Sonntag, 25. Mai 2014

Aus der Praxis - Der negative Mutterkomplex oder von der Mutter verlassen Söhne





Das erste Liebesobjekt des Sohnes ist die Mutter, zu der er eine intensive körperliche und seelische Nähe sucht. Durchläuft das männliche Kind eine gesunde Entwicklung ist es in der Lage, sich im Laufe der Zeit über die Pubertät, bis hin zum Erwachsen, aus dieser Bindung lösen. In einer gelungenen Mutter-Sohn-Beziehung hat der Mann die Fähigkeit entwickelt auch andere Menschen zu lieben.

Gelingt diese Ablösung nicht, wird die nicht gelöste Bindung zur Mutter, egal ob sie gut oder schlecht war, zum sogenannten Mutterkomplex und damit zu einem seelischen Problem für den Mann.

Man unterscheidet zwischen einem positiven und einem negativen Mutterkomplex. Männer mit einem positiven Mutterkomplex lieben ihre Mutter und mütterliche Frauen. Sie fühlen sich von mütterlichen Attributen angezogen. Männer mit einem negativen Mutterkomplex bleiben in der Beziehung zu ihrer Mutter stecken. Sie hängen emotional, wie man im Volksmund sagt - "an der Nabelschnur" - und entwickeln nicht die Fähigkeit sich in eine gesunde Bindung zu begeben. Das Innere dieser Männer ist besetzt von Urmisstrauen und Verlustangst. Das bedeutet, dass sich dieser Mann nicht altersgemäß aus der Bindung an die Mutter gelöst hat, sondern auf einer früheren Entwicklungsstufe stecken geblieben ist und daher lebenslang die Mutter suchen wird. Nur die gesunde Liebe zur Mutter legt die Grundlage für männliche Reife, Liebesfähigkeit und die Wertschätzung des Weiblichen.

Das Konzept der Komplexe ist eines der Konzepte der Jungschen Psychologie. Dazu gehört auch der Begriff „Mutterkomplex“. Nach C. G. Jung wird ein Mann, der ein problematisches Verhältnis zu seiner Mutter hat, sie verachtet, entwertet oder sogar hasst, Probleme mit dem Weiblichen haben. Ein Mann, der unter einem negativen Mutterkomplex leidet, kann u.U. seinen Hass auf die Mutter sogar unbewusst auf andere Frauen übertragen, indem er sie entwertet oder sie unbewusst fürchtet, weil er sich durch das Weibliche in seiner Männlichkeit verachtet und bedroht fühlt.
Negative Beziehungserfahrungen mit der Mutter sind die kindlichen Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit, Nähe, Umsorgtsein, Achtung und Liebe, die nicht erfüllt worden sind. 
Eine narzisstische, wenig beschützende Mutter beispielsweise oder eine ambivalente, unberechenbare Mutter, die für ihren Sohn nicht erreichbar bzw. begreifbar ist, sind für ein gelungenes Selbstkonzept des männlichen Kindes keine gute Basis. Durch den frühen Objektverlust kommt es in vielen Fällen zu Selbstentfremdung, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Aggressionsansammlung oder einer allgemeinen Aggressionsschwäche. Männliche Aggression im gesunden Maße aber wird gebraucht, um sich von der Symbiose mit der Mutter abzulösen und entschlossen eine Partnerin zu erobern. Nicht selten leiden diese Männer auch unter Depressionen oder sie betreiben Selbstdestruktion mittels Alkohol und anderen Drogen.
Gefühle wie innere Leere, Angst, Wut und Schuld bestimmen das seelische EmpfindenDie kindliche Erfahrung dieser Männerseelen ist das Gefühl des "Niedergemachtseins zum Nichts".
Das hat fatale Auswirkungen auf das spätere Selbsterleben und das Beziehungsverhalten. So lassen sich Mutter und Geliebte für diese Männer nur schwer in einer Person vereinigen, besonders wenn die Mutter eine zweideutige übermächtige Gestalt war. Zwiegesichtig wie die Mutter schwankt der Sohn in seinem Verhältnis zum Weiblichen, er weiß nicht, was es bedeutet männlich zu sein und fühlt sich der Frau unterlegen.
In der Beziehung zu einer Frau kommt es daher oft zu einer Objektfixierung, die durch Aufopferung und Abhängigkeit gekennzeichnet ist. Männer mit einer nicht eindeutig erlebbaren Mutter suchen unbewusst immer eine Partnerin die zwei Pole hat – einen in der sich Eigenschaften der Mutter wiederfinden und einen der von der Mutter verschieden ist. Im Laufe der Beziehung aber erlebt der Mann die Partnerin immer mehr als Mutter und umgekehrt die Frau sich selbst als Mutterersatz, denn sie wird unbewusst zum „Objekt des Lösungsversuchs“ der nicht gelösten Mutter-Sohn-Bindung funktionalisiert. Der Mann will einerseits mit der Frau verschmelzen, andererseits hält ihn sein Anklammern, sprich die kindliche Verschmelzungssehnsucht, genau da wo er einst als Sohn war – in der unerfüllten Sehnsucht nach sich selbst. In diesem Konstrukt wird die Partnerin gleichzeitig begehrt, gefürchtet und abgelehnt.
Auch Donjuanismus kann eine Folge des Mutterkomplexes sein. Wie das literarische Vorbild jagen diese Männer bindungsunfähig von Frau zu Frau, immer auf der unbewussten Suche nach der Mutter, die unerreichbar bleibt und zugleich im Tiefsten verachtet wird. 
Männer mit einem Mutterkomplex sind im Tiefsten allein. 
Die meisten von ihnen sind sich ihrer Mutterwunde nicht einmal bewusst oder sie winken ab, wenn man sie darauf anspricht. Aber auch wenn sie es ahnen, nicht viele Männer sind bereit sich der Mutter, die sie gefühlt nie hatten, oder sich der Wut auf die Mutter, die sie innerlich vernichtet hat, zu stellen. Sie bleiben ein Leben lang unglücklich und sich selbst ein unbekanntes Wesen, das zerrissen von der Sehnsucht nach Selbstliebe und Liebe leidet und fatalerweise die Frauen, denen sie begegnen, mitleiden lassen.
Um sich aus einem Mutterkomplex abzulösen gibt es nur einen Weg: sich die Beziehung zur Mutter genauer anschauen, auch wenn der Blick in ihre Richtung kein angenehmer Blick ist. Es schmerzt sich einer Vergangenheit zu stellen, die nicht reparabel ist, aber was ist die Alternative? Leid und zwar lebenslang.
Schließlich gehört es auch irgendwann dazu sich die Wut auf die Mutter einzugestehen. Wut kann sogar hilfreich sein um sich endlich von den mütterlichen Introjekten abzulösen und frei zu werden –  für sich selbst, um ein eigenständiger Mann zu sein und für eine erwachsene, mit den Schatten der Kindheit nicht belastete, gesunde Beziehung.


Kommentare:

  1. Ich habe nie mich damit auseinander gesetzt aber dieser Artikel bringt es bei mir auf den Punkt. Meine Mutter sehe ich einmal im Jahr aber dieses Gefühl der Nähe und der Geborgenheit hatte ich nie und deshalb bin ich ziemouch anhänglich zu meiner Freundin. Gibt es einen Weg der Heilung, abgesehen von dem Auseinander setzten mit der Mutter. Ich wüsste nicht was ich sagen sollte, denn ich würde meine Mutter nicht kränken wollen. Ich bin seit ich 7 bei meinem Vater aufgewachsen und habe meine Mutter bis ich 9 war jedes zweite Wochenende gesehen danach ist sie nach Portugal gezogen und ich sah sie nur einmal im Jahr.

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  2. es gibt immer einen weg zum besseren hin. wenn du dich mit deiner mutter nicht direkt auseinandersetzen kannst, kannst du das mit einer psychologischen begleitung tun. du brauchst sie dazu nicht.

    herzlich,
    angelika

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  3. Das "sich stellen", das Du gegen Ende ansprichst, ist leichter gesagt als getan. Selbst psychologische Begleitung hat bei mir nicht sonderlich geholfen, so diffus ist alles.
    LG
    Brendan

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  4. lieber brendan,

    es kann lange dauern und wenn eine psychologische begleitung nicht hilft, wer sagt, dass es eine nächste nicht tut? es braucht zeit, das vergessen viele immer wieder, viel zeit und geduld mit sich selbst.

    lieben gruß, angelika

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  5. "In diesem Konstrukt wird die Partnerin gleichzeitig begehrt, gefürchtet und abgelehnt." Das ist was mir zur Zeit passiert. Mein Mann fühlt sich immer grundlos ungeliebt. Will viel Aufmerksamkeit von mir und von meiner Tochter, aber nichts reicht ihn. Schon ein kleines Wort, eine normale Antwort mit einer anderen Meinung empfindet er als Attacke. Seit halbes Jahr ist schlimm. Dass er keine gesunde Eltern-Bindung hat, fühle/weiß ich seit langen. Er selber nennt sich das "zweit-Liebling", weil die Schwester das Liebling der Mutter ist. Mein Mann ist immer außer vor. Der Vater war immer "abwesend", d.h. hat überhaupt keine Beziehung zu den Kindern aufgebaut, aufbauen können, obwohl meine Schwiegereltern seit 45 Jahren miteinander verheiratet sind, die Beziehung ist voller Hass zwischen den beiden. Die Schwester hat seit "immer" eine Angstneurose, ist komplett Mutter-abhängig, trotz eigenem Ehemann, keine einzige eigene Freundin oder Bekannten, keine private Kontakte außer Ehemann und Mutter. Bitte nicht falsch verstehen: meine Schwiegereltern und meine Schwägerin sind sehr gute Menschen, sind sehr nett zu mir und unsere Tochter, nur haben viele seelische Probleme. Wahrscheinlich jetzt mein Mann auch. Wie kann ich ihn von einer Therapie überzeugen? Danke im Voraus für die Antwort! Esther

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  6. Liebe Esther, die Frage ist nicht: Wie kann ich ihn von einer Therapie überzeugen?, denn ist er nicht willens, kannst du es nicht. Die Frage, die Du Dir stellen könntest, ist: Wie kann ich mir selbst helfen, und was brauche ich, damit es mir besser geht?

    Wir haben keine Macht über andere Menschen.

    Alles Liebe für Dich!

    Angelika

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  7. Vielen vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht.

    Jahre lang wollte ich wissen was an mir falsch ist wieso ich Angst hatte verlassen zuwerden oder so misstrauisch war ( paranoid ) trifft eher. Ich war immer der Meinung das ich nichts falsch mache wie man mich verlassen kann und so weiter. In jeder Beziehung hatte ich das Gefühl betrogen worden zusein und immer waren die Frauen schuld. Auch jetzt in meiner momentanen Beziehung was auch am längsten ist. Dieser Beitrag rettet vielleicht die Beziehung weil meine Anschauung sich verändert hat mir ist jetzt vieles klarer.
    Ich bin noch ziemlich jung 27 Jahre umgenau zunehmen und werde mir einen tiefenpsychologen suchen oder in die Beratung gehen.
    Weil ich meiner Mutter eigentlich verziehen habe und komischer weise werden die depressiven fahsen immer öfter und schlimmer.

    Ich danke ihnen vielmals .

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  8. Vielen vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht.

    Jahre lang wollte ich wissen was an mir falsch ist wieso ich Angst hatte verlassen zuwerden oder so misstrauisch war ( paranoid ) trifft eher. Ich war immer der Meinung das ich nichts falsch mache wie man mich verlassen kann und so weiter. In jeder Beziehung hatte ich das Gefühl betrogen worden zusein und immer waren die Frauen schuld. Auch jetzt in meiner momentanen Beziehung was auch am längsten ist. Dieser Beitrag rettet vielleicht die Beziehung weil meine Anschauung sich verändert hat mir ist jetzt vieles klarer.
    Ich bin noch ziemlich jung 27 Jahre umgenau zunehmen und werde mir einen tiefenpsychologen suchen oder in die Beratung gehen.
    Weil ich meiner Mutter eigentlich verziehen habe und komischer weise werden die depressiven fahsen immer öfter und schlimmer.

    Ich danke ihnen vielmals .

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  9. manchmal wollen wir verzeihen und dann glauben wir, wir haben verziehen. ich erlebe es nicht selten in der praxis, dass menschen sagen - ich habe verziehen. ihr kopf hat es, aber ihre seele konnte es (noch) nicht. sie zeigt es uns dann mittels symptomen, wie z.b. depressionen oder ängsten. es dauert lang verletzungen aus der kindheit aufzuarbeiten und die erfahrung sagt: wir brauchen dazu hilfe.

    ich wünsche ihnen alles gute ...
    herzlich, angelika

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  10. Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich bin seit fast 3 Jahren mit einem Mann zusammen, zu dem Ihre Beschreibung sehr gut passt. Das er eine etwas "seltsame" Beziehung zu seinen Eltern hat war mir von Anfang an klar. Seine Mutter hat sich regelrecht aufgedrängt ihm die Wäsche zu waschen und seine Wohnung zu putzen (er hat es zugelassen). Das hat aufgehört, als wir zusammengezogen sind. Das war auch der Zeitpunkt ab dem sie versucht hat uns auseinander zu bringen. Mittlerweile ist es so, dass er keinen Kontakt mehr zu ihr hat. Allerdings benutzt sie seinen Vater immer wieder als Druckmittel. Sie stellt die gesundheitliche Situation (Parkinson) des Vaters so schlecht dar, dass der Vater es mittlerweile selbst glaubt und mein Mann immer ein schlechtes Gewissen gegenüber seinem Vater hat. Dies hat soweit geführt, dass mein Mann Heiligabend bereit war mit Mutter und Vater zusammenzusitzen und erst spät abends mit mir zu feiern. Druck hat sie wieder dadurch verübt, indem sie an Heiligabend einfach von zu Hause abgehauen ist. Diese ganze Situation ist mittlerweile unerträglich, da ich so sehr darunter leide (er empfindet mein Leid meist "übertrieben", die Situationen mit seinen Eltern würde ja schließlich nicht unser Zusammenleben beeinflussen). Er hat mit versprochen eine Therapie zu machen, um sich endlich lösen zu können. Ich befürchte nur, dass er dies nicht aus freien Stücken tut sondern weil er merkt, dass er mich verliert. Für einen Partner ist in solch einer Situation kein Platz.

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  11. Danke für den gut geschriebenen Artikel. Auch ich befinde mich in einem solchen Konstrukt, dass mich seelisch leiden lässt. Nur weiß ich wirklich nicht, wie mir das gelingen soll.
    Sie schreiben im vorletzten Artikel, man müsse "sich die Beziehung zur Mutter genauer anschauen". Was genau meinen Sie damit? Danke und viele Grüße, Michael

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  12. ich Bin 45 Jahre und ein Muttersöhchen konnte mich nie lösen vn der Ich war total abhängig von ihr sie kaufte mir soagr meine unterwäsche oder wir sind zusammen in ein Miedergeschäft und haben Miederwäsche für sie gekauft..Sollte auch oft bei ihr schlafen oder ihr erzählen wie toll sie auszieht und Mutti ist die beste..Ich stehe heute auf reife Frauen ab 60 und müssen so sein wie muttern..
    Ich komme davon nicht los

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  13. Sie könnten sich professionelle Hilfe suchen.


    Liebe Grüße
    Angelika Wende

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  14. ...vielleicht hab ich es überlesen, aber was ist mit Söhnen, die ab einem bestimmten Alter (sagen wir mal ab dem 7.LJ) ohne Mutter aufwachsen müssen, weil nach der Scheidung der Eltern der Vater das Sorgerecht hat und der Mutter das Umgangsrecht verweigert wird. Haben Sie für diese "Konstellation" auch ein "Komplex-Modell" o.ä. , vielen Dank.

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  15. darüber habe ich noch nicht geschrieben. aber es gibt literatur dazu.
    Beuster, Frank: Die Jungenkatastrophe. Das überforderte Geschlecht
    rororo

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  16. hallo angelika,
    leider muss ich gestehen, das ich ein mann bin wie du ihn im Artikel beschreibst. bei meiner frau und mir ist es mittlerweile soweit das wir in der Situation feststecken und ich nicht mehr weiter komme. als wir meiner mutter gesagt haben, das wir ein Baby bekommen hat sie ein gesicht gemacht, als ob ich sie geschlagen hätte. dann ist sie mit "kreislaufproblemen" gegangen. das unfähig sein als eigenständiger mann zu leben macht mich und meine Beziehung kaputt. was kann ich tun um die Bindung zu lösen ohne meine mutter zu verlieren? ich weiss, das ich zum teil partnerersatz war/bin, da mein vater recht jung gestorben ist. ich wünsche mir eine gesunde mutter-sohn Beziehung. ich liebe meine frau und möchte auch für uns das es friedlich wird und mein Wohlbefinden nicht an das meiner mutter gebunden ist. das macht mich zum Spielball ihrer Gefühle und beeinflusst somit auch meine ehe. meine mutter hat kein recht auf so viel macht und trotzdem kann ich sie ihr nicht verwehren. was kann ich tun? vielen dank für den tollen Artikel! er gibt mir Hoffnung!
    glg,markus

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  17. Hallo Angelika,

    ich danke dir für diesen erhellenden Artikel. Nach einer langen Beziehung inklusive Ehezeit (14 Jahre) bin ich nun gerade dabei, das Thema Mutter-Sohn-Beziehung aufzuarbeiten. Mithilfe einer Psychotherapie. Es lässt Einiges darauf schließen, dass ich unter einem negativen Mutterkomplex leide, da meine Mutter seit ich sie gekannt habe (Anm.: sie ist vor 11 Jahren gestorben), chronisch krank war. Ich kannte also nie eine gesunde Mutter, habe immer vermisst, was andere Kinder und Jugendliche mit ihren Müttern alles erleben konnten. Das war bei mir nicht möglich. Zudem kam auch heraus, dass ich nie gestillt worden bin, da das physisch bei meiner Mutter nicht klappte. Die Anzeichen, wie sich diese ungelöste Loslösung von der Mutter im Erwachsenenleben darstellt, und wie du sie im Artikel ansprichst, treffen die Sache ziemlich gut. Ich kann mich in vielen Dingen wiedererkennen. Das ist einerseits natürlich positiv, diese Dinge zu erkennen, denn es hilft, mich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren. Ich kann Vergangenes eben nicht mehr ändern. Andererseits macht es mir Angst, mich neu einzulassen auf eine Frau (Therapie hat gerade erst begonnen). Ich denke dann, das ist alles noch viel zu früh, das Kind in mir, das nach Anerkennung und Liebe lechzt, ist möglicherweise noch zu dominant. Trotzdem vermisse ich natürlich Zärtlichkeiten, körperliche Nähe, Sex. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich darauf noch sehr, sehr lange warten muss ...

    Liebe Grüße, David!

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  18. Lieber David,

    danke für deine Offenheit und für deine Wertschätzung. Du bist auf dem Weg und das ist gut. Wer sich auf macht seine Geschichte zu verarbeiten wird immer belohnt, sagt die Erfahrung, auch wenn es dauern mag. Geduld ...

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

    Liebe Grüße,
    Angelika

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  19. Liebe Frau Wende,

    wunderbar geschrieben! Ich habe einen Freund, der aus einer anderen Kultur, aus einer Clan-Gesellschaft, kommt. Dort wird die individuelle Entwicklung nicht unterstützt. Meist werden Kinder in die Welt gesetzt, und man kümmert sich nicht um sie - jedenfalls nicht emotional. Jungs werden als Kind einfach schreiend liegengelassen - "das macht richtige Männer aus ihnen". Durch diese furchtbare Vernachlässigung werden die Männer zu persönlichkeitsgestörten Frauenhassern, die einem patriarchialem System dienen. Oft wird ihnen auch keine Grenze gesetzt, sie machen, was sie wollen, keiner wird ihnen Herr.
    Der Vater von meinem Freund starb vor ca. 10 Jahren mit 76, die Mutter lebt noch in seiner Heimat. Er selbst lebt zwischen den Welten, in seiner Heimat und in Deutschland. Ich hörte aus seinen Erzählungen heraus, dass er mit seinem Vater Konflikte hatte und er sich stets über seine Autorität gestellt hat. Ich vermute, dass er in starker Konkurrenz zu seinem Vater lebte, bis er starb, und keine Chance hatte, in Frieden zu kommen. Seine Mutter ist eine leidende Frau, und ich glaube sie manipuliert stark. Mein Freund ist ein ängstlicher, zwanghafter Mensch, und er hat auch die Tendenz zu manipulieren, emotional zu erpressen. Er teilt sich nicht mit. Er bleibt immer auf der Sachebene. Er zeigt kein Interesse an mir und meinem Leben. Über Gefühle sprechen, sie beschreiben, das kann er nicht. Einerseits möchte er Bindung (Ring am Finger), aber er kann dauerhafte körperliche Nähe nicht zulassen und befindet sich immer auf Reisen in die Heimat, mit kurzen Aufenthalten bei mir. Er braucht ständig Aufmerksamkeit, kann keine Kritik vertragen und bezieht alles auf sich. Schuld sind natürlich immer die anderen. Ein richtiger Narzisst. Ich empfinde ihn als total beziehungsgestört und langsam werde ich auch krank, denn er ist völlig ruhelos, ohne Mittelpunkt, ständig mit beruflichem Fortschreiten beschäftigt.
    Sobald ich ihn auf seine Mutterbeziehung anspreche, fängt er an sie zu idealisieren. Sein Vater kommt dabei nicht so gut weg. Ich spüre, dass er ihn am Konkurrenten sieht. Er ist auch in der Familie als ältester Sohn für alles verantwortlich gewesen, gleichzeitig fühlt er sich immer aussen vor und abgelehnt. Bei Konflikten mit mir geht er ins Schweigen, er meidet die direkte Auseiandersetzung - für mich fast unerträglich! Ich habe ein Vernachlässigungstrauma und werde ständig getriggert...

    Ja - es ist sehr schwer. Sehr schwer... ich weiß nicht, wie ich aus dieser Beziehung raus kommen kann. Denn ich liebe ihn auch. Nur ist das Ganze so destruktiv, dass ich depressiv bin und keine Kraft mehr habe.

    Viele Grüße
    Tanja

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  20. Liebe Tanja,

    ja es ist sehr schwer. Und diesen Schritt schafft man alleine meist nicht. Es macht Sinn sich Hilfe zu holen.

    Herzlich,
    Angelika

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  21. Guten Tag.

    Ich habe einen 16jährigen Sohn. Ich behaupte, dass ich eine verlässige, umsorgende und berechenbare Mutter bin. Zumindest wurde mir das mehrfach bestätigt. Mein Sohn und ich haben, nach 3 jährigen Kampf wegen der Pubertät, wieder ein sehr gutes Verhältnis. Seinen Vater sieht er regelmäßig. Er betreibt intensives Boxen. Bedeutet, er hat viel Kontakt zu Männern. Trotzdem ist, wenn wir gemeinsam zu Hause sind, gerne mit mir zusammen. Wir reden, wir lernen gemeinsam und wir lachen viel. Wenn er kein Training hat (4-5mal die Woche) dann lernt er für die Schule (er ist sehr gut). Aber er trifft sich dadurch in letzter Zeit sehr wenig mit seinen Freunden. Ist das schlimm, dass wir gerne zusammen zu Hause sind? Vor allem jetzt in der Winterzeit. Ich denke darüber nach, dass er sich doch abnabeln muss. Ich habe Angst, etwas falsch gemacht zu haben.
    LG

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  22. Du Liebe,
    dein Sohn ist erst 16.
    Er hat noch genug Zeit sich abzunabeln.

    Alles Liebe Euch Beiden!
    Angelika

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  23. Hallo und Danke für den Artikel.
    Ich bin mit einem Mann zusammen, mit dem ich seit Jahren den Konflikt habe, dass er in Konkurrenz zu meinem Sohn steht. Dies will er nicht wahrhaben und weicht meinen Bitten stets aus, dass er achtsamer mit meinem Sohn umgehen soll und nicht immer seinen Neid und seine Eifersucht an ihm auslässt. Zu seiner Mutter hat mein Freund seit fast zwanzig Jahren keinen Kontakt. Er bezeichnete sie als verrückt und "die Mutter" habe jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen. Alles scheint in der Familie schräg gelaufen zu sein, einen Kontakt zu den Geschwistern hat er auch nicht. Sie sehen sich nie, treffen sich nie. Selbst ein Todesfall in der Familie brachte meinen Freund nicht dazu, dort hinzufahren und Anteil zu nehmen. Meinen Sohn behandelt er missgünstig, manipulierend und desinteressiert. Eifersucht ist oft eine spontane Handlung bei ihm. Ich leide mittlerweile fürchterlich und bin kurz vor der Trennung. Immer, wenn ich sehr heftig reagiert habe, dann hatte er kurzzeitiges Einsehen, entschuldigte sich für sein Verhalten meinem Sohn gegenüber, aber nie bei ihm, immer nur bei mir.

    Ich kann mich hier selbst kaum noch stehen sehen. Ich möchte mich trennen, habe aber Angst davor. Ein Teil von mir liebt ihn. Der andere Teil beginnt ihn zu verachten und mich gleich selbst.

    Ich denke, er hat eine Mutter-Störung und ich bin die, die sie ersetzen soll. Eigentlich sage ich immer, wo es langgeht und er folgt mir dann - in gewisser Weise kommen meine direkten Worte als getarnter Bumerang zu mir zurück. Er braucht sehr viel Bestätigung und es ist nie gut genug. Seine Kommentare in Richtung meines Sohnes sind stets "wie redest du mit deiner Mutter" oder wenn ich meinen Sohn zärtlich behandele, unterstellt er ihm Unfreundlichkeit, weil er gerade Aufmerksamkeit bekommen hat. Und so weiter.

    Ich versteh mich selbst nicht so ganz in dieser Hinsicht.
    Eine Therapie wird er nicht machen. Er hat jetzt erst wieder abgewiegelt und gemeint, seine Beziehung zu ihr nicht aufarbeiten zu müssen.

    Es läuft wohl darauf hinaus, dass ich eine brauche. Was denken Sie?

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  24. Liebe anonym,

    wir haben keine Macht über andere Menschen!

    Aber Sie können sich selbst aus dieser destruktiven Beziehung befreien, wenn Sie das wirklich wollen.
    Natürlich ist da die Angst zu gehen, aber wie wird Ihr Leben weiter gehen, wenn Sie bleiben?

    Was würde die Liebe sich für Sie wünschen?

    Herzlich,
    Angelika

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  25. Hallo ,ich muss auch was dazu schreiben.
    Mein Partner und ich waren fast 10 Jahre zusammen.in der Zwischenzeit hat seine Oma immer angerufen und wollte was gemacht haben . Muss dazusagen,das er bei mir gewohnt hat.Er ist dann immer ein Tag später heimgefahren und kam ein Tag später wieder. Das war jede Woche so.Er wollte mich heiraten und seine Familie hat es mit Lügen und intrigen zerstört und hat es kaputt gemacht. Er ist natürlich nach Hause ,weil es seine Familie so wollte. Und er hat das geglaubt ,was die so erzählt haben. DAs lustige ist ,er hat mir 4 Wochen vorher gesagt ,das er mich nicht heiraten will. Wie komme ich mit dieser Situation klar? Es vergeht kein Tag wo ich hass und wütend bin.

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  26. Hallo Anonym,

    es gibt kein Rezept wie Sie damit klar kommen.
    Aber es gibt einen Weg, wie Sie damit klar kommen können.
    Sie könnten sich Hilfe suchen.


    Herzliche Grüße,
    Angelika Wende

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  27. Danke für diesen Artikel, der hilft bestimmte Verhaltensweisen zu verstehen.
    Ich habe einen Partner, der ein sehr schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter hat. In der Kindheit hat sie ihn nie Liebe zukommen lassen und früh verlassen. Er ist dann bei seinem Vater und neuer Partnerin aufgewachsen, doch hat auch dort immer Zurücksetzen im Gegenzug zu seinem Stiefbruder erlebt. Kontakt besteht zu seiner Mutter gar keiner.
    Mein Partner hat bereits eine Therapie deshalb gemacht aber in bestimmten Situationen bricht trotzdem das alte Verhaltensmuster wieder heraus. Das äußert sich indem er nach Anhaltspunkten sucht die zeigen dass ich ihn nicht richtig liebe und mir Sachen zum Vorwurf macht die überhaupt nicht böse gemeint sind. So will ich ihn nach einem harten Arbeitstag schlafen lassen und er fühlt sich nicht mehr begehrt. Es gibt lange gute Phasen wo alles in Ordnung ist aber dann reicht eine Kleinigkeit und ein Riesen Streit entspringt. Er sieht sich dabei selbst immer in der opferrolle und mich als die jene der er nichts recht machen kann.
    Meine Frage ist, wie kann ich solchen Attacken entgegnen? Sollte ich ihn dann die Stirn bieten? Ihn beruhigen? Ihn allein lassen? Es ist schwierig für mich, weil ich auch nicht immer die schuld auf mir sitzen lassen möchte.

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  28. Liebe Anonym,

    wenn Ihnen das so große Probleme bereitet, könnten sie sich professionelle Hilfe suchen. Ich berate in meiner Praxis, hier nicht. Ich beschreibe hier was ist.

    Alles Liebe!
    Angelika Wende

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