Samstag, 30. Juli 2016

Mach dein Licht an!





Manchmal sind wie so verletzt, dass wir uns nicht mehr trauen uns dem Leben und anderen Menschen zu öffnen. Wir ziehen uns in uns selbst zurück und schließen die Tür zu unserem Herzen. Wir fühlen uns als Opfer und verkriechen uns in uns selbst um uns vor weiteren Verletzungen zu schützen. Das ist nur allzu verständlich. Die Belohnung, die wir dafür bekommen ist: Unantastbarkeit. Der Vorteil den wir haben ist: Wir müssen kein Risiko mehr eingehen.
Wenn wir uns in diesem Zustand einrichten, richten wir uns in der Opferrolle ein. 

Solange wir das tun bleiben wir in der Opferrolle gefangen. Wir entziehen uns dem Leben, wir erstarren und verdunkeln unser Licht. Wir führen ein Leben im Schatten. Damit wertschätzen wir uns nicht. Es hilft niemanden, wenn wir unser Licht verdunkeln. Wir behandeln uns damit selbst genauso so wie man uns behandelt hat: lieblos und verletzend. Es ist schwer diesem Kreislauf zu entkommen. Es braucht Mut um uns aus dem selbstgebauten Käfig zu entlassen.

Was würde die Liebe sich für uns wünschen?
Sie würde sagen: Schau in den Spiegel. Erinnere dich daran, dass du eine Verantwortung hast – für dich selbst und für den göttlichen Funken in dir. Mach dein Licht an! Und jetzt nimm all deinen Mut zusammen und verlasse die Opferrolle.

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Mut heißt trotzdem zu gehen – im Vertrauen, dass du getragen wirst.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Glaube versetzt Berge. Fragt sich nur welcher Glaube?


Foto AW

Alles ist Energie in Bewegung. Sie fließt immer und überall, in uns und um uns herum. Auch unsere Gedanken sind Energie, die fließt. Wir haben die Fähigkeit Energie in Materie zu verwandeln - das ist Schöpfertum. Jeder Maler, jeder Musiker, jeder Bildhauer, jeder Schriftsteller, jeder Künstler weiß das, weil er es tut.

Alles basiert auf Aktion und Reaktion, nicht nur unsere Handlungen, auch, was wir denken, unterliegt diesem Prinzip.

Was wir bewusst und unbewusst an starker Energie aussenden trifft auf einen Resonanzboden. Je mächtiger ein Gedanke ist, desto stärker schwingt sein Resonanzboden, im Guten wie im Unguten. Entscheidend für die Wirkung der Gedanken und für die Art der Resonanz ist das Unbewusste. Unsere Gedanken und Gefühle werden zu neunzig Prozent aus den Unbewussten gespeist. Nur etwa zehn Prozent von dem, wie wir als Person agieren, ist vom Bewusstsein gesteuert. Dies hat die Hirnforschung längst hinlänglich erwiesen.

Wenn wir also bewusst positiv denken wollen, in unserem tiefsten Unterbewussten aber von etwas ganz anderem überzeugt sind, wird uns das Positive nicht begegnen, sondern vielmehr das, was wir unbewusst glauben.

Glaube versetzt Berge. Fragt sich nur welcher Glaube?
Der, den wir denken wollen oder der, der uns denkt. So gesehen stimmt das mit der Kraft der Gedanken. Wir erfahren im Leben woran wir im tiefsten Unbewussten glauben - das Schicksal außen vor gelassen - weil unsere Wahrnehmung sich nach unserem Glauben und unseren Überzeugungen ausrichtet.

Was mit enormer Energie von Innen nach im Außen wirkt und wie ein Bumerang zu uns zurückkommt, sind unsere unbewussten Überzeugungen. Die Glaubensmuster, die tief in uns verankert sind, suchen sich resonante Erfahrung um sich selbst zu bestätigen und sich zu erfüllen. Wir erschaffen diese hoch schwingende Energie selbst und zwar mittels unserer tiefen inneren Überzeugungen über uns selbst und das Leben. Und die meisten dieser Überzeugungen hat man uns beigebracht, als wir noch nicht fähig waren sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Sie sind das Erbe unserer Kindheit.

Kein Urteil hat weitreichendere Folgen als das, welches wir über uns selbst fällen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wahrheit über uns selbst kennen. Und das bedeutet im ersten Schritt: Unsere Überzeugungen über uns selbst zu überprüfen, darauf ob sie hilfreich sind oder nicht.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Der Weg zum Selbstmitgefühl

 

Foto AW

Die meisten von uns haben es nicht anders gelernt. Sie schwanken zwischen zwei Extremen: Sie unterdrücken ihre Gefühle oder sie agieren sie unangemessen aus. Das sind die beiden Verhaltensweisen mit denen wir unseren unliebsamen Gefühlen und Emotionen begegnen. Aber wozu führt das? 

Agieren wir zum Beispiel unangemessen unsere Wut aus, fühlen wir uns später schuldig, wir schämen uns und machen uns Vorwürfe. Unterdrücken wir unsere Wut, implodieren wir, wenn wir es zu lange tun. Das ist sehr ungesund. 

Mit keiner dieser beiden Verhaltensweisen kommen wir in ehrlichen und mitfühlenden Kontakt mit uns selbst. Wir schaden uns auf die eine und auf die andere Weise. Das schafft Leid. Anstatt mit uns selbst in Beziehung zu treten, anstatt uns unserer Verletzlichkeit zuzuwenden, anstatt uns unsere Hilflosigkeit einzugestehen, denn sie ist der wahre Grund für unsere Wut, anstatt sich uns selbst mitfühlend zuzuwenden, wehren wir ab.

Warum nicht das wahre Gefühl einfach zulassen? Mit einem tröstenden, aus dem Herzen kommenden: Ja, es ist schlimm, ja, ich fühle mich verletzt, ja, ich fühle Schmerz, ja, ich fühle mich hilflos -  und uns dann liebevoll um uns selbst kümmern wie eine gute Mutter es für ihr geliebtes Kind tun würde.

Wie sinnlos ist es doch, wenn uns jemand verletzt hat uns um den „Verletzer“ zu kümmern, nach Rache zu schreien oder ihm eins auswischen zu wollen. Wie sinnlos verschwendet ist die Energie, die uns das kostet. Es macht viel mehr Sinn uns um uns selbst und unsere Verletzung zu sorgen und die Wunde zu versorgen. Das ist der Weg zu Selbstmitgefühl. Er führt weg vom Außen nach Innen, zu dem Menschen für den wir als Erwachsene die Verantwortung tragen: Zu uns selbst und in unser Herz. Und dann, über uns selbst mitfühlend zum Anderen hin.

Sonntag, 24. Juli 2016

Gedankensplitter



Tapferkeit hat ihren Ursprung in der eigenen Lebenserfahrung.
Der Tapfere hat die Fähigkeit aus Vergangenem zu lernen und Neues zuzulassen.
Das Geheimnis der Erkentnis zwingt immer wieder dazu überholte Vorstellungen und Denkweisen zu durchbrechen und eingefahrene Gleise zu verlassen.

Was zerbricht 
- festgefahrene Überzeugungen, Konzepte, Beziehungen und Lebenssituationen - 
ist immer das, was Wachstum verhindert. 
Es muss zerberechen. 
Was zerbricht dient der Heilung.


Samstag, 23. Juli 2016

Liebst du dich selbst?

Liebst du dich selbst?
Hast du dich das einmal gefragt?

Und wenn du jetzt ja sagst, könntest du dich fragen: Ist das wahr?
Liebe ich mich selbst, wenn ich ständig an mir herumkritisiere, mich nicht gut genug fühle, mich zu dick, zu alt, zu erfolglos fühle, mich antreibe um besser zu werden, wenn ich mich vergleiche mit denen, die ich für klüger, schöner, erfolgreicher, leichter, glücklicher halte?

Liebst du dich selbst, wenn du denkst, wie kann mich jemand lieben, wo ich doch nicht bin, wie ich gern wäre und mich klein mache jeden Tag, mich selbst beschimpfe, wenn ich Fehler mache und mich schäme weil ich nicht schaffe, was ich will oder wegen all der Macken, die ich habe und an mir hasse.
Liebst du dich selbst?
Nein?
Wie kannst du dann erwarten, dass jemand dich liebt?
Du erwartest es, du erwartest es weil du erwartest, all das, was du dir selbst nicht geben kannst von einem anderen geschenkt zu bekommen. Dann benutzt du den anderen.

Wenn du dich liebst, wenn du aufhörst dich lieblos zu behandeln, dann wirst du das gar nicht mehr erwarten. Dann wirst du den anderen nicht mehr benutzen wollen, dann wird das gar kein Thema mehr in deinem Leben sein, du wirst Liebe sein.


Freitag, 22. Juli 2016

Aha, der Knoten ist geplatzt!




Foto: AW

Aha, so ist das also. Jetzt geht mir ein Licht auf. Der Knoten ist geplatzt!
Schön, lieber Mensch, was du jetzt weißt ist wichtig, aber das allein nutzt dir gar nichts, du musst es umsetzen. Es geht darum das Begriffene ins Leben zu tragen und danach zu handeln. Vom dran oder drüber nachdenken verändert sich nichts.

Nein?

Nein. Du musst an dir arbeiten und das heißt: Üben, üben, üben!
Jeden einzelnen Tag.
Ja, auch wenn du keinen Bock drauf hast, weils so schön gemütlich ist in der Komfortzone, in der du dich so gut auskennst, auch wenn es da drin nicht so schön ist.
An wie vielen Tagen in der Woche denkst du daran, dass du es üben musst?
An wie vielen Tagen in der Woche arbeitest du daran?
An wie vielen Tagen bist du bereit Anfänger zu sein, weil es nicht immer gleich so klappt wie du es gerne hättest?

An wie vielen Tagen sagst du dir: Ich übe, weil ich es mir wert bin.





Dienstag, 19. Juli 2016

Aus der Praxis – Ich will das nicht

Ich will das nicht fühlen, ich will das so nicht haben, ich verstehe das nicht, es ging mir viel besser als ich mich nicht mit mir und meiner Vergangenheit beschäftigt habe, es ging mir besser als ich nicht an mir gearbeitet habe, es ging mir besser als ich noch nicht wusste, dass es einen Inneren Kritiker in mir gibt, ein inneres Kind und was da sonst noch an Schatten in meinem Unterbewusstsein haust. Ich will das nicht mehr, ich will das das aufhört.
Ich will.
Ich will.
Ich will.
Und wenn mein Wollen nicht funktioniert, dann werf ich mich auf den Boden wie ein Kind, das seinen Willen durchsetzen will und schreie und jammere. Hm, geht nicht, ich bin ja erwachsen, na dann dann werf ich doch ein paar Pillen ein, die all das, was ich nicht will und all mein "mich nicht gut fühlen" beenden.

Hm, was soll ich dazu sagen?
Am Liebsten würde ich sagen: Weißt du, lieber Mensch, das Leben interessiert sich einen Scheiss dafür, was du willst. Es ist dein Job mit dem klar zu kommen, was du willst und vor allem mit dem, was du nicht willst, vor allem mit dem, was du an dir selbst nicht haben willst.

Wer so redet und denkt wie oben beschrieben schläft, so würden es die Buddhisten nennen.
Wer so denkt, wie oben beschrieben, fühlt wie ein Kind und ist genau in diesem Ego-State-Modus unterwegs. Und nicht erst seit er weiß, dass er ein inneres Kind hat. Und er wird mit Sicherheit noch einen sehr langen Weg vor sich haben um zu (er)wachsen.
Das Problem ist der Widerstand.
Das Problem ist, dass alles was wir in uns selbst bekämpfen dazu führt, dass wir uns genau damit identifizieren.
Das Problem ist, dass alles was wir nicht haben oder sehen wollen, trotzdem da ist.
Das Problem ist, dass der Mensch um jeden Preis Schmerz vermeiden will und nicht einsehen will, dass auch der zum Leben gehört. Das Problem ist, dass wir alle irgendwann Schmerzen erleiden und uns keiner gesagt hat, dass das normal ist, genauso normal wie das Schöne und Gute und das Schmerzlose. Das Probem ist, dass uns keiner gelehrt hat wie wir mit dem Schmerz der Seele umgehen, weil man ihn nicht haben darf und wenn er schon da ist, nicht zeigen darf, genauso wie man Unsicherheit nicht haben darf, Schwäche nicht zeigen darf, Schamgefühle nicht zeigen darf, weil man dann nicht der Mensch ist der im Sinne des Systems funktioniert. Weil man dann anders ist als die tollen Anderen mit denen man sich vergleicht, obwohl man nicht die geringste Ahnung hat, wie es bei denen da drinnen aussieht. Das geht schließlich niemand was an. Auch das hat man uns beigebracht. Showtime immer und überall.

Ich kenne Menschen, die nach Außen die perfekte Show der Souveränität abliefern, Tag für Tag und die, wenn sie Abends alleine zu Hause sitzen, in ein tiefes Loch fallen und von Gefühlen der Verlassenheit und der Selbstzweifel geradezu aufgefressen werden. Und das wird dann übertrunken oder überfressen oder übervögelt oder sonstwie kompensiert und am nächsten Tag geht sie weiter die Performance bis sie im Burn Out landen oder das Herz keine Lust mehr hat den Beschiss weiter zu beklopfen und losrast oder einfach stehen bleibt.

Das Problem all dieser Menschen ist der Hochmut zu glauben, sie verdienen vom Leben nur das Gute. Das Ungute soll ihnen gefälligst von Leib und Seele bleiben. Das dann doch bitte nur für die Anderen. Hallo? Wo leben wir denn, wenn wir diesem Denken verhaftet sind? Wir leben in einer Blase auf der Außen ganz fett drauf steht: Illusion!

Es ist eine Illusion zu glauben wir könnten dem entkommen, was in uns angelegt ist, dem entkommen, was wir als Kind im Mutterleib und ab der Geburt im Laufe unserer Biografie bis ins Jetzt erlebt erfahren und gefühlt haben. Es ist eine Illusion zu glauben, dass das, was über Jahrzehnte im Keller unseres Unterbewussten Ruhe gegeben hat, nicht irgendwann ans Licht will und es ist eine Illusion zu glauben, dass es, wenn es einmal anfängt nach oben zu steigen ein freundliches Gesicht zeigt, weil es jetzt endlich mal ans Licht darf. Es ist die größte Illsuion zu glauben, wenn wir uns dem, was sich zeigt endlich zuwenden, alles zack und ganz schnell gut wird.
Das wird es nicht, es wird erst einmal schlechter, es wird erst einmal vielleicht sogar ein Schock zu erkennen, was unsere Wahrheit ist, die wir ein halbes oder ein dreiviertel Leben lang schön mit unseren Kompensationen und Selbstlügen abgewürgt haben. Und dann kommt sie die dunkle Nacht der Seele, dann wird es echt dunkel und auch die Sommersonne verliert an Strahlkraft, ob dieses dunklen Dunkels.

Das will ich nicht!
Tja, lieber Mensch, aber das will dich!
Das will, dass du dich mit allem was du an dir selbst nicht willst, endlich an einen Tisch setzt und es da sein lässt, bewusst da sein lässt mit einem: Aha, das bin ich also, wenn ich die Summe aller meiner Teile anschaue und die Makse ablege. Ah, so fühlt sich das an, wenn ich das, was ich nicht will fühle. Ah, so geht also erwachen. Hm, verdammt hab ich lange gepennt!
Und dann könnte es sein, dass ein Lächeln des Selbstmitgefühls über das trotzige Kindergesicht huscht, das Lächeln eines Menschen, der den Mut und die Demut hat ja zu sagen zu dem was er ist. Mit diesem Ja, kann sie beginnen die Reise des Helden, die Reise der Heldin, in die ganze unbekannte Landschaft der Seele, durch das Dunkel ins Licht des Erwachens. Erwachen bedeutet: Ja zu sagen, auch zu dem was ich nicht will, weil es mich will. Es bedeutet anzunehmen was ist und dann erst kann sich wandeln was ist.


Sonntag, 17. Juli 2016

Ja, und wie findet man den Weg?, fragt Joshu









Der junge Zenschüler Joshu fragt voller Neugierde seinen alten Lehrer und Zenmeister Nansen: "Was ist der Weg?"
Und Nansen antwortet: "Der alltägliche Geist ist der Weg".
"Ja, und wie findet man diesen Weg?" fragt Joshu weiter.
"Je mehr du versuchst ihn zu finden desto mehr entfernst du dich von ihm" antwortet der Meister.


Ich liebe diese kleine ZEN-Geschichte.
Ich lese sie immer dann, wenn ich wieder einmal etwas erzwingen will, wenn ich mit meiner Widderenergie versuche mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und vergesse, dass diese Wand nichts anderes von mir will, als dass ich vor ihr stehen bleibe. Still stehen bleiben, anhalten und mein Wollen als das zu erkennen was es ist: eine Behinderung auf dem Weg. Darum ist die Wand da, dieser Engel des Widerstandes, der sagt: Und jetzt ist aber wirklich Zeit zum Innehalten. Besinne dich, ruh dich aus und hör auf deine Energie im nutzlosen Ankämpfen zu verschwenden, die brauchst du nämlich gar nicht um gegen die Wand anzugehen, darum steht sie ja da. Halte Inne, schau was du zu tun hast, jetzt, in diesem Moment in der Zeit, der dir vielleicht wie eine blöde Blockade vorkommt, aber so ist es nicht. Überprüfe dein Wollen!

Es gibt keine Blockaden, es gibt sie nicht wirklich, wenn wir sie nicht als Blockade empfinden, wenn wir die Wirklichkeit ihrer Erscheinungsform anders deuten.
Blockaden haben uns etwas zu sagen. Sie sind voller Informationen. Sie geben uns zwar ein Gefühl von "nicht weiter kommen"auf dem Weg, den wir so zielorientiert gehen wollten, aber in Wahrheit sind sie Teil des Weges, unseres Weges. Sie sind der Teil der Wegstrecke, wo es darum geht uns zu besinnen. Aber die meisten Menschen gehen, anstatt in sich selbst, gegen dieWand an, die sich auf ihrem Weg aufbaut und wundern sich, dass ihr Ankämpfen zu nichts anderem führt, als dass sie sich den Kopf wund schlagen am eigenen Wollen, am eigenen Widerstand gegen das, was jetzt ist. Wie dumm das ist. Heute weiß ich das. Das Innehalten vor Wand, auch das ist der Weg. Es ist der Weg um uns nicht noch weiter von uns selbst zu entfernen, als wir im Begriff waren es zu tun, bevor die Wand sich vor uns aufbaute. Sie löst sich von selbst auf, zu ihrer Zeit. Darauf können wir vertrauen.

Ja, und wie findet man den Weg?, fragt Joshu.
Je mehr du versuchst ihn zu finden desto mehr entfernst du dich von ihm" antwortet der Meister. 

Freitag, 15. Juli 2016

Jetzt




Manchmal treibt uns die Sentimentalität dazu uns in einem fernen Land unserer Vergangenheit  zu verlieren. Wir idealisieren und überhöhen Dinge, Situationen und Beziehungen, die keine Substanz hatten. Wir verlieren uns in der Illusion an das Gewesene, weil das Jetzt nicht genau das für uns bereit hält was wir uns wünschen. Vielleicht kreieren wir uns aus Kummer eine Fantasie guter alter Zeiten und vergessen dabei warum wir uns von ihnen verabschiedet haben. Dann befinden uns in einer Art Trance. Wir sind rückwärtsgewandt. Wir vergessen und übersehen dabei das Jetzt. Wir übersehen, dass das Leben wie ein Fluss nach vorne strebt und nicht nach hinten. Das heißt nicht, dass wir die Vergangenheit nicht aufarbeiten sollen, es heißt aber - es ist hilfreich das Gewahrsein zu entwickeln: Das Leben ist jetzt. Heute ist das Leben und jeder Tag ist ein neuer Anfang voller Schönheit, wenn wir sie nur sehen wollen. Wir finden das Leben nicht in dem was vergangen ist, wir finden es in der Gegenwart, in dem, was das Leben uns heute schenken will, wenn wir unsere Sinne öffnen.

Das Trauma Trennung



Foto: AW


„Ich habe mich nicht darum gekümmert, was ich selber erleben und fühlen wollte. Ich habe mich immer nur um die anderen gekümmert, und um das, was sie von mir erwarteten. Dabei war ich aber weder ihnen noch mir selbst wirklich nahe. Und jetzt wo da keiner mehr ist um den ich mich kümmern muss, fühle ich mich nutzlos und verlassen. Ich habe Angst“. Diese Worte sagte eine Klientin zu mir. Eine wunderbare Frau, die nach über dreißig gemeinsamen Jahren von ihrem Mann verlassen wurde. Er hat eine Jüngere. Klischee? Nein, Leben wie es auch ist. Brutal, hart und schmerzhaft für die, die es trifft. Was diese Frau erlebt, kennen viele von uns. Auch ich kenne es. Viele Frauen kümmern sich ein Leben lang um die Anderen und merken gar nicht, dass sie dabei sich selbst in diesem Kümmern mehr und mehr auflösen. Sie haben eine Aufgabe, sie erfahren Sinn in dieser Aufgabe und plötzlich stehen sie da, allein und verlassen, von denen, für die sie gesorgt haben. Die Kinder gehen längst eigene Wege, der Mann ist weg, das Haus ist plötzlich leer – innen und außen. Und wenn sie Pech haben, fliegen sie auch noch raus aus dem Haus, das ihr Heim war. 

Die Trennung vom Lebenspartner, aus welchen Gründen auch immer, wiegt schwer, je älter man ist, je intensiver die Beziehung war und länger sie andauerte. Sie gehört zu den existentiellen Lebenskrisen, die wir Menschen durchleben müssen. 
Jede Trennung ist eine traumatische Erfahrung. Je unschöner sie verläuft, desto traumatischer ist das Erleben. Eine Trennung bringt enorm hohen emotionalen Stress. Selbstzweifel, Gefühle von Schuld, Scham, Wertlosigkeit, Versagensgefühle, Trauer, Schmerz, ohnmächtige Wut, erstickende Einsamkeitsgefühle und Verzweiflung können uns überfluten. Bei vielen Menschen hat eine Trennung auch praktische Folgen wie finanzielle Probleme und einen massiven Einschnitt in die gewohnte Lebensqualität. Es gibt sogar Menschen, die kommen über Jahre nicht über eine Trennung hinweg. Sie entwickeln im schlimmsten Falle ein posttraumatisches Belastungssyndrom, Ängste, Süchte, Depressionen oder werden körperlich krank.

„So was passiert jedem einmal, das geht vorbei!“ Das ist für manche Menschen nicht wahr, denn jeder von uns erlebt eine Trennung anders.  
Manche von uns werden, wenn eine Beziehung zerbricht, getriggert. Sie erleben gefühlsmäßig die instabilen oder gar die massiv belastenden Bindungserfahrungen der Kindheit wieder neu. Sie fallen nach Hinten in die Regression, ein altes Trauma wird reaktiviert: Das Trauma des verlassenen Kindes. Wenn das geschieht stürzen wir  in eine schwere Lebenskrise, die ohne therapeutische Hilfe meist nicht zu bewältigen ist.

Je älter wir werden desto verletzter und desto verletzlicher sind wir, besonders dann wenn wir plötzlich alleine da stehen, wenn das, was uns Halt gab, denn das ist der Kern jeder Beziehung – gegenseitiger Halt, plötzlich weg fällt.  
Das Netz auf das wir uns verlassen haben reißt und wir fallen in die Bodenlosigkeit. Alles was den Zusammenhang zwischen Ich und der Welt darstellte bricht zusammen. Sinn und Zweck der eigenen Existenz lösen sich auf und eine Neuorientierung ist schwer und für manche nicht mehr vorstellbar. Es kommt dieses: "Ich weiß nichts mehr. Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll, ich weiß nicht, was aus mir werden soll", und der Gedanke allein bleiben zu müssen, alleine alt zu werden, macht Angst. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, wenn wir die Fülle unseres Lebens bisher durch Beziehungen hergestellt und erfahren haben, sie wieder mit einer neuen Beziehung zu füllen. Wo ihn oder sie treffen, wo einen Partner finden, der zu uns passt mit all unseren Altlasten und Macken, unseren Leidenschaften und Interessen, unseren Bedürfnissen und unserer Sicht von Welt und vor allem zu unserem Herzen, das so vorsichtig geworden ist in all der Zeit? 

Nein, die Liebe findet sich nicht so leicht wieder, wenn man sie verloren hat.
Sie ist, wie wir Menschen, nicht ersetzbar und nicht austauschbar. Schon gar nicht ASAP. Sicher, es gibt Menschen, die das können, austauschen, ersetzen, was verloren ist, möglichst schnell und kompromissbereit. Sie nehmen, was sich anbietet oder suchen im Netz, in Singlebörsen und sonstwo um schnell einen Ersatz zu schaffen. Sie hängen sich an den oder die Nächstbeste um sich dem Schmerz nicht stellen zu müssen, den eine Trennung mit sich bringt, egal ob man verlassen hat oder verlassen wurde. Der oder die Neue sind Trostpflaster für das gebrochene Herz und Makulatur für die verletzte Eitelkeit. Wer aus tiefem Herzen geliebt hat, wird sich so schnell nicht trösten lassen, sein verletztes Herz hat so schnell gar keinen Platz für einen neuen Menschen, es ist ja noch voll von dem, was verloren ist. Es muss heilen und das braucht Zeit.

Wer nach einem Verlust den Weg alleine weiter geht, hat es, gerade als älterer Mensch schwer. Wir können nicht mehr einfach sagen: Was soll´s, das Leben geht weiter. Neustart. Ich hau jetzt hier ab und fange woanders neu an. 
Neues Spiel, neues Glück. In jungen Jahren ist das leichter. Ist man älter geht das nicht mehr so einfach. Man hat einen Job, eine Wohnung, eine Existenz, die man nicht einfach riskieren kann, weil man ja noch so viel Zeit hat, sich ständig neu zu erfinden. Und so traurig es ist, im Alter sinkt der Marktwert, ekliges Wort, ganz eklig, aber Realität und jetzt erzähl mir bitte keiner, dass es egal ist wie alt man ist und dass Liebe blind ist. Ist sie nicht. Wird sie nie sein. Wer nimmt was er kriegen kann, einfach um überhaupt noch was abzukriegen, der ist blind. Es muss passen Innen und Außen und je älter wir werden desto schwieriger ist es dem Passenden zu begegnen. Wir können es auch nicht passend machen und uns weiter selbst belügen. Dazu haben wir zu viel gelernt in all den Jahren Leben.  

Wer als älterer Mensch eine Trennung erlebt ist auf eine Art und Weise auf sich selbst zurückgeworfen, die ihm so trostlos erscheinen kann, dass er den Sinn seines Lebens in Frage stellt. 
Mit einem gebrochenen Herzen alleine da zu stehen ist eine Herausforderung und ein Kampf. Es ist ein täglicher Kampf mit dem eigenen Ich, auch wenn da vieles ist, was man liebt, eine erfüllende Arbeit, ein Hobby, Familie oder Freunde. All das ist kein Ersatz, kein Füllmaterial für die Lücke, die eine Trennung aufreißt und all das ist kein Schutzschild gegen die Angst, die sich breit macht, die Angst davor, dass die Lücke sich niemals mehr schließen lässt. Angst davor, das Leben nicht alleine meistern zu können, Angst davor in Not und Krankheit alleine zu sein zu. Angst, die so groß wird, dass sie lähmt und alle Impulse zu handeln, alle Impulse sich wieder ins Leben zu begeben, im Keim erstickt.

Was jetzt? Was tun wir in einer solchen Lage? Was ist hilfreich um jeden Tag zu leben und nicht nur zu überleben? Wie kann ein hilfreicher Weg aussehen um die Trennung psychisch zu bewältigen?
Die Erfahrung sagt: Selbstmitgefühl ist hilfreich. Nachsicht mit uns selbst ist hilfreich. Nachsicht, dass wir nicht so schnell wieder auf die Beine kommen und funktionieren, Nachsicht und die Akzeptanz, dass es uns jetzt schlecht geht. Selbstmitgefühl ist etwas anderes als Selbstmitleid. Selbstmitleid sieht nur sich selbst. Es jammert jedem der es hören und nicht hören will die Ohren voll und beklagt sich: "Was hat man mir angetan? Ich armer Mensch!" Selbstmitleid ist egozentrisch und sieht nur sein eigenes Leiden. Im Selbstmitgefühl sagen wir nicht, wir sind die Ärmsten. Wir erkennen vielmehr, dass Leiden Teil des Menschseins ist, wir wissen, dass alle Menschen schmerzhafte Erfahrungen machen. Ohne Selbstmitgefühl, kein Mitgefühl. Selbstmitgefühl ist zunächst einmal die Fähigkeit uns selbst, so wie wir sind, zu achten, zu verstehen und liebevoll anzunehmen, auch wenn wir uns im Moment selbst nicht mehr verstehen oder nicht sonderlich gut leiden können. Selbstmitgefühl beinhaltet auch, dass wir uns selbst verzeihen können. Es beinhaltet die Erkenntnis, dass wir nicht perfekt sind und dass unsere Niederlagen und damit auch unsere Trennungsschmerzen, ein Teil des Lebens sind. 

Werden und Vergehen, Veränderung – das und nichts anderes ist Leben.
Selbstmitgefühl heißt nicht, ich sehe meine Fehler nicht, es heißt vielmehr sie zu sehen und sie sich zu verzeihen, es heißt sich nicht selbst abzuwerten, sondern gerade in Phasen wo wir uns wertlos fühlen, ja zu uns zu sagen. Dieses Ja ist überlebenswichtig, denn wir sind jetzt der einzige Mensch, der das für uns tun kann. Ja, wir sind noch da, ziemlich am Boden zerstört im Moment, aber wir atmen, wir leben und das ist ein Geschenk. Wir sind noch da, in der Bodenlosigkeit zwar, aber wir sind da. Und wir akzeptieren die Bodenlosigkeit als die Wahrheit, die sich uns jetzt zeigt. 

Alles ist bodenlos, es gibt keine Sicherheit, wir sind da angelangt, wo wir das vielleicht so schmerzhaft am eigenen Leib erfahren wie nie zuvor – aber damit sind wir erwacht. 
Wir lassen ab von dem, was uns ablenken soll. Wir lassen ab von den Illusionen des Wollens und Wünschens, der Gier nach Zerstreuung, wir lassen los von der Vermeidung des Schmerzhaften und wir geben sie endlich auf, die verführerische Illusion der Sicherheit. Wir wissen, dass es Sicherheit nicht gibt, dass es in nichts und Niemandem Halt zu finden gibt – wir wissen was Loslassen ist und wie es sich anfühlt. Wir sind frei uns fallen zu lassen in die Weite und in die Weisheit des Lebens selbst, wir wissen, alles ist geliehen und alles vergeht so wie wir selbst vergehen und wieder eingehen in den Kreislauf des Lebens. Wir lassen die sinnlose Sucht nach Kontrolle und festhalten Wollen los.  Diese Erkenntnis ist der vollkommene Lehrer.

Macht das die Angst kleiner? Nein zuerst nicht, sagt die Erfahrung. Es gleicht einem Schock dieses Gewahrsein zu spüren, ja zu spüren, denn gehört oder gedacht haben wir das vielleicht schon öfter, gefühlt erleben wir es vollkommen anders. Wir geben die Hoffnung auf, dass es uns gelingt vor uns selbst wegzulaufen und spüren die Aufforderung nicht mehr vor uns selbst wegzulaufen, egal was passiert. Das ist der Moment in dem die Chance liegt eine ehrliche Beziehung mit uns selbst zu beginnen, indem wir die Wirklichkeit von Vergänglichkeit und Tod nicht länger verdrängen oder ignorieren. Wir erkennen auch: Vergänglichkeit ist Lieben und Liebe zu verlieren. Und auf wundersame Weise wird die Angst kleiner weil wir begriffen haben. Aus diesem Begreifen heraus wachsen Akzeptanz und Nachsicht mit dem, wie es jetzt nun einmal ist und mit uns selbst.

Geben wir uns doch einmal selber das, was wir bisher anderen gegeben haben. Sagen wir uns: Jetzt bleibe ich bei mir. Ich kümmere mich darum, was ich fühle und was ich wirklich brauche.
Gerade in der Zeit, in der wir uns verletzt und verlassen fühlen, ist liebevolles Sorgen für uns selbst überlebenswichtig. Es ist wunderbar, wenn wir Trost und Hilfe durch andere Menschen bekommen, aber es gibt ihn nicht vierundzwanzig Stunden rund um die Uhr. Wir müssen selbst für uns sorgen.

Je nachsichtiger wir mit uns selbst sind, desto liebevoller behandeln wir uns auch in unseren Gedanken.  
Wir sind milder, da wo wir einst verurteilend und überkritisch waren oder uns selbst niedergemacht haben für Kleinigkeiten. Das was jetzt ist, ist so groß, dass es keinen Raum mehr gibt für das Kleinliche, in das wir uns gestürzt haben. Das was jetzt ist, erfordert unsere ganze Geduld, unsere ganze Rücksicht, unseren ganzen Respekt, unsere ganze Nachsicht und unsere ganze Liebe und Aufmerksamkeit für uns selbst. Und damit kann sie vielleicht zum ersten Mal gespürt werden: Die leise Ahnung der Liebe zum Leben selbst.

Dieser Weg wird kein leichter sein, aber es ist der einzige Weg, der zu dem führt, was wir alle lernen müssen: Alles, auch das eigene Leben ist endlich. Alles ist Abschied.
Nutzen wir den Tag!

 ...
Wer sich nur nach außen wendet, ohne zu sich selbst zurückzukehren, 
der geht als Gespenst um, und hat er, was er da draußen sucht, erreicht, 
so zeigt es sich, dass, was er erreicht hat, der Tod ist.
Dschuang Dsi



Mittwoch, 13. Juli 2016

Mach kein Drama draus




mach doch kein drama draus, das ist doch kein weltuntergang und ausserdem, es gibt weiß gott schlimmeres. sicher es gibt immer schlimmeres, das weiß nicht nur gott, wenn er überhaupt was weiß, von dem da unten, dem alltäglichen mist, den wir wegkehren müssen, weil wir ihn uns selbst vor die tür geschaufelt haben oder jemand anderes uns. was weiß ich, was gott weiß ? im moment weiß ich gar nichts, weil ich gerade in ein ziemlich dunkles loch gucke, das meine zukunft ist und ich nicht sehe, was mich da erwartet. das loch hat eine ziemlich große anziehungskraft, ich starre und glotze und sehe trotz aller anstrengung wirklich nichts, was mich in irgendeiner weise dazu verlocken könnte, kein drama zu machen, auch wenn ich weiß, es gibt schlimmeres als das, was mir gerade so schlimm vorkommt. ich habe auch schon schlimmeres erlebt, so ist es ja nicht. aber ganz ehrlich, nur weil ich schlimmeres erlebt habe, muss ich das, was jetzt passiert doch nicht weniger schlimm finden. wer sagt denn so was, und wer hat denn schon eine ahnung davon was schlimm für mich ist? keiner hat die und schlimmes mit anderem schlimmen vergleichen, egal ob es das eigene ist oder ein fremdes, hat noch nie was gebracht. ja, ich kann mir helfen, allerdings nicht so gut wie ich anderen helfen kann, der schuster hat selbst die schlechtesten schuhe. ich weiß auch, der dramatische anfall geht wieder vorbei. ich weiß es, weil das immer so ist. also, warum lasse ich ihn nicht jetzt sofort in dieser sekunde vorbei gehen, ich weiß doch wie das geht? weil ich keinen bock habe. punkt.

wer sagt denn, dass ich das gedankenstoppschild im hirn aufstellen muss, wenn mein bauch meint, es ist zeit für drama? mein bauch hat immer recht und mein hirn hat auch recht und manchmal haben sie gleichzeitig recht und dann wird es kompliziert, weil ich mich dann für eins von beiden entscheiden muss. wir haben nämlich immer die wahl, egal wie schlimm es kommt, sagt mein hirn und ich sage, schleich dich, auf wählen hab ich nämlich gerade auch überhaupt keinen bock. ich fühle mich mies und ungerecht behandelt vom schicksal und von einem, dem ich vertraut habe und von mir selbst. ich möchte kotzen und weinen und schreien und mich in luft auflösen und das alles gleichzeitig, aber natürlich lasse ich das. wie gesagt, ich habe schon schlimmeres erlebt und es überlebt, aber ganz ehrlich, ich habe es satt immer wieder etwas schlimmes zu überleben, ich habe sie satt diese geburtswehen wenn etwas neues geboren wird, was ja immer so ist, wenn etwas altes stirbt, sie machen mich mit der zeit mürbe. mein bauch sieht langsam auch bald aus wie mürbeteig und das gefällt mir auch nicht. im moment gefällt mir nicht viel und ich kann auch nicht viel finden, was mir im moment gefallen könnte, ich bin nämlich aus meinen gewohnten rahmen gefallen und verliere den halt. ich muss aufpassen, sonst falle ich noch in das loch in das ich stiere und dann dauert das ziemlich lange bis ich da wieder raus komme. das weiß ich auch, weil ich es schon hundert mal überlebt habe, das bodenlose.

überleben was heißt das denn? es geht doch ums leben im leben und nicht ums überleben. ha, sagt mein hirn, dann frag mal all die, die immer nur am überleben sind, eigentlich müsste es drüberleben heißen, die haben gar keine zeit übers leben nachzudenken und ins loch gucken die auch nicht, die sitzen nämlich schon drin und wie´s da drinnen aussieht geht niemand was an. wie es da drinnen aussieht, geht niemand was an, das hat meine mutter immer gesagt und ihre tränen in pullover gestrickt, damit sie irgendwo ankommen konnten und nicht umsonst geflossen sind. ich weiß schon, warum ich die nicht anziehen wollte auch wenn sie wirklich hübsch waren, sie waren mir einfach zu schwer. meine mutter hatte es wirklich schwer, sie hatte sich dann irgendwann mit dem überleben arrangiert und nicht mehr viel darüber nachgedacht, aber als sie so richtig mürbe war vom ewigen überlebenskampf, hat sie zu mir gesagt, schreib auf meinem grabstein: hier ruht ein ungelebtes leben. sie lebt immer noch und am ende überlebt sie vielleicht sogar mich, weil ich das mit dem arrangieren nicht so drauf habe wie sie. aber wer weiß das schon, nix weiß niemand und ich weiß auch nix. also gucke ich jetzt erst mal eine weile in mein loch und wenn ich lange genug hineingeguckt habe kommt dann das, was immer kommt am ende des lochs - das licht. ich weiß das, weil das licht erst dann ausgeht, wenn mein licht ausgeht und dann steht auf meinem grabstein: hier ruht ein gelebtes leben. was immer das auch heißen mag.


Dienstag, 12. Juli 2016

Gedankensplitter

Bei jedem Problem, das uns begegnet geht es darum, als wer wir das Problem angehen. 
Als wer erlebe ich das Problem? Erlebe ich es als Verlierer, als Opfer oder als ein Mensch, der weiß, dass es wieder einmal um die Frage geht: Wer bin ich und in was soll ich mich wandeln?

Montag, 11. Juli 2016

Aus der Praxis – Wir müssen nicht vergeben



Es gab eine Zeit in meinem Leben, da dachte ich, es ist notwendig zu vergeben, um sich besser zu fühlen, um inneren Frieden zu finden. Ich glaubte tief und fest, dass Vergebung ein wesentlicher Teil der Heilung ist, wesentlich um Menschen zu verzeihen, die uns verletzt haben. Allerdings stellte ich fest, dass ich mich, wenn ich meinte vergeben zu müssen oder sogar glaubte, es getan zu haben, kein bisschen besser fühlte. Im Gegenteil es ging mir noch mieser als vorher.

Ich kam zu der Erkenntnis, dass Vergeben zwei Pole hat. Zum einen bedeutet Vergeben unsere Wut und das Bedürfnis nach Rache aufzugeben. Es ist gesund den Gedanken an Rache aufzugeben, denn Rache schaufelt immer zwei Gräber. Sie trifft die oder den, an dem wir uns rächen wollen und sie trifft uns selbst, weil wir uns schuldig machen mit einer unguten Tat. Rache potenziert das Unglück, sie potenziert das Schlechte und sie ist ungut für unseren Seelenfrieden. Auch wenn der Gedanke an Rache uns erst einmal als Entastung dient, wenn wir tief verletzt worden sind, sollten wir es bei den Rachefantasien belassen, um uns selbst  nicht noch mehr Schaden zuzufügen als wir sowieso schon erlitten haben. Es ist gesünder auf Rache zu verzichten, nachdem wir sie gedanklich durchlebt haben.
Der andere Pol der Vergebung ist für mich nicht so leicht zu beantworten.
Ich habe das Gefühl, dass da etwas nicht stimmig ist, wenn wir Menschen, die uns Schlimmes angetan haben, die Absolution erteilen, indem wir ihnen unsere Vergebung schenken. Fast alle spirituellen Konzepte sprechen von der Vergebung als Heilmittel für unsere Seele, aber ist das wirklich wahr?
Wahr ist für mich nur eins: Es ist was es ist.
Und was an Ungutem geschehen ist, ist geschehen und über das Geschehene hinaus hat es Auswirkungen auf den, dem es geschehen ist. Es ist. Es ist eine Erfahrung, die schmerzt und nicht davon weggeht oder besser wird,  indem ich sie denen oder dem, der sie mir angetan hat, vergebe.

Es ist nicht nötig anderen zu vergeben um sich selbst heiler zu fühlen.

In der Praxis begegnen mir immer wieder Menschen, die behaupten, sie hätten ihren Eltern vergeben. Aber wenn wir dann gemeinsam hinschauen, erkennen wir, dass ihr Glaube vergeben zu haben zum einen nicht stimmt und ihnen zum anderen all ihre Minderwertigkeitsgefühle, ihre Trauer, ihren Schmerz und ihr Trauma, nicht nehmen konnte. Im Gegenteil viele sagen, sie fühlten sich sogar noch schlechter als zu der Zeit, in der sie noch Wut empfunden haben.

Vergebung geschieht. Wenn wir vergeben haben erkennen wir es daran, dass uns das Schmerzhafte nicht mehr schmerzt.
Wir fühlen es, wenn uns die Gedanken an das Schmerzhafte nicht mehr begleiten, wenn wir die Geschichte unserer Verletzungen nicht mehr ständig wiederholen müssen und wenn wir sie anderen nicht mehr erzählen müssen, weil sie uns quält und sich ausdrücken will. Vergebung geschieht. Für mich ist sie ein Geschenk Gottes, nichts, das wir beeinflussen können. Wir können sie nicht herbeidenken und schon gar nicht herbeifühlen. Wo sie nicht ist, ist sie nicht und wo sie nicht ist, gehört sie (noch) nicht hin. Und das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht in der Liebe sind. Wir sind dann wahrhaftig uns selbst und anderen gegenüber.

Wie soll man den Eltern, die einem kleinen unschuldigen Wesen das Leben zur Hölle gemacht haben oder irgendeinem Menschen, der einem großen Schmerz zugefügt hat, vergeben? Wie soll das gehen? Und warum sollten wir das überhaupt tun oder gar forcieren? Für wen macht das Sinn, außer für den Schuldigen, der meist sowieso durchs Leben geht und wie Pilatus glaubt seine schmutzigen Hände in Unschuld zu waschen? Es macht keinen Sinn.

Vergebung, wenn sie sich nicht von selbst einstellt, ist nichts weiter als eine Form der Verleugnung. 
Ein Verleugnen durch das wir uns selbst vorgaukeln – so schlimm war es doch nicht. Aber es war so schlimm. Ja, es war vielleicht sogar so schlimm, dass uns das Schlimme als Kind emotional in den Boden gerammt hat, so tief, dass wir bis heute aus dem Gefühl des Kleinseins, des wertlos Seins, des schlecht Seins, des nicht liebenswert Seins nicht herausfinden und über Jahre Therapie machen, die nichts verändert und im Grunde nichts weiter bewirkt, als uns einigermaßen stabil zu halten, aber keine Heilung hervorbringt. Wer zu früh oder zu sehr bemüht ist zu vergeben nimmt sich die Fähigkeit aufgestaute Gefühle fließen zu lassen und sie auszudrücken. Und was sich nicht ausdrückt drückt sich ein und zwar nach Innen. Wie können wir unser Wut  ausdrücken, wie unseren Schmerz fließen lassen, wenn wir solch elementaren Gefühlen mit dem  Wollen zu vergeben die Luft abdrücken?
Vergebung funktioniert nicht als Abkürzungsweg um heiler zu werden.
Und: Vergebung funktioniert nicht einseitig.Vergebung bedarf der Verantwortungsübernahme und zwar von beiden Seiten, also auch von der Seite derer oder dessen, denen wir sie geben. Aber was, wenn von der anderen Seite nicht die geringste Bereitschaft dazu vorhanden ist? Sind wir dann so (schein)heilig, dass wir den Schaden, der uns zugefügt wurde auch noch gut heißen, ihn ignorieren, so tun als sei nichts geschehen? Vergebung ist dann angemessen und fällt erfahrungsgemäß um ein Vieles leichter, wenn der andere seinen Teil am Unguten anerkennt.

Aber es gibt Eltern, es gibt Menschen, die dazu absolut nicht bereit sind, die uns sogar weiß machen wollen, wir allein seien schuld, wenn wir uns verletzt fühlen, die uns glauben machen wollen, wir selbst hätten das, was uns widerfahren ist sogar verdient oder angezogen und damit strafen sie unsere Gefühle der Lügen und missachten sie. Diesen Menschen zu vergeben ist Selbstverachtung und hat mit Liebe, vor allem mit Eigenliebe, nichts zu tun. Im Gegenteil wir behandeln uns damit genauso schlecht wie man uns behandelt hat. Wenn wir unsere Gefühle ignorieren, weil wir sie so wie sind nicht haben wollen oder weil wir meinen, wenn wir sie nicht hätten ein besserer Mensch zu sein, nützen wir uns selbst nicht. Wir nützen dem, der sie in uns ausgelöst hat.

Wie soll ein Kind seinem Vater vergeben, der es gedemütigt und geschlagen hat, wie soll ein Kind seiner Mutter vergeben, die ihm gesagt hat: Am Besten, du wärst gar nicht geboren. Wie soll ich als Erwachsener einem Menschen vergeben, der mich hintergeht und meine Gefühle mit Füßen tritt? Es ist nicht notwendig.
Und nein, das bedeutet nicht den Rest des Lebens in Unverzeihlichkeit, Groll und Bitternis zu verbleiben. Es bedeutet erst einmal sich selbst ernst zu nehmen. Zu beobachten wie wir in Wahrheit fühlen und es sein zu lassen ohne dirigierend einzugreifen. So wie in der Meditation – alles darf sein. Ich muss es nicht willentlich verändern, denn das bedeutet Widerstand gegen das, was ist und das bedeutet immer eins: Wir leiden mehr als nötig. Und es bedeutet auch nicht, in ewigem Nachtragen an den anderen emotional gekettet zu bleiben – es bedeutet nichts anderes als dass der innere Frieden, den wir uns durch die großmütige Vergebung schneller erschaffen wollen, genau die Zeit bekommt, die er braucht um sich ohne Druck und ohne Erwartung einzustellen. Loslassen, und das ist für mich der Kern der Vergebung , kann nur dann stattfinden, wenn all die intensiven Gefühle von Wut, Rache, Trauer und Schmerz durchlebt sind und vor allem: Wenn wir die Verantwortung dahin geben wo sie hin gehört.





Vielleicht ...






Vielleicht hast du einem Anderen deine Wunde preisgegeben.
Vielleicht hast du dich dadurch verletzbar gemacht.
Vielleicht hat dich jemand kontrolliert, benutzt, gedemütigt oder beschämt.
Vielleicht hat dich jemand belogen und betrogen.
Vielleicht hast du vertraut, wo Vorsicht nötig gewesen wäre.
Vielleicht denkst du, all das sind unverzeihliche Fehler und verurteilst dich dafür.


Vielleicht könntest du einfach sagen: Es ist kein Fehler offen zu sein und mich angreifbar zu machen. Aber ich lerne mir Menschen auszusuchen, denen ich mich öffnen kann, ohne dass sie meine Offenheit gegen mich verwenden.


"Ehe der Regen aufhört, hören wir einen Vogel.
Selbst unter dem tiefen Schnee sehen wir Schneeglöckchen und neues Wachstum."
Shunryu Suzuki

Samstag, 9. Juli 2016

Verletzt



Malerei: AW

Ein verletztes Herz braucht Zeit um zu heilen.
Es lässt sich nicht ablenken.
Es lässt sich nicht trösten.
Es lässt keinen an sich heran.
Es lässt sich nicht drängen.
Es braucht Rückzug.
Es braucht Stille.
Es braucht Tränen.
Es braucht Geduld.
Es braucht Verständnis.
Es braucht Aufmerksamkeit.
Es braucht Zärtlichkeit.
Es braucht Wärme.
Es braucht Fürsorge.

Es braucht all das von dir.
Und manchmal braucht es ein Wunder.

Freitag, 8. Juli 2016

Das kalte Herz


cold as ice,  aw

ich habe niemals geglaubt, dass es wirklich menschen gibt, die ein kaltes herz haben.
ich habe noch weniger geglaubt, dass ich mein herz an ein kaltes herz verlieren könnte.
aber es ist mir passiert. ich habe mein herz an ein kaltes herz gelegt.
vielleicht weil etwas in mir dachte, mein herz würde das kalte herz wärmen.
aber es war nicht so. das kalte herz blieb kalt.
und ich begann schrecklich zu frieren. mir wurde kalt und kälter.
dann habe ich es verlassen, das kalte herz und immer noch gedacht, ich habe mich vielleicht getäuscht. es nicht glauben wollen, dass es wirklich menschen gibt, die ein kaltes herz haben.
und ich habe gewartet, darauf, dass das kalte herz sich wandelt.
aber es hat sich nicht gewandelt.
es ist nur weiter gegangen zu einem anderen herzen, um es zu brechen.



Heile meine Wunde

O.T. AW

"Es gibt kein größeres Verlangen, als das eines Verwundeten nach einer anderen Wunde", schreibt der Philosoph Georges Batailles. Wir alle sind verwundet auf irgendeine Weise und wir alle leben mit diesen Wunden. Sie beinflussen unser Leben mehr oder weniger. Je nachdem wie tief sie sind, je nachdem wie wir sie empfinden. Auch in trage Wunden in mir, alte und neue. Wunden sind ein Teil des Menschseins. Sie zu haben ist unschön glauben wir. Sie sind es, die uns angreifbar machen. Das ist wahr. Sie sind es aber auch, die uns öffnen, für die Wunden anderer. Und es ist nicht selten, dass wir aufgrund unserer eigenen Wunde auf ein Gegenüber treffen, dass eine ähnliche Wunde in sich trägt. Die Wunde sucht die Wunde, sagt Batailles und ich gebe ihm Recht. Es ist die Wunde, die uns empathisch macht, für uns selbst und für andere. Wunden, so sehr sie unsere Integrität auch ins Wanken bringen können, haben Sinn. Sie machen uns auch aus, machen uns zu dem Menschen, der wir sind.

Hildegard von Bingen sagte einmal: Unsere Wunden werden zu Perlen, wenn sie zur Quelle des Lebens werden. Das klingt schön. Das gefällt mir und ich weiß, dass sie Recht hat mit diesen schönen Worten. Ohne meine Wunden würde ich all das, was mir wichtig ist, all das, was ich tue und Tag für Tag lebe, nicht tun und nicht tun können. Meine Wunde ist die Quelle meiner Inspiration und das Geschenk durch das ich mich in Menschen einfühlen kann und ihnen beistehen kann. Ich lebe lange genug um meine Wunden zu kennen und zu verstehen. Ich habe sie mir immer wieder angeschaut und ich habe irgendwann erkannt, dass es nicht nötig ist alle Wunden zu heilen.
Es gibt Wunden, die niemals heilen.

Sie vernarben und bei der kleinsten Berührung brechen sie auf. Dann bricht etwas heraus, was alt ist und doch anders, denn das Alte hat sich verwandelt. Im Lauf der Zeit hat es eine andere Qualität bekommen. Weil ich meine Wunden angeschaut habe, weiß ich, dass ich die Verantwortung dafür übernommen habe. Ich verstehe mich besser aus dieser Verantwortungsnahme heraus.

Die tiefsten Wunden sind die, die wir als Kind erfahren haben, die prägen sich ein. Alle Verletzungen, für die wir offen sind, sind Folgen dieser Wunde. Sie ist der Urgrund, der uns empfindlich macht und berührbar im Guten wie im Unguten. Im Guten ist diese Wunde, wie Hildegard von Bingen sagt, die Perle, die, wenn wir sie formen, unser Leben zu dem macht, was es ist - wertvoll und kostbar.
Manchmal begegnen mir Menschen, die einer Auster gleich verschlossen sind. Sie verbergen ihre Perle im Dunkel der harten Schale, weil sie sie schützen wollen, vor neuen Wunden. Aber die Perle ist dennoch da. Und von da, wo sie ist, wirkt sie über die harte Schale hinaus und bringt Dinge hervor, die es ohne sie nicht geben würde. Sie ist wie die Sehnsucht, eine Kraft die dazu da ist Schöpferisches in die Welt zu tragen. Im Schöpfersichen ist der Mensch, was er sein könnte, im Schöpfersichen spürt er sich selbst und im Schöpferischen wirkt die Wunde in ihrer anderen, positiven Qualität über das Eigene hinaus hin zu anderen. Das ist für mich Heilung, nicht "es" wegmachen.

Jedes kramphafte Bemühen die Wunde endlich los zu werden, führt nur dazu, dass sie weiter aufreisst und mehr schmerzt. Jeder Versuch die Wunde wegzudenken oder uns von ihr abzuwenden, führt zu Irrwegen in unserer Entwicklung. Das Anerkennen aber führt zur Versöhnung mit unserer Wunde. Ob sie nun heilt oder nicht spielt keine Rolle, sondern allein das, was wir mit und aus ihr machen.

Manchmal begegnen mir Menschen, die sagen, heile meine Wunde.
Dann weiß ich, das ist ein Mensch, der sich nicht annehmen kann. Du bist auch diese Wunde, sage ich dann, ich versuche es zu vermitteln, aber bei manchen Menschen führt dieser Versuch zu immer weiteren Versuchen mir genau das auszureden. Wer einen Teil von sich ablehnt, lehnt sein Ganzsein ab, weil alle Teile uns ausmachen als Ganzes, als der Mensch, der wir eben nun mal sind. Unser Ganzsein ablehnen ist Selbstverurteilung. Wer sich selbst verurteilt hat es schwer mit sich selbst und schwer mit seinen Wunden. Das Leben ist schwer genug.

Ich habe irgendwann aufgegeben mich zu rechtfertigen für das, was ich auch bin. Und ich gebe es mehr und mehr auf zu glauben, dass irgendein anderer mir das gibt, was ich mir nur selbst geben kann: Verständnis für meine Wunden oder Heilung. Das vermittle ich meinen Klienten. Ich sage ihnen auch: Ja, manchmal machen deine Wunden dich noch immer traurig und manchmal lähmen sie dich, zwingen dich zum Rückzug von der Welt da draußen. Und das darf sein. Und ja, das ist traurig. Und auch das darf sein.

Es ist in Ordnung, denn in jedem starken Gefühl liegt eine Wahrheit. Und in jedem achtsamen und liebevollen Hinwenden zu diesem Gefühl liegt die Chance ganz mit uns zu sein, mit dem Menschen, der uns am Nächsten ist, den kennen zu lernen, auch im Schmerz, für mich ein Abenteuer ist. Abenteuer sind keine Spaziergänge, sie sind voller Herausforderungen, voller Gefahren und Risiken. Manchmal sind sie schmerzhaft, aber ist nicht das auch das Leben?

Wenn wir genug vom Abenteuer habe, kommen wir wieder nach Hause, vielleicht sogar mit neuen Wunden. Wir kommen nach Hause zu dem Menschen, der uns annimmt wie wir sind - wir selbst, auch mit unseren Wunden. Wunden sind nichts Ungutes. Für mich sind sie ein Antrieb immer weiter zu machen, solange bis ich die Perle in ihrer ganzen Schönheit geformt habe.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Gedankensplitter

Jeder Versuch dich gegen das Schlechte zu erheben ist vergeudete Kraft.
Jede Anstrengung, das Schlechte vernichten zu wollen vernichtet den, der es vernichten will.

Das fremde Schlechte, lass es dort wo es hingehört.
Es ist deiner nicht wert.

Lass es nicht zu, lass es nicht zu. 
Lass los, im Wissen: Das Schlechte wird sich selbst vernichten. 



Über das Lügen



das glück verspielt (c) aw

Was sind Lügen? Lügen sind bewusst ausgesprochene Unwahrheiten um andere zu täuschen.Scheinbar bequeme Konstrukte um mit Vorsatz dem Unbequemen zu entgehen.
Machen wir uns nichts vor, wir alle lügen und es gibt sogar Leute, die behaupten wir lügen jeden Tag mindestens ein Mal. Ob das so ist? ich weiß es nicht.

An sich ist eine Lüge nichts weiter als eine Unwahrheit unter all den Unwahrheiten des Lebens. Was wahr ist, wer weiß das schon? Wer das Wahre bewusst verdreht, weiß es. Wenn es um die Lüge geht, ist das so.

Lügen sind ungut, weil jede Lüge meist eine weitere Lüge nach sich zieht, weil Lügen täuschen und jede Täuschung zu Enttäuschung führt. Und eine Enttäuschung ist immer auch eine Verletzung. Alles was verletzt ist ungut, und Lügen, die ausgesprochen oder aufrecht erhalten werden, in der Gewissheit, dass man andere damit verletzt, sind die ungutesten. Lügen zerstören Vertrauen. Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung, ohne Vertrauen zerbrechen Beziehungen.  

So mancher hat mit seiner Lügerei schon sein Glück verspielt.

Da lügt einer den anderen an, weil er zu feige ist die Wahrheit zu sagen, weil er glaubt, dass die Wahrheit ihm schadet. Das ist ungut. Da lügt einer den anderen an, im Wissen, dass er durch die Lüge den anderen, der ihm nahe steht, in eine Lage bringt, die diesem schadet. Da lügt einer, weil er sich einen Vorteil verspricht. Da lügt einer und spinnt sich selbst in ein Netz von Lügen, das ihn am Ende derart erdrückt, dass sein Leben erstickt. Da lügt einer so lange, bis er die Welt seiner Lügen nicht mehr von der Realität trennen kann und sein Leben auf dem wankenden Untergrund der Lügenkonstrukte an Bodenhaftung verliert. Er katapultiert sich ins Aus und verliert sich selbst und die, die ihm nichts mehr glauben können. Da belügt sich einer selbst und dass ist die schlimmste aller Lügen, denn die Selbstlüge zieht alle anderen Lügen nach sich. Diese Lüge vergiftet die Seele.

All diese Lügner sind Betrüger. Sie betrügen andere um die Wahrheit. Sie wägen ab, bevor sie lügen. Das ist berechnendes Lügen. Sehr ungut. Solche Lügen schaffen Leid, bei den Belogenen und beim Lügner, der sich vermeintlich in Sicherheit wähnt. Aber Lügen haben, wie man sagt, kurze Beine. Sie tragen nicht lange, auch und gerade den Lügner nicht. Zur Lüge gesellen sich immer Berechnung; Manipulation und Taktieren. Und das ist auch sehr ungut, nicht zuletzt, weil das Taktieren auch den, der taktiert, in eine innere Schieflage bringt. Wenn die Lüge dann ans Licht kommt, und Lügen kommen immer ans Licht, ist dieser Jemand nicht mehr glaubwürdig. Er hat sein Glück verspielt auf das er mit gezinkten Karten gesetzt hat.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, hat meine Großmutter, Gott, hab sie selig, immer gesagt. Sie hat Recht. Die Entscheidung die Lüge erst gar nicht zu benutzen hat mit Aufrichtigkeit zu tun, sie hat mit Mut und mit Achtung den Menschen gegenüber zu, denen sie schaden würde. Es gibt nicht viel Mutige unter den Menschen. Es ist nicht mutig zu lügen, aber es ist mutig nicht zu lügen.

Ich denke nach, noch immer ...  und komme zu dem Schluss, dass die schlimmste Lüge die ist, die eine Wahrheit in die Welt setzt, die die Wirklichkeit verdunkelt, auf Kosten anderer, um den eigenen Arsch zu retten.

...

Je mehr Schwäche, je mehr Lüge. Die Kraft geht gerade.”
Jean Paul