Dienstag, 31. März 2015

Aus der Praxis - Der innere Schweinehund, oder warum Unterdrücken krank macht


 

C. G. Jung schrieb: „Einen Menschen seinen Schatten gegenüberstellen heißt, ihm auch sein Licht zu zeigen. Er weiß, dass dunkel und hell die Welt ausmachen. Wer zugleich seine Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten, und damit kommt er in die Mitte.“

Aus Erfahrung weiß ich, er hat Recht. Die meisten Menschen sind nicht in ihrer Mitte. Sie sind zerrissen in sich selbst, sie sind sich ihrer selbst nicht sicher und je unsicherer sie sind, desto fester versuchen sie sich an das Bild zu klammern, das sie von sich selbst haben. In diesem Bild aber fehlt etwas, nämlich das, was sie an sich selbst nicht sehen wollen.

 Alles was wir an uns selbst nicht sehen wollen nennt man Schatten. Man könnte auch der innere Schweinhund dazu sagen. Je weniger wir bereit sind Schattenarbeit zu machen, sprich unseren inneren Schweinehund aufzuspüren, desto mehr geraten wir in Gefahr, dass uns der Schatten im Außen begegnet. Jeder äußere „Bösewicht“ ist ein Repräsentant des Schattens, mit dem wir uns nicht identifizieren und den wir abspalten. Er ist der äußere Träger des fehlenden, unausgelebten oder verdrängten Prinzips unseren vollständigen Wesens.

Je massiver ein Mensch verdrängt, desto massiver werden die projizierten Träger seines fehlenden Prinzips im Außen sichtbar. Mit anderen Worten: Je mehr und je öfter uns im Außen Menschen begegnen oder Erfahrungen zuteil werden, die wir verurteilen oder zutiefst ablehnen, desto massiver ist der Hinweis auf das, was es zu entwickeln gilt um ganz zu werden.
Je beharrlicher wir versuchen, unsere Schatten zu unterdrücken, desto wahrscheinlicher wird sich diese geballte unterdrückte Energie gegen unsere Lebendigkeit wenden. Wir werden starr, weil wir uns beherrschen und kontrollieren wollen, weil wir glauben, das, was da als innerer Schweinhund in uns lebt, kann uns nur schaden, also halten wir ihn schön an der Leine und damit binden wir nicht nur das, was wir auch sind, sondern kostbare lebendige Energie. Wir tun das, weil wir Angst haben die Kontrolle zu verlieren, ins Chaos zu stürzen, orientierungslos zu werden, den Halt zu verlieren oder weil wir uns schämen, dass es etwas in uns gibt, was nicht „gut“ ist und viele von uns haben Angst verlassen zu werden, wenn die Anderen sehen, wer wir auch sind.

Wenn wir unsere Schattenenergie beherrschen wollen, leben wir nicht alle Teile der Person, die wir sind. Wir unterdrücken etwas Wesentliches und trennen uns von dem, was auch zu uns gehört. Wir schneiden es ab. Das kostet immense Kraft und dieser Schnitt schmerzt dauerhaft. Er wird zu einer Wunde, die gärt und nicht heilen will. Jede Form von Unterdrücken, ganz gleich von welcher Qualität von Lebensenergie, wirkt wie ein Störfeld, das unseren Organismus durcheinander bringt. Es kommt zu psychischen und physischen Krankheiten.

Unsere Schatten hausen dort wo unsere tiefsten Ängste sitzen, dort wo wir immer wieder mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Wut, Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht oder brennender Sehnsucht konfrontiert werden. Gefühle, die wir vor uns selbst und anderen verbergen wollen, weil wir sie als schlecht empfinden und/oder weil wir glauben sie nicht aushalten zu können. Sie stören das Bild, das unser Ego von uns hat, sie stören die Rolle, die wir uns selbst und anderen vorspielen, sie stören das Leben in dem wir uns eingerichtet haben, ein Leben von dem wir glauben nur das Gute, das Saubere, das Moralische habe darin Platz. Aber das Leben schließt alles ein und ein Leben das ausschließt, schließt die Seele ein und damit das, was sie erfahren will - und das ist weitaus mehr als ein funktionierender Alltag, der in Gewohnheit, Pflicht und Routine vor sich hin plätschert und in dem Unwägbarkeiten nicht aufzutreten haben. Aber genau dort, wo wir spüren, da ist etwas schmerzhaft, finden wir das Geheimnis intensiver Lebendigkeit.

Erst wenn wir verstehen, dass alles auch eine dunkle Seite hat und diese als gegeben anerkennen werden wir ganz. Es ist wie mit dem Teufelchen auf der einen Schulter und dem Engelchen auf der anderen, beide sitzen da, ob wir es nun wollen oder nicht. Und der kleine Teufel bleibt sitzen, auch wenn wir ihn ignorieren.

Immer mehr Menschen fühlen sich niedergeschlagen oder depressiv. Ihr ganzen Denken ist auf die Frage ausgerichtet, wie sie ihr Leben verbessern können. Aber genau mit diesem „verbessern wollen“ fokusieren sie sich auf Etwas, das im Außen als besser anerkannt wird oder sie kleben an alten Überzeugen, die man ihnen als Kind beigebracht hat, darüber wie sie selbst und ein gutes Leben zu sein haben. Sie kommen gar nicht auf die Idee dort hin zu schauen, wo das Bessere ist, nämlich dort wo etwas in ihnen selbst fehlt. Auf dieses Weise schneiden sich immer mehr Menschen von ihrer wahren Tiefe ab. Sie klammern sich an ein illusionistisches Sicherheitsdenken und nehmen sogar Situationen als Probleme wahr, die sich ihnen als Lösungen präsentieren. Was wir suchen ist da, wenn wir aufhören uns dadurch selbst abzulehnen, dass wir uns verbessern wollen. Denn das bedeutet wir mögen uns so wie wir sind nicht, wir lieben uns selbst nicht bedingunglos – wir geben uns selbst nicht die Liebe, die wir uns so sehr ersehnen. Wie also wollen wir sie von anderen bekommen? Das größte Problem, das wir haben, ist der Widerstand gegen das, was in uns lebendig werden will.

Das Außen folgt immer dem Inneren. Alles, was wir im Außen wahrnehmen  und erfahren, sind die Manifestationen unseres Bewusstseins und unseres Unterbewussten. So ist jeder äußere Widerstand, der sich uns in den Weg stellt, sei es eine Krankheit, eine berufliche oder private Krise, immer ein Träger eines ungelebten, verdrängten Teils in uns, der uns zeigen will – hier ist etwas zu entwickeln und zu (er)lösen. Aber immer dann, wenn Lösungsprozesse sich in Gang setzen will, sträuben wir uns dagegen, um unseren Ängsten nicht ins Gesicht schauen zu müssen. Wir spüren nämlich, dass wir zuerst etwas Altes aufgeben müssen, um etwas Neues beginnen zu können. Wenn wir aber Wandlungsrufe mit aller Macht verdrängen, kann sich das auf allen Ebenen des Organismus ausdrücken. Darum ist es reine Energieverschwendung einen Wandlungsruf als ungut zu bewerten und gegen ihn anzukämpfen. Je mehr Aufmerksamkeit wir dem Widerstand schenken, je drängender unser Wille ist – das soll weggehen – desto stärker wird der Widerstand, denn er wächst genau in dem Maße wie wir unsere Kraft und unsere Energie gegen ihn wenden. Diese Energie fehlt uns dann auf allen anderen Ebenen unseres Lebens. Es ist wie mit einer Pflanze, die gedeiht, wenn wir ihr Aufmerksamkeit schenken. In Falle des Widerstandes wird jedoch eine Giftpflanze wachsen, die uns langsam von Innen heraus zersetzt. Gelingt es uns aber den äußeren Widerstand als einen Spiegel unseres inneren Widerstandes zu erkennen, werden wir dazu fähig uns eine Schattenseite bewusst zu machen und sie als Teil unseres Soseins anzunehmen. Das ist das Ja zu uns selbst.

Sich selbst erkennen heißt also der eigenen Wahrheit ins Gesicht zu blicken und sie sich selbst gegenüber schonungslos ehrlich auszusprechen. Das Ego mag das alles nicht sehen und es mag das auch nicht hören, es wird, je klarer wir werden, versuchen gegen uns zu arbeiten, es wird mit aller Macht die alten Denkmuster und Überzeugungen festhalten wollen, denn es fürchtet sich vor nichts mehr, als seine Macht zu verlieren. Was wenn das Bild, das ich über all die Jahre von mir aufgebaut habe zusammenbricht? Dann bin ich erledigt, sagt das Ego. Ja, dann sind wir erledigt und zwar als der, der wir nicht sind. Aber wir werden dann zu dem was wir wirklich sind – unser eigenes Hell und unser eigenes Dunkel, wir werden ganz. Der Schweinehund darf endlich los von der Leine, er darf leben, er darf ausleben, was wir ihm nicht erlaubt haben und damit wird gestockte Energie frei.

Der Weg der Schattenintegration ist lang und er ist schmerzhaft. Ich weiß aus der eigenen Erfahrung, es tut weh zu sehen, was wir in uns selbst auch haben und was wir nicht nutzen, denn nicht jeder Schatten ist „böse“. In jedem Schatten steckt zugleich auch großes ungenutztes Potenzial, wenn wir es nur sehen wollen.

Viele Menschen suchen ihr Heil in der Meditation. Sie begeben sich auf den sogenannten spirituellen Pfad, sie hoffen auf inneren Frieden und die Fähigkeit ihr Gedankenkarussell zu stoppen, manche erhoffen sich sogar damit seelische und körperliche Krankheiten zu heilen. Das ist an sich gut und schön, aber die Meditation trägt die große Gefahr in sich, sich in eine neue Illusion zu verhaften, sie hat das Potenzial die Verdrängung aufrechtzuerhalten oder sie sogar zu manifestieren. "Wenn Sie versuchen, zu meditieren, ohne Ordnung in Ihrem Leben geschaffen zu haben, werden Sie in die Falle der Illusionen tappen“, sagt der weise Krishnamurti und er hat Recht. Er hat Recht, weil das Leben ein Erkenntnisprozess ist, der sich mit der Zeit entfaltet. Wir können diesen Prozess nicht beschleunigen und schon gar nicht herbeimeditieren, nicht bevor wir den Kanal von Innen gereinigt haben, nicht bevor die eigenen Schatten erkannt und integriert wurden. Ignorieren wir die Dynamik dieses Prozesses in dem wir uns einen Weg der Abkürzung nehmen, bestätigen wir nur wieder das Ego, das will und nicht warten kann, das verbessern will ohne vorher aufzuräumen und aus dem Keller zu holen, was gesehen werden will.

Das Ego ist unfassbar trickreich, wenn es seinen Machtverlust spürt und es ist so schlau, dass es sogar spirituelle Konzepte dazu benutzt, sich zu stabilisieren und weiter zu „verbessern“. Die wahre spirituelle Reise führt uns wie die Helden im Märchen immer auch durch die Schattenwelt und zwar durch die eigene. Die spirituelle Reise unseres Lebens bedeutet nicht, dass wir an einen anderen Ort gelangen, wo etwas auf uns wartet, was besser ist als das, was ist und was wir glauben  nicht zu haben. Sie führt dahin uns in unserer ganzen Person zu begreifen und uns unserer Bestimmung bewusst zu werden. Und die liegt nicht im friedlichen Nirwana eines idealen Ortes irgendwo da Vorne, wie wir es gern hätten, sie zu finden ist ein Prozess der nach Innen geht und zwar nach Hinten in die Erinnerung an unsere wahres Wesen mitsamt dem, was wir verdrängen. Jeder der diese Reise gemacht, weiß, der Weg geht zuerst einmal durch die dunkle Nacht der Seele, denn nur an diesem Ende beginnt ein neuer Morgen.

Sich selbst erkennen heißt, sich an sich selbst erinnern und zwar an das, was von Beginn an in uns ist. Was du nicht lebst, lässt dich nicht leben, sagt eine alte Therapeutenweisheit. Ist diese Frage beantwortet, kann die Heilung beginnen.














Montag, 30. März 2015

Über den Neid


 
"Der Neid", Acryl auf Leinwand


Neid 
das Gefühl vom Leben ungerecht behandelt zu sein

Neid 
das Gefühl den Anderen geht es besser

Neid
die Gier des Habenwollens

Neid 
geboren aus der Unzufriedenheit des Selbst mit der Welt

Neid
der Stich der ins Mark trifft 
angesichts derer, die es besser haben, mehr haben ...

Neid
die Mißgunst gegenüber dem Glück anderer

Neid 
die Abwesenheit von Wohlwollen

Neid 
das Gefühl des zu kurz gekommen Seins

Neid
der Nährboden der Feinseligkeit

Neid
die empfundene Kränkung des Egos

Neid 
der Urgrund von Rivalität

Neid 
geboren aus dem Vergleich 

Neid
die schleichende Zerstörung von Mitmenschlichkeit

Neid 
die giftige Melange aus Wut, Ohmacht, Trauer und Hass

Neid 
der Ausdruck gefühlter Wertlosigkeit


Sonntag, 29. März 2015

Geschnatter





was leute über leute meinen 
zu meinen müssen
ist nichts weiter
als das bedürfnis meinen zu müssen. 

geschnatter in köpfen
geschnatter aus mündern
schnatterndes meinendes eigenes
mein ung  
anderen übergestülpt.

 
 

Die Haltung zum Trauma





Wer eine traumatische Erfahrung machen musste weiß, dass das Leben gefährlich ist. Er hat erfahren, dass nichts von Dauer ist, er weiß, alles kann von einem Moment zum anderen zerstört werden. Ein solcher Mensch spürt eine andauernde Trauer und eine tiefe Melancholie gegenüber allem, was vergeht. Es verliert das Gefühl, das Leben einfach zu genießen, denn er hat das instinktive Bewusstsein, dass alles vergänglich ist, dass alles Leben sterblich ist, verinnerlicht. Dieser Mensch weiß, dass Veränderung unausweichlich ist und alles Sein in einem einzigen Augenblick erschüttert werden kann. 

Dieses Bewusstsein ständiger Gefahr kann zu tiefen Depressionen und anderen seelischen Störungen führen, aber es kann auch zu einer außergewöhnlich lebensbejahenden Haltung werden, die darin liegt, die Absurdität des Lebens zu akzeptieren und zu verinnerlichen, dass es nichts gibt als den Moment und ihn bewusst zu (er)leben.

Freitag, 27. März 2015

Gedankensplitter





Jedes kategorische Nein zur Meinung oder dem Erfahrungsschatz des Anderen, ist eine Aussage des Egos, das in seiner Selbstgebundenheit erstarrt ist.

Vom Lehren

Ein guter Lehrer lernt vom Schüler, so wie ein guter Schüler vom Lehrer lernt.
Der Lehrer, der glaubt zu wissen, was für den Schüler das Beste ist, ist ein schlechter Lehrer.
Er hat seine Lektionen nicht gelernt.
Er lehrt um des Lehrens willen.
Das ist die schlechteste Lehre für den Schüler.

Montag, 23. März 2015

Gedankensplitter



   
             die lüge macht uns solange machtlos, 
         solange wir sie glauben.

Sonntag, 22. März 2015

Gedankensplitter




es gibt leute, die zweifeln alles an, was man ihnen sagt.
das sind die selben leute, die nicht anzweifeln, 
dass ein stuhl ein stuhl ist, 
weil man es ihnen einmal sagte.

Samstag, 21. März 2015

Manifestation




Wenn sich durch sinnhaftes Denken - im Sinne es hat Sinn - dein Unglück besser anfühlt, ist es Zeit darüber nachzudenken, wozu du an diesem Unglück fest hälst. Zeit, dich zu fragen, wozu es dir dient. 

Jede affirmative oder gedankliche Bestätigung des Unglücks hält es aufrecht.

Wenn du aber beginnst am Positiven deines Unglücks zu zweifeln und den Willen aufbringst, das Unglück zu hinterfragen und das, was es aufrecht erhält, wenn du dich entscheidest, es überwinden zu wollen, handelst du positiv.

Anders gesagt: Egal ob du dein Problem bestätigst, indem du es dir möglicherweise als sinnhaft einredest oder ob du es verfluchst - du schenkst dem Problem damit Aufmerksamkeit.

Alles, dem du Aufmerksamkeit schenkst, bleibt bestehen und wächst. Wenn du dein Problem in seiner Tiefe begreifst und dein Denken und Handeln nach dem Verstehen änderst - kann es sich auflösen.

Donnerstag, 19. März 2015

Ins Gesicht geschrieben




was immer du denkst, es steht dir ins gesicht geschrieben. 
jeder gedanke legt sich in deinem gesicht nieder. 
so zeigt dein gesicht den zustand deiner geisteshaltung. 
gedanken gleichen narben, die sich eingraben. 
sie hinterlassen bleibende eindrücke.
dein gesicht ist spiegelbild, ist sensibles medium, das all deine gedanken widergibt.
der körper folgt dem geist.
er ist die nach außen gerichtete erfahrung des geistes.
du bist kein clown, der die maske ablegen kann.

Mittwoch, 18. März 2015

Schmerz

es ist schwer über die schmerzen der seele zu sprechen.
es ist noch schwerer über die schmerzen des leibes zu sprechen.
und doch sprechen beide miteinander und von einander.

es ist schwer die schmerzen der seele zu heilen.
es ist noch schwerer die schmerzen des leibes zu heilen.

und doch geschieht beides niemals unabhängig voneinander.

Weitergehen




Die Wand, Foto AW

Du idealisierst die Liebe. Es tut dir nicht gut. Deine ganze Kraft fließt in diese Idealisation, während die Wirklichkeit leer bleibt. Du brauchst die Kraft für dich. Ich kann dir nicht helfen und du mir nicht. Zwischen dir und mir steht die Wand unserer alten Verletzungen. Sie steht zwischen uns selbst und der Welt. Sie verhindert so vieles.   

Solange die Wand existiert gibt es keinen Frieden, nicht in uns selbst und nicht miteinander. 

Tag für Tag stehe ich vor dieser Wand. Ich kenne alle Steine aus denen sie errichtet ist. Ich frage mich wie viel Zeit ich noch habe um sie Stein für Stein abzutragen, um endlich weitergehen zu können, den Weg zu mir selbst und zur Liebe. 

Dienstag, 17. März 2015

Gedankensplitter




Gefangen in den Vorstellungen wie etwas zu sein hat,
unfähig das eigene So-Sein anzunehmen
sich der Entwicklung des Lebens verweigernd,
blockiert von alten Glaubenssätzen,
bleibt ein bedürftiges Kind.

Donnerstag, 12. März 2015

Von der Verantwortung für andere und gegenüber uns selbst





wir alle sind auf dem weg, jeder auf seinem weg. auch wenn wir die gangart anderer nicht verstehen können oder sogar nicht gut finden - jeder hat seine eigene gangart und wir können andere nicht nach unserem bild formen und sie vor nichts bewahren.

das ist gerade dann schwer einzusehen, wenn ein mensch, dem wir sehr nahe stehen einen weg geht, der ihm nicht gut tut. wir stehen da und sind traurig, vielleicht sogar enttäuscht, weil er es doch längst besser wissen müsste. der mann zum beispiel, der versprochen hat nicht mehr zu trinken und es doch wieder tut, das kind, das kifft, obwohl wir ihm immer wieder eindringlich gesagt haben, es ist gift, was es da in seinen körper inhaliert, die tochter, die die schule schmeisst, weil sie keinen bock mehr hat, oder die beste freundin, die noch immer an dem mann hängt, der sie sie schlecht behandelt und die mehr angst vor dem alleinsein hat als vor der unabhängigkeit oder der freund, der in sein messiewohnung im dreck versinkt.

viele von uns kennen das. wer es kennt, kennt die ohnmacht, die sich ausbreitet, angesichts der vergeblichkeit aller bemühungen den anderen zu retten. es tut weh miterleben zu müssen wie sich ein mensch selbst schaden zufügt und dieses weh überschattet das eigene leben. es schmerzt, weil wir den anderen lieben und ihm das beste wünschen und wir nichts, aber auch nichts dafür tun können, wenn der andere es nicht zulässt. angesichts der vergeblichkeit unserer worte und hilfsangebote schwanken wir immer wieder zwischen trauer, wut und verzweiflung. ich kenne diese gefühle gut und ich weiß, was sie mit mir machen können, wenn ich mich in ihnen verliere - sie belasten mein leben. die last des anderen liegt auf mir wie ein stein und macht mir das gehen schwer, sie beschwert meine leichtigkeit und erdrückt meine freude. "lass ihn, lass endlich los", sagt der verstand, aber das herz weint und sagt: "du bist verantwortlich für ihn, weil du ihn lieb hast."

ist das wirklich wahr?
haben wir die verantwortung für einen anderen menschen? können wir wissen, was für einen anderen sinn macht?

"du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." lautet ein satz in antoine de saint-exupéry kleinem prinzen. diesen satz sagt der fuchs zum kleinen prinzen, als die stunde des abschieds kommt und der kleine prinz wiederholt den satz, um ihn sich zu merken, weil es ein wichtiger satz ist, ein wertvoller satz für den kleinen prinzen und ein wahrer satz für das bestehen von beziehungen.

aber wie weit geht unsere verantwortung? geht sie so weit, dass wir dem anderen die verantwortung für sich selbst abnehmen können? und was, wenn der andere das gar nicht will oder nicht zulässt? was wenn der andere gar nicht wahrnimmt, wie sehr er sich selbst schadet?

dann stehen wir da mit unserem wollen gegen ein anderes wollen ankämpfend.
und genau da hört die verantwortung auf, dann nämlich, wenn der andere es nicht will.
und dann gilt es das zu achten, auch wenn es unendlich schwer fällt und es uns innerlich zerreisst.
und es ist sch ... egal, ob wir recht haben mit dem, was wir sehen –  der andere will tun, was er tut oder meint es tun zu müssen oder er will zwar nicht, kann aber nicht anders. so manches nicht anders können hat menschen ins elend getrieben, sie haben sich, entgegen ihres wollens, weil sie aus irgendeinem tiefen grund, den nicht einmal sie verstehen, nicht konnten, zugrunde gerichtet. etwas in ihnen ist stärker als alle vernunft und hat macht über sie. gegen diese macht sind diese menschen machtlos und wir sind es damit auch.

da hilft kein appell an einsicht. es gibt menschen, die nicht gut für sich sorgen, die nicht einmal begreifen, dass sie sich selbst schaden und es gibt menschen, die keine werkzeuge haben um sich gegen ihre inneren dämonen zur wehr zu setzen. wenn sie diese werkzeuge nicht haben und wir ihnen zum hundertsten mal ins gewissen geredet haben und ihnen zum tausendsten mal unsere hilfe angeboten haben, dann ist schluss mit der verantwortung für das, was wir uns vertraut gemacht haben. eine einsicht, die unser eigenes leben, wenn wir sie nicht aushalten können, mit zerstören kann.

es gibt nichts schwereres als einen menschen, den wir lieben, leiden zu sehen. es ist schlimmer als alles, was uns selbst leiden lässt. das ist meine erfahrung.

und was machen wir dann?
wir können nichts machen, wir können nichts für den anderen machen. wir sind am ende.
und das macht etwas mit uns, bei jedem etwas anderes. es gibt fälle in denen ein alkoholiker seine ganze familie mit ins verderben genommen hat, es gibt fälle, da hat sich eine mutter aufgegeben, weil das kind drogenkrank wurde, es gibt fälle, da hat sich ein mensch das leben genommen, weil er das leid des anderen nicht mehr ertragen konnte. all diese menschen sind nicht nur an der verantwortung für den anderen zerbrochen, sie sind an der verantwortungslosigkeit sich selbst gegenüber zerbrochen. aber macht das sinn? hilft das irgendeinem der beteiligten? nein. es ist eine ausweitung von leid, ein übernehmen von leid, das uns nicht gehört.

wenn wir einsehen, dass wir keine macht über andere haben, sagt das nicht, das wir keine macht über uns selbst haben und vor allem – eine verantwortung für uns selbst.

die anderen können wir nicht retten, niemals, wenn sie es nicht zulassen wollen oder können, aber uns selbst können wir retten und das erfordert manchmal übermenschliche kraft. die kraft das eigene leben zu leben und gut für uns zu sorgen, auch wenn der geliebte mensch alle selbstfürsorge in den wind schießt, ist eine kraft, die wir nur dann haben, wenn wir akzeptieren können, dass jeder mensch erst einmal für sich selbst verantwortlich ist und wir unsere allmachtsfantasien vom retter in der not begraben. das klingt hart, aber es ist wahr.

alle kindheitstraumata, alle wunden, die das leben schlägt, sind angriffe auf unsere lebenskraft. manche menschen werden derart geschwächt, dass sie diese kraft verlieren. wir können dann nur bei ihnen sein, aber ändern, wenn diese kraft in ihnen verloren ist, können wir die haltung und das verhalten dieser menschen nicht und damit können wir sie auch nicht retten. aber um bei ihnen zu sein, um für sie da zu sein, denn das ist irgendwann alles, was wir für sie tun können, müssen wir mit unserer eigenen lebenskraft gut haushalten und das bedeutet auch – das verändern wollen gegen den willen oder das können des anderen aufzugeben, denn tun wir das nicht, kostest es uns im zweifel unsere eigene lebenskraft.

mitleiden hilft keinem, mitfühlen hilft jedem. sich selbst für einen anderen aufgeben hilft niemanden.





Dienstag, 10. März 2015

Von der Achtung vor dem geistigen Gut




Ich will gelassener werden. Mich weniger über Handlungsweisen von Menschen wundern, die mir missfallen, mich ärgern oder gar verletzen. Ich nehme mir immer wieder vor bei mir selbst zu bleiben, bei meiner Wahrheit, bei meinen Gedanken über die Dinge wie sie sind oder das Leben, wie es ist, in meinen Augen, in meinem Fühlen, ohne meine Kreise von jenen stören zu lassen, die  meine Integrität nicht achten.

Allzu oft führt uns das Außen, all die Impulse, die es sendet und die wir aufnehmen, von uns selbst weg. Das ist einerseits gut, denn ohne die Interaktion mit anderen bleiben wir stehen, verfestigen wir Standpunkte, Ansichten und Meinungen, die vielleicht nicht vorteilhaft für uns sind und uns nicht weiter bringen. "Man kann nicht nicht kommunizieren", sagte der kluge Paul Watzlawick und er hat, wie bei so vielem, was er sagte, Recht. Zumindest sehe ich das so. Kommunikation ist wichtig, denn sie bedeutet Austausch und Reflexion über das Eigene hinaus und sie ist der Klebstoff, der Menschen verbindet.

Das Andere mit seinen Meinungen, seinen Sichtweisen und seiner Empfindung dem Leben gegenüber, wirft uns auf uns selbst zurück. Das Andere ist eine Form des Abgleichens mit dem, was wir denken und fühlen. Und der Abgleich mit dem anderen ist am Schönsten, wenn er dem, was wir denken und fühlen ähnlich ist, wenn wir die Sprache des Anderen verstehen, ohne Worte, weil sie der unseren gleicht.

Der Mensch sucht Bestätigung seines individuellen In-der-Welt-seins. Menschen brauchen Anerkennung. Ohne Anerkennung, ohne die Achtung, ohne die Sympathie, ohne die Liebe anderer fehlt uns etwas Wesentliches. Kinder, die keine Anerkennung von ihren Eltern bekommen suchen sie ein Leben lang, weil ihnen fehlt, was ihnen das Gefühl gibt gewollt, geachtet und geliebt zu sein, dafür, dass sie sind und dafür, was sie denken, fühlen und tun.

Ein Mensch ohne Anerkennung ist ein einsamer Mensch: Er ist ein Mensch mit einem fragilen Selbstkonzept, ein Mensch, der sich selbst als wertlos empfindet, ein verzweifelter Mensch.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: Anerkennung hat mit Achtung zu tun - vor dem anderen und seinem Sein, vor dem anderen und seinem Wirken in der Welt.

Achtung ist ein Wort, das wir in unserer Zeit wenig achten. Wir haben es nicht so mit der Achtung. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft, eine Konsumgesellschaft, eine Internetgesellschaft und der Konsumgeist trägt die Tendenz zum Wegwerfen in sich. Mir scheint, dass auch die Achtung der Menschen voreinander dieser Wegwerftendenz mehr und mehr zum Opfer fällt. 

Wer die Dinge nicht achtet, achtet auch die Menschen nicht, denn die Dinge sind von Menschen gemacht. Zu diesen von Menschen geschaffenen Dingen gehören auch Worte von Menschen, die sie gedacht und aufgeschrieben haben. Geistiges Gut, das Achtung verdient.

Geistiges Gut, das sind Bücher, Bilder, Gemälde, Fotografien, Musik, Ideen und Konzepte, von Menschen geschaffen, die ihren Geist eingesetzt haben, die gerungen haben mit sich selbst und dem Werk, mit dem Willen es zu perfektionieren bis zu dem Moment, wo es stimmig für sie war. Das ist ein Prozess, der neben aller Freude Mühe macht, das ist Arbeit, achtenswürdige Arbeit. So sehe ich das. Manche, eben diejenigen über die ich mich nicht mehr wundern oder ärgern will, sehen das anders.

Nun, jeder hat das Recht auf seine Sichtweise, ich weiß das, so wie ich weiß, dass jeder seine eigene Wahrheit hat und jeder in seiner eigenen Realität lebt und ich versuche das zu achten, auch wenn es mir bisweilen auch nicht ganz leicht fällt.

Besonders schwer fällt mir das, wenn ich sehe, dass Menschen es mit der Achtung vor dem geistigen Gut von anderen nicht so genau nehmen, oder es schlicht ignorieren. Wenn sie, beispielsweise Zitate benutzen - was ich schön finde, denn viele Zitate sagen mit wenigen oder mehr Worten viel Wahres und viel über das eigene Innere, was eigene Worte so vielleicht nicht sagen können - und dann dem, dem diese Worte entsprangen, nicht die Achtung erweisen ihn zu nennen, ganz gleich ob der Urheber tot oder lebendig ist.

Zitieren bedeutet etwas übernehmen, bedeutet, dass ich etwas (be)nutze, was nicht meins ist, es "für" mich sprechen lasse und es sage, oder kenntlich mache, dass ich es "für" mich sprechen lasse. Zitate mache ich kenntlich, in dem ich den Urheber nenne, den geistigen Urheber nämlich.
Das macht man doch so, oder?

Ich habe viel gelesen, ich lese, weil ich über mein eigenes Denken und meinen eigenen Erfahrungshorizont hinaus wissen will, ich will wissen und ich will verstehen - das Leben, die Menschen und damit auch mich selbst, denn ich bin ein Teil dieses Lebens und ein Teil der Menschheit. Und weil ich recht viel Wissen habe, erkenne ich, auch wenn ein Zitat nicht gekennzeichnet ist, in dem meisten Fällen, ob die Worte des Zitierenden seinen eigenen Gedanken entspringen, oder "geklaut" sind. Und vor allem erkenne ich, was ich selbst geschreiben habe, egal wie lange es her ist.

Geklaut, genau das hat man, wenn man zitiert ohne den Urheber zu nennen - man stiehlt. Ja, das ist Diebstahl geistigen Gutes. Und das hat mit Missachtung zu tun. Und das missfällt mir sehr. Und es hat mit Grenzverletzung zu tun, und diese habe ich schon als Kind erfahren müssen. Das war schmerzhaft und ich weiß, wie es sich einfühlt, wenn ein Mensch die Grenze des anderen überschreitet und sich etwas von ihm nimmt, ohne sein Einverständnis - genau das ist Diebstahl geistigen Gutes auch - eine Grenzverletzung.



(c) Angelika Wende 

Alle Texte, Fotos und Bilder sind mein geistiges Eigentum. Veröffentlichung für eigene Zwecke nur mit meinem Einverständnis. Und bitte auch keine Texte oder Textteile herauskopieren. Zuwiderhandlungen werde ich, aufgrund eines entsprechenden Vorfalls, rechtlich verfolgen lassen.

Eine philosophische Psychologie





Nur eine philosophische Psychologie öffnet den geistigen Raum um den Leiden der Seele, um Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, Schuld, Scham und Melancholie auf der Ebene eines Höheren Selbst in Augenhöhe zu begegnen. 

Die bildende Kunst, als weiteres Mittel um die Sprache der Psyche zum Ausdruck zu bringen, in ihre tiefsten Schichten vorzudringen und sie damit ans Licht zu holen und über das Symbolhafte zu verstehen, gehört für mich unabdingbar, als weiterer Zugang zum Unbewussten, dazu. Vielleicht ist sie sogar der Königsweg zum Heilwerden.

Sonntag, 8. März 2015

Das Gesetz der Resonanz – Wie wir Schwingungen erkennen, die uns schaden


Das Gesetz der Resonanz, wir alle haben schon einmal davon gehört, aber was genau besagt Resonanz, denn das muss man wissen, um das Gesetz zu verstehen. 
Schon 1602 befasste sich Galileio Galilei in seinen naturwissenschaftlichen Forschungen mit den Schwingungen und Resonanzen von Pendeln und Saiten und stand somit als Vorreiter am Beginn der neuzeitlichen Naturwissenschaft. 

Resonanz (lateinisch resonare „widerhallen“) bedeutet in der Physik das verstärkte Mitschwingen eines schwingfähigen Systems, wenn es einer zeitlich veränderlichen Einwirkung unterliegt. Dabei kann das System um ein Vielfaches stärker ausschlagen als bei der konstanten Einwirkung der Anregung mit ihrer maximalen Stärke. Bei periodischer Anregung muss die Anregungsfrequenz oder ein ganzzahliges Vielfaches davon in der Nähe einer Resonanzfrequenz des Systems liegen. Dieses Phänomen kann bei allen schwingfähigen physikalischen und technischen Systemen auftreten. In der Technik werden Resonanzen daher genutzt, um eine bestimmte Frequenz herauszufiltern oder sie zu verstärken, wenn sie gewünscht ist. Wo eine Verstärkung nicht gewünscht ist müssen unerwünschte Resonanzen vermieden werden. In der Kernphysik bedeutet Resonanz, dass sich bei einem Stoßvorgang mit einer bestimmten kinetischer Energie zwei Teile zu einem kurzzeitig gebundenen System in einem von dessen möglichen Energiezuständen vereinigen, und zwar zum sogenannten Compoundkern. Der Compoundkern, also der zusammengesetzte Kern, ist ein instabiler, kurzlebiger Atomkern, der bei manchen Kernreaktionen entsteht. Er entsteht durch vollständige Vereinigung von Projektilteilchen, wie Proton, Neutron, Alphateilchen mit dem getroffenen Kern, dem Targetkern. Durch den Gewinn an Bindungsenergie befindet er sich in einem angeregten Zustand hoher Energie und kann einen hohen Gesamtdrehimpuls haben. 

Das Gesetz der Resonanz ist also ein physikalisch nachgewiesenes Gesetz, das grob besagt, dass alles Schwingungen erzeugt und sich diese Schwingungen dazu nutzen lassen das eine mit dem anderen zu verbinden und es sogar zu verstärken. Diesem physikalischen Gesetz liegt die Annahme zugrunde, dass alles Energie ist und Energie Schwingungen erzeugt und ins Außen abgibt. 

Wir spüren diese Energie zum Beispiel, wenn wir uns von einem Menschen magisch angezogen fühlen. Wir spüren diese Energie, wenn wir verliebt sind und das Gefühl haben, unsere Seele schwingt im Gleichklang mit der Seele des Geliebten. Das fühlt sich zutiefst verbunden an. Wohl dem, der es schon einmal erlebt hat, es ist ein magisches Gefühl. 

Zurück zur Resonanz. Gehen wir davon aus, dass Gedanken und Gefühle Energie haben, müssen wir auch anerkennen, dass diese Energie wiederum auch Schwingungen erzeugt. Auch das kennen viele von uns: Wir denken, diese Prüfung werde ich nie schaffen und fühlen uns ängstlich und unsicher. Mit diesen Gefühlen treten wir zur Prüfung an und sind derart gelähmt, dass wir sie letztlich sogar verhauen. Das Gefühl hat uns also nicht getäuscht, bestätigen wir uns selbst, aber in Wahrheit hat unser Gedanke: „Das schaffe ich nie!“ das Gefühl erzeugt es nicht zu schaffen und genau danach haben wir auch gehandelt. 

Das Leben zeigt uns also immer wieder Gedanken haben Macht und Gedanken schaffen Gefühle, die Kraft haben oder eben schwächen. Die stärkste Macht aber haben die Gedanken, die uns nicht bewusst sind, denn wir sind ihnen hilflos ausgeliefert, weil wir sie nicht beeinflussen können, solange wir sie nicht in unser Bewusstsein holen.

Ein weiteres Beispiel: Eine Frau zieht immer wieder „kaputte“ Männer an, die sie zudem nach einer Zeit des Zusammenlebens schlecht behandeln. Sie fragt sich, warum passiert mir das immer wieder. Gräbt man nun in der Vergangenheit dieser Frau kommt an die Oberfläche: Diese Frau wurde als Kind von ihrem Vater schlecht behandelt und weil Kinder immer glauben sie seine Schuld daran, wenn man sie schlecht behandelt, hat diese Frau schon sehr früh die Überzeugung verinnerlicht: „Ich bin schlecht, also habe ich nicht Gutes verdient. Diese Gedanken sind Energie, die sie nicht nur im limbischen System ihres Gehirns, sondern in ihrem ganzen Körper, in jeder Zelle gespeichert hat. Kein Wunder also, dass sie nach dieser inneren Überzeugung unbewusst Männer anzieht, die ihr dieses Gefühl von Wertlosigkeit immer wieder bestätigen. Sie zieht diese Art Männer an, weil die innere Überzeugung nach dem Gesetz der Resonanz Schwingungen aussendet, die mit der „kaputten“ Energie solcher Männer in Resonanz tritt. Diese Männer wiederum spüren instinktiv, dass sie diese Frau schlecht behandeln können. Meist sind diese Männer selbst schwache Menschen, die wie die Frau ein Gefühl von Wertlosigkeit in sich tragen und sich größer fühlen, wenn sie andere, die sie als noch wertloser empfinden klein machen können. Ja, Unbewusstes erkennt Unbewusstes instinktiv – es tritt in Resonanz – im Guten wie im Unguten.

Schwingungen übertragen sich demnach von dem Menschen, der sie erzeugt, auf die Außenwelt und rufen dort entsprechende Wirkungen hervor, und zwar dort wo ähnliche Schwingungen herrschen, unabhängig davon, ob dieser Mensch sich dessen bewusst ist oder nicht. Die meisten sind sich dessen nicht bewusst. 

Seinen Ursprung findet der Begriff „Gesetz der Anziehung“ im 19. Jahrhundert in der US-amerikanischen New Thought Movement Bewegung. Größere Bekanntheit erreichte das Gesetz der Resonanz 2006 durch den Film „The Secret“ und das gleichnamige Buch von Rhonda Byrne. 

Nach dem Gesetz der Anziehung oder dem Gesetz der Resonanz, wird also die Annahme bezeichnet, dass gleiche Energie gleiche oder ähnliche Energie anzieht. Diese Vorstellung bezieht sich speziell auf das Verhältnis zwischen der Gedanken- und Gefühlswelt eines Menschen und seinen äußeren Lebensbedingungen. Es wird von einer gesetzmäßigen Analogie zwischen Innen- und Außenwelt ausgegangen. Man kann davon halten was man will, schauen wir uns einmal in unserem Außen um, so kommen wir in der Tat nicht umhin da einige Parallelen zu unserem Inneren festzustellen. 

Im Prinzip handelt es sich hier um nichts anderes als um das Prinzip der Kausalität, nämlich Ursache und Wirkung, das besagt: Jede Ursache hat ihre Wirkung. Und somit haben alle Gedanken (Ursache) ihre Folgen (Wirkung). Was wir über uns denken wirkt auf das, was oder wie wir uns fühlen und diese Gefühle werden zu Handlungen und schaffen somit eine fühl- und sichtbare Wirkung im Außen. Manchmal sind unsere Gedanken so stark, dass sie eine Energie produzieren, von der sich andere angezogen oder abgestoßen fühlen – je nachdem ob sie mit unseren Gedanken in Resonanz gehen oder nicht. Wie sagt der Volksmund so treffend: „Gleiches zieht Gleiches an“, oder: „Wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es auch zurück.“ 

Nun könnte man sagen, diejenigen, die mit unseren Gedanken in Resonanz gehen werden sich mit unserer Schwingung verbinden – im Guten wie im Schlechten. Nun haben wir aber alle nicht nur einen Gedanken. Wir denken c.a. 60.000 Gedanken an einem einzigen Tag, die in unserem Kopf herumschwirren. 

Die Neurobiologie hat herausgefunden, dass Gedanken elektrische Impulse und chemische Umschaltungen im Gehirn auslösen. Erhält das Gehirn einen solchen elektrischen Impuls startet es sofort. Es reagiert auf den Gedanken indem es chemische Substanzen im Körper freisetzt und versetzt das zentrale Nervensystem in Bereitschaft entsprechend zu reagieren und zu handeln. Herausgefunden hat man auch, dass wir neben c.a. siebzig Prozent flüchtigen Gedanken, die dennoch Wirkung auf uns selbst und unser in-der-Welt-sein haben, im Durchschnitt mehr destruktive Gedanken denken, die uns schaden, als hilfreiche Gedanken, die uns nützen. Die geringste Zahl der Gedanken sind, man staune - aufbauende, hilfreiche Gedanken. 

Was wir denken sendet also Informationen aus und zwar zuallererst an uns selbst und dann ins Außen und somit werden Gedanken zu einer Absicht. Mehr noch, sie werden zu Materie. 

Eine Erkenntnis aus der Quantenphysik besagt: Das Gehirn generiert einen Gedanken und das dazu passende Gefühl. Das Konstrukt aus Gedanke und Gefühl wirkt auf die Verbindung zwischen den Molekülen. Die Moleküle sind über Elektronen und deren Rotationsmoment (Spin) miteinander verbunden. Der Geist beeinflusst genau diesen Spin. Die Molekül-Verbindungen werden verändert. Dabei entstehen Proteine. Die Proteine verändern Membrane und sorgen dafür, dass Aktionspotentiale entstehen. Die Aktionspotentiale sorgen für elektrische Impulse. Diese Impulse werden über Nerven an die Muskeln gesendet, was zu einer Bewegung von Materie führt. Diese hat eine Energie, eine Schwingung und tritt mit dem in Resonanz, was ähnlich schwingt. 

Die Psychologie weiß längst, dass die Gedanken die Menschen am häufigsten unbewusst denken, zu Glaubenssätzen über die eigene Person werden. Diese Glaubensätze schaffen innere Überzeugungen nach denen wir fühlen und nach denen wir handeln, und zwar unbewusst. Im Grunde befindet sich der Mensch also in einer Art Trance, die vom Unbewussten gesteuert und solange aufrecht erhalten wird, bis die inneren Überzeugungen erkannt, überprüft und mit der Wirklichkeit im Jetzt auf ihre Richtigkeit und ihre Sinnhaftigkeit abgeglichen werden. So wirkt Heilung. 

Schon Buddha und viele Philosophen wussten: Alles was wir sind,
 ist das Resultat dessen,
 was wir denken. „Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele 
die Farben deiner Gedanken an“, schrieb Marc Aurel in einer Zeit, in der an Hirnforschung und Psychoanalyse noch nicht zu denken war. Es muss also etwas dran sein am Gesetz der Resonanz. 

Jeder sich mit dem Bereich Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt, erkennt irgendwann das Resonanzprinzip. Sehen wir uns nochmal das Sprichwort: „Wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es auch zurück“, an, denn es beschreibt das Resonanzprinzip am einfachsten.

Wir alle rufen ständig bewusst oder unbewusst Dinge in den Wald. Oder sagen wir besser: in unsere kleine Welt. Die Stimme, die aus der Welt zurückkommt, hat meistens etwas damit zu tun, was wir vorher in die Welt hineingerufen haben.

Aktion – Reaktion, Ursache – Wirkung.
Verbreite ich zum Beispiel im Büro stets miese Laune, kommt irgendwann miese Laune zurück, lasse ich alles laufen, läuft alles aus dem Ruder, bin ich motiviert, motiviere ich andere, es sei denn, sie treten nicht mit mir in Resonanz und muffeln weiter, dann wird sich die Beziehung früher oder später auflösen, weil es keine gemeinsame konstruktive Energie gibt. Nach dem Resonanzprinzip gibt es keinen einzelnen Verantwortlichen, es gibt immer nur eine Reihe von Mitspielern, die durch ihr Tun oder ihr Unterlassen einen Anteil an der Situation haben.

Es kann nämlich auch etwas aus der Welt zurückkommen, weil wir vorher etwas nicht in die Welt gegeben haben. Das heißt, auch Unterlassungen spielen beim Resonanzprinzip eine Rolle. Wenn ich es unterlasse für gute Stimmung zu sorgen, kommt garantiert auch keine gute Stimmung zurück, wenn ich es unterlasse, mich um meine Arbeit zu kümmern, kommt auch nichts zurück, wenn ich es unterlasse, mit meinen Nächsten achtsam umzugehen, kommt auch keine Achtsamkeit zurück u.s.w.

Unter den Verfechtern des Resonanzprinzips gibt es übrigens auch jene, die behaupten (z.B.The Secret), dass das Prinzip immer und überall gilt, dass also grundsätzlich alles im Leben, was uns geschieht, etwas mit uns selbst zu tun hat. Diese Sichtweise dogmatisch und äußerst gefährlich und von Hochmut durchdrungen. Ich teile sie ich nicht, denn unser Leben liegt nicht allein in unserer Hand, es gibt etwas das größer ist als wir. Leben hängt immer auch von Einflüssen ab, die jenseits unseres Einflusses liegen.

Für mich ist das Resonanzprinzip eine sinnvolle und hilfreiche Methode um in unguten Situationen über meinen Anteil nachzudenken und um Situationen zu analysieren und sie aufzulösen.

Wie kann man mit dem Resonanzprinzip arbeiten?
Nehmen wir an, wir haben eine Situation, die wir dir uns anders gewünscht haben oder die unaushaltbar geworden ist. Dann macht es Sinn zu fragen: Was habe ich getan oder versäumt, dass diese Situation bewirkt hat? Wo ist genau ist mein Anteil an dieser Situation? Was kann ich selbst verändern, damit diese Situation sich verändert?
Diese Fragen initiieren einen Denkprozess, mit dem man sich selbst auf die Schliche kommt. Dazu gehört allerdings der Mut zur ehrlichen Selbstreflektion. 

Wer das Resonanzprinzip anwendet, schaut erst einmal auf sich selbst, er überprüft seine Gedanken, Gefühle und Handlungen und dann erst befasst er sich mit den anderen, die an der Situation beteiligt sind und versucht zu erkennen, was sie ihm spiegeln, oder was sie an Energie aussenden, die eine Resonanz im eigenen Inneren schafft. 

Die Krux mit der negativen Energie ist nämlich, dass sich diese leider all zu oft gegen die positive durchsetzt, allerdings nur solange sie unerkannt bleibt. Es gibt Menschen, die für die geistige, emotionale und körperliche Gesundheit ihrer Mitmenschen eine Gefahr darstellen, man nennt sie auch Energievampire. Die negativen Gedanken und Schwingungsfelder dieser destruktiven Menschen sind so stark, dass sie uns schaden können. Darüber hinaus gibt es auch feinstoffliche Schwingungsfelder, die von einer destruktiven Qualität geprägt sind:
 Beispielsweise eine hohe Stress- Demotivations- oder Mobbingenergie auf dem Arbeitsplatz, Streitenergie in Beziehungen und Familien, Neidenergie unter Konkurrenten, depressive Energie in Heimen oder in Gefängnissen und Gewaltenergie in Gettos. Hochsensible Menschen beispielsweise werden in diesen Situationen oder an solchen Orten negativ beeinflusst, ihnen wird Energie abgesogen. Übrigens können uns auch Menschen schaden, die ihre negativen Gedanken auf uns projizieren.

Ja, wir schwimmen in einem Ozean von unsichtbaren Schwingungen, mit denen wir in Resonanz treten, ob wir wollen oder nicht. Unsere Mitschwimmer können wir nicht ändern, ebenso wenig wie die Welt in der wir leben, aber uns selbst können wir ändern. Das ist keine leichte Übung, es ist ein Prozess und letztlich die einzige Chance, die wir haben, wenn wir unsere eigene Schwingung verändern wollen. Daher ist es hilfreich, dass wir lernen, unsere unbewussten Gedanken zu identifizieren und unsere bewussten Gedanken zu überprüfen, ob sie uns schaden, um keine negativen Resonanzen mehr anzuziehen und uns vor ihnen zu schützen, wenn wir sie spüren. Wir müssen unsere Gedanken deshalb nicht kontrollieren, das ist auch in der Totalität unmöglich, aber wir können es schaffen, uns nicht von unseren destruktiven Gedanken kontrollieren zu lassen und uns im selben Zuge von denen abzuwenden, die uns mit ihren destruktiven Schwingungen schaden.