Samstag, 14. Februar 2015

Tod im Leben




ich sitze hier, am abend des valentinstages, dem tag der liebenden, in meinem bett, in den weißen laken, die nach reinheit duften, dem duft, den ich so sehr liebe, weil er meiner sehnsucht den namen gibt, und denke an meine mutter. die mutter, die mich verstoßen hat, was ich bis heute nicht verstehe. dabei müsste ich es längst verstanden haben, seit diesem moment in der zeit in dem wir mit den hunden über das blühende weizenfeld in dem kleinen dorf, in dem ich einst wohnte, liefen und sie mir sagte: kind, ich konnte dich nicht lieben. keine erklärung, kein, es tut mir leid, das meine fassungslosigkeit in etwas hätte verwandeln können, das mir hoffnung gegeben hätte. nur dieses: ich konnte nicht. es ist wie es ist, versuche ich zu denken, und fühle, dass es wahr ist, weil nichts anderes einen sinn macht: es ist wie es ist. aber das nimmt mir den schmerz nicht über mein vermissen der mutter, deren liebe ich bis heute suche in all der unliebe, die sie mir nannte. heute am tag der liebenden weiß ich, dass ich diese liebe in keinem mann finden kann. dort ist sie nicht, denn sie ist nicht. ich, selbst mutter, die ich mein kind über alles liebe, begreife nicht, fasse nicht, wie ein mensch sein kind nicht lieben kann, wo ich doch weiß, dass es möglich ist, weil es meine geschichte ist, eine geschichte von so vielen geschichten, die hörte und höre vom ungeliebtsein der kinder, die längst erwachsen sind und suchen wie ich. mein wissen um die möglichkeit der unliebe tröstet mich an diesem abend nicht, es wird mich auch morgen nicht trösten, wenn der tag anbricht. ich bleibe in dieser sache untröstlich. wie sie wohl lebt, frage ich mich, was sie wohl gerade tut? und keinen moment ist da der gedanke in mir, sie könnte mich ebenso vermissen wie ich sie. was, wenn sie stirbt, wenn ihr tod mein vermissen ins unendliche treibt? wortlos werde ich an ihrem grab stehen und ihren tod nicht begreifen, denn wie kann ich einen tod begreifen, der längst im leben stattfand.



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