Samstag, 28. Februar 2015

Senf dazugeben







die leute, sie können nichts stehen lassen, wie es ist.
immer müssen sie ihren senf dazugeben, ihn auf fremde würste schmieren.
schmeckt besser!
schmeckt ihnen besser.
ihr senf, auf würste, die sie nicht einmal probiert haben.
ja, die leute wollen nur den eigenen senf dazugeben.

ich esse keine wurst mehr.

Freitag, 27. Februar 2015

nichts buntes ...


die leute wollen was hübsches sehen, sie wollen was buntes, sie wollen was, was ihre welt leichter macht, sie erheitert.
gibst du es ihnen, knipst du das licht an - ihr ich in deinem schein und es leuchtet hell.
und die schatten bleiben wo sie sind, in ihrem dunkel.
heute nichts buntes.

cabeza quadrata (c) aw



Donnerstag, 26. Februar 2015

Nähe


Wer Nähe sucht, der wird sie nicht finden. In gewisser Weise wird er sie vielleicht finden, aber es ist dann mehr Gesellschaft als Nähe, als wirkliche, intime Nähe. Diese Nähe bekommt man nur geschenkt – auf dem Weg zu sich selbst. Wenn man diesen Weg beschritten hat, wird man an einen Punkt gelangen, an dem diese entsetzliche Sehnsucht nach dem Du, aufhört. Wenn man bei sich selbst ist, wozu braucht man dann noch den Spiegel des anderen? Das heißt nicht, dass wir dann glücklich einsam sind. Es bedeutet, dass wir endlich wirklich nah beieinander sein können.

Gedankensplitter




Wenn du deine Lebensthemen liebst, anstatt dich von ihnen abzuwenden, hilft dies bei ihrer Bewältigung. Kritische Themen kannst du nur dann lieben, wenn du bereits erfahren hast, dass sie dich weiterbringen, dass sie deiner persönlichen Entwicklung dienen. 

An erster Stelle steht also das Annehmen, aus dem heraus sich so etwas wie Liebe entwickeln kann. In dieser Art von Liebe liegt die Ahnung, was das Leben mit dir vorhat und wofür alles – auch Schmerzhaftes – gut sein soll, die Ahnung, was wohl mit diesem oder jenem Ereignis, mit dieser oder jener Begebenheit „gemeint“ sein könnte. 

Je mehr Liebe du für ein Thema aufbringen kannst, je mehr du ihm auf den Grund gehst und alle seine Tiefen erforschst, desto mehr Kraft kannst du daraus schöpfen, desto mehr Eigenliebe wirst du fühlen.

Dienstag, 24. Februar 2015

vor lauter müssen vergeht einem das können.



Auf dem Weg






Er hätte gekonnt, sagte sie, er hätte es all die Jahre gekonnt, aber er wollte nicht.
Wie meinen sie das?, fragte ich.
Nun, er hat es gesehen, er hat genau gesehen was ich wirklich aus tiefster Seele will, aber er wollte es nicht zulassen, mein Wollen. Er hat mich woanders hin gedrängt immer mit der Stimme der Vernunft, was Sinn macht und was nicht, vor allem, was Sinn für ihn macht.
Nun, sie haben sich drängen lassen.
Ja, das habe ich. Schon als Kind habe ich mein Wollen nicht ernst genommen, die Großen haben mich nicht ernst genommen, sie haben mich sogar ausgelacht, wie sollte ich es da können?
Aber sie sind kein Kind mehr, sagte ich, jetzt sind sie erwachsen.
Ja, das bin ich und auch wieder nicht, immer wenn ich es tun will, kommt dieses verunsicherte Kind aus mir heraus und wird ganz groß und ich werde ganz klein und dann kann ich dieses Wollen nicht mehr halten, es wankt und wird hinterfragt von dieser lauten Kinderstimme. Nein eigentlich schreit sie ganz laut immer nur das selbe: Du kannst das nicht!
Und dieser Stimme glauben sie dann mehr als der erwachsenen Frau, die es viel besser weiß.
Ja, ich gebe es zu, das tue ich, weil sie mit all den anderen Stimmen zusammen eine riesige Macht hat.
Das verstehe ich gut, antwortete ich, aber sie wissen jetzt, dass es so ist.
Ja, jetzt weiß ich es. Und wissen Sie was? Auch darum verlasse ich ihn, damit ich nur noch mit einer Stimme kämpfen muss, der eigenen inneren.
Ich musste lächeln. Sie war auf dem Weg.

Montag, 23. Februar 2015

Vermeiden




Das Zurückweichen und das Vermeiden von Erfahrungen, die mit Verletzung und Schmerz
verbunden sind, ist eine instinktive Reaktion, die den Schutz der psychischen Integrität zum Ziel hat. Von daher ist Vermeiden durchaus nachvollziehbar und unter gewissen Umständen und in einem gewissen Ausmaß durchaus auch sinnvoll. Im Bereich der menschlichen Psyche ist Vermeidungsverhalten jedoch mit einem hohen Preis verbunden  - jeder Verdrängungs- und Spaltungsmechanismus zwischen Bewusstem und Unbewusstem führt zu einer Unterdrückung im eigenen Erleben und damit zum dem Verlust des Kontaktes zum inneren Erleben und zu dem unserer Mitmenschen und somit letztlich zum Verlust unserer Ganzheit.

Samstag, 21. Februar 2015

Kunst Hoch 3 im KV Eisenturm - Die Welt unser Spiegel

 
Schau, ich habe alle meine Bilder unter dem Aspekt der Form der Kugel ausgesucht“, sagt Brigitte Zander zu mir, als ich zum Gespräch mit den 3 Künstlern in den Eisenturm komme. Und Renate Ott lächelt: „Irgendwie hatte ich die Intuition, ich muss ein rundes Loch in die Figur machen, rund wie eine Kugel, und das, bevor ich Donald Untereckers Installation sah.
Was Brigitte Zander, Renate Ott und Donald Untereckers Kunst verbindet, ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Die Arbeiten der Malerin, der Bildhauerin und des Fotografen führen uns in verschiedene Welten, sie zeigen unterschiedliche künstlerische Positionen – aber immer ist es Welt. Und die ist rund wie eine Kugel, das wissen wir seit Galileio Galilei.
Raum und Zeit, Innen und Außenwelten, sich selbst reflektierende Welten – all diese Welten sind aus und von Menschen gestaltete Mikrokosmen inmitten von Welt. Ohne sich aneinander anpassen zu müssen, ohne sich gleichen zu müssen, sind sie Teile des Ganzen, Teile von Welt und damit sind sie Eins, auch ohne jegliche Konstruktion von Verbindung zu bemühen – sie sind Eins, im Sinne der Weltenseele, die Trennung nicht kennt. Jedes Werk für sich ist somit ein Aspekt des Ganzen. Das Symbol der Kugel, das Sie hier und in allen anderen Räumen des Turms sehen, symbolisiert dieses Ganze.



Schon im Altertum galt die Kugel nicht nur als Bild der Einzelseele, sondern auch als Bild der Weltseele. Platon hat die Kugelgestalt als die vollkommenste erklärt. Nach Platons „Timaios" ist sie Symbol für Vollständigkeit und Ganzheit, Ausdrucksform der Gesamtheit aller einander aufhebender Gegensätze. Für den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung stellen alle kugelförmigen Gebilde eine psychische Dynamik dar, die sich auf ein gemeinsames Zentrum hin orientiert und Aspekte des Selbst symbolisiert. Hier ist sie Sinnbild für das Streben der Psyche nach der Herstellung des innerpsychischen Gleichgewichts. All das und viel mehr zeigt sich im Symbol der Kugel. Eine tiefe Symbolik. Tief wie die Absichten dieser 3 Künstler, die ihr Innenleben mit dem Außen abgleichen, um ihr Verständnis von sich Selbst und von Welt zu deuten, zu be-deuten und es wieder in die Welt zu geben. Was Sie hier sehen ist die Identitätssuche schöpferischer Menschen, die aus der eigenen Welt in die äußere drängt, sich in Form, Farbe, Material und Haptik Ausdruck sucht, um in den Dialog mit dem Betrachter zu treten und – über den Trialog dreier Künstlerseelen – vielleicht zu Ihrem ganz persönlichen inneren Monolog inspirieren. Das wäre ein kommunikativer Kreislauf, rund wie eine Kugel, zirkulierend, von einen zum anderen hin und wieder zurück, ohne Anfang und Ende, sich in und um sich selbst drehend, wie Donald Untereckers spiegelnde Kugeln aus Stahl, in deren glatter, perfekt runden Projektionsfläche Sie, der Betrachter, zum Mittelpunkt werden und damit zum Zentrum der Installation, die Sie braucht um ihren Sinn zu erfüllen und zu entfalten.


„Spiegelplaneten“ – poetisch mutet der Name der Installation von Donald Unterecker an, doch weniger poetisch ist die Absicht des Künstlers.
 
Einen Spiegel will er uns vorhalten. Einen Spiegel, der den kollektiven Trend der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität in einer sinnentleerten Welt zitiert und reflektierend einfängt. Haben Sie schon mal ein Selfie gemacht, meine Damen und Herren? Und es dann in Facebook oder Instagram allen und jedem zum Anschauen ins Netz gestellt? Nicht? Dann können Sie das heute und hier tun. Wenn Sie mögen, gehen Sie in den unteren Raum, stellen sich vor die große Kugel, die sich hinter dem kleinen abgegrenzten Raum im Raum befindet, nehmen ihr Smartphone oder die gute alte Kamera und drücken auf den Auslöser, bitte mit Fokus auf die Kugel, die Sie dann zurückspiegelt. Das Foto können Sie dann nach Belieben ins Netz stellen oder es Donald Unterecker mailen, denn er sammelt die Unikate mit Ihrem werten Konterfei und wird damit eine weitere Ausstellung machen. Er wird sich freuen.


Selfies ...
Die virtuelle Welt ist voll davon.
Das ist ein Zeitgeistphänomen, das sogar Wissenschaftler der Ohio State University zu einer Studie veranlasste. Was viele von uns schon lange ahnen, belegt die Studie: Jemand, der häufig Selfies von sich macht und in soziale Netzwerke stellt, ist auf narzisstische Weise selbstverliebt - das gilt zumindest für Männer. Trauen Sie sich später bitte trotzdem, meine Herren, Ihr Selfie ist ja heute wertvoll für die Kunst. 

Donald Untereckers Spiegelplaneten führen den Betrachter nicht nur zu einer bewussten Wahrnehmung seiner selbst im Kontext mit dem, was in der Kugel ohnehin zu sehen ist – die Umgebung und der Betrachter konzentrieren sich auf den runden Projektionsflächen der Kugel. Eine irritierende Beobachtung bei welcher, so der Künstler „jeder eine andere Welt in der selben sieht, in deren gespiegeltem Zentrum ausschließlich und unausweichlich er selbst agiert“ – die Welt als Produkt individueller Reflexion. 
„Wir sehen, was wir sehen können.“ Und jeder von uns sieht etwas anderes. Wir sehen und erleben die Welt basierend auf dem, was an Erlerntem und Erfahrenem im Kopf gespeichert und in der Folge des Lebens erinnert wird. Das macht, wie wir Welt sehen, das macht uns zu dem Menschen, der wir werden und der wir sind. Alle Erlebnisse, alle Erfahrungen, alles Gefühlte hat eine Spur in Form von raum-zeitlichen Aktivierungsmustern in den neuronalen Netzwerken hinterlassen. Das bedeutet, dass man sich die Erinnerung wie einen Film mit zeitlichem Verlauf vorstellen muss und nicht wie bislang angenommen, wie ein statisches Foto. Was wir in Raum und Zeit erleben wird demnach nicht als wertfreier Schnappschuss oder wertfreie Aufzeichnung der Wirklichkeit kodiert, sondern es wird mit den Bedeutungen und den Gefühlen des Augenblicks aufgenommen und verinnerlicht. Das so komplex Gespeicherte entscheidet dann darüber, was wir aus dem Strom der täglichen Ereignisse herausgreifen und behalten. Wir sehen, was wir sehen können, wenige aber sehen in sich selbst hinein. Das ist die tiefere Ebene des Spiegelplaneten. Hier zitiert und inszeniert ein Künstler den Zeitgeist einer immer narzisstischer werdenden Gesellschaft. Er stößt uns auf spielerische Weise in das Drama des modernen Menschen, das dem des Narziss gleicht, der durch die Welt geht und versucht, sich überall auf der Suche nach sich selbst zu spiegeln. Am Ende kommt er an einen See, sieht sein Spiegelbild und ist so verliebt, dass er sich berühren möchte. In dem Moment, wo seine Hand die Wasseroberfläche berührt, zerfällt er.


 
Nun denken viele, dass das Drama des Narziss die Selbstverliebtheit ist. Das ist aber nicht richtig. Das Drama des Narziss, damals und heute ist die Überzeugung: In dem Moment, in dem ich mit mir in Berührung komme, zerfalle ich und bin nichts. Wer das Gefühl hat, im Inneren nichts zu sein, der muss im Außen alles sein.
Hand aufs Herz! Ist es nicht immer schwieriger, der zu sein, der man ist?
In einer Welt, die immer größeren Wert auf das Unwesentliche legt, die den Superlativ fördert und in der Authentizität zunehmend verloren geht, wird es für jeden Einzelnen zum Kampf, bei sich selbst anzukommen. Nicht wenige ergreifen die Flucht vor sich selbst und verbringen ihr Leben im Außen. Dieses Außen wird immer schneller, will immer mehr, immer höher, immer perfekter, es fordert laut ein „du musst weiter gehen“, um mithalten zu können und nicht herauszufallen aus der Welt, sprich dem Bild von Welt, das man uns Tag für Tag in der multimedialen Welt als Wirklichkeit malt. Wie da ein Leben leben, das uns selbst entspricht? Wer vor sich selbst flieht, kann sich selbst nicht kennen. Vielleicht denken Sie demnächst daran, oder jetzt gleich und fragen sich, wenn Sie ihr Selfie machen – wen Sie da eigentlich vor sich in der Kugel haben.



Und damit bin ich bei der Bildhauerin Renate Ott.

Die Blätter, beschrieben mit Worten zu ihren Werken, die sie mir gab, sind philosophische Gedankenkreise einer Frau und Künstlerin, die um dieses „bei-sich-sein-wollen“ weiß, die weiß, dass nur im „bei-sich-sein“ das Form und Gestalt annimmt, was das eigene Innere an Potenzial und Wachstum birgt. Renate Ott ist eine Künstlerin, die nichts mehr fasziniert als der Mensch in seinem Sein mit allem, was ihn ausmacht, im Innen und im Außen und zwischen Innen und Außen. Ich bin mir sicher, von ihr werden Sie keine Selfies im Netz finden, aber Sie werden in jeder Figur immer auch Portraits eines Künstlerselbst spüren, das um das Ganze und sein komplexes Geheimnis weiß: „Der Geist führt uns – wenn wir es zulassen – in Raum und Zeit zu jenem Ganzen, das uns die Schönheit und Harmonie des Universums erahnen lässt.“ So zieht Renate Ott in ihrer philosophischen Betrachtung über ihre aktuellen Arbeiten Resumée.
Was aber ist das Schöne? Sind sie schön, diese Skulpturen?
Sind sie für Sie schön, meine Damen und Herren?
Und worin liegt ihre Schönheit.
Und: Ist Schönheit nicht gleich Harmonie?
Das Schöne ist nicht das Gigantische, das Extravagante, das Effektvolle, das manieristisch Übersteigerte, nicht das Auftrumpfen mit Stilwillen – wir empfinden das als schön, was uns in seiner Einzigartigkeit zugleich selbstverständlich erscheint. Selbstverständlich wie diese Skulpturen, die sich nicht aufdrängen in ihrem klaren Ausdruck von Kraft und Stabilität in Zeit und Raum. All die formal überbetonten, ausladenden, üppigen weiblichen Formen aus Ton zeigen eine starke körperliche Präsenz, die sich nach Erdung anfühlt. Wir sehen zur Ruhe gekommene Figuren. Außen wie Innen, und wir ahnen – nur wer in sich ruht, ruht, der hat Erdung, der ist im wachen Dasein bei sich. „ Über unseren Körper also, der Denken und Fühlen erst zulässt, nehmen wir Wirklichkeit wahr“, postuliert Renate Ott, und sie schreibt weiter: „Der Körper ist das Gefäß, das Sammelbecken, das die Eindrücke von Außen in sich aufnimmt, filtert – gemäß dem Zusammenspiel von Denken und Fühlen – und schließlich, sobald das innere Gleichgewicht wieder hergestellt ist, freigibt nach draußen. Je mehr dieses innere Gleichgewicht hergestellt ist, desto präsenter wird der Körper, desto mehr gewinnt er an Authentizität.“ 


Authentizität, was nichts anderes bedeutet als Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen stimmen überein. Dann, wenn, um es mit Renate Ott zu sagen, „Fühl- und Denksystem beim Erfassen von Wirklichkeit sinnvoll zusammenarbeiten, indem sich gegenseitig ergänzen.“ Wahrlich eine schwere Übung, eine lebenslange Übung für jeden von uns, denn die eigene Ganzheit bedingt mehr als die  Harmonie von Denken und Fühlen, sie bedingt das Wissen um das, was uns im Ganzen ausmacht, erst dann, wenn wir nur annähernd eine Vorstellung davon haben, wer wir sind und wer wir im Tiefsten auch sind und dieses Ganze annehmen mit einem klaren „Ich bin“, dann wird vielleicht, Harmonie im Inneren sein. Betrachten Sie die Liegende – sie nähert sich in ihrer Formgebung der liegenden Acht, das Symbol für Unendlichkeit. Die geschlossene Schleife als Symbol für das Absolute, für immerwährende Bewegung, Weiterentwicklung und Ausgleich, für Polarität und Ambivalenzen, für Innen und Außen. Renate Ott stellt es dem Betrachter anheim, auf welche Ebene er sich hier begeben möchte, auf welche Weise er sich der Figur nähern möchte und weiß dabei, „Der Geist macht, was er will.“ Ja, solange wir ihn in der Macht des Unbewussten belassen, möchte ich hinzufügen.
 
Diese Bildhauerin ist eine sensible Sucherin in Zeit und Raum, beseelt vom Drang, das Wesen der inneren und der äußeren Welt zu begreifen und das zum Ausdruck zu bringen. Jede Plastik hat eine bestimmte Aussage, zwingt durch ihre Präsenz zur Auseinandersetzung. Eine Plastik zu erstellen heißt für Renate Ott immer auch, die Frage nach dem Menschen zu stellen. Was suchst du an ihm? Was entdeckst du an ihm? Und wenn ich hinzufügen darf: Wer bist du? Das sind existentielle Fragen, nach deren Antworten die meisten Menschen ein Leben lang suchen. Und ich wage zu behaupten, dass der Antrieb für diese Suche dieses rund werden ist, das der Bildhauerin im Wesen ihrer Figuren längst gelungen ist. 

Das Wesen der Welt begreifen, Leben malerisch in Form und Farbe zum Ausdruck zu bringen – da würde Brigitte Zander sicher zustimmen.
Seit über 30 Jahren ist sie Malerin. Ihr liebstes Sujet ist die Natur. Ihr Antrieb ist, sie über ein realistisches Abbilden hinaus, so darzustellen wie sie selbst Natur und Landschaft wahrnimmt. „Ich möchte mehr darstellen als das Sichtbare, sagt Brigitte Zander, wobei sie einschränkt, „natürlich kann man das Unsichtbare nicht malen, aber ohne das Unsichtbare bleibt das Sichtbare leer.“

Wir bekommen bei der Betrachtung ihrer Bilder eine leise Ahnung davon, was sie meint. Das Unsichtbare sichtbar machen, das Unsichtbare, das nirgendwo liegt als in uns selbst.Im eigenen Fühlen, im eigenen Wahrnehmen, auf dem Grund der Seele –  da finden wir das Unsichtbare, das nur dann sichtbar wird, wenn es Ausdruck im Außen findet, es Gestalt annimmt. Das ist es, was Brigitte Zander meint und zeigt, ohne es sagen zu müssen, in ihren Bildern. Mit handwerklichem Geschick gelingt ihr sowohl eine Kombination intuitiver, als auch konzeptioneller Art, ihre Bilder zu gestalten. Aus der Fülle des eigenen Erlebten, inspiriert von Cézanne, Klee, Purrman, Jawlenski und den Malern der Brücke, schafft sie ein Lebenswerk, das ihre eigene unverkennbare Handschrift trägt, findet ihren expressionistischen Stil, gekennzeichnet von starker Farbigkeit, flächenhaftem Charakter und zunehmender Reduktion der Formen, die den Betrachter auf der emotionalen Ebene ansprechen. Nicht selten verwendet sie unrealistische Farben. Häuser erscheinen plötzlich in flammenden Rot und Bäume in schrillem Grün und sattem Blau. Sie malt sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Experimentierfreudig und inspiriert vom Dialog der Farben, herausgefordert vom inneren Auge der Malerin nimmt Leinwand für Leinwand, das Gestalt an, was Brigitte Zander den Ausdruck ihres Lebens nennt – und damit schafft sie ihr ganz persönliches Weltbild.
 
Renate Ott und Brigitte Zander
Donald Unterecker
Bilder vom in-der-Welt-sein, das prägt und verbindet diese drei künstlerischen Positionen. Und jedes dieser Welt-Bilder, Donald Untereckers Spiegelplanet, Renate Otts Plastiken oder Brigitte Zanders Landschaften, ist wahr, ist als Kunstwerk wahrhaftig und zwar nicht gegenüber der äußeren, dinglichen Welt, sondern gegenüber der inneren, geistigen Wirklichkeit. Wir sitzen alle auf einer Kugel, und von der kann keiner runterspringen, sagte einmal jemand, dessen Namen ich vergessen habe, aber in der Tiefe unter der runden Oberfläche liegt ein Meer von Möglichkeiten, aus dem wir das für uns Stimmige herausfischen. Um was zu gewinnen? Inneren Halt auf dem ehrlichen Weg zu uns selbst, fernab des Bildes, das wir von uns haben oder haben wollen. Ich bin mir sicher – nur dieser Weg gibt uns das Gefühl „kugel-rund“ zu sein.





© Angelika Wende, 20. Februar 2015, KV Eisenturm, Mainz



mehr zur Spiegelplaneten Installation hier ... http://spiegelplanet.blogspot.de/












Donnerstag, 19. Februar 2015

Gedankensplitter



"love is ..." Zeichnung A. Wende
 


es gibt wunden, die nicht heilen und es gibt eine trauer über verletzungen und verluste, die die möglichkeit von liebe zum selbst und damit zum anderen, wie eine wand blockieren. wie sagte william shakespeare einmal: "im haus der tränen lächelt venus nicht." 

Mittwoch, 18. Februar 2015

Gespräch über die Liebe




Wissen sie, sagte sie, da sind so viele Löcher in mir und all diese Löcher sind Quellen meines Brauchens. Ich habe diesen Mann gebraucht und er mich. Der Zauber der Verliebtheit lässt uns glauben unserer Angst vor der Einsamkeit entkommen zu sein und plötzlich ist alles erfüllt, das Bedürfnis nach Sicherheit, unser Angewiesensein auf Anerkennung und Zuneigung. Aber der Zauber ist, wie der Rausch einer Droge, flüchtig. Am Ende der Verliebtheit sind da wieder die Löcher. Mit dem Verliebtsein haben wir sie nur zugedeckt. Ich glaube das Einzige was uns lehren kann sie zu füllen ist die Überwindung des Brauchens. Liebe braucht nicht. Der Irrtum, den wir begehen ist, dass wir die Löcher in uns selbst für Löcher in der Beziehung halten. Wenn wir dann wieder beziehungslos sind, spüren wir sie aufs Neue. Ja, sie sind in uns selbst, darum das Brauchen. Aber Liebe braucht nicht, ihr Blick ist klar, ein Ich in dem die Liebe wohnt, ist sehend. Liebe ist kein schicksalschwangeres Mysterium, das irgendwo in einem anderen Menschen auf uns wartet, Liebe ist das Selbst und das in-der-Welt- Sein eines reifen Ichs, das nicht besitzen, nicht haben will und nicht sich selbst mit einem anderen füllen will. Ich habe nicht geliebt, ich war bedürftig, ich wollte, dass der Mann mich glücklich macht und heil. Jetzt liebe ich ihn ohne Zweck. Er ist in meinem Herzen. Aber es tut weh und ich habe das Gefühl ich falle ins Leere.

Sie fallen nicht ins Leere, antwortete ich, sie haben sich selbst und das ist alles, was sie in diesem Leben jemals wirklich haben.

Sie nickte, das ist wahr.

Wenn wir wirklich lieben, wobei Ich und Liebe identisch sind, können wir niemals ins Leere fallen, sagte ich. Darum geht es in jedem Leben, um die Begegnung mit sich selbst um die Entdeckung der Liebe zu machen. Aber viele Menschen verstehen das nicht, sie suchen immer wieder aufs Neue im Anderen.

Sie meinen, es geht letztlich immer um die Eigenliebe? sagte sie.

Ja, die meine ich, antwortete ich. Wissen sie, Wut, Schmerz, Trauer, Verzweiflung und Angst sind nicht vermeidbar, wenn eine Beziehung zu Ende ist. All diese Gefühle sind Fragen eines Menschen, der die Antworten noch von Anderen braucht. Am Ende der Suche, über das Verliebtsein hinaus, steht das Ich und diese Begegnung ist die Entdeckung von Liebe. Ich weiß es.

Sie lächelte mich an, ich weiß es auch, ich kann es nur noch nicht fühlen.

Dienstag, 17. Februar 2015

Aus der Praxis – Wo der Widerstand ist beginnt die Veränderung




 
Jedes Leben hat das persönliche Wachstum zum Ziel. Doch Wachstum heißt auch: Bereitschaft zur Veränderung, so wie die Pflanze, die ihre Erscheinung im Wachsen verändert, gehört der Veränderungsprozess zum inneren Wachstum eines Menschen.
Viele Menschen, auch jene, die bewusst bereit sind zu wachsen, leisten diesen Veränderungsprozessen jedoch gewöhnlich zunächst Widerstand, auch wenn sie sich professionelle Hilfe suchen und die Bereitschaft zu wachsen betonen. Weil aber Veränderung auch eine Bedrohung der gewohnten Denk-und Handlungsmuster des in der Vergangenheit bewährten Überlebenssystems bedeutet, leisten viele ab einem gewissen Punkt Widerstand. Im Widerstand wird die Aufrechterhaltung des Gewohnten zum Prinzip, alles scheint erträglicher als Veränderung.
Im Grunde ist dieser Widerstand nichts anderes als eine Weisheit des Überlebenswillens. Schutzmaßnahmen haben ihre Geschichte. Im Widerstand wird diese fortgesetzt. Es wird aufrecht erhalten was an vertrauten Verteidigungsmustern gegenüber negativen Erfahrungen in der Vergangenheit zur Sicherung des seelischen Überlebens hilfreich war. Verzerrungen der Erinnerung oder Kompensationen entgehen so der bewussten Wahrnehmung. Aufgrund der langen Aufrechterhaltung haben sie aufgehört offensichtlich zu sein, wenn sie es überhaupt jemals gewesen sind. Sie sind längst das Selbstverständliche, das offensichtlich zum eigenen Sein Gehörige. Deshalb erscheint dem Unterbewusstsein der Widerstand als die beste Wahl unter den Möglichkeiten, die der Mensch zur Verfügung zu haben glaubt, auch wider besseres Wissen. Im Widerstand gegen Veränderung aber lässt er sich von seinen Schonhaltungen und von seinen vertrauten Abwehrmechansimen leiten, er folgt weiter den alten, vermeintlich hilfreichen Schutzmustern, die er entwickelt hat, um neue Verletzungen zu verhinden. Diese Verhinderungsmuster sind jedoch in den meisten Fällen Muster der Selbstsabotage, die, längst zu Lebensbehinderungen geworden sind und dann zu Hindernissen im Prozess des Wachstums werden.
Der Mensch leistet Widerstand, wenn er Angst hat. Diese Angst ist die Folge einer Alarmreaktion unseres lmbischen Systems. Im limbischen System wird die gedanklich angestrebte Veränderung und deren mögliche Folgen “angetriggert”. Die Amygdala signalisiert: Bis hierher und nicht weiter! Sie will sich vor Angst und Schmerz schützen, Gefühle, die in diese Richtung führen könnten, werden vermieden. Das löst enormen inneren Stress aus, der es ratsam erscheinen lässt, die Veränderung zu vermeiden. Immer wenn das limbische System angetriggert wird liegt eine alte seelische Verletzung zu Grunde, von der sich das limbische System noch nicht erholt hat. Daher hat der Widerstand eine Schutzfunktion. Dass diese aber alt ist, damals zwar hilfreich war, aber mit dem Geschehen im Jetzt nichts mehr zu tun hat, weiß aber der Erinnerungspeicher nicht. Daher ist es wichtig, die dem Widerstand zu Grunde liegenden Ängste wahrzunehmen, sie anzuschauen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, anstatt sie durch den drängende, eine schnelle Verhaltensänderung zu erreichen, zu übergehen.
Psychische Verletzungen und seelische Traumata sind wie ein Ball, den man unter Wasser drückt, sie wollen nach oben ins Bewusstsein steigen. Mehr oder weniger erfolgreich versucht unser Unterbewusstsein mit dem Widerstand diesen Ball mit viel Energie unten zu halten. Gelingt es aber diese Verletzungen an die Oberfläche, also ins Bewusstsein zu bringen, geschieht Erstaunliches: Die Energie, die bisher für das Unterdrücken gebraucht wurde, steht plötzlich zur Verfügung. Dafür lohnt es sich, den Widerstand zu verringern. Und dazu gehört: Sich trotz der Angst auf die eigenen Gefühle einzulassen.
An der Stelle, wo Widerstand auftritt, beginnt erst die Veränderung.


Sonntag, 15. Februar 2015

morning has broken

durchsicht nach außen
das innen widerspiegelnd
ein blasser morgen,
blass wie meine haut.
ich will sonne.

Samstag, 14. Februar 2015

Tod im Leben




ich sitze hier, am abend des valentinstages, dem tag der liebenden, in meinem bett, in den weißen laken, die nach reinheit duften, dem duft, den ich so sehr liebe, weil er meiner sehnsucht den namen gibt, und denke an meine mutter. die mutter, die mich verstoßen hat, was ich bis heute nicht verstehe. dabei müsste ich es längst verstanden haben, seit diesem moment in der zeit in dem wir mit den hunden über das blühende weizenfeld in dem kleinen dorf, in dem ich einst wohnte, liefen und sie mir sagte: kind, ich konnte dich nicht lieben. keine erklärung, kein, es tut mir leid, das meine fassungslosigkeit in etwas hätte verwandeln können, das mir hoffnung gegeben hätte. nur dieses: ich konnte nicht. es ist wie es ist, versuche ich zu denken, und fühle, dass es wahr ist, weil nichts anderes einen sinn macht: es ist wie es ist. aber das nimmt mir den schmerz nicht über mein vermissen der mutter, deren liebe ich bis heute suche in all der unliebe, die sie mir nannte. heute am tag der liebenden weiß ich, dass ich diese liebe in keinem mann finden kann. dort ist sie nicht, denn sie ist nicht. ich, selbst mutter, die ich mein kind über alles liebe, begreife nicht, fasse nicht, wie ein mensch sein kind nicht lieben kann, wo ich doch weiß, dass es möglich ist, weil es meine geschichte ist, eine geschichte von so vielen geschichten, die hörte und höre vom ungeliebtsein der kinder, die längst erwachsen sind und suchen wie ich. mein wissen um die möglichkeit der unliebe tröstet mich an diesem abend nicht, es wird mich auch morgen nicht trösten, wenn der tag anbricht. ich bleibe in dieser sache untröstlich. wie sie wohl lebt, frage ich mich, was sie wohl gerade tut? und keinen moment ist da der gedanke in mir, sie könnte mich ebenso vermissen wie ich sie. was, wenn sie stirbt, wenn ihr tod mein vermissen ins unendliche treibt? wortlos werde ich an ihrem grab stehen und ihren tod nicht begreifen, denn wie kann ich einen tod begreifen, der längst im leben stattfand.



Donnerstag, 12. Februar 2015

Mach das Beste draus!



Wir alle kennen das - wie klar unsere Pläne auch sein mögen, wie klar der Weg auch vor uns zu liegen scheint, manchmal wird er schönste Plan durch unvorhergesehene Umstände zunichte gemacht.

Ganz gleich welche Pläne wir haben, das Leben folgt seinem eigenen Plan, der mit unseren Vorstellungen nicht übereinstimmen muss.

Die Erfahrung sagt, wenn du trotz aller Pläne auf das Unerwartbare gefasst bist, kann dich so leicht nichs erschüttern und aus der Bahn werfen. Leben heißt auch: sich an veränderte Bedingungen anpassen und dem, was geschieht, keinen Widerstand entgegen zu setzen, wenn du weißt, du kannst es jetzt sowieso nicht ändern. Mach dich frei von deinen Vorstellungen, wie etwas zu sein hat und gib den Gedanken auf alles beeinflussen zu können. Diese Haltung macht frei für neue Lösungen und kreative Ideen, wie du aus dem, was ist, das Beste machst.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Form und Inhalt




Zeichnung: Ich


Natürlich gibt es vieles in unserem Leben, das wir nicht in der Hand haben. Aber die Essenz unserer Identität hat nichts und niemand in der Hand, außer wir selbst. Das ist eines der großen Potenziale des Menschen – die Fähigkeit, erhobenen Hauptes Anfeindungen, Schicksalsschläge, Scheitern und Krisen zu meistern. Das ist Würde, das heißt: Rückgrat bewahren und anzuerkennen, dass das Schwere zum Leben gehört wie der Tod. Es lässt sich nicht abspalten, denn Abspalten würde bedeuten, dem Leben die Form zu nehmen.

Gedankensplitter


Kunst ist bei allem, was sie ausmacht, auch Harmonie. Harmonie ist Übereinstimmung, Einklang, Eintracht, Ebenmaß, Symmetrie. Kunst ist der schöpferische Mensch im Dialog mit dem Sein, der Natur, der Wirklichkeit, mit einer sehr persönlichen Bedeutsamkeit, die er darin zum Ausdruck bringt. Für mich ist die kostbarste ans Licht gebrachte Perle, der Blick in die menschliche Seele, den der Künstler zu schenken vermag.


Sonntag, 8. Februar 2015

Intuition



Intuition bedeutet, du musst dir den Kopf über die Dinge nicht mehr zerbrechen.
Die Antworten kommen dir einfach in den Sinn, die Energie trägt dich vorran, wenn du es zulässt.
Du wirst von Energie getragen und von deiner Seite aus ist keine Anstrengung nötig.
Inspiration heißt: Zu wissen.
Du weißt es einfach, ohne jeden Zweifel weißt du.

Portrait einer Christrose im Februar


Mittwoch, 4. Februar 2015

Die innere Mutter

Auch wenn wir denken, wir haben uns von der Mutter gelöst, selbst wenn sie gestorben ist - in jedem von uns lebt eine innere Mutter und sie hört sich so an, sie denkt, handelt und reagiert so wie die Mutter unserer Kindertage.

Wenn wir uns an die Mutter unserer Vergangenheit erinnern und die Art ihrer Bemutterung, ihre Haltung zum Vater, zum Leben, können wir verstehen, was in uns zu unserem Besten oder zu unserem Schlechtesten wirkt.


Keine Lust



mit dem leben ist es wie mit der kunst. manchmal verliert man zwischendurch die lust.
du hast eine vorstelllung davon wie es sein könnte und manchmal gelingt es dir genau das zu erleben.
ein wunderbares bild, ein wunderbarer tag, wunderbare tage.

doch plötzlich ist nichts mehr wunderbar. du stehst in deinem leben wie vor der leeren leinwand und hast absolut keine lust nur einen einzigen lausigen pinselstrich zu machen. du fragst dich wofür, will ja doch keiner sehen, will ja doch keiner haben, schätzt ja doch keiner. dann legst du den pinsel hin und denkst: nein, so habe ich mir das nicht vorgestellt. dein ganzer mut ist dahin.

das ist der moment wo du dich erinnern solltest, dich fragen solltest: warum habe ich jemals angefangen? was war meine vision, vorausgesetzt, du hattest eine. 

und dann stellst du dir dieses starke gefühl vor, dass du einmal hattest. und wenn du es fühlen kannst, kommst du langsam wieder zu kräften. du nimmst den pinsel in die hand, tauchst ihn in die farbe und malst, einfach weil du dieses starke gefühl wieder hast.
und ja, es kann dauern.

Dienstag, 3. Februar 2015

Bei uns selbst



Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, steht in der Bibel geschrieben.
Was bedeutet das? Es bedeutet: Liebe dich selbst, dann liebst du deinen Nächsten auf die Weise wie du dich selbst lieben kannst. Sich selbst lieben ist schwer. Mangelnde Selbstliebe ist der Urgrund für viel persönliches Leid und für das Leid in allen zwischenmenschlichen Beziehungen.
Sich selbst lieben ist kein Narzissmus, wie viele fälschlicherweise glauben, denn der Narziss kann sich nicht lieben.
Sich selbst lieben ist ...
Dich annehmen wie du bist, dein eigenes Wesen mit deinem Licht und deinem Dunkel und wissen: So wie du bist hat Gott dich gemeint, mit all deinen Schwächen und Stärken, mit all deinen sogenannten Fehlern, die nur du für Fehler halten magst.
Selbstliebe ist gütig. Sie erkennt dich als das einzigartige Geschöpf das du bist, sie schätzt dich wie einen Schatz und sie pflegt dich wie einen Schatz: Deinen Körper, der atmet, deine Haut, die spürt, deinen Mund, der schmeckt und küsst, wenn er liebt, deine Arme und deine Hände, die tätig sind all die Tage deines Lebens, deine Beine, die für dich gehen und deine Füße, die dich tragen, jeden einzelnen Schritt, den du auf deinem Weg gehst.
Selbstliebe achtet deine Gedanken, die einzigartig sind, sie achtet deine Gefühle, die aus dir lebendig werden, sie achtet deine Träume und deine Sehnsucht.
Selbstliebe weiß: Das alles bist du und das alles ist wunderbar, denn du bist ein Wunder.
Selbstliebe lehrt dich das alles zu lieben, ohne ständig nach Perfektion zu suchen, ohne zu zweifeln an dir und dem, was dich ausmacht.
Selbstliebe lehrt dich die Freude am eigenen Tun, egal ob du ein Essen zubereitest, ein Bild malst oder mit deinen Kindern spielst.
Selbstliebe sagt dir, wenn du traurig bist, ist das in Ordnung, wenn du wütend bist, ist das in Ordnung und wenn etwas schmerzt ist das in Ordnung. Sie macht keinen Unterschied zwischen Gefühlen, egal welche Qualität sie haben.
Selbstliebe lehrt dich: All das bist du. Sie lehrt dich wie sinnlos es ist die Anerkennung anderer zu suchen, wenn du sie dir nicht selbst geben kannst, sie lehrt dich, dich nicht an Erwartungen zu binden, dich nicht aufzugeben für Andere und gut für dich zu sorgen.
Sie hilft dir weiter zu gehen, auch wenn du kein Ziel mehr vor Augen hast. Sie lehrt dich geduldig zu sein und in dich selbst zu vertrauen, wenn du keinem mehr vertraust.
Selbstliebe ist bedingunslos. Selbstliebe ist bedingungslose Liebe zu dir, zum Leben, zur Schöpfung und zum Schöpfer, der in dir wohnt. Wenn du das fühlen kannst, ohne zu zweifeln, ohne dich schuldig oder klein zu fühlen, weil du glaubst nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, um liebenswert zu sein - dann liebst du dein eigenes Sein. Dann kann sie fließen, die Liebe zum Nächsten und es ist nicht wichtig, ob diese Liebe erwidert wird oder nicht.

Liebe braucht keine Worte, sie muss nicht um Verstehen kämpfen - sie ist.
Frei wie ein Vogel, an nichts gebunden und immer in Bewegung.

Wenn du dich selbst liebst, brauchst du keine Spiegel mehr, die dich böse oder verurteilend anblicken. Du brauchst keine Spiegel mehr, die dich verletzen, dir eine Lektion erteilen und dir zeigen, was du gerne hättest oder was dir fehlt um gut genug zu sein. Wenn du dich selbst liebst, haben sie ihre Aufgabe als deine Lehrmeister erfüllt. Wenn du dich selbst liebst, blickst du in Spiegel, die ebenso voller Liebe sind, wie du es bist, dann sind das deine Nächsten.

Wenn du dich selbst liebst, brauchst du für dein Empfinden keine Bestätigung.
Du wirst das Schöne genießen ohne seine Schönheit teilen zu müssen, um sie in deinem Inneren festhalten zu können, denn du musst nicht teilen um es noch schöner und wertvoller zu zu machen - es ist wertvoll in dir, durch dich selbst, unabhängig davon, was ein anderer sieht oder dir bestätigt. Aber all das kannst du nicht und ich nicht und die Meisten nicht, die mir im Leben begegnet sind. Aber wir wissen - der Weg um unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst, beginnt bei uns selbst.

Montag, 2. Februar 2015

So nah wie nie zuvor




Ja, es fühlt sich gut an, wenn du gebraucht wirst. Eine Zeit lang fühlt sich das richtig gut an. Du hörst der Freundin zum hundertsten Mal zu, wenn sie über das immer gleiche jammert, du tust alles um anderen einen Gefallen zu tun, du gibst dein letztes Hemd, wenn es sein muss, um Menschen zu helfen, die du gern hast. Ständig sagst du ja wo du nein meinst, nur um anderen zu gefallen. Ja, es fühlt sich gut an, immer zur Stelle zu sein, wenn du gebraucht wirst. Ständig rufen dich Leute an, um dir ihr Herz auszuschütten. Es gibt dir das Gefühl nicht alleine zu sein. Dass all die anderen dagegen deine Sorgen nicht so gern anhören wollen, damit hast du dich längst abgefunden, du wirst ja gebraucht. Aber irgendwann meldet sich eine leise Stimme in dir, die dich fragt: Wie geht es dir eigentlich, was denkst du, was fühlst du, was willst du eigentlich?

Dann wird dir klar: Du hast dich verloren. Du hast dich verloren im gebraucht werden. Du warst so beschäftigt damit es allen recht zu machen, dass du dich selbst dabei völlig vergessen hast. Du fühlst dich erschöpft, ausgebrannt und leer und magst dich selbst nicht mehr leiden. Du siehst müde aus und hast keine Lust auf irgendetwas anderes, als abends vor dem Fernseher abzuhängen bis du erschöpft einschläfst. Aber wenn du dann die Freundin anrufst, sagt diese nur: "Ach was du schaffst das schon, du bist so eine starke Frau", und erzählt dir wieder von sich und du sollst schon wieder zuhören. Und dir wird plötzlich klar wie allein du eigentlich bist. Wie verlassen du bist, wenn du aufhörst es allen recht machen zu wollen. Das ist bitter. Aber die Wahrheit ist: Du warst die ganze Zeit allein.
Du hast es nur nicht bemerkt bei deinem ständigen "es allen recht machen".

Und jetzt?
Jetzt hörst du auf es allen recht zu machen.
Du legst den Hörer auf, wenn dir am anderen Ende das ewig gleiche Gejammer entgegenkommt, du führst nicht zum hundertsten Mal die immer gleichen Gespräche, du triffst dich nicht zum hundertsten Mal mit Leuten, die dich langweilen und nicht die Bohne inspirieren, du hörst auf Dinge zu tun, die du nur tust, weil andere es von dir erwarten, du vertrödelst deine Zeit nicht mehr mit Menschen, die immer nur "ich" sagen, du tust nichts mehr von dem, was dich in eine schlechte Stimmung versetzt. Denn endlich begreifst du - immer wenn du nach einer Begegnung schlechte Stimmung hast, hast du dir etwas angetan, was dich schwächt.

Und dann?
Dann kann es sein, dass du erkennst, dass all die Leute für die du da warst, dich ausgesaugt haben, weil du es zugelassen hast. Dann kann es sein, dass du dich entscheidest das nie mehr zuzulassen.
Dann kann es sein, dass du dich plötzlich mutterseelenallein fühlst. 
So allein, dass du meinst, das kannst du nicht aushalten. Aber du weißt, du kannst nicht mehr zurück, weil du die Wahrheit erkannt hast, weil du erkannt hast, dass das dein Herz nicht froh macht und deinen Körper auszehrt. Du kannst nicht mehr zurück, weil du das alles nicht mehr willst, weil dir die Kraft fehlt, dich weiter mit Belanglosigkeiten zu beschäftigen und mit Dingen, die dir keine Freude machen, die dich nicht weiterbringen, die dich weg bringen vom Wesentlichen.
Vielleicht weißt du schon gar nicht mehr was das Wesentliche ist, wenn du das Unwesentliche aussortiert hast.

Du hast alles Unwesentliche aus deinem Leben gestrichen und vor dir tut sich ein riesiger leerer Raum auf.
Was jetzt?
Jetzt geht es um dein Leben, dein Leben aus erster Hand, dein handgeschustertes Leben.
Laotse sagt: "Ziehe dich zurück, wenn die Leistung vollbracht ist."

Jetzt wirst du vielleicht eine Zeit lang sehr allein sein.
Aber besser du bist allein, als einsam unter anderen, die dir keine Freude machen.
Und du wirst dich fragen, wie es mit dir weiter geht.
Du wirst dich fragen, was für dein Leben wichtig ist.
Und du wirst vielleicht erst einmal keine Antworten finden.
Aber du weißt auch - bei wirklich wesentlichen Fragen musst du nach Innen gehen, schweigen, still sein, anhalten. Du weißt, es braucht diese Zeit der Stille, bis du erkennst, was zu tun ist.
Du weißt, dass der Rückzug dazu dient dich zu regenerieren um wieder in deine eigene Kraft zu kommen.

Und dann nimmst du dir diese Zeit, genau die Zeit, die du brauchst. Du lässt dich nicht drängen von nichts und niemanden, du tauchst in deine eigene Tiefe und schottest dich vom Außen ab. Wenn du dich entschieden hast in deine Tiefen hinab zu steigen gibt es keine Garantien, keine Ziele und kein Versprechen, dass du schnell und heil wieder ans Licht kommst. Du bist allein in der Dunkelheit mit deinen Dämonen, mit deinen Drachen, die dich von allem abhalten, was du so gerne getan hättest und nie getan hast, weil du die Drachen für so viel mächtiger als dich selbst gehalten hast. Die Drachen die Angst heißen - vor Unabhängigkeit, vor Selbstbestimmung vielleicht, oder andere Namen haben. All den Drachen wirst du begegnen und du wirst sie anschauen und mit ihnen sprechen und du wirst sehen, dass sie so groß gar nicht sind, jetzt wo du ihnen endlich entgegentrittst mit dem Mut der Verzweiflung vielleicht. Und dein mutiger Blick wird sie verunsichern und du wirst spüren, dass du so klein und machtlos gar nicht bist. Und vielleicht musst du sie gar nicht bekämpfen, vielleicht kannst du Freundschaft mit ihnen schließen und sie bitten sich als hilfreich für dich zu erweisen, indem sie dir etwas von ihrer Macht abgeben. Vielleicht siehst du auch die Geister deiner Vergangenheit vor dir aufsteigen, vielleicht wirst du erschrecken, wie sehr sie mit ihren Glaubensmustern. ihren Ver - und Geboten dein Leben beherrscht haben und sie hinterfragen mit einem: "Ist das, was du mir da die ganze Zeit sagst, wirklich wahr?" Und du wirst erkennen, dass es nicht wahr ist. Vielleicht berührt dich da unten eine alte Verletzung und eine Wunde reißt wieder auf, aber du weißt, weil du schon so weit gegangen bist, dass du sie jetzt anschauen kannst, um sie zu verbinden mit deiner eigenen Wundsalbe und nicht der Salbe anderer, die sowieso nie geholfen hat.

Da unten in deiner Tiefe erkennst du was dich wirklich ausmacht, was du wirklich brauchst, was dir wirklich am Herzen liegt und wer der wichtigste Mensch in deinem Leben ist. Ja, du selbst bist das und niemand anderer. Und dann wird dir klar, dass du nicht unendlich viel Zeit hast und dass dir nicht unendlich viel Energie zur Verfügung steht, du erkennst, dass deine Zeit auf der Erde kostbar ist, zu kostbar um sie mit Unwesentlichem zu vertrödeln.

Und wenn du aus der Tiefe aufsteigst wirst du von diesem Moment an Menschen und Dinge meiden, die deine Zeit und deine Energie verschwenden und dir keine Freude bereiten. Da unten hast du die Illusionen von der Wahrheit getrennt, für die einzige Wahrheit die für dich wichtig ist - deine eigene Wahrheit. Und wenn du dich dieser Wahrheit stellst spürst du ein wunderbares Gefühl: Du stehst auf festen Grund. Und zum ersten Mal vielleicht bist du dir so nah wie nie zuvor.











Sonntag, 1. Februar 2015

Gedankensplitter



Malerei: Ich

jede mischung aus angst, wut und hass speist sich aus einem tiefen bedürfnis nach schutz, halt und unterstützung und der unfähigkeit, für die eigenen bedürfnisse und wünsche einzutreten.

AUS DER PRAXIS – Wie du deine Gefühle garantiert nicht achtest




wenn andere merken, dass ich mich schlecht fühle, bedeutet das, schwäche zu zeigen.
negative gefühle sind schlecht.
wer zu emotional ist, dem fehlt die selbstbeherrschung.
manche gefühle sind dumm.
schmerzliche gefühle sind das ergebnis einer falschen einstellung.
wenn andere meine gefühle nicht akzeptieren, dann sollte ich sie wohl nicht haben.
schmerzhafte gefühle sind ungut, ich sollte sie am besten ignorieren.
ich habe doch gar keinen grund mich so schlecht zu fühlen, mir geht es doch gut.
ich zeige meine gefühle nicht, mich versteht sowieso keiner.
ich fühle mich zwar mies, aber ich muss jetzt positiv denken, dann vergeht das schon.
ich muss mich jetzt unbedingt ablenken, diese gefühle kann ich nicht aushalten.
ich müsste mich doch jetzt eigentlich ganz anders fühlen, als ich mich fühle.
und
und
und ...
du kannst die glaubensätze über das, was du über gefühle "denkst" jetzt ergänzen, wenn du magst.
dann stellst du fest, was du über deine gefühle denkst und dir wird ziemlich schnell klar, was du deinen gefühlen damit antust. du nimmst sie nicht ernst, du missachtest sie.
und wie bitte, willst du dich dann selbst ernst nehmen und achten oder gar erwarten, dass es andere tun?
wenn du aber weißt: was du fühlst darf sein, ist das der beginn des wahrhaftigen weges zu dir selbst.

herzlich,
angelika

VOM REDEN




redest du mit deinem verstand, erreichst du den verstand.
redest du mit deinem herzen, erreichst du herzen.
redest du mit deinem leben, kannst du leben verändern.