die wir erleben.

Was wir auf Teufel komm raus nicht haben oder erleben wollen ziehen wir genau deshalb an, weil wir es nicht wollen. Denn alles was wir nicht wollen, wollen wir nicht, weil wir damit üble Erfahrungen gemacht haben und die prägen sich ein, im Herzdenken. Die hinterlassen da unschöne, aber sehr kraftvolle Bilder. Je mehr üble Erfahrungen ähnlicher Art wir davon verinnerlicht haben, desto mächtiger sind die Bilder, die sie poduzieren. Diese Bildergalerie erzeugt, wenn ich nun an Energie und Resonanz glaube, ein Energiefeld, das geradezu riesige magnetische Wellen aussendet. Ziemlich unhübsches Museum, was wir da in uns tragen und das zieht eben auch seine Besucher an, wie jedes Museum. Und zwar genau die, denen diese unschönen Bilder gefallen, genau die, die diese Bilder suchen, weil sie eine Resonanz dazu haben, sich in dieser (Gefühls)Kunst wiederfinden. Und schon haben wir sie in unserem Muesum, ob wir es wollen oder nicht.

P.S. Lösungsansatz: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt und day by day neue Inspirationen aufnehmen, die neue " schönere" Bilder malen, damit andere Besucher in unser Museum kommen.






Donnerstag, 6. Januar 2011

Dialog

Wir kommunizieren ständig, aber wir führen nicht immer einen wirklichen Dialog.
Vieles von dem, was wir für einen Dialog halten, ist etwas völlig anderes, nämlich ein Monologisieren. Und das ist eben kein echter Dialog. Es ist das Mitteilen dessen, was wir dem anderen sagen wollen. Die Betonung liegt auf: was wir sagen wollen. Entscheidend aber, damit ein Dialog wirklich stattfindet, ist das nicht. Während wir nämlich glauben, wir hätten etwas eindeutig klar gemacht, spricht der andere so, als hätte er die Botschaft nicht empfangen. Hat er auch nicht!

Ein wirklicher Dialog beruht auf der Übertragung von Information beider Seiten und dem Wunsch, dass diese Informationen vom Gegenüber auch verstanden werden.

Ein echter Dialog bedeutet zuhören, achtsam zuhören, sich einlassen auf den anderen, auf das, was er denkt und fühlt und sagen will. Dialogisieren bedeutet den Focus auf den anderen zu richten. Es bedeutet, dass wir versuchen das Gesagte unseres Gegenübers nicht in unser eigenes Bild von zu Welt setzen und das seine achten und respektieren. Es bedeutet, uns zu vergewissern, dass unsere Worte genau so ankommen, wie sie gemeint sind.

Ein echter Dialog entsteht, indem wir zulassen und uns öffnen. Er findet dann statt, wenn wir "empfangen", indem wir hören, sehen und fühlen, was der andere zu sagen hat, indem wir achtsam verfolgen was uns gegenüber geschieht und es aufnehmen, indem wir den anderen zu uns lassen. Ja, eigentlich entsteht er dann, wenn wir die gleiche Sprache sprechen.

Zugegeben ein schweres Unterfangen.


Mittwoch, 5. Januar 2011

Manchmal

Stimmungsschwankungen sind wie flüchtig wie die Tage, die vergehen.
Stimmungsschwankungen suchen wir uns manchmal aus und manchmal nicht.

Manchmal kommen sie aus uns selbst.
Manchmal von Außen.
Manchmal läuft es gut und wir lieben das Leben und sogar uns selbst für eine Weile.
Manchmal läuft alles irgendwie falsch oder wir glauben, dass es falsch läuft.
Manchmal ist es gut zu weinen und zu wissen - auch das geht vorbei.
Manchmal ist es ein Glück zu lachen, egal aus welchem Grund und wenn es über uns selbst ist oder das Leben, das macht was es will, ohne zu fragen, ob es darf.
Manchmal muss man sich entscheiden, ob man will oder nicht.
Manchmal ist es gut allein zu sein.
Manchmal braucht man einen Freund.
Manchmal weiß man einfach ... egal wie es kommt, man schafft es, weil man es will.
Manchmal verliert man den Glauben um ihn wieder neu zu finden.
Manchmal weiß man, dass Glauben nicht Wissen bedeutet.
Manchmal denkt man, dass alles keinen Sinn macht um ihn dann wieder zu suchen.

Stimmungsschwankungen hat man ...manchmal eben ...
Ein Mal versteht man dieses Manchmal und man weiß ... auch das bin ich, so wie ich manchmal bin.


Samstag, 1. Januar 2011

Dreihundertfünfundsechzig Tage

Die Party, ein zusammengewürfelter Haufen verschiedenster Menschen. Große, Kleine, Alte, Junge, Paare, Singles, Kinder, zusammengekommen an einem Ort, am Ufer des Rheins um das alte Jahr zu verabschieden und das Neue willkommen zu heißen. Und alle haben etwas mitgebracht. Dreißig oder mehr Menschen, ich habe sie nicht gezählt, kommen mit Schüsseln und Platten voll mit Essen und platzieren sie auf dem großen Tisch. Der Pfarrer, der auch unter uns ist, sagt, wir haben zu Essen, und dass alles andere nur Beiwerk ist, im Leben und ich weiß, es ist wahr.

Auf dem Küchenherd köchelt die beste Gulaschsuppe der Welt, wie in jedem Jahr am Silvesterabend. Hier ist es gut, das ist vertraut, das ist ein Ort der Freundschaft, die Jahre überdauert hat. Musik, Wein, Essen und Gespräche. Gespräche zwischen denen, die sich gut kennen, denen, die sich neu kennen lernen und denen, die sich lange nicht gesehen haben.

An diesem letzen Abend im Jahr bin ich nicht allein. Ich habe meinen Lieblingsmenschen an meiner Seite und bin glücklich und dankbar. Noch vier Stunden bis Mitternacht. Erwartung liegt in der Luft. Und da ist noch etwas anderes: Der Abschied von dreihundertfünfundsechzig Tagen Leben wabert im Raum, Abschiednehmen von der Zeit, die unwiderbringlich gelebt ist. Haken wir es ab, sagt Einer, den ich nicht kenne, zu mir. Ist vorbei, kannst Du eh nichts mehr ändern, vergiss es! Als ob er mir ansieht, wie gern ich manches ändern würde, wie groß mein kindlicher, trotziger, unsinniger Wunsch ist, es ändern zu können.

Im Nachhinein sind wir immer klüger. Wir hätten manches anders gemacht, wenn wir gewusst hätten. Die Wahrheit ist eine andere, mächtiger als der unsinnige Wunsch, der kindliche Trotz. Die Wahrheit ist, dass wir nicht anders konnten, dass wir damals genau so gehandelt hat, wie wir es in diesem Damals konnten, mit bestem Wissen und Gewissen und all den Zweifeln, die da auch waren. Ja, abhaken, denke ich und dass er Recht hat, der Mann, den ich nicht kenne. Vergessen? Vergessen geht nicht. Einsicht ist möglich. Lernen aus den Fehlern, die gemacht wurden, ohne sie machen zu wollen.

Aber waren es dann wirklich Fehler? Oder waren es Handlungen aus dem Moment heraus, in dem man ein anderer war. Eben nicht so klug wie jetzt, am letzten Abend der dreihundertfünfundsechzig Tage.

Um zwölf Uhr, zwischen Korkenknallen und Neujahrswünschen, blicke ich in das Gesicht meines Lieblingsmenschen. Er ist da und ich bin da und das Mädchen ist da, das ihn liebt und das er liebt. Am Ende dieser dreihundertfünfundsechzig Tage habe ich zwei Lieblingsmenschen und am Liebsten möchte ich beide unter eine Glasglocke stellen um sie vor der Welt da draussen zu beschützen, wie es der kleine Prinz mit seiner Rose gemacht hat und dann denke ich, das wolltest du doch schon immer, diese Glasglocke über das Wertvollste stellen, dass du hast und vielleicht war das auch ein Fehler, denn unter der Glasglocke atmet es sich schlecht. Es ist eng, sehr eng darunter.

Und dann hake ich ihn ab, diesen Gedankenfehler und verspreche mir selbst, ihn nie mehr zu denken und Vertrauen zu üben, in das, was kommt. Meine beiden Lieblingsmenschen schießen eine Rakete für mich in den schwarzen Nachthimmel über dem Rheinufer, weil ich mich nicht traue sie selbst anzuzünden. Wünsch dir was, sagen sie, und ich schaue der Rakete nach, wie sie im Himmel explodiert und leuchtend goldene Sterne auf uns herunterfallen lässt, und ich wünsche mir in der neuen Nacht für die kommenden dreihundertfünfundsechzig Tage, dass ich es besser machen kann, dieses Mal.