Sonntag, 30. August 2015

Empathie und Mitgefühl





Empathie ist nicht gleich Mitgefühl. Empathie empfinden die meisten Menschen automatisch, sie hat weder eine soziale noch eine moralische Dimension. Empathisch sein bedeutet lediglich: Ich bin fähig mit anderen mitzuschwingen, ich kann mit anderen leiden oder mich mit ihnen über ihr Glück freuen.

Mitgefühl geht einen wesentlichen Schritt weiter. Mitgefühl bedeutet anderen Menschen helfen zu wollen, ohne dass ich die gleichen Gefühle wie sie empfinde. Beim Mitgefühl geht es darum, das Wohl des anderen zu wollen und etwas dafür zu tun. Mit anderen Worten: Ein mitfühlender Mensch überwindet sein selbstzentriertes Fühlen, er ist motiviert zu handeln und tut es. 

Mitgefühl führt zu einem menschlichen Miteinander und zur tätigen Sorge für Andere. Empathie bleibt im eigenen Ich stecken.

Samstag, 29. August 2015

Der Flüchtlingsstrom oder das Drama traumatisierter Seelen


Gestern in einem Gespräch über den Flüchtlingsstrom, der die Welt überschwemmt , warf mir jemand den Vorwurf entgegen: Du hast keine Empathie.

Ich war nicht verletzt, die Zeiten in denen man mich mit solchen Angriffen verletzen kann sind Gott sei Dank vorbei, ich lasse das nicht mehr zu, weil ich weiß, was ich bin und was ich habe oder nicht habe. Der Vorwurf sollte mich treffen, weil ich es gewagt habe zu sagen: Ich frage mich, ob die Leute  wissen, welche Wucht an Problemen da auf uns zukommt, mit all den fremden Menschen in unserem Land, Probleme die ja  nicht damit gelöst sind, dass man sie aufnimmt um ihnen einen Platz zu geben, an dem sie sein können, sondern die mit dem Aufnehmen gerade erst anfangen.

Ich fragte mein Gegenüber: Was sind das für Menschen, die wir aufnehmen? Was sind das für Fremde, denen wir die Tür aufmachen und sie in unser Haus lassen? Das allein war schon zu viel. Das allein machte mich zum herzlosen Rassisten.
Ich bin kein Rassist, antwortete ich. Aber ich hätte jetzt diesen Stempel drauf, würde ich es zulassen. Nicht sehr empathisch von meinem Gegenüber mir einen Stempel aufzudrücken ohne nur im Geringsten meine Fragen überhaupt anzuhören und zu überdenken. Also frage ich mich das jetzt hier, schließlich habe ich meinen Blog um laut nachzudenken. 


Was sind das für Menschen, die Flüchtlinge, die zu uns kommen?

Wenn wir ehrlich sind wissen wir es nicht. Wenn sie ehrlich sind, denken die Meisten, die ihre Empathie für das Leid anderer plötzlich lautstark machen, auch nicht weiter als bis dort hin wo ihre Empathie anfängt, nämlich beim großen Leid, von dem sie weder eine gefühlte Ahnung haben, geschweige denn eine erlebte Vorstellung. Ich übrigens auch nicht.

Wenn wir mal genau hingucken gibt es in unserem eigenen Umfeld so viel arme, leidende Menschen, die viele gar nicht sehen, weil deren Leid eben nicht so bombastisch groß ist wie das Leid der Masse all der Flüchtlinge. Die große Empathie, die da plötzlich als neue Fremdenfreundlichkeit wie eine Welle über unsere Land schwappt, kostet die Empathen, mit einigen Ausnahmen, nämlich denen, die aktiv etwas für die Flüchtlinge tun, auch nichts, sie bringt ihnen aber viel, nämlich das Gefühl ein Gutmensch zu sein, innerlich, ohne im Außen ihr Gutsein in Taten umzusetzen. An dieser Stelle gilt meine ganze Hochachtung all denen, die den Flüchtlingen mit Taten helfen. Manche Empathen projizieren auch die eigene leidvolle Familiengeschichte aus dem 2. Weltkrieg auf die Flüchtlinge, die unverarbeitete Geschichte der Mütter und Väter zum Beispiel, die ihr Land verlassen mussten, auf der Flucht vor den Nazis, um ihr Leben zu retten, auf die Flüchtlinge, eine persönliche Geschichte, die jetzt Jahrzehnte danach, das Unterbewusste triggert, das sich zuvor meist niemals mit dem Leid der eigenen Nächsten empathisch auseinandergesetzt hat.



Aber, zurück zu meiner Frage: Was für Menschen sind das, die zu uns kommen? 
Zum einen sind es politisch Verfolgte. Menschen, meist männliche, die genug Geld haben, um Schlepper zu bezahlen, die ihnen zur Flucht verhelfen, Kinder und Jugendliche, deren Familien die Flucht bezahlen. Wieder andere haben gar keine Wahl. Sie werden auf den Fluchtweg getrieben. Es sind ganze Familien, es sind alte und kranke Menschen. Aber alle haben eins gemeinsam – sie durchleben vor und während der Flucht eine traumatische Odyssee.

All diese Menschen, fliehen vor Verfolgung und Krieg in ihrer Heimat. Ihre Flucht führt sie meist durch andere Krisenregionen und sie alle erleben unfassbar Schreckliches. Sie werden Zeuge von Mord und Vergewaltigung, sie erleben wie Angehörige ermordet oder vergewaltigt werden, sie werden verletzt oder selbst vergewaltigt oder sie waren in Gefängnissen, in denen sie der menschlichen Hölle ausgesetzt waren. Sie sind unterwegs auf überfüllten Lkws, gehen tausende von Schritten zu Fuß, leiden unter Hunger und Durst. Ihre Begleiter sind Angst, Schrecken, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Ihre Flucht treibt sie auf Schiffe und sogar auf kleine Boote, auf denen sie orientierungslos auf dem Meer treiben, viele von ihnen ertrinken, andere überleben diese Odysse. Sie sind körperlich geschwächt, krank und abgemagert, vor allem aber zehrt das an ihnen, was sie an Grausamkeit und Schrecken, an Lebensbedrohung und unvorstellbaren Misshandlungen erfahren.


All diese bedauernswerten Menschen sind schwer traumatisiert. Und so kommen sie bei uns und anderswo an. Und dann?


In den Mittelmeer-Anrainerstaaten, die diese Menschen aufnehmen müssen, werden sie unter erbärmlichen Bedingungen wie Vieh zusammengepfercht. In Deutschland, der Schweiz und in Österreich bekommen sie einen Platz in einem Wohnheim, Essenspakete und medizinische Notversorgung. Sie müssen sich kleinste Räume teilen, haben kein Geld um die einfachsten Grundbedürfnisse zu erfüllen und sie haben keinen, mit dem sie über das grenzenlose Leid, das sie erfahren haben, sprechen können. 
Weit entfernt von einem Neuanfang oder gar von Integration. 
Und wie bitte soll Integration denn aussehen, wenn es diesen Ländern nicht einmal gelingt menschenwürdigen Raum für all diese Menschen zu schaffen?

Wie soll man diese Menschen beschäftigen? Was bitte sollen diese Menschen arbeiten? Und wie sollen sie überhaupt arbeiten können?

Diese Menschen sind schwer traumatisiert, sie brauchen nicht nur eine einen Platz zum Wohnen und Geld zum leben, was sie brauchen ist psychologische Hilfe, empathische psychologischee Hilfe um irgendwann überhaupt wieder einigermaßen seelisch überlebensfähig zu werden. Wer weiß, was ein Trauma im Leben eines Menschen bedeutet, weiß auch, dass die Heilung Jahre dauert und mitunter auch nicht gelingt.
Daran denkt kaum keiner, eingelullt in seine Empathie, oder? Da fängt für mich Empathie an, dort nämlich, wo tiefer gedacht und mit gefühlt wird, welches Problem mit dem Flüchtlingsstrom die wahre Herausforderung für unsere Gesellschaft ist.

Psychotherapie ist teuer und in der Versorgung für Flüchtlinge nicht enthalten.
Es braucht mitunter Jahre bis ein traumatisierter Mensch wieder ins normale Leben integriert werden kann. Unqualifizierte Arbeitslose haben es in der eigenen Heimat schon schwer einen Job zu finden, wie soll ein Mensch, der weder die deutsche Sprache spricht, noch eine Ausbildung hat, oder eine Ausbildung hat, die in unserem Land nicht anerkannt wird, und der noch dazu schwer traumatisiert ist, denn integriert werden. Traumata und in den meisten Fällen sind es bei diesen Menschen und ihrem Leidensweg multiple Traumen, führen, werden sie nicht behandelt, unter anderem zu schweren Depressionen, Angststörungen, antisozialen  Persönlichkeitsstörungen  und tiefgreifenden Persönlichkeitsveränderungen, sie greifen in den Stoffwechsel ein, schwächen das Immunsystem und verringern die Lebenserwartung der Opfer. Traumatisierte Menschen ziehen sich nicht selten in sich selbst zurück. Sie haben fragwürdige Zukunftsaussichten, da sie weder einen Job ausüben können noch ein gesundes soziales Leben führen können. haben. Ein Traumata erleben heißt: Es verschwindet nicht von allein, nicht dadurch dem Auslöser entkommen zu sein, es wird, bleibt es unbehandelt, chronisch. Eine Heilung gibt es nur dann, und das auch nicht garantiert, wenn das Erlebte aufarbeitet werden kann und nicht indem man irgendwann auf den Arbeitsmarkt integriert wird. Um das zu erkennen braucht es mehr als Empathie, es braucht Mitgefühl und das bedeutet für mich, zu erkennen, mit wem man es zu tun hat und was diese Menschen wirklich brauchen und etwas dafür zu tun, dass sie es erhalten. Was die Flüchtlingsdebatte in unserem Land angeht, sollte dieses Bewusstsein langsam einfließen. Tut es das nicht werden die Folgen dramatischer sein, als wir uns das jetzt vorstellen können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass so mancher vor Mitleid triefende Empath, der außer einem weichen Herz auch einen klaren Verstand besitzt, jetzt erst mal lange nachdenken wird. Ich hoffe es zumindest.













.




Donnerstag, 27. August 2015

Aus der Praxis – Die Hilflosigkeit des Co-Abhängigen


  
Malerei AW

"Diese die Schwere kriecht mir in die Knochen und saugt alles Leben aus mir heraus, dieses dumpfe Gefühl zieht mich nach Unten, es macht mich so müde, so hilflos und so ohnmächtig, es vergällt mir alle Lebensfreude und raubt mir meine ganze Kraft. Manchmal habe ich das Gefühl selbst eine Depression zu haben. Ich halte das nicht mehr aus, das ist mir alles zu viel. Mein eigenes Leben rattert langsam den Bach runter."

Diese Worte stammen von einem Menschen, der mit einem depressiven Angehörigen lebt.

Sie könnten auch von einem Menschen stammen, der mit einem Suchtkranken lebt oder mit einem Menschen, der unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet, sie könnten von all den Menschen stammen, die mit einem Menschen leben, der massive Probleme hat, die dazu führen, dass sein Leben ins Wanken geraten ist und ihm ein funktionierendes Leben unmöglich machen.


Ich nehme hier das Beispiel der Depression um die Hilflosigkeit derer zu beschreiben, die sich an den Problemen ihrer geliebten Nächsten abarbeiten ohne, dass sie etwas daran ändern können.


Immer dann, wenn der depressive Partner oder das depressive Familienmitglied keine Krankheitseinsicht hat oder therapieresistent ist, sich also nicht helfen lassen will und jede sinnvolle Hilfe um zu genesen, zurückweißt, ist der Angehörige mit seinem Leid allein auf weiter Flur.

In vielen dieser Fälle kommt es sogar soweit, dass sich Angehörige im eigenen Zuhause nicht mehr heimisch und geborgen fühlen, weil sich alles nur noch um die Depression dreht. Alles Lebendige wird durch die dunkle Energie der Depression erstickt, es ist als lebe nicht nur der Depressive sondern auch sein nächstes Umfeld unter einer schweren Decke, die alle Beteiligten zu ersticken droht. Kennt ein Angehöriger selbst depressive Episoden in seinem Leben, klingt im Kontakt mit dem Kranken nicht selten auch das Eigene in der Seele an und das verstärkt die innere Not um ein Vielfaches.


Die Depression zieht also nicht nur den Depressiven selbst in die dunkle Nacht der Seele, sondern, je nachdem wie lange sie dauert, auch die Menschen die mit ihm leben. Depressionen können, werden sie nicht behandelt, ein ganzes System in den Abgrund ziehen, und das nicht nur seelisch, geistig und körperlich.


Wer mit einem Depressiven lebt verliert, wie der Depressive, selbst nach und nach den Halt im Leben, die Energie, die auf ihn übergreift, strahlt in seinen ganzen Alltag aus. Das Arbeiten fällt ihm schwer, seine Gedanken sind ständig bei dem Kranken und sind sie es nicht, schleppt er die sorgenvolle Gedanken machende Lähmung den ganzen Tag hinter sich her wie eine schwere Last. Er funktioniert nicht mehr für sich selbst, sein Energiepegel ist auf einem Minimum, er brennt in dem Maße aus, wie seine Hilfeversuche auf Ablehnung stoßen und seine Ohnmacht wächst.


Angehörige von Depressiven sind ebenso co-abhängig wie Angehörige von Süchtigen. Die Krankheit des Anderen kontrolliert ihr Leben und sie wiederum versuchen den Depressiven zu kontrollieren, indem sie versuchen, das, was er nicht mehr schafft, für ihn zu tun.


Sie denken für ihn, sie handeln für ihn und überfordern sich damit selbst. Auch für sie wird die Depression zur Kraftprobe: Sie müssen lernen, die Schuld für die Krankheit des Anderen nicht bei sich zu suchen, sie müssen lernen, die Sorge um den geliebten Menschen zu ertragen und sie müssen lernen, mit einem Menschen zu leben, der sich immer wieder zurückzieht, unerreichbar ist und sie abweist. "Das musst du lernen", ist leicht gesagt, in Wahrheit ist das ein schreckliches Leben, ein Leben voller Angst, Sorge, Hilflosigkeit, Ohnmacht und ohne Freude.


Mit dem guten Ratschlag: Du musst lernen dich besser abzugrenzen kommt ein Co-Abhängiger nicht weiter, geschweige denn wieder zu sich selbst.


Eine Beziehung und eine Familie ist ein System und in einem System schwingen alle Teile miteinander, sie treten energetisch in Resonanz  miteinander und negative Energie hat die Eigenschaft die positive Energie nach Unten zu ziehen, ob man das will oder nicht und ob man das glaubt oder nicht. Die Erfahrungen vieler Betroffener beweist dieses Phänomen. Aber auch ganz pragmatisch gesehen ist es schwer sich abzugrenzen, wenn die Krankeit des Anderen derart ins eigene Leben übergreift, dass man doppelte Arbeit leisten muss, nämlich all das auffangen, alles regeln, was der Depressive nicht mehr schafft, abgesehen von dem finanziellen Problemen, die entstehen wenn  er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann und man die finanzielle Last zusätzlich alleine tragen muss. Angehörige sind irgendwann nur noch am Ausgleichen und am Schaden verhindern, regulieren oder am Schaden beheben. Der Schaden, der dadurch in ihrem eigenen Leben entsteht ist ein schmerzhafter Kollateralschaden, der zusätzlich Angst macht und die Seele belastet.


Wie da noch achtsam mit sich selbst sein und sich selbst stärkend zu Seite zu stehen, wenn alle Kraft verloren geht?
Depressive brauchen Unterstützung, sie ist unbedingt nötig und selbstverständlich, aber nur solange der Depressive auch selbst etwas gegen seine Krankheit unternimmt. Man kann alles gemeinsam durchstehen, wenn beide dabei sind. Sind alle Bemühungen Hilfe zu geben umsonst, ist man aber allein und kann irgendwann nicht mehr. Und dann muss man es auch nicht mehr. Dann ist es Zeit sich geistig, seelisch und körperlich aus der ungesunden Verstrickung in das Leben und die Probleme des Anderen zu lösen.


Loslassen basiert auf der Erkenntnis, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, und dass wir Probleme, die wir nicht lösen können, weil sie nicht die unseren sind, eben nicht lösen können. Das klingt einfach und auch das ist unendlich schwer. Es erfordert Klarheit, Mut und eine große Portion Selbstliebe, zu erkennen, dass ein Mensch, der sich trotz schwerer Probleme und ständigen Hilfsangeboten nicht helfen lässt, seine Suppe endlich selbst auslöffeln muss. Es erfordert ein hohes Maß an Weisheit, dem anderen die Freiheit zu geben, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und zu wachsen. Es erfordert viel Kraft und Selbstbeherrschung um festzustellen, was wir ändern können und was nicht in unsrer Macht liegt. Und es erfordert die Einsicht, dass es nicht unsere Schuld ist, wenn jemand krank ist und nichts dagegen tut.


Nun könnte so mancher einwenden: Aber der Depressive kann das doch nicht mehr. In jeder Depression wie auch bei jeder Sucht, gibt es hellere Momente, Stunden oder Tage an denen Einsicht möglich ist, die Einsicht – ich komme da allein nicht raus. Wer soweit ist, dass die Krankheit ihn vollends überwältigt, hat in diesen hellen Momenten nichts getan um sein Leid einzusehen und um Hilfe zu bitten. Das klingt hart, aber die Wahrheit ist niemals weichgespült.


Haben Angehörige alles getan und ist alles vergeblich, ist es an der Zeit sich selbst zu vergeben. Vergeben dafür, dass sie keine Kraft mehr übrig haben, den anderen aus dem Sumpf zu ziehen ohne selbst darin zu ersticken. Sie müssen dann um ihres eigenen Lebens willen aufhören sich aufzureiben, sich zu zerreißen und zu zerfleischen. Sie lernen, wie Melody Beattie in ihrem Buch über Co-Abhängigkeit schreibt, die magische Lektion: „Machen wir das Beste aus dem, was wir haben, so wird es mehr. Loslassen schließt das Leben im Augenblick ein, hier und jetzt leben. Wir lassen das Leben geschehen, statt es mit Gewalt kontrollieren zu wollen. „


Es ist schwer sich von der Trauer über die Vergeblichkeit zu lösen und es ist nicht leicht, das Beste aus jedem Tag zu machen. Es ist auch nicht leicht zu sagen: Wir vertrauen darauf, dass eine Macht, die größer ist als wir selbst, sich darum kümmert, was geschieht. Es ist auch nicht leicht zu sagen: Ich gebe das Problem nach Oben ab, mit der Demut – Dein Wille geschehe. Die magische Lektion ist zugleich die schwerste Lektion im Leben, die es zu lernen gibt. Ich wünsche allen Menschen, die sie lernen müssen, Vertrauen in das göttliche Prinzip.









 Buchtipp: Meldody Beattie, Die Sucht gebraucht zu werden, Heyne Verlag




Dienstag, 25. August 2015

Gedankensplitter




als ich kind war, haben sie mir das leben abgesprochen.
es hat gedauert, aber ich habe es mir zugesprochen.

Schadensbegrenzung


Ich leide, wenn ich glaube, was der Andere macht, schadet ihm und mir.
Kann ich beenden, dass er nicht mehr macht, was ihm schadet und von dem ich denke, dass es mir schadet?
Nein, denn ich habe keine Macht über andere Menschen.
Kann ich das Leiden in mir selbst beenden?
Kann ich aufhören, mich selbst und den Anderen durch meine leidvollen Gedanken und Handlungen zu belasten und ihn für mein Seelenheil zu missbrauchen?
Wenn ich es nicht kann, setze ich durch meine Gedanken und Handlungen das fort, was ihm und mir schadet.
Wenn ich es kann, höre ich auf dem Anderen und mir selbst Schaden zuzufügen.
Ich fange an, mein eigenes Leiden zu beenden.
Das ist genug.



Montag, 24. August 2015

die liebe und die angst

viele menschen glauben, wo liebe ist, gibt es keine angst.
dieser glaube ist eine unselige konstruktion, die menschen unter druck setzt, indem sie ihnen vorgaukelt, wenn sie nur genug lieben, verschwindet die angst aus ihrem leben.
wer liebt hat immer angst, das geliebte zu verlieren.
wer angst hat, kann dennoch lieben.
es ist menschlich. so menschlich wie die liebe und die angst.

einsamkeit

die einsamkeit macht mir angst, sagte er.
es ist nicht die einsamkeit, die angst macht, erwiderte ich,
das gefühl von sich selbst abgeschnitten zu sein, erzeugt angst.

Sonntag, 23. August 2015

Immer diese Lektionen


Malerei AW

Lektionen, immer wieder diese Lektionen. Ich glaube nicht an Lektionen, sagte sie, das ist so ein spirituelles Gequatsche, wenn die Leute nicht weiter wissen und einen Grund suchen, um sich etwas zu erklären, wofür sie keine Antwort finden. Warum Lektionen? Das Leben ist doch keine Schule, die hab ich hinter mich gebracht als ich achtzehn war. Die Scheisse passiert eben, das ist Schicksal.
Ihr Blick war trotzig. Hinter dem Trotz spürte ich ihre Wut.
Und, was ist für sie der Unterschied zwischen Schicksal und Lektionen. Möchten sie mir das erklären?
Na ja, sagte sie, das Schicksal schlägt zu, da kannst du nichts gegen machen, die Dinge passieren eben. Man hat da keinen Einfluss drauf. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert.
Gut, ich nickte. Innerlich konnte ich mir ein Lächekn nicht verkneifen. Ich hatte selbst einmal so gedacht, als ich mich noch für ein hilfloses Opfer der Umstände hielt.
Und was ist für sie eine Lektion?
Eine Lektion, das ist etwas, was du lernst oder nicht. Wie in der Schule eben, du lernst was und alles ist gut, oder du lernst nicht und dann gibts Ärger mit dem Lehrer oder schlechte Noten.
Und was machen sie dann, wenn es Ärger gibt oder schlechte Noten?
Na ja, antwortete sie, ich habe zwei Möglichkeiten: Ich sage, Pech gehabt und dreh im Zweifel eine Ehrenrunde, oder ich fange an meine Lektion zu lernen.
Sehen sie, antwortete ich, genauso ist es mit dem Leben.

Samstag, 22. August 2015

Aus der Praxis – Wenn dysfunktionale Beziehungsmuster auf Kinder übergreifen

In jeder Beziehung wird ein Teil der verfügbaren Energie der Partner für die und Erhaltung der Beziehung aufgewendet. Eine funktionierende, für beide Partner befriedigende Beziehung besteht dann, wenn möglichst viel Energie frei verfügbar ist, z. B. für die Verfolgung von beruflichen und intrinsischen Zielen, für Lebensfreude und für die Erhaltung der Versorgung in der Beziehung.
Gute Beziehungen verbrauchen ein Minimum von Energie für Beziehungsarbeit. 
Eine solche Beziehung nennen wir in der Psychologie funktional. 
Dysfunktional ist eine Beziehung dann, wenn der überwiegende Teil der Energie auf die Auseinandersetzung in der Beziehung verwendet wird, also auf den Versuch, die Beziehung zu verändern oder zu retten. So entsteht eine Beziehungsform, die zum einen, sich selbst reproduziert, zum anderen ständig am Kippen ist: Eine Beziehung also, in der zum großen Teil die verfügbare Energie für den zermürbenden Kampf um Veränderung und Erhaltung aufgewendet wird. Dysfunktionale Muster stabilisieren sich irgendwann auf irgendeinem Niveau. So ist z.B. einer der Partner ständig krank oder es kommt zum Verlust der Kraft und des Interesses an beruflichen Dingen und der Freude an Freizeitaktivitäten. Auch Depressionen oder Angsterkrankungen, die sich im Zuge dysfunktionaler Beziehungen, bei entsprechender Disposition der Partner einstellen, sind nicht selten.
Egal wie, dysfunktionale Beziehungen arbeiten in einer ständigen Eskalation auf eine Katastrophe zu.
Wenn einer der Partner oder sogar beide beginnen Kinder, egal ob kleinere oder erwachsene, in die eskalierende Beziehung mit einzubeziehen, wenn also der dysfunktionale Prozess das ganze System in seinen Bann zieht, dann gibt es Krieg. Dann werden im Zuge der Eskalation alle anderen vielleicht noch positiven Beziehungselemente überrollt von Anklage und Verurteilung, die da heißen: Der andere ist böse, falsch, er hat mir Unrecht angetan, oder was  es sonst noch an schlechten Worte gibt, die eine Beziehung zum Eskalierenden bringen und die dann, bei mehr als zwei Menschen, erheblichen seelischen Schaden anrichtet.
Kinder, ganz gleich welchen Alters, gehören nicht in den Beziehungskampf Erwachsener, weder als Klagemauer noch als Verbündete, noch als Vermittler, noch als Tröster, noch als Kraftspender oder in irgendeiner anderen Form. Das ist Missbrauch.


Freitag, 21. August 2015

Über das Verlieren


Manchmal leiden wir an unserem Leiden. Wir haben das Gefühl, dass das Leben uns gemein und unfair behandelt, wir haben das Gefühl, dass uns etwas genommen wird, das wir so dringend brauchen. Dann kommt die Enttäuschung über den Verlust und mit ihr vielleicht eine ohnmächtige Wut. Aber wir sind nicht die Wut. Die Wut entspringt dem Ego, das nicht von dem lassen kann, was uns verlassen will oder verlassen muss, weil es nicht mehr hilfreich ist oder uns sogar Kraft raubt. 
Wenn wir nicht loslassen bleiben wir in der Wut stecken. Wir fühlen uns als Opfer der Umstände. Wir werden starr und nichts kann mehr fließen. Das Leid vergrößert sich, es manifestiert sich in allen Lebensbereichen, innen und außen. Dann stecken wir fest in einem Käfig aus dem uns keiner, außer wir selbst, befreien kann. Befreien können wir uns erst dann, wenn wir die Entscheidung treffen es zu wollen. Befreiung geschieht, indem wir die Verantwortung für unseren Teil am Verlust übernehmen und uns fragen, was wir dazu beigetragen haben, dass es zu der Situation, die uns leiden macht, kam. 
Wir können akzeptieren: Es ist in Ordnung enttäuscht zu sein im Wissen, dass Verlust zum Leben gehört und dass wir eines Tages auf diese Erfahrung zurückschauen werden und ihren Wert für unseren Lebensweg erkennen. Gelingt uns das, löst sich die Wut auf und macht Platz für das wahre Gefühl: ehrliche Trauer.  
Wenn wir es nicht zulassen, dann sind wir keine Opfer, wir sind dann Reisende auf unserem Lebensweg, der sich ständig wandelt, oder wie Joseph Campbell es formuliert: "You are only a traveller on a hero´s Journey."

Und ist es nicht so? Jeder Held verliert etwas auf seinem Weg, um etwas zu gewinnen.


Aus der Praxis – Destruktive Spiele in Beziehungen



O.T. AW
Andauernde Wiederholungen der gleichen destruktiven Spiele in einer Beziehung sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Beziehungskampf aussichtslos geworden ist. Die Beziehung ist gescheitert.

Warum läuft es immer wieder so, in so vielen Beziehungen, warum ist es immer eine Frage der Zeit bis aus Beziehung Kampf wird, aus Liebe Hass oder Gleichgültigkeit? Warum muss der als Kind ungeliebte Mann immer wieder zurückgewiesen werden und die als Kind ungeliebte Frau sich immer schuldbewusst fühlen?
Warum spielen Menschen diese Spiele?

Würden sie damit aufhören wären sie mit der Frage konfrontiert: Haben wir eine Beziehung aufgebaut, die so nicht funktioniert, die nur fordert und damit überfordert – einer vom anderen und einer den anderen?

Erwarten wir vom anderen nicht zu viel, erwarten wir mehr, als er geben kann?

Erwarten wir vielleicht, was kein Mensch geben kann, nämlich das, was die Mutter oder/und der Vater nicht geben konnten?

Und müssten wir dann nicht den anderen aus dieser Verpflichtung entlassen und endlich für die unbefriedigten Bedürfnisse der eigenen inneren Kinder zu sorgen beginnen? Jeder für sich selbst, erst einmal, um zu er wachsen und die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen? Und wären wir dann nicht mit dem konfrontiert was wir so sehr vermeiden wollen: dem Schmerz des ungeliebten Kindes in uns? Dem Schmerz über die innere Einsamkeit und die Verlassensangst dieses Kindes, das nicht so geliebt wurde wie es das gebraucht hätte oder gar nicht, den Schmerz über den Missbrauch, den emotionalen oder den körperlichen, die Aufmerksamkeit, die es nur für das Fehlverhalten gab und nicht für das bloße Sein, einfach dafür, weil es ist, dieses Kind? Dem Schmerz über die vernichtenden und unheilvollen Glaubenssätze, die man uns über uns beigebracht hat, und die ohnmächtige Wut, die wir nicht ausdrücken durften, weil sie genauso wenig genützt hätte wie das Abspalten unserer schmerzhaften Gefühle um zu überleben?
Diese Konfrontation vermeiden viele Menschen, weil sie meinen, sie ertragen diesen Schmerz nicht.

Spiele sind dazu da, dem anderen die Schuld zuzuschieben und damit die Illusion aufrechtzuerhalten: „Es wäre alles gut, wenn du ...“


Spiele und Kämpfe sorgen dafür, dass Partner in der Projektion bleiben und weiter emotional rückwärtsgewandt Forderungen und Erwartungen an den anderen stellen, die immer mehr zur Enttäuschung und Frustration verkommen, weil sie gegen eine Wand rennen, wie damals in der Kindheit. Und da schlagen sie auf, zwei scheinbar Erwachsene mit ihrer alten Wut, ihrer alten Trauer, ihrem unaufgearbeiteten Leid und halten all das für die Schuld des anderen und hoffen verzweifelt auf eine liebevollere Gegenwart. Eine Gegenwart, die es solange nicht geben kann, bis die lieblose Vergangenheit im eigenen Inneren aufgearbeitet und bewältigt ist. 
Manche begreifen nie, sie suchen nach jeder Enttäuschung schnell die nächste Beziehung um wieder in der gleichen Kollision zu enden, solange bis sie vielleicht doch begreifen und an der wichtigsten Beziehung ihres Lebens zu arbeiten beginnen: der Beziehung zu sich selbst. Manche verweigern sich diesem Schritt beharrlich und leiden in einer Endlosschleife mit immer neuen Partnern, die ihren Mangel an Selbstliebe füllen sollen. Letztlich aber leiden sie lebenslang an sich selbst und nur an sich selbst. Jeder für sich und deshalb beide aneinander.


Mittwoch, 19. August 2015

Selbstliebe




wenn du nach langem suchen erkannt hast, dass kein anderer deine tiefsten bedürfnisse, sehnsüchte und wünsche erfüllen kann, lernst du dich auf dich selbst zu verlassen.
das ist der beginn einer tragenden lebenslangen beziehung.
ich nenne es selbstliebe.

Dienstag, 18. August 2015

Notiz an meinen Sohn




um im leben zu bestehen und um weiter zu kommen, braucht es nicht die anerkennung von anderen. es braucht deine anerkennung für dich selbst. es braucht deine selbstliebe, die an dich, deine möglichkeiten und deine fähigkeiten glaubt.

du brauchst vor allem wissen über dich selbst und über deine überzeugungen von dir selbst - über die schädlichen, die dir im wege stehen und die hilfreichen, die dich unterstützen.

es brauchst selbsterkenntnis um zu wissen, wer du bist und was dir möglich ist. dazu gehört auch: die eigenen grenzen zu kennen und zu achten und die akzeptanz, dass du nicht alles perfekt machen kannst. und es bedeutet: sich manchmal mit dem zu begnügen was ist.

Sonntag, 16. August 2015

Von Oben beobachtet



Sie nehmen unendlich viel im Außen wahr. 
Sie sind geradezu süchtig nach dem Außen. 
Sich selbst nehmen sie am wenigsten wahr. 
Die Meisten von ihnen gar nicht. 
Sie nehmen vielleicht ihren Körper wahr, der Hunger hat, oder Durst oder Lust oder Schmerz.  Sie nehmen ihren Verstand wahr, der lernt und Wissen ansammelt, der Entscheidungen trifft und Pläne macht und Ziele hat und Lösungen sucht für all die Wünsche und Probleme die sie haben, aber sich selbst, nein, sich Selbst nehmen sie nicht wahr.

Eine der großen Paradoxien ihres Lebens ist der Fakt, dass Selbstwahrnehmung ihnen Angst macht.

Die Focusierung auf das, was da draußen, außerhalb ihrer Selbst geschieht, blendet diese Angst aus, indem sie die Selbstwahrnehmung ausschaltet. Sie sind Co-Abhängige eines Außen, das sie unterhält und bespielt, fordert und überfordert, tritzt und erwartet, das ihnen Aufmerksamkeit schenken soll und Anerkennung und Glück und Liebe. 
Vor allem Liebe, ihnen, die sie sich nicht einmal selbst lieben, nicht wissen, wer dieses Selbst ist, das geliebt werden will.

Das im Außen SEIN – das Focusieren, das Agieren, das Partizipieren an all dem Lauten wirkt wie ein Betäubungsmittel gegen die Selbstwahrnehmung und dem, was sie bedeuten könnte.
Sie schlafen in der traumhaften Betäubung der Ablenkung und haben vor nichts mehr Angst, als zu erwachen. 

Lassen wir sie weiter schlafen und sich weiter fragen, warum ihre Welt ist wie sie ist. 
Sie wollen es nicht anders.




















Gedankensplitter


Wie kann ein Konzept Macht über dich haben?
Ohne dich gibt es kein Konzept.
Du allein gibst ihm die Macht zu sein.

Samstag, 15. August 2015

Wir können




Das Wahre ist immer hilfreich, für die, die es nutzen.
Es nutzen beginnt mit dem Erkennen.
Es leben beginnt mit jedem kleinen Schritt der Anwendung.
Sehe ich aber nur das Ziel, gehe ich vielleicht nicht los.
Im Gehen entfaltet sich der Weg.
Und mit jedem Schritt geschieht Veränderung.
Die Entscheidung liegt allein bei uns selbst.
Wir können.
Wir müssen nicht.

Aus der Praxis – Notiz zur Arbeit mit dem Inneren Kind


Um die Arbeit mit dem Inneren Kind zu beginnen und das Innere Kind mit all seinen Seiten erfolgreich in die Persönlichkeit integrieren zu können, muss ein im Alltag präsenter Erwachsener erkennbar sein. Daher ist es wichtig, bevor man die Innere Kind Arbeit überhaupt beginnt, den erwachsenen Menschen zu stabilisieren. Dazu gehört außer der Fähigkeit den Alltag zu bewältigen, auch die Kompetenz sich selbst beruhigen zu können, denn: wie soll ein Erwachsener, der ja auch Teil des Selbst ist, aber sich selbst nicht „helfen“ kann, seinem verletzten Inneren Kind eine gute Mutter und ein guter Vater sein?

Ein Erwachsener beispielsweise, der mit seiner Angst oder seiner Wut nicht umgehen kann, ist nicht in der Lage ein wütendes oder ängstliches Inneres Kind zu beruhigen, ein Erwachser, der keine Nähe erträgt, ist nicht in der Lage sein Inneres Kind in den Arm zu nehmen und es zu trösten, ein Erwachsener, der sich selbst nicht regulieren kann, kann die Emotionen seines Inneren Kindes nicht regulieren, ein Erwachsener, der ständig Grenzen überschreitet, kann dem Inneren Kind keine Grenzen zeigen, ein Erwachsener, der ein Suchtproblem hat, kann sein Inneres Kind nicht versorgen, ein Erwachsener der sich selbst ablehnt oder gar abwertet, kann sein Inneres Kind nicht liebevoll und wertschätzend annehmen.

Das Essentielle der Inneren Kind Arbeit besteht darin, einen beobachtenden, liebevollen und verantwortungsbewussten Inneren Erwachsenen herauszubilden, der sein Inneres Kind versorgen kann. Daher beginnt die Arbeit mit dem Inneren Kind, wenn sie gelingen soll, immer zuerst mit der Erarbeitung der erwachsenen Kompetenzen und Skills, bevor der Kontakt mit dem Inneren Kind überhaupt aufgenommen wird.

Freitag, 14. August 2015

Verlust

und wieder verlust
und wieder zerreißt das herz
und wieder lernen –
nichts bleibt
alles geht
vergeht

ein ich bleibt
bewegungslos
in seiner trauer





Donnerstag, 13. August 2015

Dummheit


 
zeichnung aw

dummheit ist nicht der mangel an weisheit, sie ist der mangel an fähigkeit zur selbstreflektion und daraus resultierend die unfähigheit zu weltreflexion.dummheit ist keine bewusste weigerung zu lernen und zu begreifen, sie ist ein seinszustand, der sich der entwicklung beharrlich verweigert, weil es dafür keine frühen vorbilder im leben des dummen gab.

Montag, 10. August 2015

Aus der Praxis – Gewalt in Beziehungen und Wege aus der Opferrolle


Malerei AW

Die Arbeit mit Opfern von seelischer und körperlicher Gewalt in Beziehungen ist eine enorme eine Herausforderung für Helfer und Opfer. Sie kann nur gelingen, wenn man berücksichtigt, dass das Opfer unter dem fast tranceartigen Einfluss des Aggressors steht und dieser tief in die Psyche eingedrungene Einfluss, auch wenn die Konstellation beendet ist, über einen langen Zeitraum bestehen und damit nachhaltig wirksam bleiben kann.

Alles was der Täter dem Opfer angetan hat, ob seelische oder körperliche Gewalt, wird vom Opfer verinnerlicht und wie alles tief Verinnerlichte widersetzt es sich zunächst der Befreiung. Das Opfer braucht viel Zeit um seine Wahrnehmung zu verändern, es braucht Zeit, bis ihm das, was es für normal hielt, unerträglich wird und als nicht normal fassbar wird. Damit ein Mensch sich aus einer Opfer-Täter Konstellation befreien kann, muss er verstehen, wie er überhaupt in die Falle der Gewaltspirale in der Beziehung treten konnte.

Der beste Selbstschutz ist das Begreifen
Opfer von seelischer oder körperlicher Gewalt haben ihre Grenzen meist schon sehr früh verloren oder konnten sie niemals ausbilden. Sie können einfach nicht erkennen, dass das, was ihnen wiederfährt Böses ist. Es ist ein langer Weg, um zu verinnerlichen, dass jede Form der Gewalt gegen die eigene Person, nicht normal ist. Opfer von Missbrauch und Gewalt brauchen einen geschützten Raum, sie brauchen wohlwollende Hilfe und empathisches Zuhören, um ihre Erfahrungen und Gefühle in Worte zu fassen. Das Leid muss Ausdruck finden. Das Opfer muss vor einem Zeugen zu sprechen beginnen, es muss die Gewalterfahrung erkennen und sie benennen, damit sie kritisch mit psychologischer Hilfe beleuchtet und verarbeitet werden kann.

Der Verantwortung entbinden
Das Opfer muss sich bewusst werden, dass seine Schuldgefühle oder der Glaube selbst der Verursacher des erfahrenen Leids zu sein, keinen Sinn machen und nicht hilfreich sind. Es konnte nicht anders reagieren(sonst hätte es das getan), weil es fremdbestimmt war, man muss ihm begreiflich machen, dass die Ohnmacht und die Hilflosigkeit, in der es sich befindet, nicht verdient oder gar pathologisch ist, sondern das Resultat vieler verschiedener Faktoren, wozu besonders die eigene Biografie gehört.

Der Blick in die Vergangenheit
Wenn dem Opfer der Missbrauch bewusst ist und es begonnen hat dem Täter Grenzen zu setzen oder sich von ihm zu trennen, ist es von großer Bedeutung die kindliche Vergangenheit anzuschauen um den Riss in der Seele zu finden, durch den der Täter eindringen konnte. Erst dann wird es möglich aufzudecken, was die Opferrolle bei allem Leid an unbewusster Faszination in sich trägt. 

Man muss vorsichtig sein, zu behaupten, das Opfer schaffe sich den Täter selbst. Opfer und Täter brauchen und bedingen sich gegenseitig: Ein Opfer kann nicht ohne einen Aggressor existieren und ein Aggressor nicht ohne ein Opfer. Ein potentiell gewalttätiger Mensch findet beim Anderen schnell die wunde Stelle, an der er ansetzen kann, um ihn zu erniedrigen, zu demütigen, zu missbrauchen oder sogar körperlich zu verletzen. Dass ihm das gelingt ist nicht allein in der psychischen Struktur des Opfers begründet, sondern in der Struktur des Täters und in der Struktur der Beziehung, die sich in Gewaltbeziehungen schrittweise entwickelt.

Das Profil des Täters analysieren
Daher ist ein Teil der Verarbeitung die Auseinandersetzung mit dem Täter und seiner psychischen Struktur. Geschieht das nicht, besteht die Gefahr, dass sich ein ehemaliges Opfer wieder genau solchen Personen zuwendet, die es gewalttätig behandeln. Zudem wirkt so die Erkenntnis, dass nicht sein Verhalten oder sein Sosein die Ursache der Gewalt ist, sondern der „kranke“ Charakter des Täters, der instinktiv die Schwächen des Opfers erkennt, es manipuliert und dann misshandelt und missbraucht.
  
Den Selbstwert stärken
Nach der Beendigung der Opfer-Täter Konstellation fallen Opfer oft in einen Zustand von Angst und/oder Depression, weil sie begreifen, was man ihnen angetan hat und was sie sich haben antun lassen. Sie fühlen eine innere Leere oder sind ständig in innerer Unruhe und Panikgefühlen gefangen und sehen keine Perspektive für ein normales Leben. Sie leiden unter Schuldgefühlen, glauben sogar nicht selten, es verdient zu haben, dass man sie schlecht behandelt und werten sich damit selbst ab. Um diesem Zustand zu entkommen ist es lebensnotwendig, die destruktiven inneren Blockaden aufzulösen und den Selbstwert der Betroffenen zu stärken, mit dem Ziel, dass der betroffene Mensch sich der verschütteten Ressourcen und Fähigkeiten, die er besitzt, bewusst wird und sie zu nutzen lernt. 

Dieser Prozess gleicht dem Schürfen nach Gold in einem dunklen Erdloch. Viele Opfer von Gewalt sehen nicht mehr, dass sie auch neben der Opferrolle im Leben noch etwas geleistet haben, sie haben ihren Job weiter gemacht, sich um die Kinder gekümmert etc. Sie sind nicht nur Opfer, sie haben durchaus andere Teile der Persönlichkeit, die fähig sind selbstständig und klar zu denken und zu handeln. Das zu erkennen ist für viele Opfer neu und hilfreich. Auch Menschen, die in der Kindheit missbraucht und misshandelt wurden, haben das Schreckliche „überlebt“, sie verfügen also über Ressourcen. Dennoch hinterlassen diese kindlichen Traumata lebenslange Narben in der Seele, die aber weniger schmerzen, wenn es gelingt die eigene Biografie zu akzeptieren.

Abgrenzung
Abgrenzung heißt, zu lernen in einer Situation NEIN zu sagen, die unangenehm ist und die man nicht zulassen will. Abgrenzung heißt, sich vor fremden Einflüssen zu schützen.
Der Andere spürt, dass hier klare Grenzen gesetzt werden, auch wenn er versuchen wird diese zu durchbrechen. Aber entscheidend ist, wer NEIN sagt, wer – ICH MACHE DAS NICHT MEHR MIT, ICH STEHE DAFÜR NICHT MEHR ZUR VERFÜGUNG – sagt, kommt, je öfter er das tut, langsam wieder in die Macht über sich selbst. Er lernt wieder für sich selbst zu entscheiden und die Verantwortung für seine Bedürfnisse zu übernehmen.

Es ist ein sehr langer und schmerzhafter Weg aus der Opferrolle auszusteigen, denn man darf dabei nicht unterschätzen, dass Beziehungen in denen Missbrauch und Gewalt herrschen, dependende Beziehungen sind. Es ist wie mit einer Sucht, die, so schrecklich ihre Auswirkungen sind, dennoch Entzugserscheinungen mit sich bringt.

Jede Form der Gewalterfahrung in der Beziehung ist eine traumatische Erfahrung und ihre Bewältigung ist ein hochkomplexes Unterfangen. Oft bleiben auch nach der Bewältigungsarbeit Gefühle von Angst und Ohnmacht Teil des Alltags. Sie zu überwinden gelingt nicht immer, aber mit diesen Gefühlen leben zu lernen, kann gelingen.




Weiterführende Literatur: Abschied von der Opferrolle, Verena Kast

Sonntag, 9. August 2015

Gedankensplitter




Das Universum kennt keine Leere.
Die Leere gibt es gefühlt nur im Menschen.
Das ist das Problem des Menschen, dass er fühlt, was nicht ist.
Wer aber fühlt, dass es so nicht ist, dass es keine Leere gibt, ist angedockt an die Fülle des Universums – das ist das All-Eins.

Samstag, 8. August 2015

Aus der Praxis – Von destruktiven Gedanken zu hilfreichen Gedanken




Immer wenn du wütend, enttäuscht, ängstlich, verletzt oder gelähmt bist, könntest du dich fragen:

Entspricht mein Gedanke bezüglich der Situation den Tatsachen?
Stimmt das wirklich oder sehe ich das nur so?
Gibt es Beweise, dass das, was ich denke, wahr ist?
Stimmen meine Gefühle mit der Wirklichkeit überein?
Habe ich diese Gefühle auch, wenn ich diesen Gedanken nicht denken würde?

Ist der Gedanke hilfreich, um mich so zu fühlen, wie ich mich fühlen möchte?
Ist der Gedanke hilfreich um mein Problem zu lösen?

Wenn du mit Nein antwortest, kannst du den den Gedanken loslassen mit der Erkenntnis:
Dieser Gedanke ist nicht hilfreich! 
Dann ersetze ihn durch einen hilfreichen Gedanken, z.B:
Wie könnte ich über die Sache denken um mich besser zu fühlen?
Welcher Gedanke ist hilfreich um mein Problem zu lösen?

Wie bei allem gilt: Übung schafft Wirkung :-)

Liebe?




verstehen gewichen
versprechen gebrochen
vertrauen verloren
achten missachtet
hoffen zerstört
und zuversicht aussichtslos
und alles gemeinsame einsam 
und alles an ... liebe? wut

Freitag, 7. August 2015

Gedankensplitter

zwei können sich so weit auseinander entwickeln, 
dass sie einander in der sprache nicht mehr verstehen. 
das ist moment in der zeit,
in dem sich ihre wege trennen.

Emotionslos



Es gibt Menschen, die mit Konflikten und Emotionen umgehen lernten, indem sie sie unfühlbar machen mussten. Sie hatten keine Möglichkeit, Gefühle überhaupt kennen zu lernen und den Umgang mit ihnen zu üben. Die innere Leere, die diese Menschen empfinden, ist die Folge der Leere ihrer frühen kindlichen Umgebung, in der es keine oder nur sehr wenig emotionale Kommunikation gab. 

Noch im späteren Leben bleiben ihre Gefühle diffus, sie sind sich selbst nicht „spürbar“ nahe und können es damit auch anderen nicht sein. Weil sie ihre Gefühle nicht wirklich spüren können, sondern sie sogar als störende innere Spannung empfinden, von der sich distanzieren müssen, haben sie keinen Zugang zu starken Affekten und deren Ausdruck. Die Gefühlswelt dieser Menschen ist nicht nachgereift, die kindliche Abspaltung beherrscht das Leben, das nur mit einem Teil des Ichs in der Gegenwart lebt. Der größere Teil der Person steckt in der emotionslosen Leere der Kindheit fest. 

Aus der Praxis – Vom retten Wollen




Wenn wir als Kind versucht haben, die Schwäche des Vaters auszugleichen - ihn zu „retten“ versucht haben - geraten wir als Erwachsene in der Regel an Menschen, die wir zu retten versuchen. So geraten besonders Frauen, die einen schwachen Vater erlebt haben, oft an Partner, die an einer Depression, an einer Sucht oder einem schwachen Selbstwertgefühl leiden. Sie versuchen alles Mögliche, um den Partner, wie damals den Vater, zu retten. Es wird ebenso misslingen wie der kindliche Rettungsversuch der Vergangenheit, denn keiner kann den anderen vor sich selbst retten. Dieser Rettungsversuch ist eine „Wahnvorstellung“ des Inneren Kindes, das glaubt, die eigene Ohnmacht zu überwinden, wenn es den Vater stärken kann, denn was es von ihm brauchte war Halt.

In der Psychologie nennen wir das eine 'Eltern-Lektion' zu wiederholen, in der unbewussten Hoffnung es dieses Mal zu schaffen und der gefühlten Ohnmacht, dem Mitleid und der Enttäuschung über den schwachen Vater endlich zu entkommen. Wer sich für einen anderen vergeblich aufopfert, zahlt oft einen hohen Preis und endet in Gefühlen der Bitterkeit, der Enttäuschung, der inneren Einsamkeit und einer ohnmächtigen Wut. Seelische und körperliche Krankheiten sind nicht selten die Folge.

Erst wenn einer Retter-Persönlichkeit bewusst wird, dass sie innerlich, wie in einer Art Trance, in der erlebten und nicht gelösten Vergangenheit denkt, fühlt und handelt, kann sie erkennen, dass alle Rettungsversuche nur dazu dienen, die Schwäche des Partners aufrechtzuerhalten, und sie zudem zur Schwächung der eigenen Lebenskraft führen. 

Wer sich dessen bewusst wird, dass und warum er sich in der Retterrolle so vertraut und „zuhause“ fühlt, macht den ersten Schritt, sich aus der ungesunden Verstrickung zu lösen und sich zu befreien. 

Die Befreiung beginnt wenn wir das Fenster zur Vergangenheit öffnen und uns unsere innere Beziehung zum Vater der Kindheit anschauen und dann die emotionalen Verstrickungen der Kindheit lösen – aus Liebe zu uns selbst und dem Menschen, den wir retten wollen.