Mittwoch, 12. September 2018

Welche Vorstellungen hast du von einem guten Leben?




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Ständige Geschäftigkeit, ewiges Funktionieren, Selbstüberforderung, das Sorgen und Kümmern um andere, das Anhaften an Dingen, die wir zu brauchen meinen - all das enthebt uns der Verantwortung wirklich lebendig zu sein und unser Leben nach sinnhaften Werten zu gestalten, Werte im Sinne von Vorstellungen was unser Leben lebenswert macht.

Es ist kein Wunder, dass immer mehr Menschen seelisch verkümmern, dass Depressionen und Suchterkrankungen zunehmen. Die Menschen sind voller Wut, Ohnmacht und Trauer aufgrund einer ständigen Überanstrengung, die ihre Wahrnehmung dessen, was wirklich zählt immer mehr einschränkt.

Zählt der Job, der mich nicht zufrieden macht, zählt das neue Auto, die nächste Reise, das teure Abendessen, das neue Outfit, das neue Handy und, und, und? Zählt das wirklich, macht das glücklich oder zumindest zufrieden? Nein, sagt die Erfahrung vieler Menschen und dennoch machen sie genau damit weiter - eingeschränkt in ihrem Focus auf das, was Leben scheinbar ist, weil sie glauben dieses Leben entspricht ihrer Identät. Viele von uns aber leben in einer Identität, die unserem wahren Wesen nicht entspricht und diesem Bild von uns selbst folgen wir, oft ein Leben lang. Ist das Meiste dieses Lebens gelebt, kommt dann die ernüchternde Frage: War das alles? Soll es das gewesen sein? Nein, das kann nicht sein. Die gute Nachricht: Das muss nicht sein. Identitäten lassen sich verändern und neu formieren, ebenso wie sich Werte neu suchen, finden und in unser Leben intergrieren lassen. Schon die Vorstellung dieser neuen Werte führt dazu, dass wir anders denken und demzufolge im besten Falle anders handeln, nämlich diesen Wertvorstellungen entsprechend.

"Eine Vorstellung ist nur wahr, solange es für unser Leben nützlich ist, sie zu glauben", schreibt William James.

Ein weiser Impuls der mich zum Nachdenken anregt:
Welche Vorstellungen habe ich von einem guten Leben?
Was gehört dazu?
Was ist mir wirklich wichtig und wie kann ich das im Rahmen meiner Möglichkeiten gestalten und leben?
Schon bei diesen Fragen stellt sich bei so manchem eine innere Abwehrhaltung ein.
Oha, da müsste man dann ja ziemlich viel verändern.
Hm, ja müsste man.
Und dabei könnte auch so einiges an Gewohnheiten wegfallen. Und ja, das ist schwer. Aber sind unsere Gewohnheiten alle nützlich für unser Leben oder sind sie eher eine Art Ablenkung von uns selbst? Führen genau diese Gewohnheiten nicht vielmehr dazu, dass wir uns selbst nicht wahrnehmen, unsere Gedanken und unsere Gefühle, die da unter der Macht der Gewohnheit schlummern?

Uns selbst wahrnehmen um uns selbst nicht weiter zu schädigen. Darum geht es.

Darum ist es so wichtig achtsam auf unsere Gefühle zu hören und sie wertzuschätzen, als Anzeige dafür wie es uns wirklich geht. Um uns selbst zu bejahen und das was uns fehlt. Und das ist sicher nicht das neueste Handy und auch nicht der nächste Urlaub. Das ist auch nicht, stets die Erwartungen unserer Umwelt zu erfüllen um uns gut zu fühlen.

"Mein Leben lang versuchte ich "gut" zu sein, um geliebt zu werden. Es wird aber niemand dafür geliebt, dass er gut ist, er wird vielleicht bewundert, manchmal auch belächelt, benutzt oder sogar abgelehnt. Ich habe versucht, es allen recht zu machen, und bekam immer zu wenig. Und jetzt ist da ein Loch und ich weiß nicht, womit ich es füllen soll." Das sagte neulich ein Klient zu mir. Viele von uns könnten dieser Aussage spontan zustimmen. Viele von uns tun ständig was anderen gut tut, viele von uns vernachlässigen was uns selbst gut tut. Und plötzlich stehen wir da, den Anderen geht es prima und wir selbst sind ausgelaugt und blicken in eine große Leere. Die Kinder brauchen uns nicht mehr, die Familie hat sich entfremdet, der Partner hat sich vom Acker gemacht, der Job ist auch nicht mehr das Gelbe vom Ei - das Loch ist groß. Die Gewohnheiten finden keinen Anker mehr an dem sie sich fest machen und der Mensch weiß nicht mehr wozu er da ist.

Für dich selbst bist du da! Jetzt, erst mal.

"Du hast eine leere Schale in den Händen und das ist kein Drama. Das ist ein Geschenk!", sagte ich zu meinem Klienten, der mich ungläubig anguckte. 
Die leere Schale. Das ist ein schönes Bild.
Nur eine leere Schale lässt sich füllen. Welch ein Reichtum an Möglichkeiten!
Und beim Anblick der Schale könnten diese Fragen aufkommen: 
Was ist mir wirklich wichtig?
Welche Lebensbereiche will ich mit Werten, Zielen und Handlungen füllen, die mir das Leben schöner machen?
Wohin soll die Reise gehen?
Brauche ich dazu all das was sich in meinem Leben an Dingen angehäuft hat oder reise ich ab jetzt mit leichtem Gepäck?
Was tue ich nur aus Gewohnheit und nicht, weil es mir gut tut?
Worauf kann ich verzichten?
Und: Welche Erfahrungen will ich künftig machen?
Um diese Fragen zu beantworten ist Bewusstheit und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber das Wesentliche. Nur wer sich selbst würdigt, würdigt auch sein Leben und geht so damit um, dass es auch ein Leben ist, für sich selbst und andere.

Namaste Ihr Lieben
















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