Donnerstag, 30. Juni 2016

Ich liebe Köpfe

und ich bin glücklich

Friedlich




foto: lucas


sie hörte die stimmen
all die stimmen die ihr einredeten

wer sie sei
wer sie sein sollte
wie sie leben sollte 
wie sie denken sollte 
wie sie fühlen sollte
was sie aus sich machen sollte 
was sie sein könnte wenn sie es sein wollte 
was sie erreichen könnte wenn sie es wollte
was sie glauben sollte und was sie nicht glauben sollte
was sie lassen sollte und nicht lassen sollte 
was sie glauben sollte und was sie nicht glauben sollte

sie atmete es ein 
lang und tief das einreden
und hielt es fest eine weile

und dann atmete sie es aus 
das eingeredete

und es ward still
so still
dass sie ihre eigene stimme hörte
 es ward still 
so still
wie frieden sein kann

Montag, 27. Juni 2016

Aus der Praxis – Von Sinn und Verzweiflung




Wenn wir zufrieden sind mit unserem Leben, wenn wir Glück empfinden, wenn es uns gut geht, denken wir nicht über den Sinn nach. Das Nachdenken über den Sinn im Leben stellt sich meist dann ein, wenn wie Erschütterungen erfahren oder eine Krise erleben.
Aber was ist Sinn? 

Das Leben wird als sinnvoll erfahren, wenn wir Ziele haben, wenn wir einverstanden sind mit dem, was ist und wie es ist. Sinnvoll erleben Menschen ihr Leben, wenn  es einen wertvollen Zusammenhang zwischen dem ICH und dem Ziel des eigenen In-der-Welt-seins gibt. 
Oder um es mit den Worten Viktor Frankls zu sagen: “Wer ein Warum im Leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Dieses Warum ist es, das uns hilft, auch problematische, leidvolle und krisenhafte Zeiten zu überstehen. Die Wurzel unserer seelischen Gesundheit liegt darin ein Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zu haben, was bedeutet, das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu empfinden und die Erfahrung im Leben etwas zu bewirken. Dieses Gefühl stärkt das Selbstbewusstsein gegenüber Fremdbestimmung und dem Geworfensein in die Welt. Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle bedeuten – ich wirke von Innen ins Außen, ich gestalte mein Leben nach meinen Vorstellungen und Werten, nach meinen Anlagen und meinen Fähigkeiten, die ich habe und deren ich mir bewusst bin und - ich setze diese auch um. Der Verlust von Selbstkontrolle und der Verlust der Erfahrung von Selbstwirksamkeit in der Begegnung mit dem Leben, führt zu Ängsten und Depressionen, zu Identitätskrisen und Sinnverlust, und schließlich in die Resignation vor der scheinbaren Übermacht des Außen.

Wer sich seiner Selbst nicht bewusst ist, wer sich selbst keinen Wert zuschreiben kann, verliert sich selbst. Wer sich selbst nicht als wertvoll und als wertvollen Teil in seiner persönliche Welt empfindet, beginnt sich zu schämen, er beginnt sich selbst zu verachten und endet im Zweifel in einer Spirale lähmender Hilflosigkeit, die nach Oben immer enger wird. Er fühlt sich als Spielball des Schicksals und verhält sich so. Er lässt sich treiben im Meer der gefühlten Sinnlosigkeit, mit dem Gefühl zu ertrinken, wenn von Außen keine Rettung kommt.

Aber schafft Selbstbewusstsein allein schon Sinn?
Nein, denn unser Selbstbewusstsein ist eine labile Größe, es ist leicht zu erschüttern und manipulierbar. Wenn in Krisen oder bei Verlusten Selbstverwirklichungswünsche mit dem Erlebten kollidieren, bekommt unser Selbstwertgefühl Risse oder es geht im schlimmsten Falle verloren. Je nachdem wie hoch oder wie niedrig der Eigenwert empfunden wird, leidet der Mensch an den Brüchen in seiner Biografie. Er scheitert am Verlust des Eigenwertes, nicht aber an dem, was ihm geschieht. Wer seinen Wert als Mensch erkennt und fühlt, wird zwar in der Krise auch leiden, er wird vielleicht sogar für eine Zeit lang Sinnverlust empfinden, aber er wird den Sinn wieder herstellen den Sinn, denn er weiß -  er allein ist der Schöpfer seines persönlichen Lebensinns. Und dieser kann und darf sich wandeln. 

Sinnverlust stellt sich nicht radikal ein, er ist dann bedroht, wenn wir nichts haben, was uns von Innen hält, dann wenn alles Äußere, wegfällt. Je stärker wir den Sinn an Dinge, Geld, Status, Erfolg und andere Menschen binden, desto tiefer der Fall ins Sinnlose, wenn diese Dinge oder diese Menschen aus unserem Leben verschwinden. Dann den Sinn des Lebens wiederzufinden, heißt nichts anderes, als eine neue Vorstellung von sich selbst und dem sozialen Umfeld wiederzufinden in das wir uns selbst wirksam einbringen können. Nur die klare Vorstellung von dem, was wir sind und sein wollen, das Gewahrsein der eigenen Identität verbunden mit dem Wirken selbstständigen Handelns vermittelt uns das Gefühl von Sinnhaftigkeit, das wir daran festmachen können, dass wir uns innerlich gefüllt fühlen. Nichts was von Außen kommt, nur unsere eigene erlebte Gestaltungsmacht füllt unsere Seele. Die Welt wird dann als sinnvoll, als verstehbar- und gestaltbar erfahren, wenn wir eine klare Vorstellung von uns selbst haben, wenn wir wissen wer wir sind und was wir von unserem Sosein in die Welt geben wollen.

Das Leben schuldet uns nichts, nicht einmal einen Sinn, aber wir „schulden“ dem Leben etwas - ihm einen Sinn zu geben.  
Tun wir das nicht machen wir uns an uns selbst „schuldig“, in dem Sinne, dass wir uns selbst verwehren oder zerstören, was uns der Schöpfer geschenkt hat – unser Leben. In der Sinnkrise verachtet der Mensch sein Leben – im Sinne von, er achtet es nicht mehr. In der Missachtung des eigenen Daseins wird die eigene Identität konturlos oder sie löst sich gänzlich auf, in der Depression beispielsweise und schließlich in der Verzweiflung, dem schlimmsten Affekt. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard wagte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Behauptung, kein Mensch lebe oder habe gelebt, ohne dass er verzweifelt gewesen sei. Daher sei es keine Seltenheit, dass jemand verzweifelt, sondern - im Gegenteil - das Seltene, ja sogar das sehr Seltene sei, dass jemand nicht verzweifelt ist. Und er behauptete weiter: „Sich nicht bewusst zu sein, dass man verzweifelt ist, heißt noch lange nicht, nicht verzweifelt zu sein.“

In der Sinnkrise wird die Verzweiflung ins Unbewusste verlagert. Die Leere, die gefühlt wird, ist nicht anderes als schiere Verzweiflung am Verlust des Lebenssinns, die Verzweiflung am eigenen Sein, das wirkungslos in der Welt erstarrt und als nutzlos empfunden wird. 

„Zweifeln“ heißt zweifachen Sinnes sein, sich in der Schwebe zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten halten. So mündet zweifelndes Denken im besten Falle aus dem wogenden Meer der Möglichkeiten in den sicheren Hafen. Das Ziel des Denkens geht vom Ungewissen über das Mögliche zum Ziel hin. Wer aber am Leben verzweifelt erlebt den Verlust aller Möglichkeiten und damit den Lebenssinn.

Wir alle können den Sinn verlieren, auch ich kenne das. Immer wieder gibt es Momente in meinem Leben in dem die Verzweiflung wie eine riesige Welle über mir zusammenbricht. Momente, in der die Ohnmacht jeden Glauben an den Sinn wie ein schwarzer Schatten überfällt. Dann schwimme ich um aus der Tiefe der Wellen wieder nach Oben zu kommen. Leicht ist es nicht, es erfordert Kraft und führt auch immer zu Kraftlosigkeit, aber es heißt auch: Überleben, trotz und mit der Schwäche, die immer noch ausreicht um einen Sinn zu finden, auch da wo der alte verloren ist.

Sinnsuche und Sinn geben, das können nur wir selbst für uns tun. Wir finden ihn nicht indem wir Vorgedachtes und Vorgelebtes übernehmen.  
Den Sinn des Lebens muss jeder selbst für sich suchen und finden, und im Zweifel auch wieder verlieren und wieder neu finden. Der Mensch ist Schöpfer, der sich zu jedem Zeitpunkt seiner Biografie selbst aus der Taufe hebt, wenn er sich dessen bewusst ist. Es ist an uns selbst den Sinn in das eigene Leben hineinzulegen, um ihn dann herauslesen zu können. Das ist Sinngebung und das ist Sinnempfinden. Den Sinn des Lebens finden, heißt nichts anderes, als sich in bestimmte Zusammenhänge hinein zu denken. Dem eigenen Leben Sinn zu geben heißt, die Zusammenhänge in unserem Leben erkennen, den roten Faden zu erforschen, ihn weiter zu spinnen und zwar an unserem eigenen Spinnrad und nicht die Fäden den Händen anderen zu übergeben. 
 
Kierkegaard behauptet nicht, dass der Zweifel notwendigerweise zur Verzweiflung führt. Er behauptet nur, dass der Zweifel sich dann in Verzweiflung ergibt, wenn er an einen Punkt gelangt, an dem er nicht mehr weiter weiß. Solange wir noch zweifeln, verzweifeln wir nicht, dann gibt es noch Alternativen und Möglichkeiten. Erst wenn diese restlos ausgeschöpft sind, macht sich die Verzweiflung breit, dann ist der Mensch erschöpft – es kommt zum Bruch zwischen Ich und Welt.

Das ist der Moment wo wir alleine nicht mehr weiterkommen. Der Moment in dem es Sinn macht sich Hilfe zu holen, um mit dieser Hilfe nach dem Sinn zu suchen, der uns aus dem tiefen Meer der Verzweiflung nach oben zieht, Hilfe, die uns Denk- und Handlungsalternativen anbietet die uns zu einer zu einer neuen existentiellen Einstellung verhelfen. Meine Gewordenheit erkennen, Eigenverantwortung übernehmen und Konsequenzen für den weiteren Lebensweg zu ziehen, das bedeutet, Sinngebung für mich. Denn erst wenn es uns gelingt die Vergangenheit anzuerkennen und sie produktiv und sinngebend auf unsere Gegenwart zu beziehen, können wir lernen, angemessener mit der Gegenwart und der Zukunft umzugehen. Sinn wird von uns selbst gegeben. Wie das Glück, können wir den Sinn nicht herbeiwünschen. Eine solche Einstellung dem Leben gegenüber ist zum Scheitern verurteilt.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Go for it!



Foto: performance art depot, Mainz

ein kreatives leben leben, heißt nicht, ich mache ab jetzt nur noch kunst oder musik oder ich werde schriftsteller. ein kreatives leben leben heißt: neugierig sein und es bleiben, die dinge zu tun, die du liebst und sie so oft zu tun, wie es möglich ist. kreativ leben heißt, die kleinen träume zu leben, dein ding durchzuziehen, weil es das beste ist, was du tun kannst um deinem leben schönheit, sinn und freude zu verleihen. ein kreatives leben ist ein erweitertes leben, ein schöperisches, interessanteres und ein erfüllteres leben. go for it!

Dienstag, 21. Juni 2016

Über das Trösten



Foto AW

Ratschläge sind Schläge. Diesen Spruch haben wir alle schon einmal gehört. Und trotzdem, wie bei allem, was wir schon einmal gehört oder sogar verinnerlicht haben, es nützt nichts. Es nützt nichts im Sinne von - wir machen es trotzdem. Immer und überall werden Ratschläge gegeben. Eltern raten ihren Kindern, meistens von etwas ab, Bekannte raten Bekannten, Freunde raten Freunden, besser wissend, wie sie mit etwas umgehen sollen, müssen. Gute Ratschläge sind gut gemeint, aber sie helfen dem, der sie bekommt, gar wenig oder gar nicht.
Warum?
Weil jeder Mensch anders tickt. Weil keiner die Empfindungen des Anderen spüren kann. Verstehen ja, spüren nein. Verstehen aus seiner Sicht von Welt, aus seinem Erfahrungshorizont heraus, aus seiner Gefühlswelt heraus. Einander verstehen und einen anderen fühlen, ist ein himmelweiter Unterschied. Auch mit noch so viel Empathie gelingt es uns nicht, das Gefühl des Anderen in gleicher Feldstärke zu fühlen und uns in seinen seelischen Zustand oder uns in sein konkretes Problem einzufühlen.

Jeder von uns hat eine andere Empfindung der Dinge, bewertet Erfahrungen und Erlebnisse anders.  

Was für den Einen überhaupt kein Problem ist, ist für den Anderen eine schwere Belastung, die die Seele quält oder ihn verzweifeln lässt. Da hilft es nichts, zu sagen: Du musst nicht traurig sein, du musst keine Angst haben, du bist so ein starker, wunderbarer Mensch. Da hilft auch kein: Du musst das so und so machen, nur weil man selbst es so und so machen würde. Der Andere kann es nicht machen wie wir es machen würden, eben weil er ein Anderer ist. Und er muss es auch nicht, weil er sein eigener Mensch ist und weil kein Mensch müssen muss was andere meinen, was er müsste.  Letzlich nicht selten auch, damit sie sich besser fühlen, ob ihrer erfolgreichen Beratschlagung. Ich weiß aus Erfahrung, dass damit sogar bisweilen eine Gegenreaktion erzeugt wird. Der mit Rat Geschlagene wendet sich ab. Oder der Ratschlagende, weil sein guter Rat nicht befolgt wird, ist sauer und wendet sich ab.

Was braucht ein Mensch, der feststeckt, der Sorgen hat, oder verzweifelt ist?

Er braucht es ernst genommen werden und nicht, dass sein Problem, seine Angst, seine Verzweiflung beratschlagt werden. Was dieser Mensch sich wünscht ist Achtung vor seinem Gefühl, Verständnis für seine Lage, Annahme als der, der er ist und Trost. Und das Wichtigste: Er braucht unser Vertrauen, dass er auf seine Weise, in seinem Tempo und in seiner Gangart sein Problem lösen wird. Damit achten wir den Anderen und lassen ihm die Zeit und den Raum, die er braucht, um seinen Weg zu gehen und im Leben weiter zu bestehen. Wir lassen ihm das Seine und sind einfach da. Wir hören zu und stellen vielleicht Fragen, wenn er zustimmt, um ihm zu helfen seine eigenen Antworten und Lösungen zu finden.

Alle Antworten auf das, was mit uns zu tun hat, liegen in uns selbst. Sie offenbaren sich dann, wenn es an der Zeit ist.

Mit Ratschlägen wollen wir schnelle Lösungen für andere konstruieren, aus unserem persönlichen Erfahrungsschatz heraus. Die Erfahrung sagt: Es macht keinen Sinn. Es macht Sinn, anstatt zu ratschlagen, zuzuhören. Einfach da zu sein, auch wenn wir das Fühlen und Denken des Anderen für uns selbst nicht nachvollziehen können. Ohne beleidigt zu sein, dass der Andere nicht macht, was wir ihm sagen. Er kann es nicht. Er muss es auch nicht können. Er kann das, was er kann - mit den Informationen, die er zu genau diesem Zeitpunkt hat, als der Mensch, der er zu diesem Moment in der Zeit ist.

Einander achten, einander wohlwollend zuhören und einander trösten, das öffnet Herzen.

Das Trösten haben viele Menschen verlernt. Trösten bedeutet: Sich wirklich um ein Verstehen des anderen zu bemühen und das Eigene herauszulassen, sich dem Anderen aufmerksam zuzuwenden, ihn ernst zu nehmen und in seinem Leid anzunehmen. Das ist viel anstengender und zeitintensiver als ein guter Ratschlag oder ein: Du musst nicht ... Das dauert länger als einen Moment und es bedeutet wirkliches Interesse am Mitmenschen und es bedeutet, das Eigene nicht mit dem Fremden zu vermischen. Es bedeutet, dem Anderen sein Anderssein zu lassen, auch wenn wir es für uns nicht begreifen können und es gern anders hätten.


Sonntag, 19. Juni 2016

Aus der Praxis – Über Schmerz, Verlust und Trauer

Wenn die Wirklichkeit, wie wir sie kennen, zerbricht, machen sich Unordnung und Chaos breit - wir fallen ins Leere. Angst und Verzweiflung machen sich breit. Verlieren wir einen Menschen, mit dem wir unser Leben geteilt haben, verlieren wir die alte Identität des Miteinanders. Wir verlieren, was uns einen Halt, einen Bezugspunkt und einen Sinn gab. Der Verlust eines Menschen fühlt sich an als hätten wir einen Teil von uns selbst verloren. Wir vermissen nicht nur den den Menschen, wir vemissen die Gewohnheiten, die wir mit ihm geteilt haben, wir vermissen das Gefühl, dass jemand an unserer Seite ist, wir vermissen, dass wir die Aufgaben, Probleme und die Sorgen des Alltags teilen können, wir vermissen die gemeinsamen Gespräche, wir vermissen die Beziehung an sich und wir vermissen das Gefühl geliebt zu werden und zu lieben. Es ist völlig egal warum wir diesen Menschen verloren haben - ob er gegangen ist, ob wir selbst gegangen sind oder ob der Tod uns von diesem Menschen getrennt hat, wir erleben einen Verlust.

Plötzlich ist da eine Lücke in unserem Leben, ein riesiges dunkles Loch, das sich vor uns auftut, und wir wissen nicht womit wir es füllen könnten. 

Dieses Loch füllt sich zunächst einmal mit all den Gefühlen von Trauer, Angst, Wut, Ohnmacht und vielleicht sogar Verzweiflung. Wir gehen durch alle Phasen der Trauer, die sich bei einem Abschied einstellt. Diese Phasen hat die Psychoanalytikerin und C.G. Jung Schülerin Verena Kast so zusammengefasst: Den Schock des Nicht-Wahrhaben-Wollens, Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit herrschen vor. Die Phase der aufbrechenden Emotionen: Gefühle bahnen sich ihren Weg. Schmerz, Wut, Zorn, Traurigkeit und Angst, wobei je nach der Persönlichkeitsstruktur des Trauernden andere Gefühle vorherrschen. Beim einen sind es Wut, beim anderen Schmerz, beim nächsten sind es Schuldgefühle, die er sich macht, weil er meint, er hätte das, was ist verhindern können oder er sei gar verantwortlich für das, was ist. Diese Gefühle haben einen Sinn, sie müssen durchlebt werden, sie müssen an die Oberfläche. Werden sie unterdrückt kommt es nicht selten zu einer andauernden Melancholie, zu Depressionen und zur Desorientierung im weiteren Lebensverlauf.

Eine weitere Trauerphase ist die des Suchens und Sich-Trennen

Auf jeden Verlust reagieren wir mit Suchen. Im Schmerz der Trauer suchen wir nach dem verlorenen Menschen, wir suchen nach dem gemeinsamen Leben, wir suchen in Erinnerungen, wir suchen an gemeinsam besuchten Orten, in den Gesichtern Fremder, in Gewohnheiten, die wir aufrecht erhalten um, was uns Halt gab, nicht auch noch zu verlieren. Im Verlauf dieses Suchens, Findens und Wieder-Trennens, so Kast, kommt irgendwann der Augenblick, wo der Trauernde die Entscheidung trifft, wieder ja zum Leben und zum Weiterleben zu sagen. Kommt dieser Augenblick nicht, verharren wir in der Trauer. Wir können nicht loslassen, wir lösen die Fäden nicht, die uns an den Anderen gebunden haben - wir bleiben gebunden an die unwiderbringliche Vergangenheit, unser Leben im Jetzt stagniert. Wir erstarren emotional. So wird aus Schmerz das Leiden. Wir leiden immer, wenn wir etwas verloren haben und wir leiden, wenn wir etwas Erwünschtes nicht haben können. Das Leiden, sagt Buddha, hat eine einzige Wurzel - das Verlangen. 

Es ist schwer kein Verlangen mehr zu haben. Sich endgültig zu verabschieden bedeutet - nicht mehr zu verlangen, dass das Alte wiederkehrt.  

Das Ende des Leidens heißt, dieses Verlangen, diesen Wunsch zu begraben. Es bedeutet zu akzeptieren was ist - loszulassen was nicht mehr ist und die neue Wirklichkeit anzuerkennen wie sie ist. Ja, so ist es! Das bedeutet es annehmen. Es hilft diese Worte immer wieder zu sagen, ich weiß es aus Erfahrung. Ein kluger Mann gab mir diese Worte in meiner Trauer und ich sage sie, ich wiederhole sie immer dann, wenn ich den Drang verspüre mir zu wünschen, dass die Dinge anders zu sein hätten, als sie sind. Dieses Ja zu dem was ist heißt nicht, dass es weniger schmerzt, heißt nicht, dass es weniger schlimm ist - es heißt: Ja, es ist schlimm, aber ich akzeptiere den Schmerz, ich will ihn auch nicht wegmachen. Ich lasse ihn sein und versuche ihn nicht zu verdrängen, ich lasse ihn sein, solange er da ist. Ja, so ist das!, macht den Schmerz erträglicher, weil der Widerstand wegfällt und weil das Verlangen wegfällt es anders haben zu wollen.  

Wir leiden weniger, wenn wir den Schritt wagen kein Verlangen mehr zu haben. Es ist wahr. Es ist wahr, weil es keinen Sinn macht, nach etwas zu verlangen, was für uns nicht erreichbar ist.

Das ist eine schwere Aufgabe für alle Menschen, denn wir Menschen haben Verlangen und wir haben Wünsche. Wir sind nicht Buddha und nicht so erleuchtet, dass die bloße Erkenntnis ausreichen könnte um unseren Schmerz zu lindern. Aber wir können lernen, aus dem Schmerz kein Dauerleid zu erschaffen indem wir an Verlorenem hängen bleiben. Oh ja, es ist verlockend, denn das Hängenbleiben, das Gebundenbleiben an das Verlorene, an den Menschen, den wir verloren haben, füllt die Lücke des Verlustes - wir müssen nicht nach dem Neuem suchen, was sie füllen könnte. Wir suggerieren uns damit unbewusst: Da wo eigentlich Leere ist, ist noch Fülle, die Fülle des Vergangenen. Das Gebundenbleiben soll uns bewahren vor diesem entsetzlichen schwarzen Loch, das sich auftut, wenn wir Ja zu dem sagen, was nicht mehr ist.

Trauer hat keine begrenzte Zeit und jeder Mensch braucht seine Zeit der Trauer. Die Einen mehr, die Anderen weniger. Trauer lässt sich nicht abkürzen und nicht beschleunigen.  

Jede Trauerphase kann Wochen, Monate oder Jahre dauern und die Phasen können einander immer wieder abwechseln. Trauer ist eine Achterbahn der Gefühle. Trauer erfordert viel Geduld mit uns selbst. Sie erfordert aber auch, dass wie irgendwann begreifen, dass Verluste zum Leben gehören. Verluste sind allgegenwärtig und unvermeidlich. "Verluste sind notwendig, weil wir an ihnen wachsen. Nur durch sie werden aus uns vollentwickelte Menschen", schreibt der argentinische Autor, Psychiater und Gestalttherapeut Jorge Bucay über Verlust und Trauer. Verlust und Trauer sind Anpassungsprozesse. Wohl gemerkt: Prozesse. Jeder Prozess hat verschiedene Stadien und Ebenen in denen er verläuft. Wir können diesen Prozess weder beschleunigen noch manipulieren, aber wir tun gut daran uns ihm zu überlassen. Damit beginnen wir bereits ein wenig loszulassen.

Im Loslassen beginnt langsam und allmählich das, was Verena Kast den neuen Selbst- und Weltbezug nennt.

Nachdem wir unseren Schmerz, unsere Wut und unsere Verzweiflung gefühlt haben und herausschreien durften, nachdem alle Anklagen und Vorwürfe gegen Gott, das Schicksal und das Leben gemacht werden durften, kehrt mit der Zeit allmählich Frieden in die Seele zurück. Der Verlust hat dort seinen Platz gefunden. Das Herz wird ruhiger. Wir erkennen, dass unser Leben auch ohne den Anderen weitergeht und dass wir selbst dafür verantwortlich sind die Lücke zu füllen. Die große Herausforderung besteht jetzt darin, Wege zu finden uns ein neues Leben zu gestalten, was uns, weil es so ganz anders ist als das alte Leben, unendlich schwer fällt.  In diesem Moment kommen dann Fragen wie: Wer bin ich? Was will ich? Wohin will ich gehen? Was gibt meinem Leben noch einen Sinn oder was gibt ihm einen neuen Sinn? Es braucht wieder Zeit um die Antworten zu finden. Und machmal brauchen wir auch in dieser Zeit Hilfe um sie zu finden. Ich habe in meiner Trauer Hilfe gesucht und sie gefunden. Ich habe eine Antwort für mich gefunden um nach meinem Verlust weiter gehen zu können: Die Antwort ist: "Ich bin ich und ich bin das, was ich liebe und was ich tue." Damit schließe ich die Lücke Tag für Tag ein bisschen mehr. Das schwarze Loch ist nicht mehr so bedrohlich, auch wenn mich die Verluste in meinen Leben noch immer schmerzen. Ja so ist das! Und ja, das ist schlimm. Aber ich liebe das Leben zu sehr, als dass ich dem Schmerz die Macht geben will zu Leid zu werden. Leiden gab es zu oft und zu lange in meinem Leben. Wir müssen immer weitergehen um das Ende des Weges zu erreichen. Dieses Ende ist unser persönlichster Verlust, der eigene Tod. Aber bis dahin ist Leben und das ist für mich das größte Geschenk meines Schöpfers. Ich bin dankbar für das meine, trotz aller Verluste.

Samstag, 18. Juni 2016

Erinnerung



wenn wir alt sind, sagtest du, sitzen wir auf einer bank, friedlich zusammen am ententeich.
ich werde alt.
du bist lange schon fort.
ich meide ententeiche.

Authentisch sein – Risiken und Nebenwirkungen

 
Foto.AW

Authentizität ist ein Modewort unserer Zeit. Authentisch sein wollen viele und genauso viele nehmen es für sich in Anspruch, aber vor allem, viele fordern von Anderen, dass sich es doch bitteschön sein sollen.  Ich bin authentisch, das klingt nach menschlicher Größe, nach Souveränität und Reife. 

Aber was bedeutet es wirklich, authentisch sein?
Authentizität ist nicht etwa eine Erfindung der Moderne, sondern eine alte Tugend, die sich der Philosoph Jacques Rousseau (1712–1778 ), seinerzeit von den Menschen im sozialen Umgang miteinander wünschte. In seinen Schriften finden sich jene Bedenken gegen das Spielen einer Rolle und das Tragen einer Maske, die heute noch gelten. „Ich mache mir selbst und anderen nichts vor, ich stehe zu mir, ich bin wer ich bin und ich lebe danach.“ So etwa die Essenz des Denkens des Vertreters der Echtheit und Aufrichtigkeit Jean-Jacques Rousseau, in Kurzform. 

Was Rousseau jedoch vergaß ist, dass dem Menschen neben einer „Zeige- und Offenbarungstendenz“ auch die entgegengesetzten Tendenzen der „Scham und der Verhüllung des Intimsten“ eigen sind.

Rousseaus Ethos der absoluten Echtheit gegenüber steht das im Menschen angelegte Distanzverhalten, welches darauf ausgerichtet ist, den Mitmenschen nicht immer und überall mit den eigenen Befindlichkeiten, Gefühlen und intimsten Gedanken zu begegnen, sie so zu befremden, zu schockieren oder gar zu beleidigen. Man stelle sich einmal vor, wir zeigten uns immer und überall genauso so, wie wir im tiefsten Innersten sind. Also schonungslos echt, im Fühlen, Denken und Handeln übereinstimmend, denn das genau ist es, was Authentizität ausmacht, möglicherweise gäbe es dann noch mehr Hass, Neid, Mord und Totschlag.

Anders gefragt: Ist es wirklich sinnvoll immer „echt" und "wahrhaftig" zu sein? Wollen wir denn überhaupt mit den „echten“ Befindlichkeiten unserer Mitmenschen behelligt werden? Wollen wir denn, dass jeder alles von uns weiß? Haben wir nicht vielmehr ein genuines Interesse daran unser Innerstes zu schützen?

So manch Einer begreift sich selbst nur allzu gern als authentisch, ohne allerdings genau zu wissen, wovon er da redet. Dass die Existenz in der Vielfalt der sozialen Rollen, die wir tagtäglich performen, den Menschen unecht macht und von sich selbst entfremdet, darüber sind sich alle klugen Geister einig. Aber wir sind nun einmal an verschiedenen Orten, im unterschiedlichen Kontext, in unterschiedlichen sozialen und zwischenmenschlichen Kontakten, verschieden Handelnde und sogar verschieden Fühlende und Denkende. Ich kann nicht professionell sein, wenn ich anderen zu viel oder gar alles von meinem Eigenen präsentiere. Das wäre zwar ziemlich radikal, möglicherweise aber sogar grenzverletzend und irgendwie auch narzisstisch, aber vor allem bisweilen, je nach Gefühlslage, sogar verstörend für das Gegenüber.

Authentisch sein, immer und überall, jedem gegenüber? Was hätte das für Folgen für den Einzelnen und das Kollektiv? 

Man darf nicht vergessen, das hinter Rousseaus Plädoyer für Authentizität ein ausgeprägtes Interesse an Sicherheit, an einer zuverlässigen Verknüpfung von innerem und äußerem Sein gegenüber den Mitmenschen, steckt. Ich zitiere: „Wie angenehm lebte es sich unter uns, wenn die äußere Haltung stets das Abbild der Herzensneigung wäre?“ ( Rousseau).  Nur, was dann, wenn die Neigung des Herzens keine gute ist? Wo führt sie dann im Zweifel hin? 

Drop off the mask and let see! In manchen Fällen besser nicht!

Rousseau wandte sich gegen die kultivierte Form der Täuschung und gegen Maskenträger. Das Tragen der Maske, das Spielen einer Rolle bedeutete für ihn den Urgrund des Leidens dessen, der sich der Scheinheiligkeit der gesellschaftlichen Regeln unterwarf. Weiter glaubte Rousseau, jegliches Rollenspiel führe zur Fremdbestimmung und somit in der Folge zur Entfremdung von sich selbst und vom Mitmenschen. „Man wagt nicht mehr als das zu erscheinen, was man ist. Was er ist, ist nichts, was er scheint ist alles.“ (Rousseau) 

Insofern hatte Rousseau Recht, die Lust zu Gefallen und die Angst sich selbst zu sein und das auch zu zeigen, verhindert naturgemäß Authentizität. Wie weit diese jedoch gehen soll um nicht kontraproduktiv zu wirken, wie weit der Mensch sich bedecken muss, um nicht völlig transparent zu werden und damit antastbar und verwundbar, darüber machte er sich weniger Gedanken. 

In der Moderne ist Authentizität eine Besonderheit, eine charakterliche Größe, welche den Menschen über seine „unechten“ Zeitgenossen erhebt. „Dieser Mensch ist absolut authentisch“, wird als Kompliment empfunden. Ein Kompliment, dessen Bedeutung der Mehrzahl in seiner absoluten Tragweite fremd bleibt.

Was, wenn sich jemand plötzlich outed und sein intimstes Leben Preis gibt, und damit auch denen gegenüber, die das nicht als eine Offenbarung des Herzenswunsches absoluter Ehrlichkeit achten, sondern mangels eigener Herzensbildung über ihn herfallen weil das, was er auch ist, ihnen missfällt oder gar gegen ihre bigotte Moral verstößt? Was, wenn ich meinen Schatten anderen, die nur darauf warten mich anzugreifen, zum Drauftreten anbiete? Dann bin ich zwar authentisch, aber wem nützt das und vor allem, wem schadet es? Mir selbst. Die Anderen sind die Anderen und nicht mein Seelenheil und manche Andere sind geradezu gierig auf die Schattenaspekte ihrer Mitmenschen, damit sie das eigene Ungelebte und Verdrängte schamlos und unreflektiert darauf projizieren können.

Hand aufs Herz, Ihr Lieben, in welcher Welt leben wir denn? In einen Welt der Herzensbildung? 

Nein, wir leben zunehmend in einer Welt der einsamen Wölfe, von denen immer mehr für sich selbst reißen, was es zu reißen gibt, in einer Welt, deren Existenzkampf den Einzelnen überfordert und zwar jung und alt gleichermaßen.

Herzensbildung und Schöngeistigkeit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit wurden uns nicht gelehrt und unsere Kinder lernen auch nur, wie sie funktionieren müssen um Leistung zu bringen und zum dumpfen Konsumenten zu werden, anstatt zu einem mündigen Menschen, der für sich selbst steht und für sich einsteht. Wer authentisch ist muss sich warm anziehen um im kalten Klima des Zeitgeistes zu überleben. Er ist ein Sonderling. Er hat es schwer, denn er hat die Verpflichtung übernommen, sich selbst gegenüber wahrhaftig zu sein gegen alle Widerstände und Angriffe.

Die alles entscheidende Frage bezüglich Authentizität aber lautet für mich: Weiß ich wirklich wer ich wirklich bin, mit allem was mich ausmacht, dem Hell und dem Dunkel, kenne ich meine Schatten so genau, dass ich sagen kann wie sie aussehen und bin ich dazu fähig radikal und schonungslos ehrlich mir selbst gegenüber zu sein und das auch vor anderen genauso ehrlich auszudrücken? Kenne ich mich tatsächlich in meinem ganzen Sein? Wenn ja wäre das authentisch. Aber es wäre vermessen, das von mir selbst sagen zu wollen. Und wenn ich es doch wäre und es dann radikal lebe, ist es dann nicht auch authentisch mich da zu schützen, wo ich anderen einen Angriffspunkt bieten würde oder ihnen geradewegs ins gewetzte Messer liefe?
Darüber sollten so manche Zeitgenossen, die das Hohe Lied auf die Authentizität singen und sie von Anderen fordern, bevor sie sich um ihre eigene Wahrhaftigkeit Gedanken gemacht haben, einmal nachdenken.


Freitag, 17. Juni 2016

Entwicklung

Foto: AW
 


Entwicklung heißt einzigartig werden und dennoch ein Teil im Ganzen bleiben. Das ist eine Herausforderung, denn mit dem einzigartig werden, trennen wir uns vom Allgemeinen. Wir differenzieren, in uns selbst und im Außen. Wir trennen uns von Vielem, was groß und wichtig erschien und rücken ab von dem, was Mainstream ist. Wir werden wählerischer, wenn es darum geht, mit wem wir unsere Zeit verbringen. Wir werden uns bewusster, was die Kostbarkeit unserer Lebenszeit angeht. Wir zerstreuen uns weniger, bleiben konzentrierter bei dem, was uns wertvoll und wichtig ist. Entwicklung bedeutet, wir rücken hin zu uns selbst, kommen uns selbst nah, ohne vor der Herausforderung der eigenen Nähe zurückzuweichen.

Wir lassen uns nicht mehr ablenken vom Außen und seinen Reizen. Wir tauchen ab um ins eigene Innere einzutauchen. Wir zeigen unser Gesicht nicht mehr überall, wo man sich zeigt um des Zeigens willen oder um uns selbst und anderen zu versichern, dass es uns noch gibt. Wir brauchen die Fülle der Spiegel im Außen immer weniger, weil wir uns im eigenen Spiegel ehrlich zulächeln und uns sagen: Ja, das bin ich und so wie ich bin, bin ich ganz.

Wir machen unser Glück nicht mehr von Dingen, Komfort, Macht und Erfolg abhängig, weil wir wissen, dass wir das Glück darin nicht finden, wenn wir die Fähigkeit dazu nicht in uns selbst tragen.

Wir beschränken das Du, dem wir uns zuwenden, auf ein Du, das auf Augenhöhe ist.
Wir lernen die Kunst des Weglassens von Dingen und Menschen, die uns blockieren oder uns schaden. Wir gehen lieber allein, als in schlechter Begleitung unseren Weg. 
Wir wissen, dass jede gefühlsmäßige Bindung an Menschen vergänglich ist und klammern uns nicht an Beziehungen, die sich abgelebt haben. Wir wissen, dass Liebe und Vertrauen allein bei uns selbst beginnt und bei uns selbst endet. Wir akzeptieren, dass es keine Sicherheiten gibt, derer wir uns versichern können. 

Wir lernen, dass Vergeben und Loslassen das Wesentlichste und zugleich das Schwerste ist, aber notwendig um im Fluss des Lebens zu bleiben. Wir begreifen, dass alles, was wir verlieren, uns ebenso ausmacht, wie das Glück, das uns widerfährt. Wir haben erfahren, es gibt keinen Verlust und keine Trauer, die keinen Reifungsprozess nach sich ziehen.

Wir wissen, dass Akzeptanz bedeutet uns nicht länger gegen die Realität aufzulehnen, nur weil sie nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Wir erhoffen uns keine Wunder und wissen, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt. Wir lernen damit zu leben.

Wir wissen, dass es nicht hilfreich ist Gefühle zu unterdrücken, um Stärke zu demonstrieren und lassen unsere Gefühle zu. Wir verlangen nicht mehr zu viel von uns selbst und respektieren unsere Grenzen. Wir wissen, dass wir nichts müssen, was andere meinen, was wir müssten und dass wir dafür keine Erklärungen abgeben müssen. Wir lernen Milde mit uns selbst, wenn wir länger brauchen, als wir es uns wünschen um den nächsten Schritt zu tun. Wir lernen Geduld zu üben und ungeduldiges Getriebensein als Fluchtversuch vor uns selbst zu erkennen.

Wir lernen um Hilfe zu bitten, weil wir wissen, es gibt Dinge, die schaffen wir nicht alleine.

Wir erkennen, dass auch ungute Erfahrungen, die wir machen mit Sinn zu füllen sind, wenn wir es zulassen. Wir wissen, dass Sinn allein in dem zu finden ist, was für uns selbst Bedeutung hat. 

Wir wissen, dass unser Leben und das Leben derer, die wir lieben, endlich ist und dass wir keine Kontrolle über Leben und Tod haben. Wir verschließen unser Herz nicht vor unserer Angst und unserem Schmerz über die Vergänglichkeit und kämpfen nicht dagegen an. Wir wissen, dass die Liebe nicht mit dem Tod endet, niemals. Wir lernen zu leben, von Tag zu Tag, und nutzen die Tage so gut wir es vermögen. Wir sagen immer öfter: Dein Wille geschehe.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Vom einander weh tun


"rosenkrieg" AW


er tut weh.
immer nur weh.
macht wehes noch weher.
weidet sich an ihrem weh.
weidet sich an ihrem schmerz.
weidet sich an ihren verlusten.
sie tut weh.
wehrt sich mit wehtun.
sie tun sich weh, weil sie weidwunde menschen sind.


Aus der Praxis – Vom Charme des Psychopathen



Zeichnung: AW


Man erkennt sie nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten, oft dauert es lange bis man begreift, dass man es mit einem Psychopathen zu tun hat, manchmal begreift man es erst, wenn es zu spät ist, dann, wenn man an sich selbst zweifelt und energetisch vollkommen ausgelaugt ist.

 Woran liegt das?


Psychopathen sind Maskenträger
Sie sind Schauspieler, die die Gabe haben Gefühle zu simulieren. Sie haben sie gelernt, sie haben gelernt sie abzulesen, am Spiegelbild der Anderen. In Wahrheit aber ist allen Menschen mit psychopathischem Charakter gemein, dass sie sich nicht in andere Menschen einfühlen können. Sie haben keine Empathie, weil sie keine Gefühle haben. In der Kindheit, in der sie selbst Opfer von emotionalem Missbrauch oder körperlicher Gewalt geworden sind, musste die Gefühlswelt abgetötet werden, um das Unerträgliche ertragen zu können. Der psychopathische Charakter kennt keine Liebe, keine Wärme und keine Geborgenheit, weil er dies selbst nie erfahren hat. All das macht ihm Angst, daher scheut er echte Nähe. Aus der Hirnforschung weiß man, dass bestimmte Gehirnareale, nämlich jene für Mitgefühl und Impulskontrolle, unterentwickelt sind.


Das Muster der Spaltung

Das Wesen des Psychopathen wird durch einen weiteren psychischen Mechanismus gekennzeichnet - den der Spaltung. Psychopathen teilen Menschen in gut und in böse ein, je nachdem welchen Nutzen sie für sie haben oder nicht, oder nicht mehr. Bei männlichen Psychopathen unterliegt z.B. das Frauenbild der Trennung zwischen der "guten Mutter", die als schützend, sorgend und liebend gesehen wird, und der bösen Mutter - vernachlässigend, kalt, emotionslos, ablehnend und strafend. Ein weiteres typisches Merkmal der psychopathischen Charakterstruktur ist ihre misstrauische Grundhaltung. Sie haben eine tiefe Angst belogen und ausgenutzt zu werden. Oft sehen sie daher in anderen Menschen grundsätzlich eher Feinde. Sie fühlen sich stets beobachtet und schnell angegriffen, sind misstrauisch und rechnen damit, dass man ihnen Schlechtes will. Viele Psychopathen haben eine ausgeprägte Neigung zu antisozialem Verhalten.


Der maligne Narzissmus

Eine Form der Psychopathie ist der "maligne Narzissmus". In der Psychologie versteht man darunter eine Kombination aus narzisstischer Persönlichkeitsstörung, antisozialem Verhalten, sadistischer Aggression sowie eine extrem misstrauische Grundhaltung.

Maligne Narzissten gelten als sehr charmant. Durch ihre manipulativen Fähigkeiten gelingt es ihnen schnell das Vertrauen ihrer Mitmenschen zu gewinnen, obwohl es ihnen an Mitgefühl oder echter emotionaler Bindungsfähigkeit fehlt. Sie haben die Gabe andere um den Finger zu wickeln und sie mit ihrem gespielten Charme zu beeindrucken. Dabei erscheinen sie oft als sehr zugeneigt, souverän, beherrscht und kultiviert. Es ist gespielt, eine Rolle, ebenso wie die Maske der Freundlichkeit, die sie aufsetzen um ihre Ziele zu erreichen. Aber es ist eben nur eine Maske, eine Maske, die dazu dient, andere für die eigenen Zwecke und die Erfüllung eigener Bedürfnisse zu missbrauchen. In Wahrheit sind sie Blender und sehr gut darin, die Schwächen und Wunden in anderen Menschen zu erkennen und diese auszunutzen oder sie gegen sie zu verwenden, um ihr egoistisches Ziel zu erreichen – und das heißt immer Macht über andere erlangen.  



Einseitige Kommunikation
Wer es einmal erlebt hat weiß, wenn der Psychopath kommuniziert, fühlt es sich an, als ob er Worte sendet, aber selbst keine empfängt. Das liegt daran, dass er schlicht und einfach kein Interesse daran hat, mehr vom anderen zu erfahren. Er ist ein schlechter Zuhörer, unterbricht oft und hört nur hin, wenn etwas Positives oder Anerkennendes über ihn selbst gesagt wird. Die Kommunikation mit diesen Menschen ist immer einseitig. Auch hier suchen sie immer nach dem größten Vorteil für sich selbst. Der Psychopath wirkt unbeteiligt, selbst wenn tiefe Gefühle angebracht wären. Man hat das Gefühl, als stehe man vor einer gläsernen Wand durch die es kein Durchdringen gibt. Ein solcher Mensch ist unfähig die Bedürfnisse und Gefühle selbst derjenigen Personen wahrzunehmen, die ihm nahe stehen. Entscheidend sind nur seine eigenen Bedürfnisse. Er neigt dazu anderen das Gefühl zu geben, sie müssten sich um ihn kümmern, obwohl es ihnen gerade selbst schlecht geht. Kritisiert man ihn, ist er sofort verunsichert und reagiert ausfallend, aggressiv, wütend oder rachsüchtig. Gibt es Konflikte glaubt er sich stets im Recht und alle anderen im Unrecht. Ohne die geringste Reue zu zeigen, tut und sagt er Dinge, die andere verletzen.



Das Ziel allen Denkens und Handelns ist das eigene Ich

Im Grunde interessiert sich der Psychopath nur für sich selbst. Er hält sich für intelligenter, besser, attraktiver oder begabter als alle anderen. Menschen sind nur dann von Interesse, wenn sie etwas für ihn tun können, wenn sie ihm nützlich sind, wofür auch immer. Dabei versucht er zu kontrollieren, was der andere tut oder denkt. In Beziehungen ist er besitzergreifend, eifersüchtig und schränkt die Freiheit des Anderen ein. Entzieht man ihm die Loyalität oder wendet man sich von ihm ab, ist er zutiefst frustriert und fühlt sich innerlich vernichtet. Wenn ein Psychopath verlassen wird, heißt das noch lange nicht, dass das Ganze damit beendet ist. Wenn er erkennt, dass er keine Rolle mehr im Leben des Anderen spielt, wird er alles tun um ihn zurückzugewinnen. Aber „Alles“ ist nur gespielt und hat nur einen Zweck: wieder Macht über den Anderen zu erlangen. Gelingt ihm das nicht wird er zum Aggressor und genießt es, den Anderen niederzumachen, um sich selbst besser zu fühlen. Im schlimmsten Falle will er den, der ihn zurückgewiesen hat, vernichten – der Andere wird zum Feind.


Übrigens: Psychopathen lieben Mitleid. Wenn man ihn hört, wird er immer wieder von Menschen schamlos ausgenutzt und dann fallen gelassen. Er macht sie schlecht.



Wer einmal die Bekanntschaft mit einem Psychopathen gemacht weiß, selbst nach vielen Jahren ist da dieses Gefühl der Fassungslosigkeit, das Gefühl diesen Menschen nicht zu kennen.



Die Psychopthie zählt zu den Dissozialen Persönlichkeitsstörungen ICD -10-(F 60.2)

Patienten mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung:
  • zeigen eine deutliche und überdauernde Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen
  • haben meist eine geringe Frustrationstoleranz – sind egozentrisch und unfähig zu wirklicher Liebe und Bindung
  • zeigen eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten
  • sind oft oberflächlich charmant, aber falsch und unaufrichtig
  • kennen weder Reue noch Schamgefühl
  • verfügen nicht über die Fähigkeit, sich selbst mit den Augen anderer zu sehen
  • sind nicht in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Empathie-Mangel).

Dienstag, 14. Juni 2016

Medea – Eine psychologische Betrachtung


Medea: AW

zum Hören auf den Link klicken, wer mag  ...
 
https://soundcloud.com/frida-473688618/medea-eine-betrachtung

Vergeben heißt nicht ...


artwork: AW

Vergeben heißt nicht zu vergessen
heißt nicht, es gut zu heißen
heißt nicht, du hattest Recht
heißt nicht, du kannst nichts dafür
heißt nicht, wieder freundlich zu sein, als sei nichts geschehen
heißt nicht, ich bin schwach
Vergeben heißt: 
ich verzeihe dir, damit es mir besser geht und die Verletzung nicht mein Leben vergiftet.

Sonntag, 12. Juni 2016

Vorauseilender Gehorsam


Entwicklungen geschehen immer durch Menschen, die ihrer Zeit voraus sind. Menschen wie Christus zum Beispiel, Galileo Galilei bis hin zu Martin Luther, der seine Wahrheit, trotz der Androhung des Scheiterhaufens, nicht widerrufen hat. Menschen wie diese haben bewiesen, es ist nicht die Zeit, die die Menschen ändert, es sind Menschen, die die Zeiten verändern.Eine Kerneigenschaft dieser Menschen ist, dass sie wissen wollen, Dinge sehen, durchschauen und erfassen, die andere nicht sehen können, oder wollen. Sie haben eine Vision, sie haben eine Leidenschaft, sie brennen für eine Idee, sie haben ihre eigene Wahrheit, der sie folgen und für die sie stehen. Sie sind mutig. Sie folgen nichts und Niemanden außer sich selbst und sie haben den Drang Entwicklungen in Gang zu setzen, im Sinne des Fortschritts, gleich auf welchem Gebiet der menschlichen Kultur und vor allem – sie übernehmen die Verantwortung für das, was sie tun und was sie sind. Und - diesen Menschen fehlt, was in der Gesellschaft, damals und heute weit verbreitet ist: Ihnen fehlt der Impuls zum vorauseilenden Gehorsam.

Das hört sich auch nicht wirklich gut an, Gehorsam und dann auch noch vorauseilend, also gehorchen im Sinne der freiwilligen Vorwegnahme vermuteten erwünschten Verhaltens, besonders im Rahmen gruppendynamischer Prozesse. Genau das machen viele. Die Welt ist voll von diesen Vielen. Mir gefällt das gar nicht „vorauseilend gehorchen“, gehorchen übrigens auch nicht. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir etwas, wovon wir überzeugt sind, gar nicht erst aussprechen, ausprobieren oder gar leben, weil wir annehmen, den anderen passt es nicht in den Kram, woran wir glauben und was wir tun oder wer wir sind?

Ich behaupte - es bringt uns nicht weit und mit Sicherheit nicht zu uns selbst und unserer wahren Größe. Die hat übrigens etwas mit Würde zu tun. Ein altmodisches Wort, aber ein wesentliches Wort, wie ich finde. Es macht uns klein dieses Gehorchen, dieses Folgen, dieses Tun, was man tun soll um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Es macht uns zu freiwilligen Knechten derer, die Macht haben und sie ausüben. Die Welt ist voll von Menschen, die alles tun um zu gefallen, um nicht aufzufallen, um bloß nicht anders zu sein, als die Anderen. Denn - wer anders ist läuft Gefahr nicht mehr dazuzugehören. Das macht Angst. Angst vorm Ausgestoßen werden aus der Gruppe. Und Angst lähmt den Mut. Aber das ist ja nichts Neues. Wie sonst könnte auf dieser Welt alles sein wie es ist, ungut wie es ist. Es wird gesehen, es wird bejammert, es wird gewütet – aber getan wird nichts. Weil – jammern und wütend sein ist ja schon was. Nichts ist das, also zumindest nichts, was irgendetwas am Status quo verändert. Es verändert höchstens die Frustrationstoleranz, die wird nämlich immer niedriger. Darum ist unser Alltag so gespickt mit aggressiven Mitmenschen. Meine Meinung. Teilen muss sie niemand. 

Also warum wird so vorrauseilend getan, was erwartet wird? Warum machen Menschen das? Sie machen es, weil sie Angst vor Sanktionen haben. Anpassung ist eben vermeintlich sicherer als das Wagnis gegen den Strom zu schwimmen und für Veränderung zum Guten hin einzutreten. Die Angst eilt dem Wagnis voraus und erstickt es im Keim. Also gehorchen - am Besten schon mal im Voraus. Gehorchen ist uns nicht angeboren. Es muss gelernt sein, am Sinnvollsten von Kindesbeinen an. Das funktioniert auch, bei den Meisten jedenfalls. Ist ja auch kein Wunder, wenn man einem Kind schon im Kindergarten vermittelt, der Elefant hat grau zu sein und nicht rosa, weil: Rosa Elefanten gibt es nicht! Die Fantasie? Scheiß drauf! Ein Elefant ist definitiv grau. So gehört sich das. Vielleicht kommt es ja daher, dass die Franzosen die Deutschen die "Gents Gris" nennen, die Leute mit den grauen Gesichtern. Vorauseilender Gehorsam ist übrigens recht deutsch. Sozusagen fast schon deutsches Sozialverhalten. Nebenbei bemerkt, mir gefallen rosa Elefanten besser.

Vorauseilend gehorchen, das heißt auch, es erst gar nicht versuchen, obwohl wir keine Ahnung haben, ob es nicht vielleicht gelingen könnte, was wir versuchen wollen. Aber auch das machen die Meisten nicht. Es wird weiter geklagt, jammert, still gewütet und in der Komfortzone hocken geblieben, denn da kennen sie sich aus, das kann ihnen nichts passieren, das ist gewohnt vertraut. Das Nichtvertraute trägt die Option der Gefahr in sich. Vorsicht! Veränderung ist gefährlich. Also lieber beim Alten bleiben, schlucken, was schwer verdaulich ist und nichts tun, das ist sicherer und die Komfortzone ist ja auch meist sehr gemütlich, wenn auch unbefriedigend und auf Dauer ungesund für die Seele. Aber egal,   besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, denn da Oben hin gelangen ist ja auch ein schweres Unterfangen. Lassen wir es wie es ist und richten uns ein, in dem was ist, auch wenn es sich nicht gut anfühlt. Besser als ein Risiko eingehen und am Ende vielleicht allein dastehen mit dem, was wir sind und denken und wollen vom Leben – etwas Besseres nämlich. 

Wisst Ihr was das Groteske an der ganzen Sache ist? Das Groteske am vorauseilenden Gehorsam ist, dass die, die das tun, sich selbst die Illusion bewahren können, freiwillig zu handeln. Ja, die menschliche Psyche ist unter Anderem ein Meister in Sachen Selbstbetrug. Wer vorrauseilend gehorcht vermeidet die demütigende Erfahrung, zu etwas gezwungen zu werden. Da mach ich das doch lieber gleich selbst, suggeriert sich Mensch, das verhindert das Gefühl mit der eigenen Ohnmacht konfrontiert werde. Diese ist ja auch ziemlich unerträglich. Ergo behumst sich das Unterbewusstsein: dann identifiziere ich mich doch lieber mit dem ganzen lahmen Rest und den Regeln denen alle folgen, den Jas, die alle sagen und dem Leben, das man mir als Kind schon als erstrebenswert beigebracht hat. So habe ich meine (scheinbare) Macht nicht in Gefahr gebracht und vor allem ich habe meine Ruhe. Der Frust wird runtergeschluckt und füllt die Praxen von Therapeuten und Ärzten.

Ziemlich ungesund und ziemlich schwach. Aber gesellschaftsfähig. Eier in der Hose haben heutzutage die Wenigsten und manche Männer verfügen über diese auch nur rein organisch, fällt mir als Frau so auf. Wie dem auch sei. Vorauseilender Gehorsam führt dazu, das eigene eigentlich gewünschte Denken, Verhalten und Handeln an den vermuteten, unausgesprochenen Erwartungen anderer Personen auszurichten, um befürchtete Konfliktsituationen zu vermeiden oder um sich Wohlwollen zu verschaffen. Tja, wir wollen eben alle gemocht werden.Ich übrigens auch, aber nicht um jeden Preis und nicht über den Preis der Anpassung und der Selbstverleugnung. Der ist mir zu hoch. Anpassung, Selbstverleugnung? Gehorsam? Ob wir uns dabei selber noch mögen? Ich bin mir da nicht sicher. Übrigens, Galileio soll bei Verlassen des Gerichtssaals gesagt haben: Und die Erde bewegt sich doch!






Samstag, 11. Juni 2016

Halt



Zeichnung:AW

mit der zeit lernst du, dass du nichts halten kannst.
mit der zeit lernst du, dass alles vergänglich ist.
mit der zeit lernst du mit dem schmerz zu leben.
mit der zeit lernst du, dass es an dir selbst liegt, wie du mit deinem schmerz umgehst.
mit der zeit lernst du, dass jeder schmerz, den du annimmst, kleiner wird. 
mit der zeit lernst du, dass du dich nur an einen menschen halten kannst - an dich selbst.

wenn du das gelernt hast, suchst du keinen halt mehr in anderen.
 
das schließt nicht aus, dass du nicht nach einer hand greifst, die dir in liebe gereicht wird.
aber du hast gelernt sie zu halten - nicht sie fest zu halten.

Freitag, 10. Juni 2016

Worte?




Geradlinigkeit

Wahrhaftigkeit

Herzenswärme

Respekt

Achtung

Mitgefühl

Liebesfähigkeit

Unterstützende Liebe

Geistige Liebe

Liebevolle Inspiration

Hilfsbereitschaft

Rücksicht

Verantwortung

Vertrauen

Intuition

Lust

Leidenschaft

Freude

Dankbarkeit

Glaube

Demut

Würde

Gelassenheit

Achtsamkeit

Akzeptanz

Zuversicht

Heilung.