Donnerstag, 31. Mai 2012

Aus der Praxis: Vom Abnehmen und Kümmern





anderen etwas abnehmen
heißt vom anderen etwas aufnehmen,
meist etwas schweres.

wer dem anderen etwas abnehmen will, weigert sich unbewusst, sich selbst und das eigene (schwere) anzunehmen. der abnehmer wendet sich auf diese weise von sich selbst ab.

das bestreben anderen das ihre abnehmen zu wollen, ist eine ablenkung von der eigenen unfähigkeit oder dem unwilllen das eigene anzunehmen.

ein ständiges abnehmen der lasten der anderen hat für den abnehmer einen nicht unerheblichen benefit: das abnehmen dient dem unterbewusstsein als rechtfertigung für die weigerung das eigene aufzunehmen.

das aufnehmen der dinge der anderen ist eine "egoistische" handlung, die dem eigenen ego dient. es dient der weigerung das eigene anzunehmen. es dient zur kompensation und ist eine unbewusste rechtfertigung, das eigene nicht anzunehmen.

indem der abnehmer sich ständig um andere kümmert, simuliert ihm das ich stärke - derart, dass er vom außen, also - von anderen - anerkannnt und bestätigt wird. er erhält dank und kann sich wertvoll fühlen - ein gefühl, das er im eigenen inneren nicht findet.

durch das abnehmen bekommt das ego unmittelbar rückmeldung vom außen und damit die positive aufmerksamkeit, die es sich selbst nicht gönnt oder nicht erlaubt, oder in sich selbst nicht spüren kann.

durch das abnehmen verwirklicht sich die erleichertung im leben des anderen, die für das eigene leben nicht gelingen will, unbewusst aber ersehnt wird.
der abnehmer versäumt, sich für sich selbst durchzusetzen, sein eigenes leben besser zu gestalten, sich selbstständig und unabhängig zu machen, die eigenen schatten und fehler zu analysieren und seine baustellen zu bearbeiten.

so bitter das klingt:
wer sich ständig um das der anderen kümmert - ist verkümmert.

Sonntag, 27. Mai 2012

DIE HÖLLE

anna sah aus dem weit geöffneten fenster, die kaffeetasse in der einen hand, die zigarette in der anderen. ihre hände zitterten, zitterten wie alles an ihr, innen und aussen.

draussen schlich eine schwarze katze über den hof. anna hatte sie noch nie zuvor gesehen. die katze war groß, ungewöhnlich groß, so groß wie ein kleiner hund. eine schwarze katze bringt unglück, dachte sie und dass es egal war, ob sie ihr von inks nach rechts über den weg lief oder unter ihrem fenster herumschlich. das unglück hatte ihr leben durchzogen. immer wieder, in immer neuen erscheinungen war es da gewesen und sie hatte es ausgehalten, immer wieder und es überlebt, weil sie stark war. an diesem morgen wusste sie, dass sie nicht mehr stark war. stärke ist eine sache des willens, dachte anna. ihr wille war gebrochen, schon lange. sie hatte nur so getan hatte, als sei sie stark, schon lange.

sie dachte an das, was sie für ihr leben gehalten hatte, bis zu diesem morgen für wahr gehalten hatte, und was nicht wahr war für den, den sie liebte. er hatte es gesagt, zu einem anderen, was er ihr nie gesagt hatte, dass er nicht glücklich gewesen war, niemals, dass es die hölle gewesen war mit ihr und dass er diese hölle ausgehalten hatte, weil er keine wahl gehabt hatte. 

immer war da dieses ungute gefühl in ihr gewesen in einem moment in der zeit etwas falsch gemacht zu haben, absichtslos falsch gemacht zu haben, wo sie doch immer ihr bestes getan hatte, das, was sie gekonnt hatte und  über das können hinaus getan hatte, damit er glücklich war. für ihn war es die hölle gewesen, was sie sicher nicht für den himmel gehalten hatte, aber für gut eben, so gut wie sie es hatte machen können mit ihren mitteln und dem, was sie war und mit ihrer liebe. für ihn war es kein einizger fehler gewesen, den anna zu glauben gemacht hatte, in einem moment in der zeit, für ihn war es ein allumfassender fehler gewesen, die ganze zeit.

seine worte hatten sie mitten ins herz getroffen, in ihr herz, das einen riss hatte. der riss klaffte, aber er musste an dünnen faden hängen, denn es schlug noch. die hölle hatte sie gedacht, die halbe nacht lang, zwischen langem wachen und leichtem schlaf war da dieses wort wie ein schwindelgefühl. wenn sie versuchte es nicht zu denken, fühlte sie, wie es hinter ihrem kopf entstand, sich gleich wieder nach vorne drängte, in die stirn. da schwoll es an, wurde riesengroß, bis es sie vollständig ausfüllte. anna fasste sich an ihr herz. sie hatte sich gewünscht, dass es aufhören würde zu schlagen. bleib stehen, hatte sie ihm befohlen, damit endlich ruhe einkehren konnte, in ihr. es schlug weiter, schlug auch an diesem morgen weiter, als wolle es sagen, du kommst nicht einfach so davon, du kannst dich nicht wegschleichen, wenn du es willst, so einfach mache ich es dir nicht. 

durch den riss zog sich ein gift, das sich ausbreitete, dessen zersetzende wirkung sie spürte in der unbeschreiblichen schwäche, die sie fühlte in ihrem körper. in ihrem kopf hämmerte  nur noch ein wort hämmerte - schuldig.

anna kannte das wort und das gefühl, das in diesem wort lag, gut. sie hatte sich schuldig gefühlt seit sie ein kind war, wo man ihr die schuld gegeben hatte, dafür, dass sie überhaupt da war. die schuld, immer wieder laut ausgesprochen und wiederholt und als ursache benannt für das unglückliche leben der eltern, das sie zerstört hatte, einfach weil sie da war. sie hatten sie spüren lassen, dass sie keinen platz verdient hatte, bei ihnen. 

anna hatte es ausgehalten bis sie alt genug gewesen war und hatte gehen können, sich einen platz suchen, irgendwo, wo sie das gefühl hatte sein zu dürfen. sie war nirgends angekommen, am wenigsten bei sich selbst. was heimat war, wusste sie nicht. wer an keinem ort das gefühl von heimat spürt ist ein heimatloser, ein getriebener, ohne die schützende hülle des vertrauten, ohne festen boden unter den füßen, immer auf der suche, niemals im frieden mit dem, was ist. das wusste sie.
 
es war die hölle. die hölle, die sie ihm weiter gegeben hatte, dem, den sie liebte wie nichts anderes. sie hatte es getan, ohne sich dessen bewusst zu sein. die hölle, so hatte er es empfunden und sie war der teufel, der sie ihm bereitet hatte, absichtslos. das zu hören, zu fühlen, hatte sie getroffen wie ein weiteres unglück, das mit einem schlag ihr ganzes sein in frage stellte. wie sollte sie damit leben? wollte sie damit leben? musste sie damit leben? und wenn sie entschied nicht damit zu leben, weil es nicht auszuhalten war, würde sie die hölle nicht nur größer machen, für ihn? es würde so sein. sie musste aushalten, die scham und die schuld und den schmerz, den sie ihm zugefügt hatte, von dem sich nichts gewusst hatte und den sie niemals würde heilen können, in ihm. 

konnte sie ihm sagen, ich konnte nicht anders, ihn um verzeihung bitten, für das, was sie nicht gekonnt hatte? konnte sie ihre unfähigkeit ihn glücklich zu machen entschuldigen? konnte sie ihm eine erklärung geben, warum sie nicht so war, dass sie ihm gut getan hatte? was konnte sie tun, um all das vergangene wieder gut zu machen von dem sie geglaubt hatte, dass es so ungut nicht gewesen war? anna fand keine entschuldigung, fand nur die schuld und die scham und seinen schmerz, der sich zu dem ihren legte, der schmerz, der so alt war wie sie und so alt wie er. 

ihre wahrheit, seine wahrheit. eine gemeinsame wahrheit gab es nicht mehr. sie hatte sich getäuscht, sich geirrt in all ihren gedanken und gefühlen über das gemeinsame vergangene. eine illusion hatte sie sich gemacht, sich getäuscht. er hatte sie berichtigt, die täuschung, ihre wahrheit der selbstlüge gestraft, die wahrheit, an die sie geglaubt hatte, ganz fest. anna fragte sich, ob es eine wahrheit gab, die absolut war, eine die richtig war und eine, die falsch war oder ob es immer nur die wahhrheit dessen gab, der sie dachte und fühlte. sie fragte sich, ob die wahrheit dann wahr war, wenn die dinge zur wirklichkeit geworden waren, oder ob die absolute wahrheit immer in frage stand, weil sie für jeden eine andere ist.  

für anna gab es nur noch eine wahrheit. sie würde sie verfolgen jeden tag ihres lebens. seine wahrheit. er war nicht glücklich gewesen. sie hatte den, den sie liebte, nicht glücklich machen können. ihre liebe war nicht genug gewesen. das war jetzt ihre wahrheit. als sie das fenster schloss, fragte sie ich, womit sie die tage füllen sollte die noch kamen, was es noch gab, das in irgendeiner weise ein leben rechtfertigte, das ein anderes leben zu hölle gemacht hatte.




Freitag, 25. Mai 2012

die ausnahme



in keiner menschlichen beziehung gibt es einfache wahrheiten.
die wahrheit ist niemals einfach.


nicht das einheitliche, die verschiedenheit der handlungen und interpretationen jedes einzelnen formen unser miteinander.

das ist das normale.

das gewahrsein, dass wirklichkeit immer eine konstruktion des einzelnen ist, macht uns bewusst, wie wenig menschen, die in verschiedenen wirklichkeiten leben, einander verstehen können.

sie sprechen mit worten, aber nicht in der selben sprache, bleiben einander fremd.


nur manchmal legt sich eine wirklichkeit stimmig zu einer anderen wirklichkeit.
verstehend, ergänzend, wortlos.

dann, nur dann, haben wir das gefühl, dass wir mit unserer wahrheit nicht allein sind.

das ist die ausnahme.

leben



leben ist schwanken
zwischen seele und masse
zwischen innen und aussen
alles in uns 
ergibt sich
aus dieser 
beziehung

Dienstag, 22. Mai 2012

ANGST VORM FLIEGEN





er sitzt auf der bank am gate des flughafens. sein kurz geschnittenes haar hat ein sanftes silbergrau. es legt sich zu dem sanften in seinem gesicht wie eine blütenblatt in ein anderes. zwischen unzähligen falten zeigt er eine ruhige mine. wenn man genauer hinsieht, kann man sehen, dass sein linkes auge zuckt.

eine kleine, dicke frau mit streng nach unten zeigenden mundwinkeln steht neben ihm und hält sich am gepäckwagen fest. beide grüßen freundlich als ich auf sie zukomme. ich grüße zurück. der mann fragt in gebrochenem deutsch, wie alt denn mein kleiner hund sei, bückt sich zu ihm hinunter und streichelt sein weißes fell.

mir fehlt die kraft zu sprechen, ich habe angst vorm fliegen. ich muss mich konzentrieren um sie in schach zu halten, damit sie mich nicht überwältigt. aber ich will nicht unhöflich sein und antworte dem mann. er ist fünf monate alt, antworte ich. der mann lächelt. er ist jung, ein baby. ja, sage ich, ein hundebaby.

die frau mischt sich ein, erzählt von den nachbarn im haus. die nachbarn mit den zwei schäferhunden in der einzimmerwohnung nebenan. es stinkt aus der wohnung, sagt der mann und dass er nicht versteht, wie menschen so etwas aushalten können.

menschen halten viel aus, sage ich und schlucke mit mühe den kloß in meinem hals herrunter. die angst hatte mich im griff. diese angst, die ich nicht wirklich benennen kann, die sich nicht ausschalten lässt mit dem kopf, die keinen anker findet in meinem bewusstsein, die sich hochschleicht aus dem untergeschoss der furcht, immer wenn ich fliegen muss oder autofahren.

der mann blickt mir ins gesicht. sie haben angst, sagt er. ja, sage ich, ich habe angst. ach, wie dumm ist das denn, sie brauchen keine angst zu haben, krächzt die frau mit der harten stimme einer italienerin, es kommt wie es kommt, also was solls.

ich will aber nicht, dass es kommt, jedenfalls nicht das, was mir angst macht. da steige ich doch besser erst gar nicht ein in diesen verdammten stahlvogel. und überhaupt, warum müssen menschen fliegen, sollen sie das doch den vögeln überlassen. ich will heim und zwar sofort und ohne flugzeug. ich hätte daheim blieben sollen, ich habs doch gewusst, dass ich das nicht packe.

mein gefühlsuntergeschoss produziert kaskaden von fluchtimpulsen. ich bleibe einfach hier in sizilien. ich suche mir einen job in einem blumenladen, ich mag blumen. nein, keine gute idee. ich muss heim, mein sohn kommt mich besuchen und die arbeit wartet und alles andere, was ich liebe. also weiter mit dem die angst in schach halten kraftakt, sagt mein kopf und mein bauch fühlt etwas komplett anderes. ich bin der herr meiner gefühle oder etwa nicht? er soll die klappe halten, dieser blöde bauch. er tut es nicht, von wegen herr meiner gefühle. die angst überflutet mich wie die hitzewallungen meiner wechseljahre, legt sich wie eine schlinge um meinen hals. die wechseljahre denke ich, auch eine party, die man nicht absagen kann. jetzt nicht auch noch die altersangst, beschwöre ich mich, eine reicht völlig. ausserdem, im schlimmsten fall erledigt sich die ja jetzt von selbst. das wäre nicht das erste flugzeug, das abstürzt. hilfe, ich will nicht sterben, dann lieber alt werden und dann sterben.

madonna mia, krächzt die frau, ich hab vor nix angst. das macht eh keinen sinn. ich denke, halt die klappe du emotionsloses weib, und schäme mich im selben moment für meine schlechten gedanken. sie erzählt von dem unfall, den sie anfang des jahres hatte und wie locker sie das alles weggesteckt hat. ihre hängenden mundwinkel sinken eine etage tiefer und entlarven ihr lachen der falschheit. haha, der tod wollte mich noch nicht, setzt sie noch eins drauf.  ich denke, wenn sie noch einen satz in diese richtung ausspuckt, sage ich ihr, dass mir ihre ignoranz weh tut und sie genau zu den menschen gehört, von denen ich mich fern halte. ich habe angst und dass sie keine angst hat ist mir völlig wurscht.

plötzlich berührt eine hand die meine. sie ist eiskalt. wissen sie was, ich habe auch angst, sagt der mann. in diesem augenblick wird unser flug aufgerufen.
der mann erhebt sich schwerfällig von der bank. arrividerci!
ich nicke ihm zu, weil mir kein wort mehr aus der kehle kommt.


Donnerstag, 10. Mai 2012

verstehen


ich verstehe gott nicht, warum er all das leiden in der welt zulässt,
sagte der mann.
ich verstehe die menschen nicht, die glauben, dass gott das leiden in die welt setzt,
antwortete die frau.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Porträts von David Iacovazzi-Pau

  -->
Seit den Anfängen der Kunst stehen Bilder von Menschen im Mittelpunkt künstlerischen Schaffens. Das Bildnis gilt als Ursprung der Malerei überhaupt.

Nach der Legende „Geschichte der Tochter des Butades“ des italienischen Renaissance – Kunsthistorikers Giorgio Vasari, ist Malerei dadurch entstanden, dass eine junge Frau im Schmerz um den Verlust des Geliebten den Umriss seines Schattens auf der Wand nachgezeichnet hat, um so das Bildnis seiner Gestalt behalten zu können. Den Abwesenden stets vor Augen, fand sie Trost.

Porträts haben die Funktion an eine Person zu erinnern und zugleich - sie zu repräsentieren. Dabei ist eine Ähnlichkeit zwischen dem Porträtierten und seinem Bildnis entscheidend, sowohl in äußeren physiognomischen Merkmalen als auch in einer Erfassung des Wesens. 

Ein gutes Porträt lebt von der empathischen Erkundung der psychologischen Befindlichkeit des Dargestellten. Und jedes Porträt sagt immer ebensoviel über den Maler aus, als über sein Modell. Es ist die Bildgattung, die zwei Menschen auf ewig miteinander verbindet.

Das Porträt ist ein Dialog zwischen dem, der malt und dem, der gemalt wird. Mehr noch: es tritt einem Dritten gegenüber - dem Betrachter.

Kommunikation ohne Worte. Still und doch aus sich heraus, mit und zueinander, sprechend.

David Iacovazzi-Pau ist ein stiller Mensch, ein sensibler Mensch, ein Mensch, der mehr im eigenen Inneren, denn im Außen lebt, der über die Malerei ausdrückt, was er wahrnimmt und empfindet.
Es ist sein Bild vom Menschsein, das er im Menschenbildnis festhält und so ist jedes Bild, das sie hier sehen, auch Ausdruck seines persönlichen Fühlens.

Es fällt ihm schwer über seine Kunst zu sprechen. Und eigentlich hat er Recht, Bilder sprechen für sich und sie geben immer nur das preis, was wir beim Betrachten empfangen, jeder mit seiner eigenen Wahrheit und seiner eigenen Befindlichkeit.

Asking an artist to talk about his work, is like asking a plant to discuss norticulture“, sagte einst Jean Cocteau.

Ist das so?

Ja, sagt David.

Und es auch nicht so, denn es kommt auf die Fragen an, die wir stellen. Nicht bezüglich der Malweise,  denn die sehen wir mit den Augen, aber Fragen über den Künstler und wie er Welt sieht, vielleicht nur diese Frage, denn diese Sicht von Welt ist es, die das Werk jedes Künstlers bestimmt und ausmacht.

Wie sieht dieser junge Maler die Welt und was steht im Focus dieser Sicht und der daraus sich entwickelnden Gedanken, in Hinblick auf die Umsetzung in seiner künstlerischen Arbeit?

„Nichts interessiert mich mehr als der Mensch“, sagt er.

Auf den Menschen blickt er. Es ist der Blick auf das nicht Eigene, das Fremde, um dann innen und außen, malerische Interpretation und das Fremde, zu vereinen.

So bildet sich der Charakter dieser Portraits aus der Verbindung und dem Dialog zwischen dem Beobachter und dem beobachteten Gegenüber.

Eine Beziehung nimmt im Bild Gestalt an. So präzise der Maler auch die Züge seiner Protagonisten auf die Leinwand bringt, so sind doch seine Wahrnehmung und Rezeption letztlich das, was diese Gesichter ausmacht und den Porträts das gibt, was über die pure Wiedergabe einer Physiognomie hinausgeht.

Mit den Augen des Malers gesehen, hinter einem weißen Schleier, meist en face, in Frontalansicht oder im Viertelprofil, wie der Wirklichkeit entrückt, präsentieren sich diese Gesichter.

Vielfach geht David über die Verfremdungstechnik der unscharfen Darstellung hinaus und zieht Furchen durch die Oberfläche der Gemälde. Das Verwischen der Oberflächenstrukturen, das Einsetzen kräftiger Farben, die Transparenz und Luzidität der überlagerten Farbschichten, die meist monochromen Hintergründe, die nicht von der Person ablenken, schaffen Eindringlichkeit.

Sie zitieren die Fragwürdigkeit der nicht Erfassbarkeit der Essenz eines Individuums, den Wesenskern, das, was den Menschen im tiefsten Innern ausmacht.

Die Essenz ist es, die David Iacovazzi-Pau sucht.

„Es ist schwierig“, sagt er.

Schwierig, weil er weiß, dass er sie doch nur im Ansatz erfassen kann, denn jeder ist ein Rätsel - sich selbst und den anderen.  

Und doch, dieser Maler hat die Gabe die Wesenzüge eines Portraitmodells konzentriert darzustellen, das fasziniert ihn, das liebt er, das ist seine Arbeit – a life time work, wie er sagt.

Hier sucht ein Künstler nicht nach einem subjektiven malerischen Schönheitsideal, dem er das Aussehen seiner Modelle unterwirft, es sind Menschen wie Sie und ich, die ihn interessieren - diese Menschen sind wirklich. Es sind Freunde und Bekannten, dann wieder sind es Fremde. Es sind Menschen, die ihm begegnen, die er anspricht, sie bittet sie fotografieren zu dürfen um sie zu malen. Identifiziert werden sie nach der Fertigstellung des Bildes nicht, die Titel verraten nur die Vornamen.

Skizze für Skizze, nach fotografischen Vorlagen angefertigt - bis zu 50 entstehen bevor der Malprozess beginnt - spielt er verschiedene Möglichkeiten des Ausdrucks durch. Ein tastendes Suchen bis er zu einem subtilen Verständnis der Person gelangt.

Sich stets des Prekären im Privaten bewusst entsteht dann das Bild, dessen Hauptanliegen nicht in der Mitteilung eines momentanen Stimmungseffektes liegt, sondern im Finden der Einzigartigkeit des Individuums, die das einschließt, was Leben ist  – Veränderung, Vergänglichkeit und Vergehen.

Das memento mori, das „Bedenke, dass du sterben musst“, das Symbol der Vanitas beschäftigt David, seit er eine dramatische Begegnung mit dem Tod hatte. Das hat ihn geprägt, das war der auslösende Moment für die Entscheidung Menschenbilder zu malen.

If you are aware of time, time will tell you that you have no time, because tomorrow may never come.“

„Wenn du dir der Zeit bewusst bist, wird sie dir sagen, dass du keine Zeit hast, denn vielleicht gibt es kein morgen“, sagt David.

Dieses Wissen um die Fragilität unserer Existenz, um die eigene Vergänglichkeit, das wir alle haben und vielleicht, um es zu ertragen verdrängen, auch das spiegeln uns die Antlitze auf diesen Leinwänden.  Ein Anhalten der Zeit und ein Konservieren im Bild, über das Vergehen der Zeit hinaus.

Tröstet das? Vielleicht ...

In Selbstversenkung und Stille eingeschlossen blicken die Augen der Porträtierten,  aus Fenstern der Seele den Betrachter nicht an, sie sind bei sich selbst, im eigenen Sein.

Ist nicht dies die Essenz, die uns alle verbindet, das tiefe innere Wissen – jeder ist allein?

Was dieses Werk auszeichnet und zusammenhält, ist die mit den Sinnen wahrgenommene, transzendierte malerisch inszenierte Realität der menschlichen Existenz,  festgemacht am Porträt.





© angelikawende
David Iacovazzi-Pau, Mainzer Rathaus, 8. Mai 2012

subtil



für die anderen waren sie kaum spürbar, kleine angriffe, die sich gegen sie wandten. immer vor anderen, als brauche er zuschauer. subtil, wie fein darunter gewebtes, kamen sie daher. das ziel, sie in die ecke zu drängen. wo sie schon stand. er wusste es.

die ecke, die spalte zwischen zwei wänden. da stand sie. eingeklemmt zwischen erschöpfung und lustlosigkeit, dem leben gegenüber und ihm.

er spürte es. daher die angriffe. seine rache, die einen wutschwall gebraucht hätte.
zur wut war er nicht fähig. daher das subtile, geboren aus der ohnmacht, dem unerträglichen gefühl die fäden aus der hand zu verlieren. das subtile, glaubte er, könne sie ihm zurückbringen, die macht.
sie war längst verloren. das haben wollen ließ ihn weitermachen.

sie, in die ecke gedrängt, erdrückt vom druck, beschränkte sich auf das abwarten.
oft erledigten sich dinge von selbst oder das leben erledigte sie. sie wusste es aus erfahrung.
sie hatte oft in der ecke gestanden.
manchmal ging es einfach um das aushalten. auch das wusste sie aus erfahrung.
aushalten, auch das war eine form von stärke.
subtil, wie fein darunter gewebtes gewebe.


Dienstag, 8. Mai 2012

Gedankensplitter 37





du verletzt mich
ich lasse mich verletzen
ich verletze mich

du unterdrückst mich

ich lasse mich unterdrücken 
ich unterdrücke mich

du enttäuscht mich
ich lasse mich täuschen
ich enttäusche mich 

Sonntag, 6. Mai 2012



warum fällt es uns so schwer uns selbst die liebe, 
die achtung und die anerkennung zu schenken, 
die wir so dringend brauchen?
warum suchen wir so verzweifelt im aussen,
was in uns selbst angelegt ist 
und nur darauf wartet endlich leben zu dürfen?

weil wir glauben es sei egoistisch?

es ist nicht egoistisch
es ist 
was die liebe sich für uns wünscht.

Freitag, 4. Mai 2012

Weg


mein kopf hat mir gesagt versuch es
mein bauch hat mir gesagt lass es
meine seele wollte es wissen
ich bin diesem wollen gefolgt
und es war der falsche weg
aber er war der meine

Donnerstag, 3. Mai 2012

vielleicht ...



ihm fehlte das leichte.
er leuchtete selten.
meist zeigte sein gesicht eine bittere mine.
als sei ihm das leben etwas schuldig geblieben, oder er sich selbst.
ich weiß nicht, ob er sich dessen bewusst war. 
vielleicht.
ich weiß nicht, was er tat um sich das ihm schuldig gebliebene zurückzuholen.
vielleicht machte er versuche. immer wieder neue. 
ich glaube, er machte versuche.
vielleicht gelangen sie ihm nicht, gelang er nicht über die versuche hinaus.
vielleicht gelang es ihm nicht an sich selbst zu glauben. trotz aller versuche.
vielleicht war da ein misstrauen zu sich selbst.
vielleicht war es die angst, trotz aller versuche nichts zu finden, was es an schuldig gebliebenem zurückzuholen gab. 
vielleicht gab es auch nichts zu finden.
er machte den eindruck als glaube er das.
die versuche machten den eindruck.
sie waren zögerlich, ein schwaches wollen.
vielleicht.

Aus der Praxis - Der Sündenbock oder das "böse" Kind

 





Das Gefühl von Schuld ist schwer aushaltbar und sucht daher immer nach einem Ventil.

Da ist es eine Entlastung für die Seele, wenn dieses schwer aushaltbare Gefühl auf einen vermeintlich Schuldigen abgewälzt oder verlagert werden kann - auf den Sündenbock, der an allem schuld ist.

Kein Mensch und keine Gesellschaft will sich schuldig fühlen. Das Abwälzen von Schuld auf andere ist so alt wie die Menschheitsgeschichte, es ist eine zutiefst menschliche Konstante, die sich durch alle Gesellschaften und Religionen zieht.

Sündenbock-Rituale sind uralt und dennoch gehören sie nicht der Vergangenheit an, bis heute werden sie gelebt.

Die Geschichte ist reich an Beispielen für die Suche nach Schuldigen, denen man alles Übel anhängen kann. In den Schlagzeilen begegnen sie uns auch heute noch Tag für Tag.

So postuliert der Kulturanthropologe René Girard, der sich dem Thema Sündenbock in seinem Werk ausgiebig gewidmet hat, gar die Existenz einer fundierenden Erfahrung, die gezeigt hat, dass die Gewaltspirale eines Kollektives durch die Opferung eines Sündenbocks unterbrochen wird.  „Wenn die Gewalt in einer Gruppe einen Punkt erreicht, in dem alle die Gewalt aller nachahmen und das Objekt, das die Rivalität ausgelöst hat, „vergessen“ ist, stellt das Finden eines als schuldig empfundenen Individuums eine einheitsstiftende Polarisierung der Gewalt dar.“

Begründung: „Die Tötung oder die Ausstoßung des  zum „Schuldigen“ erkorenen Sündenbocks reinigt die Gruppe von der Gewaltseuche, weil diese letzte – gemeinsam vollbrachte – Gewaltanwendung keine Rache mit sich bringt. Da auch das Objekt, das die Krise ausgelöst hat, vergessen ist, ist die Reinigung durch die Opferung des Sündenbocks vollständig. Insofern die Auswahl des Sündenbocks eine mutwillige oder auch zufällige ist, ist der Sündenbock austauschbar: Seine Bedeutung für die Gruppe besteht in der durch ihn wiederhergestellten Einmütigkeit. Gleichzeitig ist aber der vernichtete Sündenbock in seiner „heilbringenden Abwesenheit“ einzigartig und unaustauschbar.“


Kulturanthropologisch gesehen stammen wir also aus Zeiten, die Sündenböcke benötigt und benutzt haben.

Bedauerlicherweise haben wir nichts dazu gelernt. Die Moderne zeigt, der Mensch ist auch hier unveränderbar. Er ist nicht fähig die Verantwortung, nicht bereit Fehlbarkeit und Schuld auf sich zu nehmen, nicht fähig diese Gefühle auszuhalten. Er braucht den Sündenbock. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Einfach und bequem, denn so muss man erst gar nicht zulassen nachgewiesen bekommen oder gar selbst erkennen und akzeptieren, wo die eigene Verantwortung liegt.

So schreibt der Neurologe und Psychiater Ulrich Bahrke, stellvertretender Leiter der klinischen Ambulanz am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt: „Grundsätzlich braucht es in menschlichen Gruppen ab und an Sündenböcke, damit auf diese Weise die erlittene Aggression durch eine Gegenaggression gemildert oder gesühnt werden kann.„Immer dann, wenn besondere Schmerz- oder Leid-Situationen auftreten, kommen bei den Betroffenen Aggressionen und Schuldgefühle auf, die irgendwo verortet werden müssen.“

Der Sündenbock muss also gefunden werden, damit  ein anderer stellvertretend für die eigene Schuld gestraft und „geopfert“ werden kann.  Nur so tritt eine Entlastung  der unaushaltbaren Gefühle ein.

Mit anderen Worten: Auf den auserwählten Sündenbock wird alles Schlechte des Eigenen projiziert.

Im richtigen Leben heißt das, wer einmal als Sündenbock auserkoren wird, hat schlechte Karten.

Im richtigen Leben neigen sogar Familien dazu sich, bewusst oder unbewusst einen Sündenbock zu erwählen und sei es das eigene Kind.

Dieses Kind, meistens, ein schwieriges Kind, das irgendwie „anders“ ist, dient als Spiegelfläche für negative Seelenzustände und traumatischen Erfahrungen der Erwachsenen, die diese nicht gelöst haben. 

Das Kind wird funktionalisiert um das eigene Verdrängte „Schlechte“ nicht anschauen und aushalten zu müssen. Es wird abgestempelt und erfüllt die Rolle des Sündenbocks.

Dem schwächsten Glied werden Gedanken, Gefühle, Eigenheiten und negative Verhaltensweisen eines oder mehrerer Familienmitglieder übertragen.

Nicht erst seit C.G Jung Beschäftigung mit den Schatten wissen wir: „Was uns an anderen missfällt oder was wir an anderen hassen ist fast immer das, was wir selbst uneingestanden sind oder haben. Und in der Tat, unbewusst gelebte Schwächen und Verhaltensweisen haben die Neigung von aussen zu uns zurückzukehren, mehr noch, wir ziehen diese geradezu an, nach dem Motto gleich und gleich gesellt sich gern.

So ist es, wie die Praxis zeigt, möglich, dass das Kind stellvertretend für das „Böse“ in einem oder mehreren Familienmitgliedern genau dieses „Böse“ auslebt und fatalerweise damit unbewusst  seine ihm auferlegte Sündenbockrolle erfüllt.

In Wahrheit aber ist das „böse“ Kind das Symptom eines kranken Familienkonstruktes.

Je mehr das Konstrukt das „Böse“ verdrängt, desto mehr erfüllt das Kind dieses. Es hält dem Konstrukt den Spiegel vor. Ohne Worte, durch seine Taten und Verhaltensweisen schreit es: "Schaut hin, schaut in den eigenen Spiegel und tut etwas! Helft mir!“
 
Der stumme Schrei bleibt ungehört.
Die Spiegelfunktion wird nicht erkannt, sondern führt vielmehr dazu das „böse“ Spiel zu steigern. Der kindliche Spiegel wird „zerschlagen“, durch emotionale Misshandlung, Stigmatisierung oder im wahrsten Sinne des Wortes.

So bekämpft mancher Vater seine eigene Schwäche im Sohn, indem er ihn klein macht oder als schlecht bezeichnet, so kritisiert manche Mutter genau die Untugend an ihrer stehlenden Tochter, die sie gewiss nicht gestohlen hat. Auch Erwartungen,  die  Eltern ihren Kinder gegenüber hinsichtlich der Schullaufbahn oder hegen, beruhen nicht selten auf der Spiegelung eigener Wunschträume, die sich bei ihnen selber nicht erfüllt haben.

Wer einem Kind immerfort Lügen vorwirft, der nimmt es selbst mit der Wahrheit nicht genau. Wer in einem Kind nur  Schlechtigkeit sieht, trägt Schlechtigkeit in sich.
Wer ständig moralisierend über das eigene Kind den Stab bricht, dem fehlt es selbst es an Moral. Wer  sich ständig durch das aggressive Verhalten des Kindes angegriffen fühlt, trägt  Aggressionen in eigenen Unbewussten mit sich herum.

Der kindliche Sündenbock wird überflutet von stetiger Vorverurteilung, Schuldzuweisungen und Missgunst.

Das Kind kann sich nicht wehren und wehrt sich auf seine kindliche Art, indem es sich selbst verurteilt, sich für schlecht hält und genauso so handelt. Das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung beherrscht sein Leben.

Das Kind empfindet sich als Sünder und entwickelt  einen Sündenbock-Komplex. Egal was es tut, es erlebt sich durch die Reaktion und die Behandlung der Eltern immer wieder als das "schwarze Schaf", als der, der an allem die Schuld hat und trägt die Schuld auf seinem kleinen Rücken, im Zweifel, bis er bricht.

Es schämt sich seines Ichs, das den Erwartungen der anderen nicht genügt. Es ist einsam und verzweifelt. Es fühlt sich schlecht und wertlos. Soziale Kontakte zu Gleichaltrigen werden nicht gelebt, denn es hält sich für nicht wertvoll genug um mit den anderen sein zu dürfen, manche dieser Kinder werden zum Klassenkasper um überhaupt als Etwas wahrgenommen zu werden.

In nicht wenigen Fällen entwickelt sich so mit zunehmendem Alter ein delinquentes Verhalten.  
Der Sündenbock beginnt z.B. die gefühlte innere Leere mit Gegenständen zu füllen und beginnt zu stehlen oder er schlägt zu, weil er unbewusst versucht die unterdrückten Aggressionen gegen die übermächtigen Eltern durch Gewalt zu kompensieren, oder er entwickelt den Drang sich selbst auf die verschiedensten Arten zu verletzen um das von den Eltern konditionierte Muster von Schuld und Sühne an sich selbst zu vollziehen.

Alle Reaktionsweisen sind der verzweifelte Versuch, die unerträgliche Ohnmacht gegenüber den übermachtigen Eltern und das unaushaltbare Gefühl von Schuld zu wandlen um auf die „falsche“ Weise die eigene Macht als Mensch wieder zu erlangen.

Die Folge: Das „Problemkind“ wird zum massiven Problem der Familie.
In Wahrheit aber hat es ein Problem, das die Eltern ihm aufgeladen haben und symptomatisiert nur das kranke Konstrukt.

Fatalerweise gießt es damit  Wasser auf die Mühlen seiner „Richter“.  Es erfüllt und bestätigt unbewusst die ihm übertragene und erwartete Funktion des Sündenbocks. Es erfüllt sie, weil es nicht anders kann. Die Folge: Die anderen behalten Recht und müssen nicht bei sich selbst schauen und an sich selbst arbeiten, denn das Kind ist nicht ja das Problem, was sie ja schon immer wussten.

Das Böse, in den Sündenbock evakuiert, der als Behälter dient und entgiftend und reinigend wirkt, entledigt die anderen bei sich selbst zu beginnen und ihre eigenen Komplexe zu bearbeiten. Und es hält sogar durch die Übertragungsprojektion ein eigentlich zerstörtes Familienkonstrukt, das sich ohne den Sündenbock längst aufgelöst hätte, zusammen.

Wann aber endet das böse Spiel?
Es endet dann, wenn die Erwachsenen sich sich selbst und einander zuwenden, dann, wenn sie bereit sind zur Einsicht, dass das Problem bei ihnen liegt und das Kind nur eine Wirkung einer oder mehrerer Ursachen ist, für die es nicht verantwortlich zu machen ist.   

Es endet dann, wenn Erwachsene beginnen Eigenverantwortung für ihre „Schuld“ zu übernehmen.

Und der Sündenbock?
Ein Sündenbock ist dann kein Sündenbock mehr, wenn die Menschen sich seiner Unschuld bewusst sind.


Mittwoch, 2. Mai 2012

V E R A N T W O R T U N G

verantwortung, schweres wort.
verantwortung, viel gesagtes, oft gehörtes wort.

benutzt und verstanden?
gelebt?
von wem? 
für wen?
einer für den anderen?
jeder für sich selbst?

wo beginnt verantwortung?
wo hört sie auf?
was verantworten wir?
vor uns selbst?
vor anderen?

ich frage mich, wie geht verantwortung hand in hand mit freiheit?

ich will frei sein.
und bin es nicht, weil ich mich verantwortlich fühle?

bin ich verantwortlich, wenn ich mich verantwortlich fühle?
oder erst im handeln im sinne dieser verantwortung.
oder schon wenn ich gedacht verantwortung übernehme?

ich kann entscheiden.

kann ich?
kann ich verantwortung ablehnen?
für wen?
für mich selbst?
dann bin ich ohne sinn.

sinn sehen bedeutet verantwortung übernehmen für mein eigenes leben.
dafür, dass ich es gestalte.

sinnvoll gestalten ist verantwortlich handeln.

aber das eigene ist immer eingebunden in das fremde. 
das fremde sind die anderen.

übernehme ich verantwortung für die anderen, wenn ich sie für mich selbst übernehme?

ist moralisches handeln verantwortlich handeln?

was ist moral.
werte?
welche werte?
welcher wichtigste wert?
nächstenliebe?

wer sich selbst liebt, liebt auch seinen nächsten?

wie viele nächste habe ich, die ich liebe?
und wie viele will ich lieben?
wenige?
alle? weil alle meine nächsten sind?

ist verantwortung liebe zum leben?

ja.


Dienstag, 1. Mai 2012

S C H Ö N H E I T

es ist schönheit die mir zuversicht gibt
immer wieder

die schönheit der natur
die schönheit der dinge
die schönheit des berührtwerdens
die schönheit des gefühls

und sei es nur für augenblicksdauer
und können wir auch nichts halten
und ist auch die erinnerung nur ein ein blasser schimmer der schönheit eines gestern

so können wir doch
immer wieder 
dieses augenblickschöne finden