Donnerstag, 16. Juni 2016

Aus der Praxis – Vom Charme des Psychopathen



Zeichnung: AW


Man erkennt sie nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten, oft dauert es lange bis man begreift, dass man es mit einem Psychopathen zu tun hat, manchmal begreift man es erst, wenn es zu spät ist, dann, wenn man an sich selbst zweifelt und energetisch vollkommen ausgelaugt ist.

 Woran liegt das?


Psychopathen sind Maskenträger
Sie sind Schauspieler, die die Gabe haben Gefühle zu simulieren. Sie haben sie gelernt, sie haben gelernt sie abzulesen, am Spiegelbild der Anderen. In Wahrheit aber ist allen Menschen mit psychopathischem Charakter gemein, dass sie sich nicht in andere Menschen einfühlen können. Sie haben keine Empathie, weil sie keine Gefühle haben. In der Kindheit, in der sie selbst Opfer von emotionalem Missbrauch oder körperlicher Gewalt geworden sind, musste die Gefühlswelt abgetötet werden, um das Unerträgliche ertragen zu können. Der psychopathische Charakter kennt keine Liebe, keine Wärme und keine Geborgenheit, weil er dies selbst nie erfahren hat. All das macht ihm Angst, daher scheut er echte Nähe. Aus der Hirnforschung weiß man, dass bestimmte Gehirnareale, nämlich jene für Mitgefühl und Impulskontrolle, unterentwickelt sind.


Das Muster der Spaltung

Das Wesen des Psychopathen wird durch einen weiteren psychischen Mechanismus gekennzeichnet - den der Spaltung. Psychopathen teilen Menschen in gut und in böse ein, je nachdem welchen Nutzen sie für sie haben oder nicht, oder nicht mehr. Bei männlichen Psychopathen unterliegt z.B. das Frauenbild der Trennung zwischen der "guten Mutter", die als schützend, sorgend und liebend gesehen wird, und der bösen Mutter - vernachlässigend, kalt, emotionslos, ablehnend und strafend. Ein weiteres typisches Merkmal der psychopathischen Charakterstruktur ist ihre misstrauische Grundhaltung. Sie haben eine tiefe Angst belogen und ausgenutzt zu werden. Oft sehen sie daher in anderen Menschen grundsätzlich eher Feinde. Sie fühlen sich stets beobachtet und schnell angegriffen, sind misstrauisch und rechnen damit, dass man ihnen Schlechtes will. Viele Psychopathen haben eine ausgeprägte Neigung zu antisozialem Verhalten.


Der maligne Narzissmus

Eine Form der Psychopathie ist der "maligne Narzissmus". In der Psychologie versteht man darunter eine Kombination aus narzisstischer Persönlichkeitsstörung, antisozialem Verhalten, sadistischer Aggression sowie eine extrem misstrauische Grundhaltung.

Maligne Narzissten gelten als sehr charmant. Durch ihre manipulativen Fähigkeiten gelingt es ihnen schnell das Vertrauen ihrer Mitmenschen zu gewinnen, obwohl es ihnen an Mitgefühl oder echter emotionaler Bindungsfähigkeit fehlt. Sie haben die Gabe andere um den Finger zu wickeln und sie mit ihrem gespielten Charme zu beeindrucken. Dabei erscheinen sie oft als sehr zugeneigt, souverän, beherrscht und kultiviert. Es ist gespielt, eine Rolle, ebenso wie die Maske der Freundlichkeit, die sie aufsetzen um ihre Ziele zu erreichen. Aber es ist eben nur eine Maske, eine Maske, die dazu dient, andere für die eigenen Zwecke und die Erfüllung eigener Bedürfnisse zu missbrauchen. In Wahrheit sind sie Blender und sehr gut darin, die Schwächen und Wunden in anderen Menschen zu erkennen und diese auszunutzen oder sie gegen sie zu verwenden, um ihr egoistisches Ziel zu erreichen – und das heißt immer Macht über andere erlangen.  



Einseitige Kommunikation
Wer es einmal erlebt hat weiß, wenn der Psychopath kommuniziert, fühlt es sich an, als ob er Worte sendet, aber selbst keine empfängt. Das liegt daran, dass er schlicht und einfach kein Interesse daran hat, mehr vom anderen zu erfahren. Er ist ein schlechter Zuhörer, unterbricht oft und hört nur hin, wenn etwas Positives oder Anerkennendes über ihn selbst gesagt wird. Die Kommunikation mit diesen Menschen ist immer einseitig. Auch hier suchen sie immer nach dem größten Vorteil für sich selbst. Der Psychopath wirkt unbeteiligt, selbst wenn tiefe Gefühle angebracht wären. Man hat das Gefühl, als stehe man vor einer gläsernen Wand durch die es kein Durchdringen gibt. Ein solcher Mensch ist unfähig die Bedürfnisse und Gefühle selbst derjenigen Personen wahrzunehmen, die ihm nahe stehen. Entscheidend sind nur seine eigenen Bedürfnisse. Er neigt dazu anderen das Gefühl zu geben, sie müssten sich um ihn kümmern, obwohl es ihnen gerade selbst schlecht geht. Kritisiert man ihn, ist er sofort verunsichert und reagiert ausfallend, aggressiv, wütend oder rachsüchtig. Gibt es Konflikte glaubt er sich stets im Recht und alle anderen im Unrecht. Ohne die geringste Reue zu zeigen, tut und sagt er Dinge, die andere verletzen.



Das Ziel allen Denkens und Handelns ist das eigene Ich

Im Grunde interessiert sich der Psychopath nur für sich selbst. Er hält sich für intelligenter, besser, attraktiver oder begabter als alle anderen. Menschen sind nur dann von Interesse, wenn sie etwas für ihn tun können, wenn sie ihm nützlich sind, wofür auch immer. Dabei versucht er zu kontrollieren, was der andere tut oder denkt. In Beziehungen ist er besitzergreifend, eifersüchtig und schränkt die Freiheit des Anderen ein. Entzieht man ihm die Loyalität oder wendet man sich von ihm ab, ist er zutiefst frustriert und fühlt sich innerlich vernichtet. Wenn ein Psychopath verlassen wird, heißt das noch lange nicht, dass das Ganze damit beendet ist. Wenn er erkennt, dass er keine Rolle mehr im Leben des Anderen spielt, wird er alles tun um ihn zurückzugewinnen. Aber „Alles“ ist nur gespielt und hat nur einen Zweck: wieder Macht über den Anderen zu erlangen. Gelingt ihm das nicht wird er zum Aggressor und genießt es, den Anderen niederzumachen, um sich selbst besser zu fühlen. Im schlimmsten Falle will er den, der ihn zurückgewiesen hat, vernichten – der Andere wird zum Feind.


Übrigens: Psychopathen lieben Mitleid. Wenn man ihn hört, wird er immer wieder von Menschen schamlos ausgenutzt und dann fallen gelassen. Er macht sie schlecht.



Wer einmal die Bekanntschaft mit einem Psychopathen gemacht weiß, selbst nach vielen Jahren ist da dieses Gefühl der Fassungslosigkeit, das Gefühl diesen Menschen nicht zu kennen.



Die Psychopthie zählt zu den Dissozialen Persönlichkeitsstörungen ICD -10-(F 60.2)

Patienten mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung:
  • zeigen eine deutliche und überdauernde Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen
  • haben meist eine geringe Frustrationstoleranz – sind egozentrisch und unfähig zu wirklicher Liebe und Bindung
  • zeigen eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten
  • sind oft oberflächlich charmant, aber falsch und unaufrichtig
  • kennen weder Reue noch Schamgefühl
  • verfügen nicht über die Fähigkeit, sich selbst mit den Augen anderer zu sehen
  • sind nicht in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Empathie-Mangel).

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